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Untertitel: Darstellung Kriemhilds in der ersten und vierzehnten Âventiure
Hausarbeit, 2004, 17 Seiten
Autor: Britta Wertenbruch
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Details
Institution/Hochschule: Ruhr-Universität Bochum (Germanistisches Institut)
Tags: Kriemhild, Facetten, Frau, Heldenepik
Jahr: 2004
Seiten: 17
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-38824-5
ISBN (Buch): 978-3-638-84318-8
Dateigröße: 344 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Kriemhild sei die einzige Figur, welche dem Rezipienten des Nibelungenlieds von der ersten bis zur letzen Âventiure in der Handlung zugegen sei. Des Weiteren sei eine Frau als handlungsbestimmende Figur eines Heldengedichtes etwas Neues und Ungewöhnliches in der mittelalterlichen Dichtung. Gegenstand dieser Arbeit ist die Darstellung Kriemhilds in der ersten und 14. Âventiure. Es wird versucht, die verschiedenen Facetten der Burgundenprinzessin, welche dem Publikum zum einen in der Vorstellung. Im darauf folgenden Falkentraum, zum anderen im Frauenstreit und in der daraus resultierenden Rangproben begegnen, aufzuzeigen. Kriemhild stelle, so Haug, die erste literarische Gestalt der mittelalterlichen Literatur dar, welche ihre persönlichen Erfahrungen als ihr Schicksal annehme und ihr Leben daraufhin individuell entwerfe. Darüber hinaus sei sie die erste Figur, welche Erinnerungen als reine Innerlichkeit besitze und diese Erinnerungen zur Basis für die Entfaltung ihres weiteren Schicksals mache. Das Schicksal Kriemhilds werde zum Schicksal aller. Dieses Schicksal wird dem Publikum von Anfang an durch die Vorausdeutungen vor Augen geführt. Schon in der ersten Âventiure wird Kriemhild als wohlbehütetes, hübsches Mädchen dargestellt und zugleich auch als Rächerin und Verantwortliche des Untergangs der Burgunden. Darüber hinaus wird ausgehend von Kriemhild das Minnemotiv eingeführt und das weitere Schicksal der Burgundenprinzessin, und vor allem das der Burgunden mit diesem Motiv verbunden. Infolgedessen ist Kriemhild eine der wichtigsten Figuren im Nibelungenlied.
Textauszug (computergeneriert)
Ruhr-Universität Bochum, Germanistisches Institut
Proseminar: Heldenepik
2. Fachsemester
Kriemhild - Die Facetten einer Frau
von: Britta Wertenbruch
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Die Darstellung Kriemhilds in der ersten Âventiure 3
2.1 Die Vorstellung Kriemhilds 3
2.2 Der Falkentraum 5
3 Die Darstellung Kriemhilds in der 14. Âventuire 8
3.1 Die Standeslüge 8
3.2 Die Rangprobe 10
4 Resümee 14
5 Literaturverzeichnis 16
1 Einleitung
Kriemhild sei die einzige Figur, welche dem Rezipienten des Nibelungenlieds von der ersten bis zur letzen Âventiure in der Handlung zugegen sei. Des Weiteren sei eine Frau als handlungsbestimmende Figur eines Heldengedichtes etwas Neues und Ungewöhnliches in der mittelalterlichen Dichtung. 1 Gegenstand dieser Arbeit ist die Darstellung Kriemhilds in der ersten und 14. Âventiure. Es wird versucht, die verschiedenen Facetten der Burgundenprinzessin, welche dem Publikum zum einen in der Vorstellung. Im darauf folgenden Falkentraum, zum anderen im Frauenstreit und in der daraus resultierenden Rangproben begegnen, aufzuzeigen.
Kriemhild stelle, so Haug, die erste literarische Gestalt der mittelalterlichen Literatur dar, welche ihre persönlichen Erfahrungen als ihr Schicksal annehme und ihr Leben daraufhin individuell entwerfe. Darüber hinaus sei sie die erste Figur, welche Erinnerungen als reine Innerlichkeit besitze und diese Erinnerungen zur Basis für die Entfaltung ihres weiteren Schicksals mache. Das Schicksal Kriemhilds werde zum Schicksal aller.2 Dieses Schicksal wird dem Publikum von Anfang an durch die Vorausdeutungen vor Augen geführt. Schon in der ersten Âventiure wird Kriemhild als wohlbehütetes, hübsches Mädchen dargestellt und zugleich auch als Rächerin und Verantwortliche des Untergangs der Burgunden. Darüber hinaus wird ausgehend von Kriemhild das Minnemotiv eingeführt und das weitere Schicksal der Burgundenprinzessin, und vor allem das der Burgunden mit diesem Motiv verbunden. Infolgedessen ist Kriemhild eine der wichtigsten Figuren im Nibelungenlied.
