Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Autor: Ebbe Volquardsen
Fach: Skandinavistik
Details
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Institut für Europäische Ethnologie)
Tags: Potentiale, Schaffung, Milieus, Kopenhagen, Kreative, Städte, Aktuelle, Ethnographien, Städte, Vergleich
Jahr: 2004
Seiten: 19
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 20 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 407 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-39187-0
Die Seminararbeit wurde am Institut für Europäische Ethnologie eingereicht, passt aber auch in den Fachbereich Kulturwissenschaft meines ersten Studienfaches Skandinavistik.
Textauszug (computergeneriert)
HUMBOLDT - UN I V E R S I T Ä T ZU BE R L I N
P H I L O S O P H I S C H E F A K U L T Ä T I
I N S T I T U T F Ü R E U R O P Ä I S C H E E T H N O L O G I E
WS 2 0 0 4 / 2 0 0 5
K R E A T I V E S T Ä D T E ? A K T U E L L E E T H N O G R A P H I E N
E U R O P Ä I S C H E R S T Ä D T E I M V E R G L E I C H
P O T E N T I A L E Z U R S C H A F F U N G
K R E A T I V E R M I L I E U S I N K O P E N H A G E N
B E R L I N, D E N 1 . M A I 2 0 0 5
E B B E V O L Q U A R D S E N
S K A N D I N A V I S T I K
P O L I T I K W I S S E N S C H A F T
E U R O P Ä I S C H E ET H N O L O G I E
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1. Zielsetzung 3
1.2. Hinführung zum Thema 3
2. Die Verwaltungsstruktur Kopenhagens 5
2.1. Die Gemeinden im Großraum Kopenhagen 5
2.2. Die Stadtteile Kopenhagens 6
3. Das Image Kopenhagens im Wandel der Zeit 7
3.1. Der skandinavische Sündenpfuhl 7
3.2. Neue Brücken und ein neues Image 8
3.3. Gründe für den Imagewandel 9
3.4. Kopenhagen – zu sauber für neue Kreativität? 9
3.5. Voraussetzungen für die Schaffung kreativer Milieus 10
4. Demografischer und sozialer Wandel in Kopenhagens inneren Bezirken 12
4.1. Die Entstehung der Brückenviertel im Zuge der Industrialisierung 12
4.2. Die neuen Wohlstandsviertel im Norden 12
4.3. Der soziale Wohnungsbau des Wohlfahrtsstaates 12
4.4. Bevölkerungsaustausch in Nørrebro und Vesterbro 13
4.5. Stadterneuerungsmaßnahmen und Straßenkämpfe in den Brückenvierteln 13
5. Die potentiellen kreativen Viertel 14
5.1. Beispiel: Indre Nørrebro 14
5.2. Beispiel: Vesterbro 16
6. Ausblick 17
7. Literatur 19
1. Einleitung
1.1. Zielsetzung
Wenn heute von ökonomisch tragfähigen Zukunftsmodellen für europäische Großstädte die Rede ist, fällt meist der Begriff Kreativität. Die Schaffung kreativer Milieus wird als substantiell dafür angesehen, ökonomische Krisen im urbanen Raum zu überwinden. In dieser Arbeit möchte ich untersuchen, inwieweit in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen die Weichen zur Begünstigung kreativen Wirkens gestellt sind. In einem ersten Abschnitt möchte ich in die allgemeine Thematik einführen und einige Begrifflichkeiten klären. Es folgt ein Kapitel zu den politischen und strukturellen Gegebenheiten im Großraum Kopenhagen, ohne deren Kenntnis eine stadtplanerische Untersuchung wie diese kaum Sinn macht. Bevor ich zwei Stadtteile – Indre Nørrebro und Vesterbro – detaillierter auf ihre Tauglichkeit, sich zu kreativen Vierteln zu entwickeln, untersuchen möchte, werde ich zunächst auf den deutlichen Imagewandel, den Kopenhagen in den letzten Jahren erlebt hat, und die daraus resultierende Diskussion um die Notwendigkeit zur Schaffung kreativer Räume eingehen.
