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Adipositas im Kindes- und Jugendalter - Ursachen, Folgen und mögliche Therapieprogramme unter besonderer Berücksichtigung der Bewegung

Examensarbeit, 2004, 145 Seiten
Autor: Christian Knoll
Fach: Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Details

Kategorie: Examensarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 145
Note: 1,0 (sehr gut)
Literaturverzeichnis: ~ 67  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V40889
ISBN (E-Book): 978-3-638-39290-7

Dateigröße: 1384 KB
Anmerkungen :
"Sehr ausführlich, gut strukturierter und logischer Aufbau"



Textauszug (computergeneriert)

Universität Osnabrück

Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung
für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen

Thema:
Adipositas im Kindes- und Jugendalter –
Ursachen, Folgen und mögliche Therapieprogramme unter besonderer Berücksichtigung der Bewegung

Verfasser:

Christian Knoll

12. Oktober 2004

 

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG ... 5
1.1 Differenzierung der Begrifflichkeiten ... 7
1.2 Ziel der Arbeit ... 8

2 DEFINITION UND KLASSIFIKATION DER ADIPOSITAS IM KINDES- UND JUGENDALTER ... 10
2.1 Methoden zur Bestimmung von Übergewicht ... 11
2.1.1 Der Body Mass Index ... 13
2.1.2 Die Methode nach Broca ... 16
2.1.3 Bioelektrische Impedanz-Analyse ... 16
2.1.4 Hautfaltendickemessung ... 17
2.1.5 Die Taille-Hüft-Relation (WHR) ... 17
2.1.6 Weitere Methoden ... 18
2.2 Klassifikation ... 20

3 URSACHEN UND FAKTOREN ZUR ENTSTEHUNG VON ADIPOSITAS IM KINDES- UND JUGENDALTER ... 23
3.1 Genetische Ursachen ... 25
3.2 Ernährung ... 28
3.2.1 Energieverbrauch und Stoffwechsel ... 28
3.2.2 Wahrnehmung des Hungers ... 29
3.2.3 Relation zwischen Nahrung und Körper ... 30
3.2.4 Macht Fett wirklich Fett? ... 31
3.3 Psychosoziale Faktoren ... 32
3.3.1 Der Einfluss der Familie ... 33
3.3.1.1 Verwöhnende Erziehung ... 33
3.3.1.2 Die fürsorgliche Mutter ... 34
3.3.1.3 Rivalität unter Geschwistern ... 34
3.3.2 Persönlichkeitsmerkmale ... 35
3.3.3 Andere Faktoren ... 36
3.4 Bewegung ... 36
3.5 Kritische Lebensphasen ... 37
3.6 Weitere Theorien ... 38

4 FOLGEN UND KONSEQUENZEN VON ADIPOSITAS IM KINDES- UND JUGENDALTER ... 40
4.1 Medizinische Konsequenzen ... 41
4.2 Psychosoziale Folgen ... 42
4.3 Ökonomische Folgen ... 44

5 THERAPIEMÖGLICHKEITEN ... 46
5.1 Ernährungstherapie ... 50
5.2 Bewegungstherapie ... 53
5.3 Verhaltenstherapie ... 57
5.4 Weitere Therapiemöglichkeiten ... 60
5.4.1 Chirurgische Maßnahmen ... 60
5.4.2 Medikamentöse Therapie ... 61
5.5 Zusammenfassung ... 62

6 THERAPIEPROGRAMME ... 64
6.1 Obeldicks Datteln ... 65
6.2 ADIFIT Osnabrück ... 67
6.3 FITOC Freiburg ... 69
6.4 Moby Dick Hamburg ... 71
6.5 Weitere Therapieprogramme ... 73
6.6 Vergleich der Programme ... 74
6.7 Schwerpunkt der Bewegung in den Programmen ... 77
6.7.1 Die „offenen Sportgruppen“ beim Obeldicks Programm ... 81
6.7.2 Die Bewegungstherapie bei ADIFIT ... 84
6.8 Mögliche Nebenwirkungen von Therapieprogrammen ... 86

7 KÖRPERLICHE AKTIVITÄT BEI KINDERN UND JUGENDLICHEN MIT ÜBERGEWICHT UND ADIPOSITAS ... 87
7.1 Stand der motorischen Leistungen von Kindern ... 87
7.2 Welches Bewegungs- und Sportangebot benötigen Kinder und Jugendliche? ... 91
7.3 Was kann der Sportunterricht bzw. der Sporterzieher im Umgang mit Adipositas tun? ... 95
7.4 Prävention der Adipositas durch Sport, Bewegung und körperliche Aktivität? ... 99

8 STELLUNGNAHME – FAZIT ... 102

LITERATURVERZEICHNIS ... 106

ANHANG ... 112

 

