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Autor: Stephanie Schnabel
Fach: Anglistik - Literatur
Details
Institution/Hochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Anglistik 4)
Tags: Körper-, Spiegelmetapher, Funktion, Sonetten, William, Shakespeares, English
Jahr: 2005
Seiten: 25
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 22 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 169 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-38868-9
ISBN (Buch): 978-3-638-69255-7
Zusammenfassung / Abstract
Diese Arbeit behandelt die Funktion der Körper- und Spiegelmetaphorik in den Sonetten William Shakespeares anhand ausgewählter Beispiele. Im ersten Teil geht es um den allgemeinen Hintergrund der Sonette als Gedichtform. Es wird kurz auf die Übertragung des Sonetts in den englischsprachigen Kulturraum eingegangen, um danach den Höhepunkt seiner Entwicklung in England am Ende des 16. Jahrhunderts vorzustellen. Shakespeares Sonettzyklus fällt ein wenig aus diesem zeitlichen Rahmen heraus, da seine Gedichte erst 1609 veröffentlicht werden. Auch er arbeitet jedoch mit Bildern und Metaphern, die in der Tradition Petrarcas stehen. Wie aber sehen diese aus? Worin unterscheidet sich Shakespeares Werk möglicherweise von dem seiner Zeitgenossen? Da mir bei der Durchsicht der Literatur zum Thema Metapher aufgefallen ist, wie schwer sich einzelne Metapherntypen trennen lassen, werde ich in meiner Untersuchung ausgewählter Sonette Shakespeares auf zwei Metapherntypen eingehen. Als Grundlage hierfür dienten mir die folgenden Monographien: "Speculum, Mirror und Looking-Glass - Kontinuität und Originalität der Spiegelmetapher in den Buchtiteln des Mittelalters und der englischen Literatur des 13. bis 17. Jahrhunderts" von Herbert Grabes und Ernst Robert Curtius' Werk "Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter". Es geht in diesem zweiten Teil als erstes um die literarische Entwicklung und Verwendung der zwei Metapherntypen vor der elisabethanischen Zeit. Danach werden der Gebrauch und die Weiterentwicklung bei den Schriftstellerkollegen Shakespeares beschrieben, um anschließend den Blick auf drei ausgewählte Sonette des Dichters und Dramatikers zu richten, die auf unterschiedliche Art und Weise mit diesen Metaphern spielen.
Textauszug (computergeneriert)
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
HS: Englische Sonette
7. Semester
Körper- und Spiegelmetapher und ihre Funktion in
ausgewählten Sonetten William Shakespeares
von: Stephanie Schnabel
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 3
2. DIE ENTWICKLUNG DES SONETTS BIS IN DIE ELISABETHANISCHE ZEIT 4
2.1. Petrarca und seine ‚Übersetzer’ Wyatt und Surrey 4
2.2. Der Höhepunkt der Sonettdichtung in England 5
3. DAS SONETT BEI WILLIAM SHAKESPEARE 7
3.1. Die Verbindung von Biographie und Werk 7
3.2. Die Figuren im kompletten Sonettzyklus 9
4. KÖRPER- UND SPIEGELMETAPHER IN DER LITERATUR 10
4.1. Ursprünge der Metaphern in der Literatur 10
4.2. Die Metaphern bei den Zeitgenossen William Shakespeares 13
5. BETRACHTUNG EINZELNER SONETTE 16
5.1. Sonett 20 16
5.2. Sonett 24 19
5.3. Sonett 130 21
6. ZUSAMMENFASSUNG 23
7. LITERATURVERZEICHNIS 24
1. EINLEITUNG
Diese Hausarbeit behandelt die Funktion der Körper- und Spiegelmetaphern in den Sonetten William Shakespeares anhand ausgewählter Beispiele. Im ersten Teil geht es um den allgemeinen Hintergrund der Sonette als Gedichtform. Es wird kurz auf die Übertragung des Sonetts in den englischsprachigen Kulturraum eingegangen, um danach den Höhepunkt seiner Entwicklung in England am Ende des 16. Jahrhunderts vorzustellen. Shakespeares Sonettzyklus fällt ein wenig aus diesem zeitlichen Rahmen heraus, da seine Gedichte erst 1609 veröffentlicht werden. Auch er arbeitet jedoch mit Bildern und Metaphern, die in der Tradition Petrarcas stehen. Wie aber sehen diese aus?
