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Die Leitmotive 'Krankheit und Tod' in Thomas Manns 'Tod in Venedig'

Termpaper, 2005, 16 Pages
Author: Johannes Linsenmeier
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft
Institution/College: University of Freiburg
Tags: Leitmotive, Krankheit, Thomas, Manns, Venedig, Einführung, Literaturwissenschaft
Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 16
Grade: 2
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V40517
ISBN (E-book): 978-3-638-39015-6
ISBN (Book): 978-3-638-59675-6
File size: 119 KB

Abstract

Hört man das Wort "Leitmotiv", so denkt man zuerst an Richard Wagner [Deutscher Komponist, geb. 1813, gest. 1883], der für die leitmotivischen Verflechtungen in seinen Werken bekannt ist. Vor allem in seinen Stücken "Tristan" und dem "Fliegenden Holländer" wiederholen sich mehrmals dieselben, leicht abgewandelten Motive. Dass die Leitmotivtechnik nicht nur in der Musik, sondern auch in der Literatur erfolgreich angewendet werden kann, beweisen und bewiesen viele Schriftsteller, allen voran Thomas Mann. Er setzte sich intensiv mit Wagner auseinander, und übernahm, angeregt durch dessen Musik, die Technik und Kunst des Leitmotivs [Vgl. Weiss, Walter: Thomas Manns Kunst der sprachlichen und thematischen Integration, Düsseldorf 1964, S. 52.]. Im "Tod in Venedig" setzt Thomas Mann die Leitmotivtechnik vielfältig ein. Dabei soll in dieser Arbeit vor allem auf die Motive der Krankheit und des Todes Bezug genommen werden, die sich durch die ganze Novelle ziehen. Zunächst wird auf das Motiv des Todes eingegangen, danach auf das Motiv der Krankheit. Darauf folgt eine Untersuchung von Viscontis gleichnamigem Film auf die Umsetzung dieser Beispiele.


Excerpt (computer-generated)

Albert - Ludwigs - Universität Freiburg
Deutsches Seminar II
WS 2004/2005

Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft

Die Leitmotive Krankheit und Tod
in Thomas Manns „Tod in Venedig“

von

Johannes Linsenmeier

Deutsch, Geschichte, Latein

 

 

Inhalt

1.) Einleitung 3

2.) Die Motive Tod und Krankheit in „Der Tod in Venedig“
2.1 Das Todesmotiv 3
2.2 Das Krankheitsmotiv 9

3.) Tod und Krankheit im „Tod in Venedig“ - ein Vergleich von Film und Erzählung 12

4.) Schluss 15

5.) Literaturverzeichnis 16

 

 

1.) Einleitung

Hört man das Wort Leitmotiv, so denkt man zuerst an Richard Wagner,1 der für die leitmotivischen Verflechtungen in seinen Werken bekannt ist. Vor allem in seinen Stücken „Tristan“ und dem „Fliegenden Holländer“ wiederholen sich mehrmals dieselben, leicht abgewandelten Motive. Dass die Leitmotivtechnik nicht nur in der Musik, sondern auch in der Literatur erfolgreich angewendet werden kann, beweisen und bewiesen viele Schriftsteller, allen voran Thomas Mann. Er setzte sich intensiv mit Wagner auseinander, und übernahm, angeregt durch dessen Musik, die Technik und Kunst des Leitmotivs.2 

Im „Tod in Venedig“ setzt Thomas Mann die Leitmotivtechnik vielfältig ein. Dabei soll in dieser Arbeit vor allem auf die Motive der Krankheit und des Todes Bezug genommen werden, die sich durch die ganze Novelle ziehen. Zunächst wird auf das Motiv des Todes eingegangen, danach auf das Motiv der Krankheit. Darauf folgt eine Untersuchung von Viscontis gleichnamigem Film auf die Umsetzung dieser Beispiele.

2.) Die Motive Krankheit und Tod im „Tod in Venedig“

2.1 Das Todesmotiv

Der Tod spielt in der Novelle ein große Rolle, was allein schon am Titel zu sehen ist. So wird auch der Held Gustav von Aschenbach, ein Schriftsteller aus München, andauernd damit konfrontiert. Thomas Mann hat dabei das Todesmotiv in Figuren und Gegenstände integriert und lässt es an gegebenen Stellen auftauchen.

Sogar schon die Figur Aschenbachs birgt den Tod. Denn wahrscheinlich stand als Vorbild für den Nachnamen der Künstler Andreas Achenbach, der 1905 gestorben war und dessen Bilder in der Zeit von Manns Venedigreise in der Münchner Pinakothek ausgestellt waren. Eine geschickte Buchstabenergänzung machte daraus Asche, als Assoziation von Verbrennen und Tod.3

Aschenbachs Spaziergang in München endet am Friedhof, eine Vorausdeutung auf das Ende der ganzen Geschichte, denn sein „Spaziergang“ nach Venedig endet mit dem Tod, also letztendlich auch auf dem Friedhof. Schon in München verlieren sich seine Gedanken in der „durchschneidenden Mystik“ 4 der Inschriften auf dem Gottesacker. Eine ähnliche Abwesenheit der Gedanken kann man beim Auftauchen der Todesboten, dem Wanderer in München, dem Kartenverkäufer und dem greisen Geck auf dem Schiff, dem Gondolier und dem Straßensänger, feststellen, die immer wieder Aschenbachs Weg kreuzen. Sie alle werden detailliert beschrieben und deshalb ist das leicht verändert wiederkehrende Motiv in allen Gestalten wiederzuerkennen. Ihr Zeichen ist der Totenkopf, der durch die Beschreibungen der Köpfe heraussticht.5

Vor allem der Kartenverkäufer auf dem Schiff fällt auf, da von ihm nur sehr wenige Attribute genannt werden und er am wenigsten mit den anderen gemeinsam hat. Er ist auch bei Nicklas Interpretation nicht aufgelistet. Jedoch ist er mit dem greisen Geck, dem falschen Jüngling, in mehreren Dingen gleichzusetzen. So hat der Kartenverkäufer „gelbe[n] und knochige[n] Finger[n]“,6 die Hände des falschen Jünglings auf dem Schiff sind „die eines Greises.“ 7 Damit erinnern beide Hände an die eines Totengerippes. Außerdem rauchen beide eine Zigarette und haben einen Bart, der Kartenverkäufer einen Ziegenbart, der Geck einen Schnurrbart. Die Verbindung zu dem Gondolier geht der Kartenverkäufer durch den schief aufgesetzten Hut ein, einen Hut haben alle Todesfiguren, das entspricht den antiken Darstellungen des Hermes (siehe auch nächste Seite). Auffallend ist, dass das Fremdländische bei drei der Boten hervorgehoben wird.8 Beim Wanderer in München, „durchaus nicht bajuwarischen Schlages“,9 fällt dies Aschenbach genauso auf, wie beim Gondolier, „durchaus nicht italienischen Schlages“,10 und dem Straßensänger, der ihm „nicht venezianischen Schlages“ 11 scheint. Auch etwas Anstößiges besitzen die Todeskonfigurationen, der greise Geck und der Straßensänger spielen auf eine zweideutige Art mit der Zunge im Mundwinkel, als wollten sie Aschenbach verlocken.

[....]


1 Deutscher Komponist, geb. 1813, gest. 1883.

2 Vgl. Weiss, Walter: Thomas Manns Kunst der sprachlichen und thematischen Integration, Düsseldorf 1964, S. 52.

3 Vgl. Wiegmann, Hermann: Die Erzählungen Thomas Manns, Bielefeld 1992, S. 189.

4 Mann, Thomas: Der Tod in Venedig, Frankfurt am Main 162003, S. 11.

5 Vgl. Nicklas, Hans W.: Thomas Manns Novelle “Der Tod in Venedig”. Analyse des Motivzusammenhangs und der Erzählstruktur, Marburg 1968, S. 65.

6 Mann, T.: Tod in Venedig, S. 33.

7 Ebd., S. 35.

8 Vgl. Wiegmann, H.: Erzählungen, S. 191.

9 Mann, T.: Tod in Venedig, S. 11.

10 Ebd., S. 43.

11 Ebd., S. 112.


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