Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Scholary Paper (Seminar), 2004, 18 Pages
Author: Lucas Glombitza
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Institution/College: Dresden Technical University (Institut für Germanistik)
Tags: Zwischen, Lehre, Predigt, Ordo-Gedanken, Gesprächen, Vater, Sohn, Helmbrecht, Mære, Wernher, Gartenære, Faszination, Gewalt, Texten)
Year: 2004
Pages: 18
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-39037-8
File size: 227 KB
Other users also were interested in the following titles:
Excerpt (computer-generated)
TU – Dresden, Institut für Germanistik
Lehrstuhl für germanistische Mediävistik
Seminar III: Die Faszination von Gewalt
4. Semester
Zwischen Lehre und Predigt. Zum Ordo-Gedanken in den
Gesprächen zwischen Vater und Sohn Helmbrecht im
Mære von Wernher dem Gartenære
von: Lucas Glombitza
INHALT
1. Einleitung und Vorgedanken Seite 2
2. Analyse und Interpretation der Gespräche zwischen Vater und Sohn
2.1. ordenunge kontra girischeit – Das erste Gespräch (226 – 388) Seite 5
2.2. Vom rehten und unrehten tuon – Das zweite Gespräch (408 – 645) Seite 7
2.3. Der Topos von der „guten alten Zeit“ – Das dritte Gespräch (904 – 1040) Seite 10
2.4. Gewalt als Ordo-Verletzung – Das vierte Gespräch (1078 – 1292) Seite 12
3. Die Mahnung zur ordenunge – ein Fazit Seite 15
Bibliographie zum Thema Seite 17
1. Einleitung und Vorgedanken
Das Mære vom Meier Helmbrecht stammt vermutlich aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Verfasser ist Wernher der Gartenære. Dies wissen wir aus dem letzten Vers des Mære, in dem sich der Dichter selbst nennt, um, wie es in mittelalterlichen Texten häufig vorkommt, für sich Gottes Gnade zu erbitten. Darüber hinaus ist über den Verfasser wenig bekannt. Einige Forscher hielten ihn für einen Geistlichen, andere bezweifelten diese These wieder. Letztendlich muss akzeptiert werden, dass die Erstellung einer Dichterbiographie aufgrund des Mangels an historischen Zeugnissen, wie so häufig bei Verfassern mittelhochdeutscher Texte, unmöglich ist.1
Der mittelalterliche Ordo-Gedanke und die auf dieser Gesellschaftsordnung fußenden Rechtsvorstellungen sind das zentrale Thema des Mære. Eine lange Tradition hat deshalb auch die Auseinandersetzung mit dem „Helmbrecht“ aus rechtshistorischer Sicht. Nicht immer wurde dabei der literarische Charakter des Mære genügend beachtet. Ohne Zweifel besitzt die Erzä hlung auch einen hohen Quellenwert für Rechtshistoriker, dennoch weist Jan-Dirk Müller darauf hin, dass in literarischen Texten „weder soziale Strukturen oder Konflikte, noch kollektive Mentalitäten direkt greifbar“ werden.2 Das Mære vom Helmbrecht hat ohne Zweifel den Charakter einer Lehr- und Mahndichtung. Eine zentrale Rolle spielen hierfür die Gespräche zwischen Vater und Sohn Helmbrecht. Traditionell wurde das Mære vom Helmbrecht als die Geschichte eines Aufsteigers gesehen, dessen Aufstiegswillen in der mittelalterlichen Gesellschaftsordnung kriminalisiert wird. Darüber hinaus wird in der Forschung eine Verbindung des Mære zu den franziskanischen Predigten des Berthold von Regensburg gesehen.