Der genaueren Betrachtung der genannten Stadtteile ist ebenfalls ein Abschnitt über den demografischen und sozialen Wandel innerhalb der Kopenhagener Innenstadtbezirke in den zurückliegenden Jahrzehnten vorangestellt, der für die spätere Detailanalyse bedeutsam ist. Schließlich möchte ich – nicht ohne eigenen Kommentar – einen Ausblick wagen und versuchen, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob es Kopenhagen in den kommenden Jahren gelingen wird, sich seinen Platz auf der kreativen Weltkarte zu sichern.
1.2. Hinführung zum Thema
Die Großstädte – insbesondere aber die Hauptstädte – Westeuropas teilen in einem nicht geringen Maße gemeinsame Probleme, Schicksale aber auch Chancen. Die soziale, ökonomische und kulturelle Gemengelage, in der sich unsere großen Städte heute befinden, wird häufig mit dem Ausdruck Urbanität umschrieben. In der Tat handelt es sich dabei um einen recht hohlen Begriff, meint er in seiner Grundbedeutung doch nichts anderes, als für die Stadt typisch. Im übergeordneten Sinne wohnen dem Begriff Urbanität aber noch weitere Bedeutungen bei. Bildung und Weltgewandtheit nennt allein das Fremdwörterbuch des Duden-Verlags1. So lässt sich feststellen, dass der Ausdruck Urbanität in seiner Grundaussage positiv besetzt ist, und man könnte weiter konstatieren, dass das durch Urbanität umschriebene, nämlich das für die Stadt typische, grundsätzlich ebenfalls vorteilhaft konnotiert ist.
Was aber ist es, das die großen Städte des westlichen Europas gemeinsam haben; was ist es, das für die großen Städte typisch, also urban, ist? Soziale Probleme treten in den meisten Großstädten stärker auf als auf dem Lande. Meist liegen die Arbeitslosenquote und die Kriminalitätsrate der Hauptstädte deutlich über dem Landesdurchschnitt. Soziale Erscheinungen wie Obdachlosigkeit, Drogenproblematik und Prostitution treten in den Ballungsräumen meist stärker auf als in der Peripherie. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – üben Städte seit jeher eine große Faszination auf junge Menschen, Kreative und Künstler aus. Denn ohne Zweifel wird mit dem Leben in der Großstadt gemeinhin auch eine besondere Lebensführung verbunden. „Die ständische Ehre findet ihren Ausdruck vor allem in der Zumutung einer spezifisch gearteten Lebensführung an jeden, der dem Kreise angehören will“2, schrieb Max WEBER vor gut neunzig Jahren und setzte den Begriff Lebensführung damit erst in die Welt.
Angenommen, diese Einschätzung hätte auch heute noch Bestand, die Lebensführung die dem „Stand“ der postmodernen Großstädter aufoktroyiert würde, wäre eben die, anders geartete Lebensführungen zu tolerieren und akzeptieren. Dem in der Provinz häufig offen geschmähten und heimlich doch geneideten Idealtypus großstädtischen Zusammenlebens wohnt ein gewisses Maß an Laisser-faire inne, das unter anderem dadurch zum Ausdruck kommt, dass gerade multiethnische Stadtviertel eine große Anziehungskraft auf die zuziehende Jugend und die alternativen und kreativen Kreise ausüben, und dass bei politischen Wahlen linke, grüne und liberale Parteien, also solche, die eine libertäre Programmatik verkörpern, in Großstädten zumeist besser abschneiden als in den ländlichen Regionen.
