On Kawara - Erfahrung und Dokumentation von Raum und Zeit

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Details
Autor: Matthias Haase
Fach: Kunst - Sonstiges
Veranstaltung: Der Sound der Zeit
Institution/Hochschule: Hochschule für Bildende Künste Dresden (Kunstgeschichte)
Jahr: 2005
Seiten: 15
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 6 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 685 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-38983-9
Textauszug (computergeneriert)
Hochschule für Bildende Künste Dresden
Kunstgeschichte
Semester: WS 2004/05
Seminar: Der Sound der Zeit
Hausarbeit
On Kawara
Erfahrung und Dokumentation von Raum und Zeit
von
Matthias Haase
Studiengang Malerei/Grafik, 9.Sem.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 3
2. Zeitlichkeit Seite 3
3. Erfahrung und Dokumentation von Raum und Zeit Seite 4
3.1. Räumliche und zeitliche Positionierung Seite 4
3.2. Archivierte Daten als Maß für Existenz Seite 4
4. Existenzmessung durch Langzeitprojekte Seite 5
4.1. Existenzbekundung Seite 5
4.2. Zeitaufzeichnung Seite 6
4.3. Datum Bilder Seite 7
4.4. Eine Million Jahre – Vergangenheit und Zukunft Seite 8
5. Lücken und Fehler im System S. 10
Im Anhang
1. Abbildungen
2. Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Der japanische Künstler On Kawara1 thematisiert seit den sechziger Jahren die Verbindung von persönlicher Biographie, gemeinschaftlicher Lebenszeit und künstlerischer Produktion. On Kawara versucht, das persönliche subjektive Leben durch die Methode des Schreibens festzuhalten. Aktivitäten seines eigenen Lebens werden innerhalb räumlicher und zeitlicher Betrachtungsweisen dargelegt. Seine Arbeiten entstehen auf der Grundlage streng angelegter Dokumentationsmethoden, die logischen Abläufen folgen und feststehende konsequente Anwendung im künstlerischen Prozess der Selbstbestimmung finden.
On Kawara benennt Ortswechsel sowie das Verstreichen von Zeit und untersucht dabei, welche Rolle Daten und archivarische Verfahren bei der individuellen Selbstbestimmung des Menschen innerhalb der modernen Gesellschaft, im zeitlichen und räumlichen Bezug zur Umwelt, spielen. Sich selbst in Entsprechung zu den Anzeichen von Zeit zu verstehen und in Einklang mit Zeit zu bringen ist Kern der künstlerischen Auseinandersetzung des Künstlers. On Kawara selbst setzt sich hierbei in Relation zu Zeitmaßen, indem er hinter den Fakten, die seine Lebenseckdaten bestimmen, zurück tritt und beispielsweise den 15. Dezember 1991 als den Tag bestimmt, an dem er seit 21.540 Tagen lebt.
In seriell angelegten Langzeitprojekten registriert On Kawara Unterschiede und Fehler, die sich in den wiederholenden Mustern der Zeitmessung niederschlagen, wodurch das unabhängig vom künstlerischen Werk verbrachte Leben On Kawaras erfahrbar wird. Hierbei stellen sich Fragen nach der künstlerischen Objektivierbarkeit des Lebens. Das Erfahren und das Erfassen von Zeit und Raum formen sich kontinuierlich zu einem persönlichen Zeitarchiv des Künstlers.
2. Zeitlichkeit
Analog zur Bewältigung des Raumes in der Renaissance, die T.W. Adorno mit dem Begriff der „Verräumlichung“ benennt, spricht er im Zusammenhang mit moderner Kunst von der „Verzeitlichung“. Die Zeit in ihrem realen Verlauf wird wichtig, da neben der bloßen Betrachtung auch das Handeln als ästhetische Rezeptionsform an Bedeutung gewinnt. Handeln ist zeitlich. Eine sich auf das Handeln konzentrierende Kunst benötigt demnach die Berücksichtigung der vierten, eben der zeitlichen Dimension. Zeit ist nicht mehr als fiktiver sondern als realer Faktor in der Conceptual Art und somit auch in den Arbeiten von On Kawara präsent. Das Werk muss „erhandelt“2 werden und bleibt nicht mehr nur passiv erlebbar. On Kawara erhandelt und erlebt innerhalb seiner Langzeitprojekte das Abstraktum Zeit. Im Prozess werden über viele Jahre hinweg Daseins-Momente festgehalten und zu kontinuierlichen, fortdauernden Selbstbestimmungen parallel zum Lauf der Zeit zusammengeführt. Der Fokus liegt nicht auf dem einzelnen Endbild, sondern auf der Gesamtheit des künstlerischen Handelns im Zeitfluss.
3. Erfahrung und Dokumentation von Raum und Zeit
3.1. Räumliche und zeitliche Positionierung
On Kawara positioniert sich mit der Art und Weise seines künstlerischen Arbeitens im zeitlichen und räumlichen Kontext. Diese vierdimensionale Bestimmung ermöglicht ihm, sich in seiner Umgebung selbst zu definieren. Begegnungen mit seinem Lebensraum, an denen sich persönliche Erlebnisse zeigen, sind On Kawaras räumliche und zeitliche Bezugnahmen auf die Umwelt. So nimmt er seine Raum-Zeit-Identität durch den künstlerischen Umgang mit dem eigenen Alltag selbst wahr. On Kawara bestimmt seine Zeit. Er definiert sich beispielsweise in der Arbeit „One Million Years“3 im Umfeld von zwei Millionen Jahren, in das er sich zeitlich zentral einordnet. Er schafft einen gedanklichen Umraum von Zeit. Ähnliche Umräume finden sich in seinen geografischen Beschreibungen. On Kawara bestimmt seinen Ort. Er sortiert sich in urbane Umfelder ein, indem er zurückgelegte Wege in Stadtplänen mit roten Linien schriftlich fixiert. Das Bild „Location“4 aus dem Jahr 1965 ist eine weitere Ortsbestimmung. Es zeigt die Koordinaten eines Längen- und Breitengrades und bestimmt damit On Kawaras persönlichen Standort im allgemeingültigen Modell des Koordinatensystems.
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1 geboren 1933 in Kariya/Aichi, Japan, lebt in New York
2 Michael Lingner, „Exerzitien zur Zeiterfahrung“, Deichtorhallen, Hamburg, 12. 3. - 10. 5. 1992
3 vgl. Abb.7 und 8 im Anhang
4 vgl. Abb.4 im Anhang
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