Die vorliegende Arbeit will die Bedeutung des Ordo-Gedanken, wie sie in den Gesprächen zwischen Vater und Sohn deutlich wird, herausarbeiten. Dazu sollen die Gespräche analysiert und interpretiert werden. Welche Rolle erfüllen beide Figuren im Hinblick auf die Lehre, die erteilt werden soll? Worin bestehen die Ordo-Verletzungen des jungen Helmbrecht und wie sind sie zu bewerten? Ist der Vater wirklich eine uneingeschränkt positive Figur, die den Gegenpol zum amoralischen Sohn bildet, oder ist er in die Kritik mit einbezogen? Das Handlungsmodell des Textes ist vom literarischen Vorbild des höfischen Romans bestimmt. Die Beutezüge Helmbrechts sind nach dem Vorbild der aventiure-Fahrten eines ritterlichen Helden gestaltet. Ohne das Modell des doppelten Cursus aus dem höfischen Roman überstrapazieren zu wollen, kann auch im „Helmbrecht“ eine Art doppelter Cursus ausgemacht werden. Der erste Cursus beschreibt die Phase vor Helmbrechts erstem Beutezug. Der zweite Cursus umfasst die Zwischenheimkehr und den zweiten Beutezug. Das Finale bildet die nach höfischem Vorbild abgehaltene Hochzeit Gotelints und Lemberslints, die dann in das eigentliche Finale, die Ergreifung der Verbrecher durch die Schergen und die Bestrafung Helmbrechts, übergeht. Diese Ähnlichkeit zum höfischen Roman ist freilich nur auf das Handlungsmodell bezogen. Inhaltlich findet geradezu eine Verkehrung des höfischen Romans statt. Helmbrecht sucht auf seiner „aventiure-Fahrt“ nicht den Kampf mit Rittern und ehrwürdigen Gegnern, sondern vergeht sich an Witwen und Waisen (1463ff.) sowie Frauen (677f.) und Kindern (1853ff.), also an jenen Gruppen, die in besonderer Weise unter dem Schutz der Waffentragenden stehen.
Es gibt je nach Auffassung zwei oder vier Gespräche zwischen Vater und Sohn Helmbrecht. Das Gespräch vor dem Beutezug und das Gespräch bei der Zwischenheimkehr Helmbrechts kann jeweils in zwei Teile gegliedert werden. Der zweite Teil des Gesprächs stellt jedes Mal den Versuch des Vaters dar, den Sohn doch noch von seinem Vorhaben abzuhalten, zu einem Zeitpunkt, als dieser sich bereits zum Gehen gewandt hat. Die vorliegende Arbeit geht von vier Gesprächen zwischen Vater und Sohn aus. Ihre Analyse und Interpretation erfolgt in den Kapiteln 2.1. bis 2.4. Im Kapitel 2.2. findet anhand des Textes ein kurzer Exkurs zur Beziehung des Mære zur franziskanischen Predigt, wie sie von Berthold von Regensburg überliefert ist, statt. Im Kapitel 2.3. wird in einem knappen Exkurs auf eine Möglichkeit der zeitgenössischen Lesart des „Helmbrecht“ eingegangen. Die Träume des Vaters, die er im zweiten Gespräch schildert, sollen nur am Rande erwähnt werden. Eine explizite Analyse und Interpretation der Träume würde die Frage nach der Bedeutung von Träumen in mittelalterlichen Texten einschließen und könnte so die Grundlage für einen eigene Arbeit bilden. Zum Schluss des einleitenden Kapitels noch ein formaler Hinweis: Um Missverständnisse zu vermeiden, bezeichnet der Name Helmbrecht in der vorliegenden Arbeit immer der Sohn, es sei denn es ist explizit vom „Vater Helmbrecht“ die Rede.
