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Scholary Paper (Seminar), 2002, 20 Pages
Author: Julia Krknjak
Subject: Rhetoric / Elocution / Oratory
Details
Institution/College: University Karlsruhe (TH) (Institut für Literaturwissenschaft)
Tags: Rhetorik, Politik, Ausschnitte, Rhetorik
Year: 2002
Pages: 20
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-39164-1
File size: 224 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Karlsruhe (TH)
Institut für Literaturwissenschaften
Proseminar: Rhetorik
Rhetorik in der Politik - Ausschnitte -
von: Julia Krknjak
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
ANALYSE 5
Rhetorik und Politik 5
Politische Rede im Deutschen Bundestag 6
Politische Interviews in Rundfunk und Fernsehen: ein Regelwerk 8
BEISPIELE 10
Politiker in Fernsehdiskussionen 10
Kohl und Krenz: Interviews im Vergleich 11
Rhetorik und Skandale 14
Rhetorische Strategien in Fällen von politischen Skandalen 16
Die Barschel Affäre 17
Schluss 20
Literaturliste 22
Einleitung
Der Funktionswandel keiner anderen klassischen rhetorischen Gattung ist so groß wie der der politischen Rede. Die politische Rede wurde früher gezielt dazu eingesetzt, bestimmte Wählerentscheidungen herbeizuführen und die politische Praxis zu lenken. Dabei kamen in der politischen Rede auch andere Redegattungen vor, wie zum Beispiel Lob und Tadel aus der Festrede. „Wir stehen dagegen im modernen Verwaltungsstaat vor der Situation, dass nur in seltenen Fällen noch Entscheidungen durch Beratungsreden, also etwa durch Reden und Debatten im Parlament, herbeigeführt werden. Vielmehr sind die Entscheidungen in der Regel längst gefallen, in Ausschüssen und Gremien, die ohne Öffentlichkeit arbeiten, in denen Mehrheitsverhältnisse, Absprachen und Koalitionen die Ergebnisse herbeiführen. Diese Ergebnisse müssen nachträglich vor der Öffentlichkeit vertreten und zur Akzeptanz gebracht werden.“1 Die Rolle der Rhetorik und ihre Ziele haben sich also verändert. „Solche Erfordernisse haben nicht nur eine politische Werberhetorik hervorgebracht (…) sondern auch neue rhetorische Strategien“ 2. Eine davon ist, bestimmte Vorüberlegungen und Vorentscheidungen an die Öffentlichkeit zu bringen, die gar nicht ernsthaft erwogen werden, um dann das eigentliche, kleinere Ziel nachzuschieben. Die aufgeschreckte Bevölkerung akzeptiert nun das kleinere Übel in dem Glauben, das Schlimmste abgewendet zu haben (wie in den Steuerdebatten nach der Bundestagswahl 2002) und glaubt auch noch durch ihren Protest an dem Ergebnis mitgewirkt zu haben. Ein ähnlicher Mechanismus kommt bei politischen Skandalen zu Tage: es werden nachgeordnete Fehlentscheidungen eingeräumt, drittrangige Versäumnisse, um die Verantwortung für das wirkliche Geschehen auf Nebenschauplätze zu lenken. „Wenn Entscheidung über Zukünftiges nicht mehr Hauptziel politischer Rede und Diskussion ist, sondern der nachträgliche Konsens über getroffene Entscheidungen, dann wird die politische Rede die Institutionen und Medien beherrschen, in denen über den Konsens entschieden wird, und das sind in unserer Gesellschaft die Massenmedien und Bildungsinstitutionen.“3 Bereits dieser kurze Überblick über die Rollen der Rhetorik lässt erahnen, wie vielschichtig das Thema eigentlich ist. Um den Rahmen dieser Hausarbeit nicht allzu sehr zu sprengen, ist sie in zwei Bereiche unterteilt. Einen analytischen Bereich, der Einblicke in die Theorie politischer Rhetorik geben soll, und zwei Beispiele. Einmal aus dem Medium Fernsehen, es werden die Interviewpartner Kohl und Krenz verglichen, zum anderen soll am Beispiel der „Barschel-Affäre“ gezeigt werden, mit welchen rhetorischen Mitteln in der Politik gekämpft wird.
