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Zu Alejo Carpentiers: 'Los Pasos Perdidos'

Untertitel: Die Darstellung des „Real Maravilloso“ am Beispiel des Romans

Seminararbeit, 2005, 26 Seiten
Autor: Juliane Ziegler
Fach: Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Details

Institution/Hochschule: Universität Osnabrück
Tags: Alejo, Carpentiers, Pasos, Perdidos
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 26
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 14  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V40735
ISBN (E-Book): 978-3-638-39182-5

Dateigröße: 456 KB


Textauszug (computergeneriert)

 

Universität Osnabrück

Juliane Ziegler
Literaturwissenschaft, 
Politikwissenschaft & Romanistik
3. Semester

Alejo Carpentier: „Los Pasos Perdidos“

Die Darstellung des „Real Maravilloso“ am Beispiel des Romans
Der Realismusbegriff und „realistische“ Literatur
in Spanien und Lateinamerika

Wintersemester 2004/2005

 

 

1. Inhalt

2. EINLEITUNG 3

3. ALEJO CARPENTIER 4
3.1 DIE BIOGRAPHIE 4
3.2 CARPENTIERS WERK 5

4. LOS PASOS PERDIDOS 7
4.1 INHALT DES ROMANS 7
4.2 ÜBER DEN ROMAN 9

5. LO REAL MARAVILLOSO – ENTSTEHUNG UND KONZEPTION 11
5.1 DER BEGRIFF DES MAGISCHEN REALISMUS 11
5.2 LO REAL MARAVILLOSO NACH ALEJO CARPENTIER 14
5.3 LO REAL MARAVILLOSO IM VERGLEICH MIT LO REALISMO MÁGICO 17

6. LO REAL MARAVILLOSO IN LOS PASOS PERDIDOS 18
6.1 „WELT“ UND „ZEIT“ - DIE ZENTRALEN BEGRIFFE 19

7. FAZIT 24

8. LITERATURVERZEICHNIS 25

 

 

2. Einleitung

In dieser Ausarbeitung soll die literarische Gattung Lo Real Maravilloso exemplarisch erläutert und diskutiert werden. Alejo Carpentier, ein kubanischer Schriftsteller, prägte diesen Begriff anhand des Vorwortes in seinem Roman El reino de este mundo. In dieser Hausarbeit werden die darin erläuterten Thesen auf seine Erzählung Los pasos perdidos bezogen. 

Zunächst wird der Lebenslauf Alejo Carpentiers dargestellt - denn seine zahlreichen Reisen und seine kosmopolitische Erziehung sind Gründe für die in all seinen Werken auftauchenden Themen: Kulturkontakt und –verschmelzung. Des weiteren wird der Roman Los pasos perdidos sowohl auf inhaltlicher als auch auf stilistischer Ebene vorgestellt. Anschließend werden die Begriffe des Magischen Realismus bzw. El Realismo Mágico erläutert. Dies erweist sich als schwierig, denn wie die nachfolgende Darstellung deutlich machen wird, gibt es sehr viele verschiedene Definitionen dieser Gattung. Zwar ähneln sich die Ausführungen und überschneiden sich in verschiedenen Punkten, es wird jedoch kein Konsens gefunden. 

Die Entstehung und Konzeption des von Carpentier geprägten Begriffs Lo Real Maravilloso bzw. Wunderbare Wirklichkeit hängt eng mit dem Magischen Realismus zusammen, so dass in dieser Arbeit zunächst eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Magischen Realismus erfolgt, bevor Lo Real Maravilloso dargestellt wird. Die Arbeit Michael Scheffels, „Magischer Realismus – Die Geschichte eines Begriffes und ein Versuch seiner Bestimmung“, ist eine sehr wichtige Quelle für diese Ausführung und es wird oft auf Scheffel verwiesen. Abschließend wird der Versuch angestellt, die beschriebenen Merkmale des Real Maravilloso auf den Roman Los Pasos perdidos zu beziehen.

