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Der Traum in Kinderbüchern: E.T.A. Hoffmanns "Nussknacker und Mausekönig"

Autor: Özlem Aydin
Fach: Kunst - Sonstiges

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Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 18
Note: gut
Literaturverzeichnis: ~ 5  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 184 KB
Archivnummer: V40369
ISBN (E-Book): 978-3-638-38895-5

Textauszug (computergeneriert)

Der Traum in Kinderbüchern: E.T.A. Hoffmanns
"Nussknacker und Mausekönig"

von: Özlem Aydin

 


INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG  3

2. E. T. A. HOFFMANNS „NUSSKNACKER UND MAUSEKÖNIG“  3

2.1 MARIES TRÄUME  4
2.2 FUNKTION DES TRAUMS  8
2.3 VISUALISIERUNGEN IM BILDERBUCH  9
2.4 TRAUM- REALITÄT- BEZIEHUNG  12

3. E. T. A. HOFFMANNS „NUSSKNACKER UND MAUSEKÖNIG“ IM UNTERRICHT  14

4. SCHLUSS  17

5. LITERATURVERZEICHNIS  18


 


„Der Traum ist die (verkleidete) Erfüllung eines
auch (unterdrückten, verdrängten) Wunsches.1

1. EINLEITUNG

Im Mittelpunkt der Hausarbeit steht E. T. A. Hoffmanns Werk „Nussknacker und Mausekönig“2. Es handelt sich hierbei um ein Märchen, das erstmals 1816, einige Jahre vor E. T. A. Hoffmanns Tod im Jahre 1822, im ersten Band der „Kindermärchen“ in Berlin erschien. Das Märchen „Nussknacker und Mausekönig“ erzählt von einem kleinen 7- jährigen Mädchen namens Marie, das sich zwischen zwei Welten, der fantasierten, einerseits unheimlich und andererseits wunderschönen Traumwelt und der für sie manchmal als unbegreiflich erscheinenden realen Welt, bewegt, bis beide Welten nicht mehr genau voneinander abzugrenzen sind. Den Schwerpunkt der Hausarbeit bildet aus diesem Grund auf der einen Seite die von Marie –trotz Irrealität- aktiv „erlebte“ Traumwelt und auf der anderen Seite die reale Welt, in der sie sich tatsächlich befindet. Zunächst wird das Märchen vom Nussknacker und Mausekönig, sowie Maries Träume, die wir nicht von ihr, sondern von einem auktorialen, allwissenden Erzähler erzählt bekommen, dargestellt. Anschließend wird der Traum bezüglich der Funktion und der Bedeutung analysiert. Dabei wird auch der Bezug zur Traumdeutung Sigmund Freuds, und zu anderen „Theorien“ hergestellt. Folgenden weiteren Fragen wird in der Hausarbeit nachgegangen: Wie wird Maries Traum dargestellt, was können wir aus den Visualisierungen entnehmen und wie stehen sie zum Erzählten? Welche Funktion und Bedeutung hat der Traum? Welche Beziehungen bestehen zwischen Maries Traum und der Wirklichkeit? Verschmelzen beide Welten ineinander oder sind sie in der Erzählung klar abgegrenzt? Wie werden einige „Traumphänomene“ wie die „Beziehung des Traumes zum Wachleben“3 von den Traumexperten erklärt?