ANALYSE
Rhetorik und Politik
Rhetorische Fähigkeiten in der Politik sind entscheidend für Führung und Gefolgschaft, sie dienen zur Begründung personaler Autorität über die Erfordernisse und Leistungen der Positionen hinaus. Rhetorik dient auch der Rechtfertigung von Herrschaft, der Beschaffung von Legitimität durch Darstellung der Politik, das heißt der Werte, Normen und Problemlösungen. In Regierungssystemen wie dem in Deutschland, wo Politiker vom Volk gewählt werden und eine mehr oder minder kritische Öffentlichkeit die politischen Handlungen verfolgt, ist Rhetorik ein zentrales Element um Mehrheiten auf politische Ziele, Handlungen und Personen zu vereinigen. Allerdings ist sie kein Mittel zur Entscheidungsfindung, wie bereits im Vorwort erwähnt. Es handelt sich um eine `demokratische Auftragsherrschaft´.
Politische Redelehre wurde hauptsächlich dort gelehrt, politische Rede hauptsächlich dort praktiziert, wo Formen der Herrschaftsbeschränkung, Kontrolle, Auftragsautorität und damit verbundene politische Diskussion bestanden; also in der griechischen Demokratie, der römischen Republik, dem englischen Parlament. In der Spätantike, in der Feudalherrschaft des Mittelalters und im absolutistischen Fürstentum der Neuzeit verfiel die Praxis der politischen Rhetorik, sie war bestenfalls Gerichtsrede, akademische Rede, Predigt (z.B. Jesuitenrhetorik) oder schriftliche Rhetorik (Dichtung, besonders Dramatik, Brief und Urkunde etc.).
In totalitären und autoritären Systemen ist die Rolle politischer Rhetorik wieder größer, hier entsteht ein Legitimitätsvakuum, weil keine Rechtfertigung auf Grund traditioneller Institutionen, wie z.B. das Geburtsrecht, die Herrschaft stützt, noch eine echte demokratische Bestätigung vorhanden ist. Die größte Rolle spielt politische Rhetorik also wenn Legitimation fehlt, wie z.B. in Deutschland und Italien in der Mitte des 20. Jahrhunderts, unter Hitler und Mussolini. „Die Ideologien mit ihren Zukunftserwartungen, ihrem Sendungsbewusstsein, ihren Umgestaltungs- und Umerziehungszielen, ihren Freund -Feind- Schemata, bedürfen der rhetorischen Propagierung. Die Rechtfertigung durch das Cha- risma der Führergestalten ist auf die rhetorische Verbreitung der Vorzüge von Personen dringend angewiesen. Gewaltanwendung und Gewaltandrohung reichen zur Anerkennung der neuen Werte und Normen nicht aus, die Darstellung der Qualität der Politik in Form politischer Religion ist notwendig. Die Gründe für die Obligation der Beherrschten müssen immer wieder präsentiert werden.“4 Hitler fand 1933 in Deutschland eine günstige Ausgangsposition für sein Wirken. Er war der erste, der die politische Valenz des gesprochenen Wortes nicht nur durchschaute, sondern unter dem Aspekt der Massenbeeinflussung auch nutzte; er räumte der Rede in „Mein Kampf“ eine Bedeutung ein, die ihr lange niemand mehr eingeräumt hatte. Sucht man in der deutschen Literatur nach entschiedenen Warnungen vor den Gefahren rednerischer Demagogie, dann sucht man bis 1945 vergebens .
Politische Rede im Deutschen Bundestag
[...]
1 Ueding, Gert: Rhetorik und Politik. Siehe Vorwort.
2 Ueding, Gert: Rhetorik und Politik. Siehe Vorwort.
3 Es ist allerdings längst kein Verdacht mehr, dass die keiner politischen Kontrolle unterworfenen Massenmedien nicht nur Entscheidungen verbreiten, sondern auch vorwegnehmen oder bewusst durch Selektion und Berichterstattung beeinflussen, also selbst aktiv Politik machen. Wie viel Gewicht sie in der politischen Entscheidungsfindung tatsächlich haben, ist schwer abzugrenzen, einzelne Skandale wie die Geschichte der Katharina Blum geben aber immer wieder Grund zur Besorgnis.
4 Grieswelle, Detlef: Rhetorik und Politik: kulturwissenschaftliche Studien. S.18-19
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