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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 37 Pages
Author: Florian Rolf
Subject: History - Modern Times, Absolutism, Industrialization
Details
Institution/College: University of Cologne (Seminar für Geschichte und für Philosophie)
Tags: Ende, Verlauf, Scheitern, Revolution, Betrachtung, Rolle, Bürgertums, Vormärz, Märzrevolution, Deutschen, Bund
Year: 2004
Pages: 37
Grade: Sehr gut (1)
Bibliography: ~ 21 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-38777-4
File size: 464 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität zu Köln - Erziehungswissenschaftliches Seminar
Seminar für Geschichte und für Philosophie
Veranstaltungstitel: Vormärz und Märzrevolution im Deutschen Bund
Semesterzahl: 04
Das unrühmliche Ende. Verlauf und Scheitern der deutschen
Revolution von 1848 unter besonderer Betrachtung
der Rolle des Bürgertums
von: Florian Rolf
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einführung S.1
2. Grundlagen S. 3
2.1 Anfänge der Revolution S. 3
2.2 Die verschiedenen Gruppen des deutschen Bürgertums S. 8
3. Konfliktpunkte der Revolution S. 12
3.1 Schwächung der Revolution durch die heterogene Gesellschaftsstruktur S. 12
3.2 Ursachen für die Spaltung des Bürgertums S. 16
3.3 Streitpunkte der Nationalversammlung S. 21
3.3.1 Die Grenzfrage S. 21
3.3.2 Grundrechtsdebatte und Verfassungsfrage S. 21
4. Die gescheiterte Revolution S. 23
4.1 Das Ende der Nationalversammlung S. 23
4.2 Gründe für das Scheitern der Revolution S. 29
5. Schlussbetrachtung S. 33
6. Literaturverzeichnis S. 35
1. Einführung
Eine Betrachtung der Ereignisse in Deutschland in März 1848 erfordert aus heutiger Perspektive eine differenzierte Sicht weise. Die klassische Fokussierung auf die Politik der Liberalen und die damit verbundene Konzentration auf das parlamentarische Geschehen in der Paulskirche ist mit dem heutigen Kenntnisstand nicht mehr vereinbar, da sie die ungeheure lokale und regionale Vielfalt, die kaum zu überschauende Vielfalt der Akteure und die komplexe Verknüpfung der gleichzeitig verlaufenden Ereignisstränge verkennt. Ebenso muss die populäre Frage nach den Gründen für das Scheitern des Völkerfrühlings dem heutigen Stand der Forschung gerecht werden. Das Scheitern der Revolution lässt sich nicht monokausal erklären. Es war die Vielzahl der gleichzeitig zu lösenden Probleme, wie die Bildung der Nation, die Schaffung einer Konstitution und die drängende soziale Frage, gepaart mit der Uneinigkeit in Zielsetzung und Vorgehensweise der verschiedenen tragenden sozialen Schichten, die das Scheitern der Revolution bedingte. Aufgabe der vorliegenden Arbeit soll es sein, diese Vielfalt an Handlungsträgern und Handlungsebenen zu betrachten und die daraus resultierenden komplexe n Problematiken aufzuzeigen, welche letztendlich zu dem Scheitern der Revolution von 1848 führten.
2. Grundlagen
2.1 Anfänge der Revolution
Die Nachricht vom Sturz des französischen Königs Louis Philippe durch republikanische Demonstranten am 24. Februar 1848 in Paris war der Auslöser einer Kette von Revolutionen in den deutschen Einzelstaaten. Dennoch war die deutsche Revolution von 1848 keine importierte Revolution. Sie war ein aus deutschen Krisen und Problemen resultierendes Phänomen, das zwar einen Teil der europäischen Revolution darstellte, aber auch von ganz spezifischen eigenen Zielen und Inhalten geprägt war1. Somit fungierte die Revolution in Frankreich als eine Initialzündung, die das angesammelte revolutionäre Potenzial in Deutschland offenbar werden ließ und in einer Volkserhebung mündete2.
