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Hauptseminararbeit, 2004, 21 Seiten
Autor: Juliane Meyer
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Tags: Umdeutung, Mythos, Minotaurus, Dürrenmatt
Jahr: 2004
Seiten: 21
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 10 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-38728-6
Dateigröße: 223 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Die Umdeutung des antiken Mythos
Minotaurus bei Dürrenmatt
von: Juliane Meyer
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Die Sage vom Minotauros 5
3 Die Undeutung des antiken Minotauros-Mythos 6
3.1 Die Herkunft des Minotaurus 7
3.2 Das Labyrinth als Gefängnis und Schutzraum 8
3.2.1 Das Labyrinthische im Wesen des Minotaurus 9
3.2.2 Die Wirkung des Spiegellabyrinths auf den Minotaurus 11
3.3 Das Erkennen des „Dus“ 13
3.3.1 Das (Be)greifen des „Dus“ 14
3.3.2 Der Verlust des „Dus“ 14
3.4 Das neue „Du“ 15
3.4.1 Die Vernichtung des Minotaurus 16
3.5 Die Entstehung eines Feindbildes 16
3.5.1 Die Besiegung des Feindbildes 17
3.6 Das Schattenlabyrinth – Erkenntnis des „Ichs“ 18
3.7 Das Labyrinth hat seine Funktion erfüllt - verloren 19
4 Fazit 21
5 Literatur 22
1 Einleitung
Die Literatur des 20. jahrhundert scheint mit einer besonderen Vorliebe den alten griechischen Minotauros-Mythos und dementsprechend auch das Labyrinth-Mythem aufzugreifen.
Über die Faszination des Labyrinth für den Menschen schrieb Dürrenmatt: „Er entdeckt es immer wieder, es ist ein Abbild dessen, dass er in einer Welt lebt, die er sich selber schafft und in der er sich zurechtfindet.“ Die Tatsache dafür, dass die Affinität dazu in unserem Jahrhundert zugenommen hat, sieht Dürrenmatt darin begründet, dass der Mensch „heute immer mehr labyrinthisch“ lebt, dass die Technik „eine labyrinthische Welt erschaffe. Diese Meinung ist fast allgemein verbreitet. Die mittelalterliche Vorstellung der Welt als Labyrinth, deren Erlösung Christus-Theseus verkörpert, scheint in die Metapher der Welt als Labyrinth umgedeutet worden zu sein. Bei manchen Autoren ist diese Deutung so offensichtlich – besonders auch bei Dürrenmatt – dass sie zu Schlüsselmetapher ihrer Werke wird.1
Dürrenmatts Umgang mit dem mit dem antiken Minotauros-Mythos weist den Charakter einer eigenartigen und eigenwilligen Interpretation auf. Dürrenmatt äußert sich dazu: „Ich habe die Ballade ganz bewusst auf das Thema der Vereinzelung angelegt, auf den Einzelnen, der nie zu seinem Gegenüber kommt.“2 Wie in der Forschungsliteratur festgestellt wurde, sind die fiktionalen Texte des Autors explizit und implizit als Parabeln intendiert. Dürrenmatt betont jedoch die Mehrdeutigkeit seiner Gleichnisse, sodass er seine Texte offen für verschiedene Auslegungen hält und trägt damit der Tatsache Rechnung, dass seine Modelle nicht rein naturwissenschaftlicher sondern künstlerischer Art sind und sich Kraft ihrer Vielschichtigkeit jeder Festlegung auf eine einzige Bedeutungsebene entziehen. Entspreche nd unterschiedlich fallen dann auch die zahlreichen Interpretationen in der Dürrenmatt-Literatur aus, die – wenn sie zeitgeschichtliche oder religiöse Analogien aufzeigen wollen – sich der Parabeldeutung widmen und Dürrenmatts kritischskeptische Sicht der Welt den künstlerischen Eigenwelten entnehmen. 3
In der vorliegenden Arbeit sollen die von Dürrenmatt in der Ballade „Minotaurus“ vorgenommenen Veränderungen des antiken Minotauros-Mythos und deren Deutungsmöglichkeit herausgearbeitet werden. Eine Orientierungshilfe wird hierbei der antike Minotauros-Mythos liefern. Anhand der Entwicklungsstationen des Minotaurus wird das wechselnde Verhalten des Protagonisten untersucht und in Bezug zu den zentralen Bildern der „Ballade“ - Labyrinth, Spiegel und Tanz - gesetzt werden. Des Weiteren soll herausgestellt werden, was die Entwicklung des Minotaurus ausmacht und bewirkt.
