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Die Befallssituation bei Heringen verschiedener Küstenstandorte mit Nematoden der Gattung Anisakis

Autor: Khalil Mussallam
Fach: Biologie - Sonstige Themen

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Details

Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2001
Seiten: 52
Note: 3
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 290 KB
Archivnummer: V4005
ISBN (E-Book): 978-3-638-12491-1

Textauszug (computergeneriert)

Christian-Albrechts-Universität Kiel
Institut für Meereskunde

Die Befallssituation bei Heringen verschiedener 
Küstenstandorte mit Nematoden der Gattung Anisakis

Diplomarbeit

von Khalil Mussallam

Januar 2001

Zusammenfassung ... 1

1. Einleitung ... 2
   
1.1 Zielsetzung ... 5

2. Material und Methoden ... 7
   
2.1 Material ... 7
    2.2 Untersuchungsmethode ... 8
    2.3 Statistische Auswertung ... 10

3. Ergebnisse ... 11
   
3.1 Verteilung der Anisakislarven im Körper aller 
    Heringen (n =120) ... 11
    3.2 Längenhäufigkeitsverteilung der untersuchten Heringe ... 12
    3.3 Befallsrate in Abhängigkeit von der Totallänge der 
    Heringe ... 16
    3.4 Konditionsfaktor ... 17
    3.5 Befallsrate der Heringe aus den vier Beprobungsstandorten ... 21
    3.6 Mittlere Befallsrate in Abhängigkeit vom Standort ... 22
    3.7 Mittlere Intensitäten und Anzahl der Anisakislarven ... 23
    3.8 Mittlere Befallsraten der Heringe mit Anisakislarven im 
    Verhältnis zum Geschlecht ... 23
    3.9 Anzahl der Anisakislarven im Verhältnis zum Reifegrad ... 25
    3.10 Möglicher Zusammenhang zwischen Reifegrad der Heringe 
    und Konditionsfaktor ... 26

4. Diskussion ... 27
   
4.1 Zunahme der Befallsrate mit der Größe der Heringe ... 27
    4.2 Konditionsfaktor ... 28
    4.3 Befallsrate der Heringe mit Anisakis in Abhängigkeit vom 
    Standort ... 30
    4.4 Befallsrate in Abhängigkeit vom Geschlecht ... 31
    4.6 Zusammenhang zwischen Reifegrad der Heringe und 
    Konditionsfaktor ... 32

Ausblick ... 33

Anhang 1 ... 34
Anhang 2 ... 38
Tabellenverzeichnis ... 42
Abbildungsverzeichnis ... 43
Literaturverzeichnis ... 44
Danksagung ... 49

 

Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit beschreibt die gegenwärtige Befallsintensität von Laichheringen der westlichen Ostsee mit Nematoden der Gattung Anisakis und vergleicht diese mit früheren Befunden. Insgesamt wurden 120 Heringe aus verschiedenen Küstenstandorten der westlichen Ostsee auf den Gehalt an Anisakislarven untersucht.
Die Tiere wurden gemessen und gewogen, das Geschlecht und der Reifegrad sowie der Konditionsfaktor wurden ermittelt.
Anisakislarven wurden nach Präparation der Fische mit dem bloßen Auge über einem Leuchttisch gezählt und gemessen und auch nach deren Lokalisation im Fischorganismus (Leibeshöhle, Gonadenwand, Pylorus, Verdauungstrakt und Leber) zugeordnet.
Alle vorgefundenen Anisakislarven wurden in der Leibeshöhle und auf den bezeichneten Organen vorgefunden. Im Filet der untersuchten Heringe aus den vier Standorten wurden keine Anisakislarven beobachtet. Es wurde festgestellt, dass die Larven zum größten Teil von einer gewebigen Hülle umgeben und eingekapselt waren.
Eine gewisse Relation zwischen der Totallänge der Heringe und der Befallsrate mit Anisakis wurde festgestellt. Die Befallsrate mit Anisakis steigt mit Zunahme der Größe der Heringe an.
Der Vergleich zwischen dem Konditionsfaktor und der Befallsintensität mit Anisakislarven zeigte, dass dieser mit höheren Befallsintensitäten mit Anisakis reduziert wird. Es ergab sich eine schwache negative Korrelation zwischen der Anzahl an Anisakislarven und dem Konditionsfaktor.
Die mittleren Befallsraten mit Anisakislarven zeigten keinen signifikanten Unterschied zwischen den Standorten. Es bestand ebenfalls kein signifikanter Unterschied in der Befallsrate mit Anisakislarven zwischen den Geschlechtern (Davey, J. T. 1972).
Vergleicht man die Befunde dieser Arbeit mit früheren Studien (Kühlmorgen-Hille 1983), (Khalil, L. F. 1969) so stellt man fest, dass die Befallsraten von Laichheringen mit Anisakislarven ebenfalls mit zunehmender Größe der Tiere ansteigen, jedoch sind die Befallsraten mit Anisakis in den einzelnen Größenklassen der Fische niedriger. Einen ähnlichen Zusammenhang zwischen dem Konditionsfaktor und der Anzahl an Anisakislarven zeigt diese Arbeit mit den Befunden von Podolska et al. (1997). Der Konditionsfaktor steigt mit abnehmenden Befallsintensitäten an.