Nachdem der revolutionäre Funke über den Rhein gesprungen war, breitete sich der Aufruhr mit überraschender Schnelligkeit in den ersten Märztagen über das ganze klein- und mittelstaatliche Deutschland aus. Der Ablauf war fast überall der gleiche. Mit Straßendemonstrationen, Volksversammlungen, Petitionen, hohem Pathos und edler Begeisterung versuchte das Volk, seine Forderungen nach Aufhebung des monarchischen Waffenmonopols, der Zensur und des Parteienverbotes sowie Demokratisierung der Justiz und Abschaffung der Feudalrechte gegenüber den von der revolutionären Bewegung überraschten Regierungen durchzusetzen3. Nur selten wagten es die Regierungen, den Unruhen und dem Druck der Bevölkerung Militär und Polizei entgegenzusetzen. Erfüllten die Regierungen die Forderungen des Volkes nur zögernd oder nur ansatzweise, wie etwa in Frankfurt und München, so wurde ein Zeug- oder Rathaus gestürmt, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen. Somit waren die Monarchen gezwungen, sich mit den neuen Kräften zu arrangieren und liberale Märzregierungen einzusetzen. Nur in München verweigerte Ludwig I. die Zusammenarbeit mit den Revolutionären und dankte zugunsten seines Sohnes Maximilian II. ab4. Ausgehend vom dritten Deutschland griff die Revolution auf die beiden Großstaaten Preußen und Österreich über. In Wien hatte Metternich zuerst geglaubt, die Revolution eindämmen zu können, was sich aber als illusorisch erwies. Überall im Lande kam es zu Aufständen und Unruhen, die durch das zögernde Eingreifen des Militärs nur noch verschärft wurden. Somit beugte sich die Staatskonferenz den Forderungen des Volkes und verzichtete auf eine militärische Niederschlagung der Revolution. Von dem Rücktritt Metternichs erhoffte sich die am Rande der Handlungsunfä higkeit stehende Zentralgewalt ein Einlenken des Volkes auf einen reformkonservativen Kurs5. Nachdem am 17. März der verhasste Repräsentant des vormärzlichen Obrigkeitsstaates Metternich nach England geflüchtet war, wurde in den folgenden Tagen den Märzforderungen Rechnung getragen. Am 17. März erhielt Österreich eine neue Regierung, die den Übergang zum Verfassungsstaat einleiten sollte. Während in den anderen deutschen Staaten Regierungen eingerichtet wurden, die zumindest Teile der Revolutionsbewegung repräsentierten, setzte sich die neue österreichische Regierung aus hohen Beamten und Adeligen zusammen. Die neue Regierung stand der alten Herrschaftsordnung näher als den revolutionären Kräften. Nicht der Sturz der Monarchie, sondern deren Liberalisierung und Demokratisierung war das Ziel der Wiener Revolution6. In Berlin kam es ab dem 7. März zu einer Reihe von immer größer werdenden Volksversammlungen. Die Unruhe in der Bevölkerung wuchs immer weiter und die Stimmung wurde durch sozialrevolutionäre Protesttöne weiter aufgeheizt. Am 13. März kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Militär, die zu Straßenkämpfen und Barrikadenbau führten und die ersten Todesopfer forderten. Unter dem Eindruck des Sturzes Metternichs entschloss sich der König, den Forderungen der Revolutionäre nachzukommen. Am 18. März verfügte er deshalb die Aufhebung der Zensur und versprach eine Verfassung und die Reorganisation des Bundes. Die Bevölkerung verlangte, dass der König dem Militärstaat abschwören und ein Bürgerkönig werden sollte. In der aufgeheizten Atmosphäre von Berlin kam es zu vereinzelten Schusswechseln zwischen Militär und Demonstranten, die den Auftakt zu neuerlichen Straßenkämpfen bildeten7. Die verbitterten Kämpfe in den Straßen von Berlin forderten mehr als 230 Todesopfer.
Am 19. März zweifelte General von Prittwitz an der Moral und Fähigkeit seiner Truppen für den Straßenkampf und schlug dem König stattdessen die Belagerung der Stadt von außen vor. Erschüttert von den Ereignissen schwenkt der König um. Er bezeichnet die Vorkommnisse in seinem Aufruf An meine lieben Berliner als einen unseligen Irrtum, zog seine Truppen zurück und kapituliert endgültig vor der Revolution. Noch am selben Tag ehrte der König die Toten der Revolution und ritt zwei Tage später mit einer schwarz-rot-goldenen Armbinde durch Berlin und erklärte in einer Rede, dass Preußen fortan in Deutschland aufgehe. Somit hatte die Revolution des Volkes die bisherige Autorität auch im stärksten Militärstaat Deutschlands niedergeworfen8.
[...]
1 Vgl. Nipperdey, Thomas, Deutsche Geschichte 1800-1866, Bürgerwelt und starker Staat, München 1994, S. 595.
2 Vgl. Siemann, Wolfram, Die deutsche Revolution von 1848/49, Frankfurt am Main 1985, S. 17.
3 Vgl. Vossler, Otto, Die Revolution von 1848 in Deutschland, Frankfurt am Main 1967, S. 63.
4 Vgl. Nipperdey, a.a.O., S. 596.
5 Vgl. Nipperdey, a.a.O., S. 598.
6 Vgl. Langewiesche, Dieter, Europa zwischen Restauration und Revolution 1815-1849, München 2004, S. 81.
7 Vgl. Nipperdey, a.a.O., S. 598-599.
8 Vgl. Nipperdey, a.a.O., S. 599.
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