3. Alejo Carpentier

3.1 Die Biographie

Alejo Carpentier wurde am 26. Dezember 1904 in Havanna1 geboren. Als seine Eltern, ein Architekt bretonischer Herkunft und eine russische Ärztin, zwei Jahre zuvor nach Kuba emigrierten, war das Land nach vier Jahrhunderten spanischer Kolonialherrschaft gerade in die wirtschaftliche, politische und kulturelle Abhängigkeit der USA geraten.2 Carpentier wuchs somit unter vielfältigen kulturellen Einflüssen auf. Er wurde zweisprachig, französisch und spanisch, erzogen. Mit seinen Eltern unternahm er als Kind zahlreiche Reisen durch Europa. In Paris besuchte er das Gymnasium, begann 1921 in Havanna ein Architektur-Studium, das er jedoch abbrach und in das Studium der Musikwissenschaft und Völkerkunde aufnahm. Gleichzeitig hat er sich dem Journalismus zugewandt. Er wurde Chefredakteur der Zeitschrift Carteles und Mitherausgeber der Revista de avance. Carpentier schloss sich der Gruppe „Minorista“ an, eine sowohl intellektuell-avantgardistisch, als auch politisch-oppositionelle Runde. 

Nachdem er 1927 wegen einer politischen Protestaktion gegen die Machado-Diktatur sieben3 Monate inhaftiert war, emigrierte er im darauf folgenden Jahr nach Paris, wo er die Arbeit als Musikkritiker und Komponist aufnahm. Hier kam Carpentier mit den Surrealisten André Breton, Tristan Tzara, Louis Aragon, Paul Eluard und dem Kubisten Pablo Picasso in Kontakt. Später wird es zum Bruch mit dieser Bewegung kommen, denn sie würde nichts Neues mehr schaffen.4 Die elf Jahre in Frankreich erweckten in ihm ein neues nationales Bewusstsein und führten für Carpentier zu einer Art „Neuentdeckung Amerikas“, das er mit den Ansichten des Surrealismus neu zu erkennen glaubte.5 Er vertrat die Ansicht, seine künstlerische Zukunft bestünde jetzt darin, das Wesen Amerikas auszudrücken und zu bestimmen:


„Ich fühlte den brennenden Wunsch, die amerikanische Welt auszudrücken. Noch wusste ich nicht wie. Die Schwierigkeiten der Aufgabe, die in meiner Unkenntnis des amerikanischen Wesens begründet lag, beflügelte mich. Lange Jahre hindurch widmete ich mich der Lektüre all dessen, was es über Amerika gab, angefangen bei den Briefen des Kolumbus, weiter zu Inca Garcilaso und bis zu den Autoren des 18. Jahrhunderts. (...) Amerika erschien mir wie eine große Nebelwolke, die ich zu verstehen suchte, weil ich dunkel davon überzeugt war, dass mein Werk sich hier entwickeln, dass es zutiefst amerikanisch werden würde.“6

Ab 1939 war er als Professor für Musikgeschichte an der Universität Havanna tätig, arbeitete als stellvertretender Rundfunkdirektor und -leiter des Erziehungsministeriums. Seine Arbeit als Musikwissenschaftler und -kritiker spiegelt sich in seinen Werken wider, denn in vielen seiner Romanen verarbeitet er musikalische Symbole auf.7

[...]


1 Harmuth schreibt, Carpentier sei in Lausanne geboren. Allerdings taucht in den meisten Quellen die Information auf, sein Geburtsort sei Havanna

2 Wolfgang Eitel (Hrsg.): Lateinamerikanische Literatur der Gegenwart, Stuttgart, 1978, S. 265

3 in verschiedenen Quellen ist mal von sechs, mal von sieben Monaten die Rede

4 Strausfeld, Mechthild: Lateinamerikanische Literatur, Frankfurt am Main, 1976, S. 80

5 Dieter Günter: Die lateinamerikanische Literatur von ihren Anfängen bis heute, Frankfurt am Main, 1995, S. 353

6 Strausfeld, ebd., S. 81

7 Eitel, ebd., S. 265


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