Trotz ihres, wie es scheint, gar nicht so schlechten Bildes in der Öffentlichkeit, stecken die europäischen Großstädte in der Krise. Durch den Übergang der Industrie- in eine Wissens- und Informationsgesellschaft, die voranschreitende Globalisierung und nicht zuletzt durch die Öffnung der Europäischen Union in Richtung Mittel- und Osteuropa klagen nahezu alle westeuropäischen Großstädte seit langem über Deindustrialisierung und den damit verbundenen Verlust von Arbeitsplätzen. Große produzierende Unternehmen wandern, wenn nicht gleich in so genannte Billiglohnländer, zumindest auf die vielbeschworene „Grüne Wiese“ ab, wo sie schnellere Verkehrsanbindungen und kommunalsteuerliche Erleichterungen erwarten. Andere Industriezweige haben sich durch den technologischen und elektronischen Fortschritt gänzlich überholt und können, wenn überhaupt, nur noch durch staatliche Subventionen über Wasser gehalten werden.
Doch „Krise kann immer auch Geburtsstätte des Neuen sein“3, antwortet der Stadt- und Regionalforscher Ulf MATTHIESEN auf die Frage, ob Städte, die vom Verlust von Arbeit betroffen sind, nicht auch Keime für neue gesellschaftliche Entwicklungen sein können. „Insofern birgt diese gesellschaftliche Krise potentiell auch den Keim für neue, innovative Entwicklungen.“4
Um letztendlich Profit aus der ökonomischen Krise und den mit ihr verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen ziehen zu können, ist es von großer Bedeutung zu begreifen, dass die Krise nicht überwunden werden kann, indem man auf irgendeine Weise versucht, die alte Industriegesellschaft zurückzuholen. „Hoffen, die zentralen Probleme Abwanderung von Industrie, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung würden sich durch eine Konjunkturverbesserung lösen, wird […] zum Warten auf Godot – und der kam bekanntlich nie“5, zitieren Hans OLBRICH und Thomas SELTMANN den Publizisten und ehemaligen Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler, Horst Afheldt, in ihrem leidenschaftlichen Plädoyer dafür, Wirtschaftswachstum durch Wissenswachstum zu ersetzen.
Erst wenn die Unumkehrbarkeit der Lage von den Agierenden in Politik, Wirtschaft und Stadtplanung eingesehen wird, steht die Tür offen, nach neuen Wegen aus der Krise zu suchen. Ein zentraler Begriff auf dieser Suche ist ohne Zweifel der der Kreativität. John LIEP definiert Kreativität, die er weitestgehend mit Innovation gleichsetzt, wie folgt:
„I define creativity as activity that produces something new through the recombination and transformation of existing cultural practises or forms.”6
Es ist also an der Zeit, dass – wenn die großen Städte ihre ökonomische und soziale Krise überwinden wollen – Räume geschaffen werden, in denen sich kreative Milieus entwickeln und entfalten können. Bestehende Räume aus der Ära der Industrialisierung wie verlassene Werksgelände, Lagerhallen und Lofts können kreativ umgestaltet und andersartig genutzt werden. Dafür finden sich in vielen europäischen Großstädten bereits Beispiele.
[...]
1 Drosdowski, Günther u.a. (Hg.): Der Duden in 10 Bänden. Das Standardwerk der Deutschen Sprache. Band 5. Fremdwörterbuch. 3. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim, 1974, S. 753
2 Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. 5. revidierte Auflage. Tübingen, 1980, S. 535
3 „Raumpioniere. Ein Gespräch mit dem Stadt- und Regionalforscher Ulf Matthiesen.“ In: Oswalt, Philipp (Hg.): Schrumpfende Städte. Band I: Internationale Untersuchung. Ostfildern-Ruit, 2004, S. 378
4 ebd.
5 Olbrich, Hans/Thomas Seltmann: „Wissenswachstum statt Wirtschaftswachstum“. In: HUMONDE. Zeitschrift für eine humane Welt und Wirtschaft. Nürnberg, 2/2004, S. 14
6 Liep, John: „Introduction“. In: ders. (Hg.): Locating Cultural Creativity. London/Sterling, Virginia, 2001, S.2
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: