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Sternstunden und Märchentaler... oder wenn das die Gebrüder Grimm geahnt hätten

Termpaper, 2004, 13 Pages
Author: Daniel Sorg
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 13
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V40446
ISBN (E-book): 978-3-638-38956-3
ISBN (Book): 978-3-638-79692-7
File size: 236 KB
Notes :
Aus Georg Büchners Woyzeck, das Märchen der Großmutter, verglichen mit dem Sterntaler der Gebrüder Grimm


Abstract

Kaum einem Menschen in Deutschland sind die Gebrüder Grimm kein Begriff – offen zugeben würde das zumindest niemand, der nicht belächelt werden möchte. Ob Georg Büchners Bekanntheitsgrad in sämtlichen Gesellschaftsschichten dem der „Märchen-Brüder“ allerdings nahe kommt, wage ich zu bezweifeln. Wer also war Georg Büchner? „[…] Ich komme vom Christkindlesmarkt, überall Haufen zerlumpter, frierender Kinder, die mit aufgerissenen Augen und traurigen Gesichtern vor den Herrlichkeiten aus Wasser und Mehl, Dreck und Goldpapier standen. Der Gedanke, dass für die meisten Menschen auch die armseligsten Genüsse und Freuden unerreichbare Kostbarkeiten sind, machte mich sehr bitter. […] “ Dieses Zitat stammt von Georg Büchner aus einem Brief, den er am 1. Januar 1836 seiner Familie geschrieben hat. Wie zu sehen ist hat sich Büchner, der gerade einmal 23 Jahre alt wurde, viele Gedanken über die sozialen Missstände seiner Zeit gemacht – was spätestens an seinem unvollendeten Werk „Woyzeck“ (1836) deutlich erkennbar ist. In diesem Fragment, welches übrigens das erste soziale Drama der deutschen Literatur ist, erzählt die Großmutter eine Geschichte, welche stark an das Märchen des Sterntalers der Gebrüder Grimm angelehnt ist. Hier wird ein wenig auf die beiden Märchenformen eingegangen (also das Anti-Märchen der Großmutter im „Woyzeck“ sowie das klassische Märchen „Die Sterntaler“ von den Gebrüder Grimm), beide Märchen werden vorgestellt, Beziehungen hegerstellt, verglichen und erläutert mit welchen Intensionen und aus welchen Gründen Büchner das Anti-Märchen so dargestellt hat, wie er es darstellte.


Excerpt (computer-generated)

Sternstunden und Märchentaler... oder wenn das
die Gebrüder Grimm geahnt hätten

von: Daniel Sorg

 


Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung Seite 1

2.) Das Märchen Seite 2

2.1.) Die Sterntaler Seite 3
2.2.) Interpretation des Sterntalermärchens

3.) Das Anti-Märchen Seite 4

3.1.) Das Anti-Märchen der Großmutter
3.2.) Interpretation des Anti-Märchens Seite 5

4.) Die Stellung des Anti-Märchens im Drama Seite 6

5.) Die Bedeutung des Anti-Märchens für das Drama

6.) Der direkte Vergleich Seite 7

6.1.) Die Gegenüberstellung der zwei Märchen Seite 8
6.2.) Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede Seite 9

7.) Fazit Seite 10

Literaturverzeichnis Seite 11


 

1.) Einleitung

Kaum einem Menschen in Deutschland sind die Gebrüder Grimm kein Begriff – offen zugeben würde das zumindest niemand, der nicht belächelt werden möchte. Ob Georg Büchners Bekanntheitsgrad in sämtlichen Gesellschaftsschichten dem der „Märchen-Brüder“ allerdings nahe kommt, wage ich zu bezweifeln. Wer also war Georg Büchner? Georg Büchner wurde am 17. Oktober 1813 in Goddelau im Groß-Herzogtum Hessen-Darmstadt als Sohn eines Amtschirurgen geboren. Er studierte ab 1831 in Straßburg und ab 1833 in Gießen Naturwissenschaften, Medizin und Philosophie, gründete 1834 die „Gießener Gesellschaft für Menschenrechte“ und verfasste unter dem Motto „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ die später von Pfarrer Friedrich Ludwig Weidig (1791 – 1837) entschärfte Flugschrift „Der hessische Landbote“. Neben seinem Engagement in der politischen Opposition Oberhessens und seiner anschließenden Tätigkeit als Privatdozent für Medizin in Zürich widmete sich Büchner dem Schreiben. Sein Leben fand im Jahr 1837 ein jähes Ende als er in Zürich an Typhus gestorben ist. Doch trotz seines frühen Todes und der zu Lebzeiten und noch einige Zeit danach mangelnden Anerkennung seiner Werke wurde schlussendlich der wichtigste Literaturpreis der Bundesrepublik Deutschland, der Georg-Büchner-Preis, nach ihm benannt.1 Doch kümmern wir uns nun lieber um Georg Büchner zu seinen Lebzeiten: „[…] Ich komme vom Christkindlesmarkt, überall Haufen zerlumpter, frierender Kinder, die mit aufgerissenen Augen und traurigen Gesichtern vor den Herrlichkeiten aus Wasser und Mehl, Dreck und Goldpapier standen. Der Gedanke, dass für die meisten Menschen auch die armseligsten Genüsse und Freuden unerreichbare Kostbarkeiten sind, machte mich sehr bitter. […] “2