2. E. T. A. Hoffmanns „Nussknacker und Mausekönig“

Bei der Erzählung „Nussknacker und Mausekönig“ handelt es sich –wie bereits erwähnt- um ein Kindermärchen, das in 14 Kapitel unterteilt ist. Die Erzählung beginnt mit dem Kapitel „Der Weihnachtsabend“4 und spielt zunächst in der Realität. Es ist Heiligabend. Dem Leser wird in diesen ersten Seiten ein Blick in das `reale` Leben einer frommen bürgerlichen Familie namens Stahlbaum verschafft. Der Leser erfährt und entnimmt aus dem Gespräch der Geschwister Fritz und seiner jüngeren 7- jährigen Schwester Marie, wie neugierig und gespannt die Kinder auf ihre Weihnachtsgeschenke warten und währenddessen immer wieder in eine Traumwelt versinken, in der ihre Spielsachen zu lebendigen Spielgefährten werden. Insbesondere freuen sich die Kinder auf den Paten Drosselmeier, da sie von diesem immer schöne Geschenke erhalten, wie sie auch an diesem Abend mit einem Schloss mit Spiegelfenstern und goldenen Türmen beschenkt werden. Doch das Interesse der Kinder an diesem fantastischen Schloss verschwindet bald und sie wenden sich anderen Geschenken zu. Da erblickt Marie am Weihnachtstisch etwas, das sich später zum Auslöser und zur Hauptfigur ihrer Träume entwickelt. Sie entdeckt dicht an dem Weihnachtsbaum einen „vortreffliche[n] kleine[n] Mann“5, der ihr zuvor nicht aufgefallen war. Obwohl es nur eine Holzpuppe zu sein scheint, erkennt Marie an dieser bereits beim ersten Anblick menschliche Eigenschaften. Marie beginnt den kleinen Mann mit dem Paten Drosselmeier in Verbindung zu setzen, indem sie das äußere Erscheinungsbild beider Figuren miteinander vergleicht und sowohl Gemeinsamkeiten, als auch Unterschiede erkennt. Der kleine Mann, bei dem es sich um einen Nussknacker handelt, Marie diese Tatsache zu Beginn aber nicht bewusst ist, gewinnt Maries Sympathie. Sie erkennt in seinem Gesichtsausdruck die Gutmütigkeit und die Freundschaft und ist von diesem so sehr beeindruckt, dass sie ihn –wie eine Mutter ein Kind- in die Arme nimmt. Ihre Gefühle gegenüber dem Nussknacker offenbart Marie dem Leser insbesondere in dem Augenblick, als der Nussknacker durch Fritz, ihren älteren Bruder, `verletzt` wird. Diese Verletzung ihres Freundes Nussknacker ist für Marie sehr schmerzvoll. Sie beginnt ihn zu pflegen und ihn zu beschützen. Damit dem Nussknacker kein Schaden mehr zugefügt werden kann, legt Marie den in Tücher eingewickelten Verwundeten am Abend in den Glasschrank im Wohnzimmer, in dem auch andere wertvolle Geschenke aufbewahrt sind. Als sie den Schrank wieder verschließt und das Zimmer verlassen möchte ...

2.1 Maries Träume

... da hört sie um sich herum Geräusche. Hier beginnt Maries 1. Traum. Aus der Erzählung geht nicht deutlich hervor, dass Marie alle Ereignisse und Figuren, die sie in diesem Augenblick wahrnimmt, nur träumt. Weder die Situation des Schlafs, noch die des Traums sind in der Erzählung angedeutet oder hervorgehoben. Der Leser erkennt den Traum dadurch, dass die Ereignisse, die nach dem Schließen des Glasschrankes hervortreten, die Grenzen der Realität überschreiten. Nicht nur Marie erkennt und erlebt die Irrealität, sondern auch der Leser. Marie nimmt den Traum in dem Moment wahr, als sie auch das leise Wispern, Flüstern und Rascheln wahrnimmt. Sie nimmt den Traum jedoch nicht als Traum, sondern als eine Veränderung wahr. Es ist ihr nicht bewusst, dass es ein Traum ist. Sie beobachtet, wie alles um sie herum, das vor nicht langer Zeit `tot` war, nun lebendig geworden ist, so beispielsweise die Eule auf der Uhr, die jetzt mit ihren Flügeln die ganze Uhr überdeckt. Als Marie vor Angst sich entfernen möchte, hinzukommt, dass sie die Veränderungen für real hält, erkennt sie an der Stelle der Eule den Paten Drosselmeier, der „seine gelben Rockschöße von beiden Seiten wie Flügel herabgehängt hatte.“6 Maries Traum, der ihr immer mehr Angst macht und daher für den Leser eher als ein Alptraum erscheint, endet nicht, sondern entwickelt sich, je mehr sie an seine `reale Existenz` glaubt und an ihm aktiv oder passiv beteiligt ist, weiter zum Irrealen und Furchterregendem. Bald erblickt Marie ein Heer von Mäusen, vor dem sie sich aber –wie in der Wirklichkeit- nicht fürchtet. Doch plötzlich erheben sich vor ihren Füssen „sieben Mauseköpfe mit sieben hell funkelnden Kronen“7 aus dem Boden.

[...]


1 Sigmund Freud: Die Traumdeutung. Fischer Verlag. Frankfurt am Main: 1991. S. 173.

2 E. T .A. Hoffmann: Nussknacker und Mausekönig. Cecilie Dressler Verlag. Hamburg: 1993.

3 Sigmund Freud: Die Traumdeutung. Fischer Verlag. Frankfurt am Main: 1991. S. 24 ff.

4 E. T. A. Hoffmann: Nussknacker und Mausekönig. S. 7

5 Ebd. S. 18.

6 Ebd. S. 13.

7 Ebd. S. 32.

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