2 Die Darstellung Kriemhilds in der ersten Âventiure
2.1 Die Vorstellung Kriemhilds
Die erste Figur, welche dem Rezipienten im Nibelungenlied begegnet, ist Kriemhild. Schon in der zweiten Strophe wird die Bedeutsamkeit der Burgundenprinzessin für den weiteren Verlauf des Nibelungenliedes deutlich, denn
„dar umbe mousen degene vil verliesen den lip“.
(1. Âventiure, 2. Strophe)
Die ersten beiden Strophen stellen Kriemhild zum einen als liebliche Prinzessin und zugleich auch als Rächerin und Verantwortliche für den Untergang der Burgunden dar, welches durch die Vorausdeutungen klar werde.3 Das Erscheinungsbild Kriemhilds ist auffallend schön und aus diesem Grunde
„Ir muoten küene recken, niemen was ir gram.
âne mâzen sch(?)ne sô was ir edel lîp.
der juncvrouwen tugende zierten ándériu wîp.“.
(1. Âventiure, 3. Strophe)
Allerdings fehlt eine genauere Beschreibung von Kriemhilds Aussehen, denn es wird nur gesagt, dass
„niht sch(?)neres mohte sîn“.
(1. Âventiure, 2. Strophe)
De Pol sieht in der fehlenden Schilderung von Kriemhilds Äußerem eine Leerstelle, die vom Publikum ausgefüllt werden könne und somit jedem Leser ermögliche, das Erscheinungsbild Kriemhilds selbst zu definieren.4 Dabei orientiere sich der Rezipient am stereotypen Schönheitsideal der höfischen Frau, welches einer schlanken, weißhäutigen, makellosen Dame mit leuchtenden Augen und einem roten Mund entspreche.5 Des Weiteren stehe Kriemhilds außerordentliche Schönheit im harmonischen Einklang mit ihren ethischen Vorzügen und somit herrsche eine Ausgewogenheit zwischen Innerlichkeit und Äußerlichkeit.6 Diese unermessliche Schönheit Kriemhilds werde im zweiten Teil in ein krasses Missverhältnis zu ihrer Rolle gesetzt. Sie bleibe zwar schön, aber gleichzeitig sei sie auch böse und rachsüchtig und werde als eine Art Rachedämon dargestellt. Diese Dämonisierung der Frau im zweiten Teil des Nibelungenliedes stelle das erste Beispiel dieser Art dar.7 Kriemhilds Brüder, die Könige Gunther, Gernot und Giselher, die nach dem höfischen Zeremoniell eigentlich vor ihr genannt werden müssten, weil sie einen höheren Rang besitzen, tauchen dagegen erst in den Strophen vier und fünf auf und auch dort nur in Bezug zu Kriemhild.8
[...]
1 vgl. Wahl Armstrong, Marianne: Rolle und Charakter – Studien zur Menschendarstellung im Nibelungenlied. Göppingen 1979. S. 239 und 242
2 vgl. Haug, Walter: Montage und Individualität im Nibelungenlied. In: Haug, Walter: Strukturen als Schlüssel zur Welt - Kleine Schriften zur Erzählliteratur des Mittelalters. Tübingen 1989. S. 334ff
3 vgl. ebd. Wahl Armstrong, Marianne: Rolle und Charakter – Studien zur Menschendarstellung im Nibelungenlied. S. 249f
4 vgl. De Pol, Roberto: Schöne „Vâladinne“ und Femme Fatale – von Kriemhilds Schönheit. In: Bachleitner, Norbert (Hrsg.): Beiträge zu Komparatistik und Sozialgeschichte der Literatur-Festschrift für Alberto Martino. Amsterdam 1997. S.423
5 vgl. ebd. De Pol, Roberto: Schöne „Vâladinne“ und Femme Fatale – von Kriemhilds Schönheit. S. 428
6 vgl. Schulze, Ursula: Kriemhild und Siegfried als höfische Dame und höfischer Ritter. In: Schulze, Ursula: Das Nibelungenlied. Stuttgart 2003. S. 143
7 vgl. a.a.O. De Pol, Roberto: Schöne „Vâladinne“ und Femme Fatale – von Kriemhilds Schönheit. S. 434f
8 vgl. a.a.O. Wahl Armstrong, Marianne: Rolle und Charakter – Studien zur Menschendarstellung im Nibelungenlied. S. 248f.
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