2. Analyse und Interpretation der Gespräche zwischen Vater und Sohn
2.1. ordenunge kontra girischeit – Das erste Gespräch (226 – 388)
Nachdem die höfische Ausstattung und das höfische Aussehen des jungen Helmbrecht zu Beginn des Mære ausführlich geschildert wurde, kommt es zum ersten Gespräch zwischen Vater und Sohn. Mutter und Schwester haben einen großen Teil zur Ausstattung Helmbrechts beigetragen, nun fordert der Sohn von seinem Vater einen Hengst, um sein ritterliches Äußeres zu komplettieren. Der Sohn beginnt seine Rede mit folgenden Worten: mîn wille mich hinz hove treit (226) Es ist die für einen Bauern ferne und fremde Welt des Hofes, die den jungen Helmbrecht anzieht. Was er anstrebt, ist nicht ein wohlüberlegtes Überwinden von Standesschranken, vie lmehr sind es die vermeintlichen Privilegien der hovewîse. Was er will, ist nicht ein Leben mit allen Rechten und Pflichten des Ritterstands, wie Georg Steer deutlich gemacht hat,3 sondern die Verwirklichung eines Ritterlebens, wie es sich aus bäuerlicher Sicht darstellt.4 Angetrieben ist er vom Neid auf jene Ritter, mit denen er in seinem bäuerlichen Leben in Berührung gekommen ist.
[...]
1 Hannes Kästner: ‚Fride und Reht’ im ‚Helmbrecht’. Wernhers Märe im Kontext zeitgenössischer Franziskanischer Gesellschafts- und Ordnungsvorstellungen. In: Wernher der Gartenære. Helmbrecht. Die Beiträge des Helmbrecht-Symposions in Burghausen 2001. Hrsg. von: Theodor Noll, Stuttgart 2001, S. 43.
2 Jan-Dirk Müller: Die hovezuht und ihr Preis. Zum Problem höfischer Verhaltensregulierung in Ps.-Konrads ‚Halber Birne’. In: Jahrbuch der Oswald von Wolkenstein Gesellschaft, Bd. 3, 1984 / 1985, S. 284.
3 Georg Steer: Rechtstheologische Implikationen der Helmbrecht-Dichtung Wernhers des Gartenære. In: Poesie und Gebrauchsliteratur im deutschen Mittelalter. Würzburger Colloquium 1979. Hrsg. von: Walter Honemann u.a., Tübingen 1979, S. 241.
4 Bruno Boesch: Lehrhafte Literatur. Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter (Grundlagen der Germanistik 21), Berlin, 1977, S.59.
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Der Ordo-Gedanke bei Wernher der Gartenaere "Helmbrecht"
Author: M.A. Brit KaeglerGerman Studies - Older German Literature, Mediaevistik, 2002 Download as PDF-file for 7,99 EUR
Die Quellen zur Königserhebung von Heinrich I. bei Johannes Fried
Author: Denise EngelHistory - Middle Ages, Early Modern, 2006 Download as PDF-file for 7,99 EUR
Überlegungen zur jüdischen Deutung einiger Werke Franz Kafkas unter besonderer Berücksichtigung kabbalistischen und chassidischen Gedankengutes
Author: Nathalie Kónya-JobsGerman Studies - Modern German Literature, 2005 Download as PDF-file for 10,99 EUR
Herrschertode bei Widukind von Corvey Konrad I. und Heinrich I.
Author: M.A. Mirko JungkunzHistory - Middle Ages, Early Modern, 2003 Download as PDF-file for 8,99 EUR
Jüdisches in den Briefen Franz Kafkas an Milena Jesenská
Author: Cornelia MaassGerman Studies - Modern German Literature, 1999 Download as PDF-file for 7,99 EUR
'Kronzeuge und Herausforderung' - Der Geschichtsschreiber Widukind von Corvey
Author: B.A. Simon GrothHistory - Middle Ages, Early Modern, 2006 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Franz Kafkas "Das Schloß"- Zionismus oder Assimilation?
Author: Felix BrennerGerman Studies - Modern German Literature, 2006 Download as PDF-file for 9,99 EUR
Analyse und Deutung des Achsenmonologes in Friedrich Schillers Wallenstein
Author: Julia GeiserGerman Studies - Modern German Literature, 2005 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Der Mittelalterliche Klostergarten
Author: Nadja LitschkoEthnology / Cultural Anthropology, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Die Sprachbezeichnung 'deutsch' - Entstehung und Entwicklung des Wortes
Author: Nicole OpetzGerman Studies - Linguistics, 2004 Download as PDF-file for 2,99 EUR
This text can be quoted and accessed from this url: