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Bewußtsein - Zu Michael Pauens Analyse "Grundprobleme der Philosophie des Geistes"

Autor: Ulrich Goetz
Fach: Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

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Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 18
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 6  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 175 KB
Archivnummer: V40524
ISBN (E-Book): 978-3-638-39019-4
ISBN (Buch): 978-3-638-82507-8
Anmerkungen :
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand

Zusammenfassung / Abstract

Mit der vorliegenden Hausarbeit versucht Ulrich Goetz, die wichtigsten Inhalte aus Michael Pauens Analyse "Grundprobleme der Philosophie des Geistes" wiederzugeben und zu vertiefen. Das Ziel dieser Untersuchung ist, die epistemologischen Grundlagen der jüngeren Bewußtseinsforschung zu hinterfragen und mögliche Alternativen aufzuzeigen. Hauptgegenstand der Betrachtung ist die Frage, ob und inwiefern neurologische, psychologische und philosophische Erklärungsversuche des Bewußtseins mit einander korrelieren könnten. Ulrich Goetz stützt sich dabei primär auf besagten Text Michael Pauens, Carl Gustav Jungs "Symbole und Traumdeutung", Ernst von Glaserfelds Essay "Konstruktion der Wirklichkeit und des Begriffs der Objektivität", Peter Bieris SPIEGEL-Artikel "Unser Wille ist frei" und Martin Suhrs "Jean-Paul Sartre zur Einführung". Die Hausarbeit gliedert sich in drei Hauptabschnitte. Zunächst wird untersucht, was Qualia sind. Dabei diskutiert Goetz u.a. Jungs Definition des Unterbewußtseins, Satres Existenzphilosophie und die so genannte Libet-Problematik. Im zweiten Abschnitt diskutiere er die sog. Identitätstheorie. Er geht dabei der Frage nach, welche Erklärungsebenen für diese Theorie relevant sind, und welche Rolle Kontrolle, Urteil und Wille in diesem Kontext spielen. Im dritten und letzten Abschnitt stelle er den radikalen Konstruktivismus und sein epistemologisches Kriterium der Viabilität vor, um es auf die Bewußtseinsproblematik zu projizieren. Im Zuge dessen untersucht er den "blinden Fleck" der Selbstbetrachtung und der Konstruktion von Modellen, bevor er mit einem eigens konstruierten Modell die Untersuchung beende.

Textauszug (computergeneriert)

Bewußtsein

von: Ulrich Goetz

 


I. Inhaltsverzeichnis

II. Einleitung Seite 3

III. Hauptteil

1. Qualia Seite 4

1.1. Bewußtsein und Unterbewußtsein Seite 4
1.2. Bewußt-sein Seite 6
1.3. Zur Libet-Problematik Seite 9

2. Identität Seite 10

2.1. Perspektiventrennung Seite 11
2.2. Kontrolle und Urteil Seite 11
2.3. Wille und reflektierter Wille Seite 12

3. Viabilität Seite 13

3.1. "Blinder Fleck" Seite 14
3.2. Die Landkarte ist nicht das Gebiet Seite 15
3.3. "Objektives" und "Subjektives" Universum Seite 16

IV. Quellenverzeichnis Seite 18


 

II. Einleitung

Wir haben uns im vorangegangenen Seminar mit der Frage beschäftigt, wie sich die Fortschritte der Neurowissenschafte n und der empirischen Kognitionsforschung auf die philosophische Diskussion des menschlichen Bewußtseins auswirken können. Aufgrund dieser interdisziplinären Strategie war es uns möglich, neue Einblicke zu diversen Themen wie der Position und Beschaffenheit des Subjekts, Korrelationen zwischen neuronalen und mentalen Prozessen, moralischen Fragen, künstlicher Intelligenz und vielem mehr zu gewinnen. Meine Referatsgruppe war in diesem Kontext für die Abschlußsitzung zuständig, in welcher die wichtigsten Thesen noch einmal zusammengefaßt wurden. Mit der vorliegenden Hausarbeit versuche ich, die wichtigsten Inhalte aus Michael Pauens Analyse Grundprobleme der Philosophie des Geistes wiederzugeben und zu vertiefen.

Das Ziel dieser Untersuchung ist, die epistemologischen Grundlagen der jüngeren Bewußtseinsforschung zu hinterfragen und mögliche Alternativen aufzuzeigen. Hauptgegenstand der Betrachtung ist die Frage, ob und inwiefern neurologische, psychologische und philosophische Erklärungsversuche des Bewußtseins mit einander korrelieren könnten. Ich stütze mich dabei primär auf besagten Text Michael Pauens, Carl Gustav Jungs Symbole und Traumdeutung, Ernst von Glaserfelds Essay Konstruktion der Wirklichkeit und des Begriffs der Objektivität, Peter Bieris SPIEGELArtikel Unser Wille ist frei und Martin Suhrs Jean-Paul Sartre zur Einführung. Die Hausarbeit gliedert sich in drei Hauptabschnitte. Zunächst untersuche ich, was Qualia sind. Dabei diskutiere ich u.a. Jungs Definition des Unterbewußtseins, Satres Existenzphilosophie und die so genannte Libet-Problematik. Im zweiten Abschnitt diskutiere ich die sog. Identitätstheorie. Ich gehe dabei der Frage nach, welche Erklärungsebenen für diese Theorie relevant sind, und welche Rolle Kontrolle, Urteil und Wille in diesem Kontext spielen. Im dritten und letzten Abschnitt stelle ich den radikalen Konstruktivismus und sein epistemologisches Kriterium der Viabilität vor, um es auf die Bewußtseinsproblematik zu projizieren. Im Zuge dessen untersuche ich den "blinden Fleck" der Selbstbetrachtung und der Konstruktion von Modellen, bevor ich mit einem eigens konstruierten Modell die Untersuchung beende.

III. Hauptteil

1. Qualia

Bei einer neurophilosophischen Untersuchung des Themenkomplexes "Bewußtsein" stellt sich zunächst die Frage, an welchem Punkt wir in die Diskussion einsteigen wollen. Der Begriff "Quale" (bzw. "Qualia" im Plural) scheint mir gut dafür geeignet zu sein, da er ganz allgemein die phänomenale Qualität eines Bewußtseinszustandes bezeichnet. "Phänomenale Qualität" bedeutet in diesem Kontext, daß ein bestimmter Bewußtseinszustand einer bestimmten subjektiven Empfindung entspricht. Wenn wir von "Qualia" sprechen, dann sagen wir also noch nichts Spezifisches über die Struktur des Bewußtseins aus. Wir sagen damit nur, daß es für ein Subjekt "irgendwie" ist, einen bestimmten Bewußtseinszustand zu haben.

"Qualia" sind deshalb von entscheidender Bedeutung für Bewußtseinstheorien, weil wir jedem Bewußtsein zusprechen, Zustände wie z.B. Schmerz oder Farbwahrnehm ungen in einer subjektiven Art und Weise zu erleben. Hierbei bleibt jedoch offen, weshalb die elektrochemischen Aktivitäten von Nervenzellen mit Qualia verbunden sein können, also Bewußtsein zu produzieren scheinen. Alle wissenschaftlichen Theorien, welche die Erforschung des Bewußtseins bislang hervorgebracht hat, lassen eine große "Erklärungslücke" (Michael Pauen) bezüglich einer grundlegenden Arbeitshypothese klaffen: Der Korrelation von Bewußtsein und neuronalen Prozessen.1

1.1. Bewußtsein und Unterbewußtsein

Ich halte es an dieser Stelle für entscheidend, genauer zu untersuchen, was es überhaupt bedeutet, etwas "bewußt" zu erleben. Welcher konkrete Zusammenhang besteht zwischen unserem bewußten Erleben (dem Bereich des "Mentalen") und den Prozessen, welche sich in unserem Gehirn abspielen, also dem Bereich des "Physikalischen"? Und: Muß Bewußtsein zwingend eine gedankliche Reflexion voraussetzen?

Laut Michael Pauen sind mentale Prozesse entweder mit neurologischen Prozessen identisch, oder von ihnen zu unterscheiden. Trifft letzteres zu, so stehen Pauen zufolge zwei weitere Optionen offen: Erstens, mentale und neurologische Prozesse weisen eine komplementäre Verbindung auf. Zweitens, mentale Prozesse sind zwar existent, aber ohne kausalen Einfluß auf neurologische Prozesse.2 In diesem Falle wären neuronale Prozesse gleichsam ein "Abfallprodukt" des Gehirns bzw. der elektrochemischen Aktivitäten seiner Nervenzellen. Eine dritte Möglichkeit, die mentalen Prozesse hier als maßgeblich einzustufen, zieht Pauen allerdings nicht in Betracht. Ein weiteres wissenschaftliches Paradigma, welches sich mit der Struktur des Bewußtseins beschäftigt, ist das der Psychologie. Die Psychologie, welche sich von ihrem Ursprung her primär auf die Arbeiten von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung zurückführen läßt, ist mitnichten ein homogenes Gebilde. Dennoch meine ich, in diesem Kontext zwischen drei verschiedenen Kategorien des Bewußtseins unterscheiden zu können: Dem Bewußten, dem Unterbewußten und dem Unbewußtem3. Ich behaupte damit nicht, daß es einen allgemeinen Konsens innerhalb der "Alltagspsychologie" über die exakte Bedeutung dieser Begriffe gäbe. Der entscheidende Denkansatz dieses Paradigmas aber ist: Das Bewußtsein ist mit der Psyche nicht identisch, sondern nur ein Teilaspekt davon.4

[...]


1 Vgl. Michael Pauen, Grundprobleme der Philosophie des Geistes, S.84, in: Pauen, Michael / Roth, Gerhard (Hg.), Neurowissenschaften und Philosophie, München 2001, S.83-122

2 Ebd., S.86

3 Das Unbewußte ist das, was sich dem Bewußtsein entzieht. Diese Kategorisierung ist rein methodisch. Ich behaupte damit, daß ein Subjekt nicht alle potentiell möglichen Erfahrungen, welche von seiner Umwelt ausgehen, in Form von Qualia haben bzw. verarbeiten kann.

4 Dies hat durchaus zu wissenschaftlichen Kontroversen geführt, weshalb Jung seine Position hierzu mit Vehemenz verteidigt. Vgl. Jun g, Carl Gustav, Symbole und Traumdeutung, Düsseldorf / Zürich 2003, S.15: "Auf Grund ihrer Erfahrungen nehmen Psychologen die Existenz einer unbewußten Psyche an – obgleich viele Naturwissenschaftler und Philosophen deren Existenz abstreiten. Letztere folgern naiv, eine solche Annahme schließe die Existenz zweier ′Subjekte′ in sich oder, allgemeiner ausgedrückt, zweier Persönlichkeiten innerhalb desselben Individuums. Und genau das bedeutet es auch – sehr richtig."

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