Aspektuelle Verbalperiphrasen im Spanischen close

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Details

Veranstaltung: Hauptseminar Linguistik - Wort - Satz - Text
Institut: Tübingen (Neuphilologische Fakultät Tübingen)
Tags: Aspektuelle, Verbalperiphrasen, Spanischen, Hauptseminar, Linguistik, Wort, Satz, Text
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 26
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 433 KB
Archivnummer: V40787
ISBN (E-Book): 978-3-638-39216-7
ISBN (Buch): 978-3-638-65570-5

Zusammenfassung / Abstract

Nicht nur in linguistischer Hinsicht, sondern auch, wenn es um den Spracherwerb oder das Unterrichten der spanischen Sprache geht, stellen die aspektuellen Verbalperiphrasen selbst einen fortgeschrittenen Spanisch-Lernenden in regelmäßigen Abständen vor Probleme. Dabei besteht die Hauptschwierigkeit vor allem darin, eine geeignete Übersetzung für ein Phänomen zu finden, das es im Deutschen in dieser Form nicht gibt: die Aspektfunktion. Um den Aspekt im Deutschen auch nur halbwegs adäquat zu imitieren, muss auf Adverbien wie „gerade“ oder „im Moment“ zurückgegriffen werden. Die englische ist die einzige Sprache mit germanischen Wurzeln, die den Aspekt mit grammatischen Mitteln ausdrücken kann, nämlich mit Hilfe seiner „Progressive Form“. Im Spanischen wird der Aspekt − wie in den meisten romanischen Sprachen – mittels Verbalperiphrasen dargestellt. Die Erkenntnis jedoch, dass es sich bei der aspektuellen Verbalperiphrase um eine gemeinromanische Tendenz handeln könnte, ist in der Sprachwissenschaft relativ neu; lange Zeit wurden Verbalperiphrasen mit aspektuellem Charakter jeweils nur vom Gesichtspunkt einer einzigen romanischen Sprache betrachtet und ihre funktionelle wie materielle Entsprechung in der Romania nicht berücksichtigt. Gegenstand und Ziel dieser Arbeit wird es sein, zu zeigen, wie die spanische Verbalperiphrase trotz dieser unterschiedlichen Norm-Realisierungen über eine sehr differenzierte Funktion zur Darstellung des Aspekts verfügt. Ausgewählte Beispiele aus dem Katalanischen, Italienischen und Französischen sollen belegen, inwieweit diese Funktion auch in anderen romanischen Sprachen zu finden ist. Der Schlussteil dieser Arbeit wird sich mit der Entstehung der aspektuellen Verbalperiphrase beschäftigen und die Theorie der lateinischen und griechischen Herkunft der aspektuellen Funktion darlegen.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Tübingen
Romanisches Seminar
HS : Wort – Satz - Text

Aspektuelle Verbalperiphrasen

von: Achim Binder

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  2

2. Der Aspekt im Spanischen 3

3. Die vier Aspektfunktionen der Verbalperiphrasen 7

3.1. Die Wiederholung  7
3.2. Das Resultat 8
3.3. Die Schau  9

3.3.1. Die partialisierende Winkelschau 10
3.3.2. Die partialisierende komitative Schau 12
3.3.3. Die partialisierende prospektive Schau 13
3.3.4. Die partialisierende retrospektive Schau 15
3.3.5. Die partialisierende kontinuative Schau 15
3.3.6. Die partialisierende extensive Schau 16
3.3.7. Die globalisierende (globale) Schau  17

3.4. Die Phase  18

3.4.1. Die imminentielle Phase 18
3.4.2. Die inzeptive / ingressive Phase 19
3.4.3. Die progressive Phase  19
3.4.4. Die kontinuative Phase 20
3.4.5. Die egressive Phase  21

4. Die Entstehung der aspektuellen Verbalperiphrasen  22

4.1. Die These der lateinischen Herkunft  22
4.2 Die These der griechischen Herkunft  23

5. Schlussbemerkung 24

6. Bibliographie  25


 

