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Termpaper, 2000, 25 Pages
Author: Sabine Pfisterer
Subject: Psychology - Social Psychology
Details
Tags: Auswirkungen, Attraktivität, Anziehung
Year: 2000
Pages: 25
Bibliography: ~ 97 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-39237-2
ISBN (Book): 978-3-638-67699-1
File size: 177 KB
"gut strukturiert und erfüllt voll die formalen Anforderungen", gibt "umfassenden Überblick über den aktuellen Forschungsstand"
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Abstract
Mit großen Einsatz eifern viele Menschen einem bestimmten Aussehensideal nach, das mit Hilfe der Kosmetik- und Fitnessindustrie, der Schönheitschirurgie oder mit extremem Essverhalten erreicht werden soll. Die Frage stellt sich, ob Attraktivität tatsächlich so bedeutsam ist, wie viele Menschen offensichtlich annehmen - wie beeinflusst sie die Anziehung zwischen zwei Personen? Hier wird diskutiert, wie sich Attraktivität auf Bewertungen durch andere auswirkt, inwiefern dies verschiedene Lebensbereiche betrifft, wie sogar Dritte auf Attraktivität reagieren und es wird die mögliche Existenz geschlechtsabhängiger Unterschiede angesprochen. Für die in vielen Untersuchungen bestätigten Auswirkungen der Attraktivität werden verschiedene Erklärungen herangezogen: Einerseits könnten reale Verhaltensunterschiede zwischen attraktiveren und unattraktiveren Personen bestehen, Attraktivität könnte belohnende Wirkung z.B. als Statusmerkmal besitzen oder auch als biologisches Signal für evolutionär nützliche Merkmale dienen. Den positiven Auswirkungen der Attraktivität stehen jedoch auch negative Effekte gegenüber. Zudem müssten die Ergebnisse dadurch eingeschränkt werden, dass Attraktivität in Studien oft durch Urteilerkonsens bestimmt wird und dass vielfach nur mit frontalen Portrait-Fotografien gearbeitet wird, wobei andere Ansichten der Person und weitere Faktoren wie Stimme, Mimik und Gestik und die Veränderbarkeit der Attraktivität nicht berücksichtigt werden.
Excerpt (computer-generated)
Die Auswirkungen physischer Attraktivität auf die interpersonelle Anziehung
von: Sabine Pfisterer
GLIEDERUNG
1 Einleitung 1
1.1 Allgemeines 1
1.2 Definitionen 2
2 Welchen Einfluß hat physische Attraktivität? 3
2.1 Einfluß auf Bewertungen 3
2.2 Einfluß auf verschiedene Lebensbereiche 4
2.3 Ausweitung des Einflusses auf Dritte 5
2.4 Geschlechtsabhängige Unterschiede ? 6
3 Wie läßt sich der Einfluß von Attraktivität erklären? 7
3.1 Reale Unterschiede 7
3.2 Attraktivität als Belohnung 8
3.3 Attraktivität als biologisches Signal 9
4 Kritik 10
4.1 Negative Auswirkungen von Attraktivität 10
4.2 Operationalisierung von Attraktivität 11
4.2.1 Definition durch Urteilerkonsens 11
4.2.2 Nicht berücksichtigte Bestandteile von Attraktivität 12
5 Zusammenfassung 14
Übersetzung der englischen Zitate 15
Literaturverzeichnis 16
1 EINLEITUNG
„(...) in civilized life man is largely but by no means exclusively influenced in the choice of his wife by external appearance.“ (Darwin, 1871, S. 881, zitiert nach Adams & Crossman, 1978, S. 8)1
1.1 ALLGEMEINES
Die wachsende Kosmetikindustrie, Fitnesswahn, Schönheitschirurgie und auch Eßstörungen zeigen, daß viele Menschen mit großem Einsatz einem bestimmten Aussehensideal nacheifern. Wenn Märchen, Filme und auch die Werbung versprechen, daß die Schönen identisch mit den Guten, Erfolgreichen und Glücklichen sind (Adams & Crossman, 1978, S. 2, 91ff.), hofft auch der Normalmensch auf die vorteilhafte Wirkung eines attraktiven Äußeren. Und dies nicht erst seit heute: Fiser und Fiserova (1969, zit. nach Patzer, 1985) berichten, daß Versuche, die äußere Erscheinung zu verbessern, zu den ältesten kulturellen Ausdrucksweisen des Menschen gehören. Da stellt sich die Frage, ob alle diese Bemühungen zweckmäßig waren: Hat die Attraktivität wirklich Auswirkungen auf die interpersonelle Anziehung? Erstaunlicherweise spielt die Attraktivität als Forschungsthema erst seit den sechziger Jahren eine Rolle. Für das frühere Desinteresse der Forschung war vermutlich die Angst vor Diskriminierung eines bestimmten Äußeren verantwortlich, die wohl angesichts der Lavaterschen Physiognomik oder gar rassentheorethisch begründeter Schädelmessungen im 3. Reich verständlich ist. Wir würden es hassen, „festzustellen, daß hübsche Frauen mehr als weniger hübsche gemocht werden - das scheint irgendwie undemokratisch.“ (Aronson 1970, S.160, zit. nach Hassebrauck & Niketta, 1993, S.5). Also befaßte man sich wissenschaftlich gar nicht mit dem Aussehen.
