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Scholary Paper (Seminar), 2005, 21 Pages
Author: Fabian Vierbacher
Subject: English Language and Literature Studies - Literature
Details
Institution/College: LMU Munich (Department für Anglistik und Amerikanistik)
Tags: Pförtnerszene, Shakespeares, Macbeth, Funktion, Aufbau, Umsetzung, Shakespeares, Richard, Macbeth
Year: 2005
Pages: 21
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 21 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-38963-1
File size: 232 KB
Analyse der Pförtnerszene bei Macbeth unter Einbezug verschiedener Deutungsansätze in der Forschung
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Excerpt (computer-generated)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Department für Anglistik und Amerikanistik
Proseminar: Shakespeare’s Richard III und Macbeth
3. Fachsemester
Die Pförtnerszene in Shakespeares Macbeth (II, 3):
Funktion, Aufbau und filmische Umsetzung
von: Fabian Vierbacher
GLIEDERUNG
1. Einleitung: Die Pförtnerszene – „un-Shakespearean“? 3
2. Historischer Kontext 4
3. Die Komik des Szene
3.1. Der Auftritt des Pförtners bis zum Eintreten Macduffs (II, 3.1-17) 6
3.2. Entwicklung der Szene nach dem Auftreten Macduffs (II, 3.18-34) 8
4. Funktionen der Pförtnerszene
4.1. Grundcharakteristika und dramatische Funktionen 10
4.2. Bedeutung für die Figur des Macbeth 11
4.3. Die Szene und ihre Wirkung auf den Rezipienten 13
4.4. Aufgreifen zentraler Aspekte aus dem Gesamtdrama 14
5. Filmische Umsetzungen 16
6. Schluss: Die Pförtnerszene - Herausforderung für Film und Theater 18
7. Bibliographie 20
1. Einleitung: Die Pförtnerszene – „un-Shakespearean“?
„Not one syllable has the ever-present being of Shakespeare1“ – so kritisch äußerte sich einst der renommierte Literaturwissenschaftler Coleridge über den Auftritt des Pförtners in Shakespeares Macbeth. Selbst in neueren Werken wird diese kleine Szene (II, 3) oft als simpler Klamauk abgetan. Doch wird eine solch eindimensionale Beurteilung der Komplexität der Szene wirklich gerecht? Bei genauerer Auseinandersetzung mit dem Auftritt wird schnell klar, dass er nicht isoliert außerhalb der eigentlichen Handlung steht, sondern vielmehr eine wichtige Rolle in der Gesamtheit des Dramas einnimmt.
Im Folgenden soll genau diese Szene eingängiger betrachtet werden, wobei ich mich hierbei auf den eigentlichen Auftritt des Pförtners beschränke (Vers 1-34), da sich die restliche Szene inhaltlich in eine völlig andere Richtung entwickelt. Im Zentrum meiner Betrachtungen soll die Frage stehen, welche Funktion die Pförtnerszene auf den Rezipienten hat: Dient sie in erster Linie als humoristische Verschnaufpause oder geht es um die Charakterisierung des Protagonisten? Um sich der Thematik angemessen nähern zu können ist es zunächst einmal wichtig, den historischen Hintergrund dieser Passage zu betrachten und die Rolle solcher komischen Figuren im elisabethanischen Drama zu berücksichtigen. Im dritten Teil dieser Arbeit steht die Art und Weise, wie Shakespeare mit dem Auftreten des Pförtners Komik erzeugt im Mittelpunkt. Nachfolgend werden dann Funktions- und Wirkungsweise der Pförtnerszene eingehender betrachtet. Neben den dramatischen Funktionen ist vor allem die Bedeutung der Szene für die Figur des Macbeth, die Wirkung auf den Rezipienten, sowie das Aufgreifen zentraler Aspekte aus dem Gesamtdrama von Bedeutung. Der 5. Punkt beschäftigt sich dann mit der Umsetzung der Pförtnerfigur im Film anhand von vier Beispielen. Abschließend werde ich die wichtigsten Punkte zusammenfassen und ein Resümee ziehen.