1. Einleitung

Nicht nur in linguistischer Hinsicht, sondern auch, wenn es um den Spracherwerb oder das Unterrichten der spanischen Sprache geht, stellen die aspektuellen Verbalperiphrasen selbst einen fortgeschrittenen Spanisch-Lernenden in regelmäßigen Abständen vor Probleme. Dabei besteht die Hauptschwierigkeit vor allem darin, eine geeignete Übersetzung für ein Phänomen zu finden, das es im Deutschen in dieser Form nicht gibt: die Aspektfunktion.

Um den Aspekt im Deutschen auch nur halbwegs adäquat zu imitieren, muss auf Adverbien wie „gerade“ oder „im Moment“ zurückgegriffen werden. Die englische ist die einzige Sprache mit germanischen Wurzeln, die den Aspekt mit grammatischen Mitteln ausdrücken kann, nämlich mit Hilfe seiner „Progressive Form“. Im Spanischen wird der Aspekt - wie in den meisten romanischen Sprachen – mittels Verbalperiphrasen dargestellt. Die Erkenntnis jedoch, dass es sich bei der aspektuellen Verbalperiphrase um eine gemeinromanische Tendenz handeln könnte, ist in der Sprachwissenschaft relativ neu; lange Zeit wurden Verbalperiphrasen mit aspektuellem Charakter jeweils nur vom Gesichtspunkt einer einzigen romanischen Sprache betrachtet und ihre funktionelle wie materielle Entsprechung in der Romania nicht berücksichtigt. 1 Wenn man jedoch den Bestand an derartigen Periphrasen in den romanischen Sprachen insgesamt berücksichtigt, sie darüber hinaus von ihrer jeweiligen Funktion aus betrachtet und infolgedessen die materiellen Konstruktionen als paradigmatisch bestimmt (und nicht primär als syntaktische Kombinationen auffasst), stellt man überall analoge Konstruktionen mit denselben, nämlich aspektuellen Bedeutungen, allerdings in unterschiedlichen Norm-Realisierungen, fest. (Dietrich, 1973: S.11) 2

Gegenstand und Ziel dieser Arbeit wird es sein, zu zeigen, wie die spanische Verbalperiphrase trotz dieser unterschiedlichen Norm-Realisierungen über eine sehr differenzierte Funktion zur Darstellung des Aspekts verfügt. Ausgewählte Beispiele aus dem Katalanischen, Italienischen und Französischen sollen belegen, inwieweit diese Funktion auch in anderen romanischen Sprachen zu finden ist. Der Schlussteil dieser Arbeit wird sich mit der Entstehung der aspektuellen Verbalperiphrase beschäftigen und die Theorie der lateinischen und griechischen Herkunft der aspektuellen Funktion darlegen.

2. Der Aspekt im Spanischen

Der Aspekt wird - wie bereits erwähnt – in den romanischen Sprachen im allgemeinen und im Spanischen im besonderen durch Verbalperiphrasen ausgedrückt. Für diese findet sich bei Dietrich folgende Definition: „Im engeren Sinne versteht man [...] unter einer Verbalperiphrase die periphrastische Bezeichnung vor allem aspektueller Kategorien.“3 Grammatikalisch gesehen sind Verbalperiphrasen mehrgliedgrige verbale Ausdrücke, die eine einheitliche grammatische Funktion erfüllen; man unterscheidet zwischen grammatischen und lexikalischen Periphrasen. Für Letzteres findet sich bei Coseriu ein Beispiel aus dem Französischen: „Belle s(?)ur“ heißt seiner lexikalischen Bedeutung nach nicht „schöne Schwester“, sondern „Schwägerin“.

In diesem Sinn hat man die Periphrase als ein Gefüge von Wörtern definiert, dessen Bedeutung aus der Bedeutung dieser Wörter nicht deduzierbar ist [...]. (Coseriu, 1976: 120) 4 Dasselbe gilt auch für idiomatische Redewendungen, deren Bedeutung ebenfalls nicht ohne weiteres aus den einzelnen Bestandteilen zu erschließen ist. Für die grammatischen Periphrasen (zu denen neben den Verbalperiphrasen auch das Perfekt zählt,) gilt, dass ihre Bedeutung von der Bedeutung ihrer Glieder abhängt, und zwar von der lexikalischen Bedeutung des Vollverbs und Hilfsverbs. Hier finden sich neben „haber“ und „tener“ auch Bewegungsverben und die Form „estar“. Aufgrund dieser Abhängigkeit der Verbalperiphrase von ihren Konstituenten wird sie in der Gramática Descriptiva nicht nur als syntaktische, sondern auch als semantische Einheit bezeichnet:

La perífrasis verbal es […] una unidad sintáctica. Con frecuencia se añade que es también una unidad semántica en el sentido de que el verbo auxiliar no significa por y para sí mismo sino que lo que hace es modificar, determinar o matizar el significado o el contenido del verbo principal. (Bosque, 1999: S. 3346) 5 Der Grund, warum das Spanische so reich an aspektuellen Periphrasen ist, liegt an der Vielzahl der Hilfsverben, die für die Aspektfunktion zur Verfügung stehen und am Hauptverb, das seinerseits in Partizip, - Infinitiv, - und Gerundiumsform vorliegen kann. Am Beispiel

(1) Voy a hacerlo.

kann man sehen, dass das zum Hilfsverb gewordene Verb „voy“ nur noch die Funktion eines Tempus- und Aspektmorphems besitzt. Hier bedeutet „voy“ nicht „ich gehe“, sondern es drückt eine kurz bevorstehende Handlung aus. Von der lexikalischen Bedeutung „gehen“ bleibt nur noch die Bedeutungskomponente „nach vorne gerichtet“ erhalten. 6 Diese völlige Desemantisierung des Hilfsverbs wird in der Nueva Gramática als Voraussetzung für eine Verbalperiphrase angesehen: […] Un esquema sintáctico únicamente puede calificarse de ’perífrasis verbal’ cuando esté gramaticalizado hasta el punto de que el verbo auxiliar pierda total o parcialmente su significación normal. (Real Academia Española, 1991: S. 445) 7 Wann und wie ein (Hilfs)verb seine lexikalische Bedeutung verliert, kann höchstens näherungsweise bestimmt werden: „No es fácil saber sincrónicamente cuándo un verbo empieza a desemantizarse.” (Torrego, 1988: S. 13) Allerdings gibt es Periphrasen, bei denen die lexikalische Bedeutung des Hilfsverbs überhaupt keine Entsprechung in der tatsächlichen Bedeutung der Periphrase findet – ein Beispiel hierfür ist

[...]


1 Dietrich, Wolf (1973): Der periphrastische Verbalaspekt in den romanischen Sprachen. Tübingen: Niemeyer, S.10.

2 Ibid, S. 12.

3 Dietrich, Wolf (1996): „Gemeinromanische Tendenzen III. Verbalperiphrasen“, in: Lexikon der romanistischen Linguistik (LHR) (Hg. Günter Holtus). Bd. II,1 (Latein und Romanisch; historisch-vergleichende Grammatik der romanischen Sprachen), S. 223.

4 Coseriu, Eugenio (1976): Das romanische Verbalsystem. Tübingen: Narr, S. 120.

5 Bosque, Ignacio (1999): Gramática Descriptiva. Volumen 2. Madrid: Espasa-Calpe, S. 3346.

6 Wesch, Andreas (2001): Grundkurs Sprachwissenschaft Spanisch. Stuttgart: Klett, S. 76-77.

7 Real Academia Española (1991): Esbozo de una Nueva Gramática. Madrid: Espasa-Calpe, S. 445.

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