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Exegese Mk 1, 29 - 34

Scholary Paper (Seminar), 2004, 38 Pages
Authors: Tina Ponater, Matthias Bernhard
Subject: Theology - Biblical Theology

Details

Event: Einführung in das neue Testament - Proseminar
Institution/College: Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg (Theologische Fakultät)
Tags: Exegese, Einführung, Testament, Proseminar
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 38
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 30  Entries
Language: German
Archive No.: V40750
ISBN (E-book): 978-3-638-39192-4

File size: 515 KB
Notes :




Excerpt (computer-generated)

FRIEDRICH – ALEXANDER – UNIVERSITÄT ERLANGEN - NÜRNBERG
THEOLOGISCHE FAKULTÄT
INSTITUT FÜR NEUES TESTAMENT
Proseminar: Einführung in die neutestamentliche Exegese
2. Semester

Exegese Mk 1, 29 - 34

von: Tina Ponater

 


Inhaltsverzeichnis

1. Erlebnisanalyse

2. Textsicherung

2.1. Übersetzung des Textes
2.2. Gliederung des Textes nach Segmenten, Sätzen und Propositionen
2.3. Kontext- und Abgrenzungsanalyse
2.4. Textkritik

3. Synchrone Analyse

3.1. Sprachlich-syntaktische Analyse
3.2. Semantische Analyse

3.2.1. Textsemantik
3.2.2. Wortsemantik

3.3. Narrative Analyse und Argumentationsanalyse
3.4. Pragmatische Analyse
3.5. Textsortenanalyse

4. Diachrone Analyse

4.1. Literarkritik
4.2. Form- und Überlieferungsgeschichte
4.3. Traditionsgeschichte als Begriffs- und Motivgeschichte
4.4. Religionsgeschichtlicher Vergleich
4.5. Redaktionskritik

5. Ergebnissicherung

5.1. Versexegese
5.2. Gesamtexegese
5.3. Hermeneutisch-theologische Reflexion

6. Literaturverzeichnis


 

1. Erlebnisanalyse

Beim erstmaligen Lesen von Mk 1, 29-34 wird sofort klar, dass die Geschichte der ‚Heilung der Schwiegermutter des Petrus’, relativ zu Beginn des zweiten Evangeliums nach Markus im Neuen Testament, nicht in der heutigen Zeit abgefasst ist. Mit einer solchen Wundergeschichte können heute viele Menschen nichts mehr anfangen, sie würde eher Skepsis als Bewunderung erzeugen.

Vollkommen undetailliert und unkommentiert berichtet der Autor in der ersten Hälfte von einer für heutige Verhältnisse sensationellen Wunderheilung. Die mit Fieber im Bett liegende Schwiegermutter des Simons wird von Jesus durch bloße Berührung mit der Hand wiederaufgerichtet und ist somit geheilt. Eine Erklärung, wie etwas so Außergewöhnliches vor sich gegangen ist, bleibt aus. Stattdessen scheint die Tatsache für den Verfasser eine Selbstverständlichkeit darzustellen, denn schon im Anschluss relativiert er die sonderbare Heilung der Schwiegermutter durch eine fast überzogen wirkende, noch verwunderlichere Massenheilung. Plötzlich strömen alle Kranken und sogar Besessenen der Stadt Kafarnaum zu dem Hause Simons, in dem sich Jesus aufhält, um geheilt zu werden. Und genau dies geschieht, Jesus heilt viele Kranke und treib t die bösen Geister aus, denen er zu sprechen verbietet.

Vor allem in diesem Teil bleiben für den Leser viele Fragen offen. Woher wissen die Einwohner der Stadt von Jesu Ankunft? Warum werden keine Zweifler erwähnt? Wie genau vollzieht sich die massenhafte Heilung? Was hat man sich unter Besessenen und Dämonen vorzustellen? Auf welche Weise läuft die Kommunikation zwischen Jesus und den Dämonen ab und wie verhindert er, dass sie sprechen? Im Unklaren lässt uns der Autor im letzten Vers auch darüber, wovon die Dämonen eigentlich wissen und warum Jesus verhindern will, dass sie es an die anwesenden Menschen weitergeben. Hieraus wird deutlich, dass ein Verstehen des Textes einer ausführlichen Auseinandersetzung bedarf, welche die durch den Text aufkommenden Unklarheiten klärt.

