Die Verwandlung von Franz Kafka - eine Analyse close

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Details

Veranstaltung: Fantastische Literatur
Institution/Hochschule: Universität Regensburg
Tags: Verwandlung, Franz, Kafka, Analyse, Fantastische, Literatur
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 19
Note: sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 9  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 210 KB
Archivnummer: V40749
ISBN (E-Book): 978-3-638-39191-7
ISBN (Buch): 978-3-638-93833-4

Zusammenfassung / Abstract

1. Einleitung Phantastische Literatur dient, möchte man Renate Lachmann Glauben schenken, im kulturellen Prozess zur Kompensierung von Realität und Fiktionalität. Sie deckt Hintergründe und Zusammenhänge auf, die von der Gesellschaft verdrängt werden. Zum einen, weil es sich häufig um zwiespältige moralische Umstände und zum anderen um ungeklärte Phänomene des menschlichen Daseins handelt. In Kafkas Verwandlung geht es in erster Linie um die Frage nach der Identität, sowohl in der Gesellschaft, als auch in der Familie. Ebenso bringt Kafka das Thema der Menschlichkeit auf den Punkt, indem er nach Gregors Daseinsberechtigung nach der Verwandlung fragt. Es handelt sich also um Themen, die durch ihren indirekten Bezug auf die Realität verweisen, da sie nur direkt in einer äußerst verdichteten Literaturwelt spielen können. Die Einordnung der Verwandlung in herkömmliche Gattungsbegriffe gestaltet sich schwierig, da sich in der Erzählung unter anderem Züge des Märchens, des psychologischen und fantastischen Romans finden lassen. Benno von Wiese nennt die Verwandlung eine Novelle, denn „[...] eben ihr ist es vergönnt, noch der persönlichsten Erzählperspektive den Schein eines rein objektiven Sprechens zu sichern“1. Wichtig ist nämlich, dass die bewusst vom Autor gewählte Fiktion eine fragwürdige und grausame Welt tiefer und unerbittlicher darstellen kann, als der Versuch einer bloß nachahmenden Erzählung oder einer symbolischen Verdichtung. Gerade diese Darstellungsformen sind es, um die es im weiteren Verlauf geht. Es handelt sich bei ihnen um vielschichtige und mehrdeutige Aussagen, die das komplexe Zusammenspiel von Ich und Gesellschaft erläutern, aber niemals objektiv interpretiert werden können und somit den Leser anstrengen, nach eigenen Wegen zum Verständnis zu forschen. Im folgenden sollen nun Motive der Erzählung hinsichtlich ihres literarischen, psychologischen und religiösen Einflusses beleuchten werden.

Textauszug (computergeneriert)

Die Verwandlung von Franz Kafka

von: Thomas Brunner

 


Gliederung

1. Einleitung Seite 3

2. Gregors Welt

2.1 Die Familienmitglieder Seite 3
2.2 Die Familiensituation der Samsas Seite 5

3. Literarische Motive

3. Definition des Fantastischen Seite 6

3.1 Das Verwandlungsmotiv  Seite 7
3.2 Die Isolation und der Ich –Verlust  Seite 8
3.3 Das Doppelgängermotiv Seite 10

4. Psychologische Motive

4.1 Persönliche Motive Kafkas Seite 10
4.2 Mythos bei Kafka Seite 11
4.3 Der Traum Seite 12
4.4 Die phantastische Groteske Seite 13

5. Religiöse Motive

5.1 Kafka und sein Glaube Seite 14
5.2 Kafka und die Kabbala Seite 15

6. Fazit Seite 16

Literaturverzeichnis Seite 18


 

1. Einleitung

Phantastische Literatur dient, möchte man Renate Lachmann Glauben schenken, im kulturellen Prozess zur Kompensierung von Realität und Fiktionalität. Sie deckt Hintergründe und Zusammenhänge auf, die von der Gesellschaft verdrängt werden. Zum einen, weil es sich häufig um zwiespältige moralische Umstände und zum anderen um ungeklärte Phänomene des menschlichen Daseins handelt. In Kafkas Verwandlung geht es in erster Linie um die Frage nach der Identität, sowohl in der Gesellschaft, als auch in der Familie. Ebenso bringt Kafka das Thema der Menschlichkeit auf den Punkt, indem er nach Gregors Daseinsberechtigung nach der Verwandlung fragt. Es handelt sich also um Themen, die durch ihren indirekten Bezug auf die Realität verweisen, da sie nur direkt in einer äußerst verdichteten Literaturwelt spielen können.

Die Einordnung der Verwandlung in herkömmliche Gattungsbegriffe gestaltet sich schwierig, da sich in der Erzählung unter anderem Züge des Märchens, des psychologischen und fantastischen Romans finden lassen. Benno von Wiese nennt die Verwandlung eine Novelle, denn „[...] eben ihr ist es vergönnt, noch der persönlichsten Erzählperspektive den Schein eines rein objektiven Sprechens zu sichern“1. Wichtig ist nämlich, dass die bewusst vom Autor gewählte Fiktion eine fragwürdige und grausame Welt tiefer und unerbittlicher darstellen kann, als der Versuch einer bloß nachahmenden Erzählung oder einer symbolischen Verdichtung.