2 Die Sage vom Minotauros
Theseus, der nach vielen Abenteuern in Athen eingetroffen war, hörte von dem Tributopfer, das die Athener an König Minos in Knossos zu leisten hatten. Der Grund für dieses Opfer war der Tod seines Sohnes Androgeos. Dieser wurde durch eine Hinterlist im attischen Gebirge getötet. Um den Tod des Sohnes zu rächen, hatte Minos die Athener in einem Krieg besiegt und daraufhin verlangt, dass alle neun Jahre sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen nach Kreta zu schicken seien. Sie wurden dann in das Labyrinth geführt und dem Minotauros geopfert.
Der Minotauros mit dem Kopf eines Stieres und dem Körper eines Menschen war aus einer Verbindung zwischen Pasiphae, Gattin des König Minos, und einem Stier hervorgegangen. Dieser Stier war eigentlich ein Opfer für den Meeresgott Poseidon, von Zeus geschickt und von Minos unterschlagen - er tauschte ihn gegen einen anderen aus seiner Herde aus. Poseidon, der den Frevel bemerkte, bewirkte, dass sich Pasiphae in den Stier verliebte. Um das widernatürliche Begehren zu verwirklichen, half ihr Dädalus, der gefeierte Künstler und Architekt am Hofe des Minos. Er konstruierte eine hölzerne Kuh, in die Pasiphae hineinschlüpfte. Der Stier erlag der Täuschung, und es kam zur Vereinigung beider. Minos ließ daraufhin von Dädalus das Labyrinth bauen, um den Minotauros darin zu verbergen. Als er allerdings erfuhr, dass Dädalus bei der Zeugung geholfen hatte, sperrte er auch diesen und dessen Sohn Ikarus in das Labyrinth. Von dort entkamen beide durch die Luft, indem Dädalus Flügel aus Wachs, Federn und Fäden herstellte. Ikarus stürzte bei der Flucht ins Meer, weil er sich zu sehr der Sonne näherte; Dädalus gelangte nach Sizilien, wo König Kokalos ihn aufnahm. Als die Zeit für das dritte Tributopfer gekommen war, begann eine große Unzufriedenheit die Athener zu ergreifen. Sie beschuldigten Ägeus, den Vater Theseus′ und König in Athen, der Untätigkeit. So meldete sich Theseus freiwillig, um als eines der Opfer nach Knossos zu gehen und den Minotauros zu besiegen. Dort angekommen, versuchte Minos, eine der Jungfrauen zu vergewaltigen. Theseus schritt dagegen ein und Ariadne, die Tochter des Minos, verliebte sich in ihn. Mit einem Wollknäuel, einem Geschenk des Dädalus, und einem Schwert half sie Theseus, das Labyrinth-Abenteuer zu bestehen.
Denn der konnte nun zusammen mit den anderen Jünglingen und Jungfrauen das Labyrinth betreten, den Minotauros töten und mit Hilfe des abgewickelten Knäuels den Ausgang wieder finden. Wieder am Ein- bzw. Ausgang, floh Theseus mit den anderen und mit Ariadne nach Naxos. Dort ließ er Ariadne zurück und segelte nach Delos, wo er zu Ehren Apolls den Kranichtanz einführte, der die labyrinthischen Windungen auf einer Tanzplatte nachzeichnete. Auf dem Weg nach Athen vergaß Theseus allerdings, statt der schwarzen die weißen Segel, die eine erfolgreiche Wiederkehr bedeuteten, zu hissen, so dass sich sein Vater Ägeus vor Verzweiflung von einem Felsen in die Tiefe des Meeres stürzte.
3 Die Undeutung des antiken Minotauros-Mythos
[...]
1 Jambor, Jan: Labyrinth, Spiegel Tanz – drei zentrale Bilder in Dürrenmatts Minotaurus. Berlin: Brücken- Verlag, 1997, S. 293
2 Jambor, S. 294
3 Alami, Marita: Die Bildlichkeit bei Friedrich Dürrenmatt. Köln: Böhlau Verlag 1994, S. 71
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