Auch die Hauptperson der Geschichte wirft zunächst einige Fragen auf. Einerseits wird Jesus eindeutig positiv und allmächtig charakterisiert, wie man es in einer Bibelstelle erwartet. Andererseits wirkt er fast ein bisschen abgehoben, weil er in dieser Geschichte menschliche Züge vermissen lässt, z.B. verzichtet die Heilung der Schwiegermutter auf sprachliche oder mimische Beschreibungen Jesu. Außerdem ist zumindest eine sonderbare Nähe Jesu zu den Dämonen, deren Herkunft ja wohl eindeutig in den negativen Sphären zu suchen ist, gegeben, die ihm sogar gehorchen. Dadurch erscheint der Protagonist beinahe unheimlich. Ebenso wird der Gesamteindruck dargestellt, vor allem gegen Ende der Handlung hin. Neben dem Auftreten von Dämonen trägt sich das Geschehen zudem des Nachts zu, wodurch die Erzählung in der Phantasie des Lesers in eine noch unheimlichere Dunkelheit eintaucht. Ein Exorzist tritt auf und treibt die bösen Geister aus. Schließlich gebietet dieser den Dämonen sogar. Alles in allem mag der Leser bei der Vorstellung sogar erschaudern. Wozu die Schaffung einer solchen Atmosphäre dienen mag, welche Merkmale bei der Charakterisierung der Hauptperson wichtig sind und was uns der Autor mit der sonderbaren Geschichte in Wirklichkeit mitteilen wollte, wird in der nun folgenden Exegese unter anderem versucht aufzuzeigen.

2. Textsicherung

2.1. Übersetzung des Textes1

29. Und alsbald gingen sie aus der Synagoge und gelangten mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas.
30. Die Schwiegermutter Simons aber lag fibrig da, und alsbald sagten sie ihm von ihr.
31. Und er ging hin, richtete sie auf und ergriff ihre Hand. Und das Fieber verließ sie und sie diente ihnen.
32. Als es aber Abend wurde, nachdem die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen.
33. Und es war die ganze Stadt vor der Tür versammelt.
34. Und er heilte viele Kranke mit unterschiedlichen Krankheiten, trieb viele böse Geister aus und ließ die bösen Geister nicht reden, weil sie ihn kannten.

2.2. Gliederung des Textes nach Segmenten, Sätzen und Propositionen

In diesem Abschnitt wird die Perikope in kleinere Einzelabschnitte gegliedert. Hierbei wird eine terminologische Differenzierung in Segmente, Sätze und Propositionen vorgenommen.2 „Textsegmente sind Gliederungseinheiten der Textoberfläche“3 und werden demnach nach inhaltlichen und syntaktischen Gesichtspunkten bestimmt. Sie bilden die umfangreichsten Abschnitte der Analyse. Augenscheinlich zerfällt unsere Perikope in nur zwei größere Abschnitte (Heilung der Schwiegermutter und Massenheilung), die durch eine inhaltliche Zäsur klar voneinander abgetrennt sind und sich jeweils in zwei Textsegmente teilen lassen. Die Verse 29-30 bzw. 32-33 bilden die Exposition der Geschichte, der Vers 31 bzw. 34 enthält jeweils die Wunderheilung. Als nächst kleinere Texteinheit spalten wir den Text nun in ‚Sätze’ auf, wobei diese nicht nur anhand der Interpunktion abgegrenzt sind. Stattdessen wird im Folgenden nach einer grammatikalischen Satzdefinition gegliedert:

[...]


1 Griechische Vorlage vgl.: ALAND, K/B.(HRSG): Das Neue Testament. Griechisch und Deutsch, Stuttgart 198627, S.90 f.

2 vgl. BRINKER, K.: Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden, Berlin 20015, S.26 ff.

3 ebd.


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