Dieses Zitat stammt von Georg Büchner aus einem Brief, den er am 1. Januar 1836 seiner Familie geschrieben hat. Wie zu sehen ist hat sich Büchner, der gerade einmal 23 Jahre alt wurde, viele Gedanken über die sozialen Missstände seiner Zeit gemacht – was spätestens an seinem unvollendeten Werk „Woyzeck“ (1836), welches erstmals im Jahr 1913 am Residenztheater in München aufgeführt wurde, deutlich erkennbar ist. In diesem Fragment, welches übrigens das erste soziale Drama der deutschen Literatur ist, erzählt die Großmutter eine Geschichte, welche stark an das Märchen des Sterntalers der Gebrüder Grimm angelehnt ist. Ich werde im Folgenden ein wenig auf die beiden Märchenformen eingehen (also das Anti-Märchen der Großmutter im „Woyzeck“ sowie das klassische Märchen „Die Sterntaler“ von den Gebrüder Grimm), werde beide Märchen vorstellen, Beziehungen herstellen, vergleichen und erläutern, mit welchen Intensionen und aus welchen Gründen Büchner das Anti-Märchen so dargestellt hat, wie er es dargestellt hat.

2.) Das Märchen

Definiert man den Begriff „Märchen“, so kann man zunächst einmal feststellen, dass es sich um eine volkstümliche Prosaerzählung von phantastisch –wunderbaren Begebenheiten und Zuständen aus freier Erfindung ohne zeitlich-räumliche Festlegung handelt. Allerdings bezieht sich der Begriff Märchen in erster Linie nicht auf die Form einer Erzählung, sondern auf den Inhalt. In das Alltagsleben greifen meist übernatürliche Gewalten wie zum Beispiel Feen oder himmlische Kräfte ein, es treten an sich unglaubwürdige Erscheinungen auf die aus dem Geist des Märchens heraus jedoch glaubwürdig erscheinen, weil dem Leser eine magische Wunderwelt dargestellt wird, in der alles möglich ist3 – Küsse erwecken totgeglaubte Schönheiten, es gibt Hexen mit Lebkuchenhäusern, sieben Zwerge leben hinter sieben Bergen, Sterne fallen vom Himmel und werden zu Talern, die dem Begünstigten ewigen Reichtum bescheren. Man unterscheidet zwischen Volksmärchen und Kunstmärchen, der Unterschied darin liegt in der Herkunft des Märchens: Volksmärchen stammen somit aus dem Volksmund, sie sind traditionell überliefert und haben sich mit der der Zeit „weiterentwickelt“ bzw. „verändert“. Der ursprüngliche Autor ist hierbei unbekannt. Kunstmärchen dagegen sind Erzählungen eines namentlich bekannten Schöpfers, der vertraute Motive und Märchenelemente benutzt. Die Märchenfiguren, sprich die Träger der Handlung eines Märchens, sind keine komplexen Charaktere, sondern bilden simple, künstliche Polaritäten: Die Figur der Stiefmutter steht für das Böse, der edle Ritter für das Gute und die Gerechtigkeit, der Gnom für das Hässliche und die Habsucht usw. Die Ethik des Märchens kann man so definieren, dass es am Ende eine Belohung des Guten und eine Bestrafung des Bösen gibt, und je nach Märchen eine Wendung zum Guten oder Bösen für die Hauptgestalt gibt – je nach Charakter und Sympathie bzw. Antipathie für sie. Märchen werden häufig als Kontrastmittel zur wirklichen Welt betrachtet, als „Seinsollensdichtung“, die den kompensatorischen Zweck erfüllt, das in der realen Welt enttäuschte Gerechtigkeitsgefühl zu befriedigen. 4 Diese Definition trifft selbstverständlich nicht für jedes erdenkliche Märchen zu das es gibt, aber es ist zumindest ein guter Ansatzpunkt.

2.1.) Die Sterntaler

[...]


1 Vgl. Microsoft Encarta Professional 2002 CD, Schlagwort „Georg Büchner“

2 Hauschild, Jan Christoph (Hrsg.); Georg Büchner – Briefwechsel; Basel, Frankfurt am Main 1994; Seite 88

3 vgl. Rölleke, Heinz; Die Märchen der Gebrüder Grimm; München, Zürich 1985; S. 94 ff.

4 vgl. Doderer, Klaus (Hrsg.); Lexikon der Kinder und Jugendliteratur; Bd.2; Basel 1977; S. 256


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