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Die Dimension der Identität - . Aspekte der Identitätsfindung im Werk von Burkard Zink

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 47 Pages
Authors: Florian Rolf, Daniel Scholz
Subject: History - Middle Ages, Early Modern

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 47
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 39  Entries
Language: German
Archive No.: V40362
ISBN (E-book): 978-3-638-38891-7

File size: 275 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität zu Köln – Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Seminar für Geschichte und für Philosophie
Abteilung für Geschichte und ihre Didaktik
Hauptseminar: Geschichtsschreibung im späteren Mittelalter

Die Dimension der Identität - . Aspekte der
Identitätsfindung im Werk von Burkard Zink

von: Florian Rolf und Daniel Scholz

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung S. 3

2. Grundlagen S. 3

2.1 Der Lebenslauf des Augsburger Chronisten Burkard Zink S. 3
2.2 Der Aufbau der Chronik S. 5

2.2.1 Das erste Buch der Chronik S. 6
2.2.2 Das zweite Buch der Chronik S. 6
2.2.3 Das dritte Buch der Chronik S. 7
2.2.4 Das vierte Buch der Chronik S. 8
2.2.5 Das Verhältnis der einzelnen Bücher zueinander S. 9

2.3 Augsburg im Spätmittelalter S. 10

2.3.1 Die Zunfterhebung von 1368 S. 10
2.3.2 der Städtekrieg 1387-1388 S. 11
2.3.3 Der Bischofsstreit 1414-1423 S. 11
2.3.4 Der „Reichskrieg“ 1461-1463 S. 12

3. Aspekte der Identitätsdimension S. 13

3.1 Das Bild des Menschen S. 13
3.2 Das Identitätsmodell nach Lothar Krappmann S. 18

3.2.1 Identität als Balance in sozialer Interaktion S. 18
3.2.2 Qualifikationen des sozialen Rollenhandels S. 20
3.2.3 Rolle des Konzeptes bei der Analyse der Identitätsdimensionen S. 21

3.3 Analyse der Identitätsdimensionen im Werk des Burkard Zink S. 22

3.3.1 Die Familie S. 22
3.3.2 Die Reichsstadt S. 26
3.3.3 Zusammenleben im Innern S. 29

3.4 Stadtchronistik im Spätmittelalter S. 34
3.5. Aufkommen eines neuen Denkens zum Ende des Mittelalters S. 37

4. Fazit S. 42

5. Literaturverzeichnis S. 44



 

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Vorstellungswelt des Augsburger Chronisten Burkard Zink. Durch eine Betrachtung des Lebensumfeldes und des Aufbaus der Chronik soll eine erste Annäherung an die Person erreicht werden. Darüber hinaus widmen wir uns der Betrachtung der markanten Stellen der Chronik, um einen Einblick in Wert- und Normvorstellungen des Chronisten zu erlangen. Diese Aussagen werden im Folgenden anhand des Identitätsmodells von Lothar Krappmann überprüft und vertieft. Anschließend erfolgt eine Betrachtung der Stadtchronistik im Mittelalter, um einen Vergleich des Werkes Burkard Zinks mit anderen zeitgenössischen Chroniken anstellen zu können. Abschließend werden wir uns mit den neuen Gedankenströmungen des ausgehenden Mittelalters beschäftigen und klären, inwieweit der Chronist mit diesen bereits in Berührung gekommen ist. Ziel dieser Arbeit soll es sein, einige Persönlichkeitsaspekte des Burkard Zinks herauszustellen und seine Motivation für die neuartige, eingehende Beschäftigung mit den handelnden Personen in seiner Chronik zu ergründen.

2. Grundlagen

2.1 Der Lebenslauf des Augsburger Chronisten B. Zink

Burkard Zink wurde 1396 in Memmingen geboren, wo sein Vater „ain gewerbig man1“ war. Mit 11 Jahren verließ er die Heimatstadt und zog zu einem Bruder seines Vaters, der zu Rieg in Krain als Pfarrer tätig war. Der Onkel ließ den elfjährigen Knaben eine Schule in Reifnitz besuchen und wollte ihn anschließend auf die Universität nach Wien schicken. Zink konnte sich für die Pläne seines Onkels nicht begeistern und kehrte wieder zurück nach Memmingen. Dort hatte sich in seiner Abwesenheit einiges zu seinen Ungunsten verändert: Sein Vater war gestorben und das Erbe war unter den Geschwistern aufgeteilt worden. So kehrte er wieder zu seinem Onkel nach Rieg in Krain zurück. Doch auch dieser war in der Zwischenzeit verstorben und so begann Zink, nach einem verunglückten Versuch, sich als Handwerker zu verdingen, ein fahrendes Schülerleben. Fortan zog er mehrere Jahre in verschiedenen schwäbischen Städten und Schulen lernend und lehrend und gelegentlich auch sein Brot erbettelnd umher. Auf seinen Fahrten kam er 1415 nach Augsburg, wo er nicht, wie es seinem bisherigen Bildungsgang und dem Wunsch seiner Verwandtschaft entsprochen hätte, die geistlichen Weihen empfing, sondern in das Geschäft eines Kaufmanns eintrat. Hier liegt der Wendepunkt in seinem Leben. Von nun an ließ er sein Schülerleben ruhen und widmete sich mit ganzer Kraft dem Handel. Die Fertigkeiten und Kenntnisse, die er in seiner Jugendzeit erworben hatte, blieben aber dennoch eine wichtige Stütze seiner Existenz. So halfen ihm seine Schreibkenntnisse in Zeiten der Not, als er nach seiner Heirat zeitweilig die Anstellung verlor, ein Auskommen zu finden. Darüber hinaus sicherten seine Kenntnisse ihm die Aufmerksamkeit des Rates, was dazu führte, dass ihm wiederholt einige kleinere Ämter und Aufträge anvertraut wurden. Jedoch blieb die Anstellung Zinks im städtischen Dienst nur von vorübergehender Dauer. Seine eigentliche Profession blieb der Handel.