Worin unterscheidet sich Shakespeares Werk möglicherweise von dem seiner Zeitgenossen? Da mir bei der Durchsicht der Literatur zum Thema Metapher aufgefallen ist, wie schwer sich einzelne Metapherntypen trennen lassen, werde ich in meiner Untersuchung ausgewählter Sonette Shakespeares auf zwei Metapherntypen eingehen. Als Grundlage hierfür dienten mir die folgenden Monographien: Speculum, Mirror und Looking-Glass - Kontinuität und Originalität der Spiegelmetapher in den Buchtiteln des Mittelalters und der englischen Literatur des 13. bis 17. Jahrhunderts von Herbert Grabes und Ernst Robert Curtius’ Werk Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter. Es geht in diesem zweiten Teil als erstes um die literarische Entwicklung und Verwendung der zwei Metapherntypen vor der elisabethanischen Zeit. Danach werden der Gebrauch und die Weiterentwicklung bei den Schriftstellerkollegen Shakespeares beschrieben, um anschließend den Blick auf drei ausgewählte Sonette des Dichters und Dramatikers zu richten, die auf unterschiedliche Art und Weise mit diesen Metaphern spielen.
2. DIE ENTWICKLUNG DES SONETTS BIS IN DIE ELISABETHANISCHE ZEIT
Das Sonett kam das erste Mal in Italien zur Blüte. Vermutlich wurde es von dem Notar Giacomo da Lentini entwickelt,1 jedoch machten erst Dante Alighieri und nach ihm Francesco Petrarca diese Gedichtform populär. Vor allen Dingen war Petrarca schon zu seinen Lebzeiten in England bekannt. Er wurde von seinem jüngeren Zeitgenossen Geoffrey Chaucer gleich zweimal in dessen Werken erwähnt bzw. übersetzt.2
2.1 Petrarca und seine ‚Übersetzer’ Wyatt und Surrey
Die ersten Sonette in englischer Sprache waren keine eigenständig verfassten Werke, sondern recht freie Übersetzungen bzw. Übertragungen der Sonette Petrarcas durch Sir Thomas Wyatt und Henry Howard, Earl of Surrey. Teilweise hielten sie sich ziemlich genau an den Wortlaut dieser Gedichte, teilweise veränderten sie ihn und führten so einen aktiven Dialog mit der italienischen Vorlage.3 Durch diese Übertragungen wurden die Gedichte Petrarcas für ein englischsprachiges, gebildetes Publikum verfügbar gemacht. Da jedoch das Englische nicht so viele Reimpaare enthält wie das Italienische,4 veränderte erst Wyatt, dann auch Surrey die Form seiner Sonette: Wyatt führte den Paarreim ein, der das Sonett in Zukunft abschließen sollte.5 Die Folge von Oktave und Sextett mit einem gedanklichen turn dazwischen verwandelte dann Surrey in vier Quartette mit Kreuzreim und dem abschließenden couplet. Er erfand auch den blank verse, den unter anderem Shakespeare später benutzen sollte. Die „Surreysche Normform“6 sieht also folgendermaßen aus: abab cdcd efef gg. Diese Form wird auch ‚englisches Sonnet’ genannt.