Den Wandel verursachte zum einen das aufkommende Interesse an der Eindrucksbildung (Hassebrauck & Niketta, 1993, S. 4), zum anderen mit auch die „Computerdance“-Studie von Walster, Aronson, Abrahams und Rottman (1966), die unerwartet mächtige Einflüsse der Attraktivität offenbarte. Daraufhin folgten zahllose weitere Studien und Versuche, die Bedeutung der Attraktivität zu erklären. Parallel zu dieser Entwicklung möchte ich erst Auswirkungen auf die interpersonelle Anziehung beschreiben, dann einige Erklärungsversuche darstellen, anschließend aber auch versuchen, die Untersuchungsergebnisse etwas zu relativieren.
1.2 DEFINITIONEN
Attraktivität und Anziehung/Attraktion haben im englischen „to attract“ einen gemeinsamen sprachlichen Kern (Bierhoff & Grau, 1993, S. 201). Dieser läßt sich wiederum vom lateinischen „attrahere“ (an sich heranziehen) ableiten. Laut Mikula und Stroebe (1991) stellt Anziehung „positive zwischenmenschliche Einstellungen“, d.h. „eine gelernte Bereitschaft dar, gegenüber einer bestimmten anderen Person mit positiven Meinungen, positiven Gefühlen und positivem Verhalten oder Verhaltensabsichten zu reagieren.“ (S.61). Bierhoff und Grau (1993, S. 231) trennen die Erklärungen für interpersonelle und romantische Attraktion. Nach Sternberg (1986) kann jedoch die freundschaftliche Verbindung, das Mögen, durchaus eine Komponente der Liebe sein. Mir erscheint dieser Ansatz einleuchtender, deshalb möchte ich im folgenden unter Anziehung positive interpersonelle Einstellungen verstehen, die Voraussetzung für eine Kontaktaufnahme und jede engere Beziehung sind.
Da Anziehung ein Konstruktbegriff ist, kann sie relativ unterschiedlich operationalisiert werden. In den folgenden Studien wird direkt nach dem Grad des „mögen“ („like“) gefragt, es wird aber auch als Indikator z.B. die Wünschbarkeit als Arbeits- oder Freizeitpartner festgestellt. Zudem kann man davon ausgehen, daß positive zwischenmenschliche Einstellungen vorliegen, wenn jemandem sozial erwünschte Eigenschaften zugeschrieben werden oder wenn man ihn in irgendeiner Weise bevorzugt.
„Attraktiv“ wird im Brockhaus definiert als „1) starken Anreiz bietend, verlockend; 2) anziehend (aufgrund eines ansprechenden Äußeren), reizvoll, hübsch“ (1987, S.289). Patzer (1985, S. 40) fragt insofern zurecht, ob der Zusatz „physisch“ wichtig sei. Im Duden (1983) wird dagegen Attraktivität schlicht als Anziehungskraft definiert; deshalb möchte ich zumindest im Titel bei „physisch“ bleiben, um den Begriff gegenüber anderen möglichen Arten von Anziehungskraft (z.B. physikalischer oder intellektueller) abzugrenzen. „Physische Attraktivität“ könnte ein neutralerer Begriff sein als „Schönheit“ (Niketta, 1993, S. 163), ist aber vielleicht auch für Abstufungen wie „geringe oder hohe Attraktivität“ im Gegensatz zu „geringe Schönheit“ sprachlich besser geeignet. „Physische Attraktivität“ soll also in dieser Arbeit als Anziehungskraft, die auf körperlichen Merkmalen beruht, verstanden werden. In den folgenden Studien wird sie durch einen Konsens von mehreren Urteilern bestimmt.
2 WELCHEN EINFLUSS HAT PHYSISCHE ATTRAKTIVITÄT ?
2.1 EINFLUSS AUF BEWERTUNGEN
Wie schon in der Einleitung angedeutet, erhielten Walster et al. (1966) unerwartete Ergebnisse. Ihre Hypothese war, daß ein Individuum am ehesten einen Partner mit ähnlichem Grad an sozial erwünschten Eigenschaften mögen und sich wieder mit ihm verabreden würde. Dies beruhte auf der Annahme, daß sich eine realistische Partnerwahl nicht nur an der Erwünschtheit sondern auch an der Erreichbarkeit eines Zieles orientiere. Bei einem College-Tanzabend wurden angeblich nach Interessenlage, in Wirklichkeit aber zufällig, Paare gebildet. Nur die Attraktivität des Partners bestimmte, wie sympathisch er wirkte und ob man ihn wieder treffen wollte. Weder Persönlichkeitszüge des anderen noch seine Intelligenz, die vorher erhoben worden waren, erwiesen sich als Prädiktoren, ebensowenig die eigene Attraktivität bzw. soziale Erwünschtheit.
Die Autoren vermuteten selber, daß diese Ergebnisse vielleicht nur bei kurzen Kontakten junger Leute gültig wären. Tatsächlich gibt es auch Hinweise, daß ähnliche Attraktivität die Entwicklung einer Beziehung begünstigt (Folkes, 1982, White, 1980). Die Resultate von Walster et al. könnten also Folge der künstlichen Untersuchungssituation sein: Da die Paare zugewiesen wurden, war eine Ablehnung gar nicht möglich. Bei Huston (1973) wurden zwar generell attraktive Frauen bevorzugt, doch die Möglichkeit einer Zurückweisung hatte einen mäßigenden Einfluß. Die Chance, für eine Verabredung akzeptiert zu werden, hielten Männer für abhängig von ihrem eigenen Attraktivitätslevel.
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