Gerade diese Darstellungsformen sind es, um die es im weiteren Verlauf geht. Es handelt sich bei ihnen um vielschichtige und mehrdeutige Aussagen, die das komplexe Zusammenspiel von Ich und Gesellschaft erläutern, aber niemals objektiv interpretiert werden können und somit den Leser anstrengen, nach eigenen Wegen zum Verständnis zu forschen. Im folgenden sollen nun Motive der Erzählung hinsichtlich ihres literarischen, psychologischen und religiösen Einflusses beleuchten werden.

2. Grergors Welt

2.1 Die Familienmitglieder

Die Familie Gregors besteht aus Vater, Mutter und Schwester Grete. Kurz bevor Gregor stirbt denkt er „ an seine Familie mit Rührung und Liebe“2. Dies mag verwundern, denn diese ist in erster Linie für Gregors Tod verantwortlich. Andererseits zeigt das Zitat auch Gregors Unvermögen als Kreatur kritisch zu reflektieren. Gregor redet sich bis zum Schluss eine intakte Familie zu haben, wobei dies sein gesamtes Dasein bis zur Verwandlung in Frage stellen würde.

Zunächst wird Gregors Vater als lethargischer alter Mann dargestellt, der stundenlang frühstückt und den Tag damit zubringt die Zeitung zu lesen. Nach Gregors Verwandlung ist auch er verändert. Er findet scheinbar dadurch seine Kraft wieder, er verjagt Gregor in sein Zimmer und tritt eine Stelle als Bediensteter eines Bankinstituts an, um letztlich seine Rolle als Familienoberhaupt einzunehmen. Gregors Angst vor seinem Vater lässt sic h schon in dessen ersten Auftritt erkennen als er „schwach, aber mit der Faust“3 an Gregors Tür klopft als der Prokurist kommt, um nach Gregor zu fragen. Die anfängliche körperliche Schwäche des Vaters steht im Kontrast zu seiner aggressiven Grundhaltung. Er ist durchaus in der Lage zuzupacken, wie sich später zeigt, als er ein neues Leben beginnt. Für Gregor verkörpert der Vater die strafende und absolute Autorität.

Gregor weiß nicht, dass dieser ihn hintergangen hat und das Geld für sich angespart hat, für das Gregor hart arbeiten musste. Es wird damit deutlich, dass der Vater Gregors Naivität ausgenutzt hat, um sich selbst zu bereichern. Er hat also niemals die Zügel wirklich aus der Hand gelassen. Das Symbol der Macht trägt er als Uniform an seinem Körper. Auch die Mutter wirkte vor Gregors Verwandlung kränklich und anfällig. War sie es doch die oft Ohnmachtsanfälle hatte. Obwohl sie die einzige in der Familie ist, die in dem Käfer ihren Sohn sieht, stellt sie sich hinter ihren Mann und ihre Tochter und akzeptiert letztlich Gregors Tod. Ihre Ohnmachtsanfälle entheben sie von eigenen Entscheidungen und ist damit ihrem Mann untergeben. Sie macht sich dadurch von anderen abhängig und kann ihre eigenen Vorstellungen der Familie gegenüber nicht durchsetzen. Die direkte Auseinandersetzung mit Gregor ist schließlich nicht möglich mit ihr.

Die Schwester Grete hingegen gewinnt immer mehr an Bedeutung, da sie viel Kontakt hält und sich direkt mit Gregor konfrontiert. Sie ist das verwöhnte und von Gregor vergötterte Wesen. Zunächst wirkt sie fürsorglich, wendet sich dann aber von Gregor ab. Sie ist es auch, die den Eltern sagt was sie tun sollen. Dadurch dass Grete anfangs den besten Kontakt zu Gregor hat, gewinnt sie an Einfluss und die unentschlossenen Eltern überlassen es ihr, zu entscheiden was mit Gregor geschehen soll. Als dieser zum dritten Mal versucht aus seinem Zimmer zu gelangen, verkündet sie: „Wir müssen es loszuwerden versuchen.“4. Es zeigt sich, dass Gregor entfernt werden muss, weil sie in dem Käfer nicht mehr ihren Bruder erkennt. Auch die Tatsache, eine Arbeitsstelle gefunden zu haben gibt ihr den Mut und den Willen, ihren lästigen Bruder loszuwerden.

2.2 Die Familiensituation der Samsas

[...]


1 Wiese, Benno von; Die deutsche Novelle von Goethe bis Kafka. Interpretationen. Band 2. Düsseldorf 1962, S.343

2 Kafka, Franz; Die Verwandlung in Sämtliche Erzählungen; hrsg. v. Paul Raabe; Berlin 1935, S.66

3 ebenda,S.57

4 ebenda,S.68

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