1. Einleitung

Nematoden kommen in vielen Fischen mit zahlreichen Arten vor. Die Gattung Anisakis unter den Nematoden zählt zu den wichtigsten endogenen Fischparasiten der kommerziellen Fische in Nord- und Ostsee. Sie ist nicht nur wirtschaftlich, sondern auch wissenschaftlich von hohem Interesse.
Anfang des 19. Jahrhunderts identifizierte Rudolfi Anisakis simplex (Rudolfi, 1809) als eine Art unter den Nematoden, die mit ihren larvalen Stadien marine Fische überwiegend in kalten Gewässern befällt.
Erst in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten wurde die Bedeutung von Anisakis und ihre gesundheitsschädliche Wirkung auf den Menschen beim Verzehr befallener Fische erkannt (Ellemann, 1989). Die Larven von Anisakis im 3.Stadium können durch den Verzehr von rohem Fisch (Sushi) lebensfähig auf den Menschen übertragen werden und die Krankheit Anisakiasis mit schweren Schäden im Magendarmtrakt verursachen.
Die Fischwirtschaft beschäftigt sich daher seit längerem mit Anisakis; nicht nur in Deutschland werden seit den 70er Jahren die angelandeten Heringe auf Anisakis hin vor der Vermarktung inspiziert.
Eine der ersten Bestandsaufnahmen von Anisakis in Heringen wurde von Kahl (1939) an Heringen der Nordsee durchgeführt. Er stellte eine Prävalenz von 50-56% mit Anisakislarven in Heringen im Dogger Bank Gebiet und an der norwegischen Küste fest (zitiert von van Banning, 1989).
Erst drei Jahrzehnte später wurde die Parasitierung der Heringe in der Nordsee erneut auf Anisakis untersucht, dieses Mal über mehrere Jahre, zwischen 1966 und 1968 von Khalil (1969). Er stellte eine Prävalenz zwischen 40-100% fest.
In den Jahren 1965-1972 wurde eine mehrjährige Untersuchung der Heringe im Gebiet der Dogger Bank und des englischen Kanals auf Anisakislarven durchgeführt (Banning, Becker, 1978). In dieser Zeit wurden die Befallsraten für die Anisakislarven ermittelt. Generell wurde in dieser Studie eine Zunahme der Befallsraten zwischen 1966-1968 ermittelt. In den Jahren 1968 bis 1972 stellten van Banning und Becker einen Rückgang der Befallsraten fest.
Einleitung

Möller (1974) beschrieb bereits saisonale Fluktuationen des Helminthen-befalls in der Kieler
Bucht, betrachtete aber vorwiegend Flundern.
1988 wurden Heringe aus der westlichen Ostsee auf Anisakis untersucht durch Weber & Neuecker (1988). Sie stellten fest, dass Heringe unter 19 cm generell frei von Anisakislarven sind und die Befallsrate sich mit Zunahme der Größe des Fisches erhöht.
Im Dezember 1987 und 1988 wurden in den Gewässern westlich von Bornholm mit Anisakis infizierte Heringe gefunden, mit einer Prävalenz von 30-40 % in zwischen 20 und 27 cm Langen Heringen. Östlich von Bornholm wurden weniger als 5% befallene Heringe gefunden (Lang et al.,1989).
Von März 1988 bis Dezember 1990 wurde der Befall von Wattenmeerfischen mit Nematodenlarven untersucht, wobei ebenfalls Anisakis gefunden wurde (Kerstan, 1991).
Man hat sie in Dorsch (Gadus morhua), Kliesche (Limanda limanda), Aal (Anguilla anguilla) und anderen Fischen identifiziert.
Am häufigsten wurden die folgenden Nematodenlarven festgestellt: Pseudoterranova decipiens, Hysterothylcium aduncum und Anisakis simplex.
1995 wurden von Karl und Leinemann (1995) die Beobachtungen über Befallsraten und Befallsintensitäten mit Nematodenlarven in Heringen aus 5 Seegebieten der Nordsee und der westbritischen Gewässer fortgesetzt.
Die Heringe aus der Nordsee waren mit Befallsraten von 94-100% mit Nematodenlarven befallen, während 13-15% der Heringe aus den westbritischen Gewässern keine Nematodenlarven enthielten.
Im Februar 1994 wurde zum ersten Mal eine Anisakis simplex Infektion in Heringen aus kommerziellen Fängen aus dem östlichen Teil der Ostsee gefunden (Tshervontsev, 1994). Die Länge der befallenen Heringe variierte zwischen 26 und 29 cm.
Aufgrund gesundheitlicher Bedenken und im Sinne des Verbraucherschutzes wurde in Deutschland 1988 eine Verordnung über die Gesundheitsschutz-Anforderung an Fischereiprodukte in Kraft gesetzt, die auch Nematodenlarven in den Fischen betrifft, und die zulässige Befallsrate auf ein Minimum begrenzt (Marr, 1988). Laut Bundesgesundheitsblatt §2 Abs.5 der Fischverordnung darf ein kg durchleuchteter Ware 1 Nematode enthalten (zitiert Stein, 1992).
Einleitung

Diese Regelung ist notwendig, da durch die Übertragung von lebenden Anisakis auf den Menschen Beschwerden auftreten können, da sich diese Tiere in die Darmwand bohren.
Je nach Befallsrate der Fische mit Anisakis leiden diese Fische unter Gewichtsverlust,
Organveränderung sowie Beeinträchtigung der Gonadenreifung (Grabda, 1991).
Um den Befall von Fischen mit Anisakis nachzuvollziehen, muss der Lebenszyklus dieser Nematodenart betrachtet werden.
Die Endwirte von Anisakis sind hauptsächlich marine Säuger. Fische sind als Zwischenwirte zu betrachten und werden von verschiedenen Larvenstadien befallen.
Der Lebenszyklus kann wie folgt charakterisiert werden:

!! Abbildung in dieser Vorschau nicht verfügbar !!

Bild 1) Der Lebenszyklus von Anisakis simplex, L (Larve), die römische Ziffern bezeichnen den Larvenstadium

Die Eier gelangen mit den Faeces mariner Säuger ins Wasser, machen dort ihre erste Teilung durch und vollziehen die gesamte Embryonalentwicklung bis zum ersten Larvenstadium.
Diese Larven verlassen die Eier im zweiten Stadium in einer Länge von 0,26 - 0,34 mm. Sie schwimmen frei im Wasser und werden von Crustaceen, hauptsächlich Euphausiaceen, als erster Zwischenwirt gefressen.
Dort wandern sie ins Haemocoel und vollziehen ihre weitere Entwicklung zum dritten Stadium (Nagasawa,1989). Dieses dritte Larvenstadium ist für marine Fische infektionsfähig.
Euphausiaceen sind bekannt als wichtige Hauptnahrungsquelle für Heringe. Diese werden also über die Nahrungskette mit Anisakis befallen.

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