Schon während der Zeit, in der Zink noch ein Angestellter war, betrieb er bereits Handelsgeschäfte auf eigene Rechnung, die lukrative Profite einbrachten. Später agierte er dann als selbstständiger Kaufmann und gelangte zu Reichtum und Ansehen. Seine Geschäfte ließen ihn weit in der Welt herumkommen und führten ihn namentlich wiederholt nach Venedig bis hinaus nach Rhodos. 1440 erwarb er in Augsburg Grund und Boden und somit das dortige Bürgerrecht. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wurde ihm das Reisen allmählich zu mühsam und er versah immer häufiger städtische Ämter und beschäftigte sich mit seinen umfangreichen Memoiren und Geschichtsbüchern. Burkard Zink dürfte im Jahre 1474 gestorben sein. 2

2.2 Der Aufbau der Chronik

Die Chronik Burkard Zinks ist aus analistischen, biographischen und selbstbiographischen Stücken bunt zusammengesetzt3 und nicht einfach nach chronologischen Gesichtspunkten geordnet. Sie besteht aus mehreren selbstständigen Teilen, die eine besondere Einleitung und ein eigenes Schlusswort besitzen. Zink bezeichnet die einzelnen Teile seiner Chronik als Bücher.4 Trotz verschiedener Verweise innerhalb der einzelnen Bücher auf Stellen in anderen Büchern der Chronik, ist der Eigenwert der einzelnen Bücher zu betonen, die erst später und nur äußerlich verbunden, zu einem Werk zusammengefasst wurden. 5 Die Chronik lässt eine dreifache Arbeitsweise des Chronisten erkennen: Auswählende Abschrift einzelner Passagen aus früheren Chroniken, annalistisch geprägte Einzelaufzeichnungen sowie selbstständige zusammenhängende Berichte aufeinander bezogener Ereignisse stehen in seinem Werk nebeneinander. Durch die spätere Neufassung gewinnt die Chronik eine Tendenz zur Einheitlichkeit, ohne diese jedoch erreichen zu können.6 Wie in anderen zeitgenössischen Geschichtsdarstellungen auch, sind an verschiedenen Stellen kurze oder längere Autorenkommentare und Berichte über interessante Zeitgenossen in die Chronik eingeschaltet.7 Insgesamt ist die Chronik von einer lebendigen und durchaus subjektiven Auffassung durchdrungen. An zahlreichen Stellen seiner Chronik spricht der Chronist seine Teilnahme an dem Geschehen aus und gewährt dem Leser damit einen Einblick in seine innere Persönlichkeit.8 Neben den erwähnten früheren Chroniken verwendet Zink die Berichte von Durchreisenden, Kaufleuten und Söldnern sowie seine eigenen Erlebnisse als Quellen für seine Chronik.9 Die zusammenfassende Niederschrift der Chronik dürfte um das Jahr 1466 erfolgt sein. 10

2.2.1 Das erste Buch der Chronik

[...]


1 Vgl. Die Chroniken der deutschen Städte Bd. 5. Leipzig 1866. Hg. von C. Hegel, S. 122.

2 Vgl. Einleitung der Chronik des Burkard Zink 1368-1468 von F. Frensdorff. In: Die Chroniken der deutschen Städte Bd. 5. Leipzig 1866. Hg. von C. Hegel. S.XI-XLV, hier S. XXI-XXIII, und Lorenz, Ottokar, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter, unveränderter Nachdruck der Bände I (1886) und II (1887), Augsburg 1999, S. 103-104.

3 Vgl. Schnith, Karl, Die Reichsstadt Augsburg im Spätmittelalter, Eine Untersuchung zur reichsstädtischen Geschichtsschreibung des 15. Jahrhunderts, Dis s. München 1958, S. 76. 4 Vgl. Frensdorff, a.a.O., S. XIII.

5 Vgl. Lorenz, a.a.O., S. 104.

6 Vgl. Schnith, a.a.O., Die Reichsstadt Augsburg im Spätmittelalter, S. 80/81.

7 Vgl. Wenzel, Horst, Die Autobiographie des späten Mittealters und der frühen Neuzeit, München 1980, S.44.

8 Vgl. Frensdorff, a.a.O., S. XXXIV.

9 Vgl. Schmidt, Heinrich, Die deutschen Städtechroniken als Spiegel des bürgerlichen Selbstverständnisses im Spätmittelalters, Göttingen 1958, S. 30.

10 Vgl. Schnith, Die Reichsstadt Augsburg im Spätmittelalter , S. 32.


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