In der Literatur wurde die Szene bis ins 20. Jahrhundert, auch aufgrund ihres Shakespeare-untypischen Stils, eher vernachlässigt. Die Obszönität des Pförtnerauftrittes war vielen Schriftstellern und Literaturwissenschaftlern zuwider. Besonders drastisch wird die Szene bei Schillers Übersetzung verfälscht, bei der ein fromm singender Pförtner auftritt: „Den Pförtner lasst sein Morgenlied vollenden. Ein guter Tag fängt an mit Gottes Preis; ’s ist kein Geschäft so eilig, als das Beten“2. Die moderne Forschung hat den Auftritt wieder neu entdeckt, was sich an der Vielzahl der wissenschaftlichen Aufsätze ablesen lässt. Inwiefern die Szene Einfluss auf die Charakterisierung von Macbeth selbst hat, ist bis heute umstritten. So kommen etwa die Arbeiten von Frederic Tromly3 und John Harcourt4 zu gänzlich unterschiedlichen Ergebnissen, wobei ich auf diesen Aspekt später noch genauer eingehen werde.
Zunächst scheint Coleridges These durchaus plausibel zu sein: Auf die Mordszene in II, 2 folgt abrupt und völlig unvermittelt eine Komödienszene, in der der Pförtner von Macbeths Burg im Mittelpunkt steht, während die Haupthandlung inne hält. Die Spannung, die mit der vorherigen Szene einen Höhepunkt erreichte, wird kurzeitig aufgelöst, es wird nun ordinär gealbert, geblödelt und gewitzelt. Im Mittelpunkt steht der offensichtlich betrunkene Pförtner, welcher von Macduff, der lautstark klopfend um Einlass bittet, in seiner Nachtruhe gestört wurde. Der Auftritt des Pförtners, der selbst vom Mord noch nichts weiß, ist völlig vom Grauen, das auf der Burg vor sich geht umschlossen: Er beginnt abrupt mit einem Klopfen, vorher noch gespenstische Begleitmusik der Mordszene, und versetzt den Zuschauer am Ende urplötzlich wieder in die albtraumhaften Geschehnisse auf der Burg zurück. Trotz seiner humoristischen Einlage lässt der Pförtner den Zuschauer der grausamen Welt nicht entkommen.
2. Historischer Kontext
In der Entstehungszeit von Macbeth spielten solche komischen Auftritte eine wichtige Rolle in Theaterstücken. Die Figur des Pförtners war dem zeitgenössischen Publikum schon aus vielen anderen Stücken in ähnlicher Art und Weise bekannt. Macbeths Pförtner sieht sich selbst als „[…] porter of hell- gate […]5“ – angesichts dessen was gerade in Macbeths Burg geschehen ist, ist das eine durchaus zutreffende Aussage. Der Torhüter des Höllentores als Gegenspieler zu Petrus war eine populäre Figur im mittelalterlichen Drama 6. Auch Shakespeare griff auf diese alte Traditionen zurück, indem er eine Verbindung zwischen dem Pförtner von Macbeths Schloss und dem Pförtner des Höllentores zieht: Im Theater des späten Mittelalters wurde die Hölle nämlich häufig als Schloss dargestellt, normalerweise mit einem Tor in der Form eines monströsen Schlundes7. Macbeths Pförtner geht möglicherweise auf das mittelalterliche Miracle-Play zurück. Bei dieser Theaterform wurden Geschichten und Figuren aus der Bibel aufgegriffen und dramatisiert8. Hierbei stellte man „böse“ Charaktere oft lächerlich dar, wodurch der ernste Hintergrund solcher Figuren bewusst kontrastiert wurde. Konkret bezieht sich die Figur bei Macbeth auf das Theaterstück The Harrowing of Hell9.
[...]
1 Zitiert nach John B. Harcourt. „‚I Pray You, Remember the Porter’“ Shakespeare Quarterly 12 (1961): 393-402, hier 393.
2 „Friedrich Schiller. Macbeth. Ein Trauerspiel von Shakespeare“ <http://www.wissen-im-netz.info/literatur/schiller/macbeth/index.htm> (15.03.2005).
3 Vgl. Frederic B. Tromly. “Macbeth and His Porter.” Shakespeare Quarterly 26 (1975): 151-156.
4 Vgl. Harcourt.
5 William Shakespeare. Macbeth. Ed. A. R. Braunmuller. Cambridge, Los Angeles, New York u.a.: Cambridge University Press, 1997, II, 3.1f.
6 Vgl. William Shakespeare. Macbeth. Zweisprachige Ausgabe mit Anmerkungen versehen von Frank Günther. München: dtv, 1975, 224.
7 Vgl. Go rdon Williams. ‘Macbeth’. Text and Performance. London: Palgrave Macmillan, 1985, 30.
8 Vgl. Ebd.
9 Vgl. Harcourt, 399-402.
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