Durch diese Anordnung der Reime kann mehr Variation innerhalb der Quartette erzeugt werden. Im couplet ist häufig ein Gegengewicht zu der in den ersten zwölf Versen aufgestellten These zu finden. Man kann eine gewisse Tendenz zu einer überraschenden Wendung oder einer Schlussfolgerung innerhalb dieser zwei Verse feststellen.7 Diese Variationen wurden durch die Übertragungen vom italienischen in den englischen Kulturkreis und dessen Dichtungs- und Liebeskonventionen noch beschleunigt. Wyatt und Surrey gehörten beide dem Hof Heinrichs VIII. an. Sie lebten und schrieben dort.8 Es fand außerdem eine Polarisierung des Dichtens statt. Nicht nur höfische Wertvorstellungen wurden miteinbezogen, man berücksichtigte auch bürgerliche Weltanschauungen. Die Sonnetiers wurden zu so genannten poet-courtiers. Sie buhlten mit ihren Gedichten gleichzeitig um die Gunst der Geliebten und die des Monarchen bzw. des Mäzens.
2.2 Der Höhepunkt der Sonettdichtung in England
Obwohl Surrey und Wyatt die großen Vorbilder für die 60er und 70er Jahre des 16. Jahrhunderts blieben, 9 kam das Sonett als Form der Dichtung erst in den 90er Jahren „in Mode“.10
Beginnend mit dem posthum veröffentlichten Sonettzyklus Astrophel and Stella von Sir Philip Sidney wurden zwischen 1591 und 1597 eine ganze Reihe anderer Zyklen und Sonettsammlungen veröffentlicht, so zum Beispiel Delia von Samuel Daniel, Diana von Henry Constable, Michael Draytons Ideas Mirrour, Barnabe Barnes Parthenophil and Parthenophe und Edmund Spensers Amoretti. Die meisten dieser Zyklen tragen Titel, in denen ein Frauenname oder –pseudonym genannt wird. Der immer noch andauernde Dialog mit Petrarca verknüpft auch alle Sonette dieser Zeit. Dieser wird nicht nur im positiven Sinn geführt. Einige der Dichter wenden sich sogar gegen die petrarkistischen Ideale und beginnen, diese zu verspotten. Zu diesen Idealen zählen unter anderem „the magic attraction of the adored but cruel and distant lady, the sufferings of the male lover, and the expression of passion and the wish to die”. 11
[...]
1 Vgl Kapp, Volker (Hg.): Italienische Literaturgeschichte. Stuttgart, Weimar: Verlag J. B. Metzler 1994 (2. Auflage), S. 13
2 Vgl. Edmondson, Paul und Stanley Wells: Shakespeare′s Sonnets. Oxford: Oxford University Press 2004, S. 13
3 Vgl. Seeber, Hans Ulrich (Hg.): Englische Literaturgeschichte. Stuttgart, Weimar: Verlag J. B. Metzler 1999 (3. Auflage), S. 94
4 Petrarca konnte so in den zwei Quartetten wie auch den beiden Terzetten jeweils nur zwei Reime verwenden. Das von ihm am häufigsten verwendete Schema sieht folgendermaßen aus: abba abba cdc cdc.
5 Seine Form wurde zu abba abba cdc cdd. 6 Vgl. Tetzeli von Rosador, Kurt: „Die nichtdramatischen Dichtungen.“, S. 581
7 Vgl. Tetzeli von Rosador (2000), S. 580
8 Viele ihrer Sonette, die vorher nur in Manuskripten zugänglich waren, wurden 1557 in Tottel’s Miscellany, einer Sammlung von Gedichten, veröffentlicht.
9 vgl. Standop, Ewald und Edgar Mertner: Englische Literaturgeschichte. Heidelberg: Quelle & Meyer 1983 (4.Auflage), S. 184
10 Baumann, Uwe: Shakespeare und seine Zeit. Stuttgart: Ernst Klett Verlag 1998, S. 32
11Wagner, Hans-Peter: A History of British, Irish and American Literature. Trier: Wissenschaftlicher Verlag 2003, S. 14
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