1 EINLEITUNG


„Übergewicht kostet Menschenleben – alleine in Europa rund 200 000. Und es kostet Geld – 71 Milliarden Euro jährlich nur in Deutschland. Zehntausende Kinder sind auf tödliche Herz-Kreislauf-Krankheiten gleichsam programmiert – eine Tragik, die nach Gegenmaßnahmen schreit. Das Missverhältnis zwischen Energiezufuhr und Energieverbrauch ist oft groß: wer isst wie ein Bergarbeiter, Bewegung aber eher als virtuelles (PC-) Ereignis versteht, ist in Gefahr.“ 1

Dermaßen prägnant und unverblümt bringt es die Neue Osnabrücker Zeitung (vgl. Anhang 1) ihren Lesern auf den morgendlichen Frühstückstisch. Trotz des heutzutage herrschenden Idealbildes junger, sportlicher und schlanker Menschen steigt die Zahl der dicken, übergewichtigen und adipösen Kinder und Jugendlichen deutlich an. Weiterhin ist zu erwarten, dass sich die oben genannten Folgen in den kommenden Jahren noch verschlimmern.

Angesichts der über 800 Millionen unterernährter Menschen auf der Erde ist es nahezu paradox, mit welchen Problemen die westlichen Länder zu kämpfen haben. Aber die Zahl der weltweit eine Milliarde Übergewichtigen spricht eine andere, deutliche Sprache. Ob jedoch von einer Zivilisationskrankheit zu sprechen ist oder nicht: Fakt ist, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO von einer Epidemie spricht, die auch auf Deutschland dramatische Auswirkungen hat - gesellschaftlich und ökonomisch.

Beachtet man, dass bei einer der neuesten und weltweit größten Adipositas-Studien, der Kieler Adipositas Präventionsstudie, aufgezeigt wurde, dass über 20% der Erstklässler zu dick sind und der Anteil bei den Zehnjährigen bereits bei 40% liegt, lässt sich sehr gut nachvollziehen, dass dieses Problem mittlerweile als die „Epidemie des 3. Jahrtausends“ bezeichnet wird. 2

Es fallen nicht nur bei den Krankenkassen und somit auch beim Staat horrende Summen für Therapie und Pflegekosten an (man rechnet mittlerweile mit 30 Milliarden Euro jährlich), auch die Betroffenen selbst leiden unter ihrer körperlichen Konstitution.

Aber wie kommt es dazu, dass so viele Menschen unter dem Problem des Übergewichts oder gar unter Adipositas leiden, und was ist das überhaupt?

In der folgenden Arbeit werde ich versuchen aufzuzeigen, was Übergewicht und was Adipositas ist, welche Folgen diese „Krankheiten“ haben können und was für Therapiemöglichkeiten und –programme es gibt, um dem wachsenden Problem entgegenzuwirken.

Dazu gehe ich zuerst auf die genetischen, psychischen, sozialen und familiären Ursachen und Faktoren zur Entstehung von Übergewicht und Adipositas ein. Anschließend werden Folgen und Konsequenzen aufgezeigt, die aus Übergewicht oder Adipositas entstehen können, wie z.B. medizinische, psychosoziale oder ökonomische. Davon ausgehend werden Therapiemöglichkeiten und -programme dargestellt.

Es ist heute unbestritten, dass eine frühzeitige Diagnose und darauf folgende Behandlung notwendig ist, um den Verlauf einer gesundheitlichen Schädigung durch die Adipositas zu stoppen. Dafür gibt es in Deutschland mittlerweile mehrere große Therapieprogramme, die sich auf Adipositas spezialisiert haben. Ich werde einige dieser Programme vorstellen und sie im Hinblick auf ihre Arbeit und verschiedenen Schwerpunkte untereinander vergleichen, um einen umfangreichen Überblick über die heutigen Möglichkeiten der Adipositastherapie zu geben.

Besonderes Augenmerk möchte ich dabei auf den Stellenwert der Bewegung legen, da ich im Rahmen meines Sportstudiums durch die Fächer Psychomotorik und Motodiagnostik auf die Notwendigkeit der Bewegung in der kindzentrierten psychomotorischen Entwicklungsförderung aufmerksam geworden bin.

Beim Studium der Literatur fiel mir auf, dass immer noch veraltete oder falsche Begriffe verwendet werden. Daher möchte ich im Folgenden klarstellen, an welche Begrifflichkeit ich mich im Laufe der Arbeit halten werde.

1.1 Differenzierung der Begrifflichkeiten
Dicke Menschen werden heutzutage mit den verschiedensten Begriffen betitelt, wie z.B. Fettsüchtige, Fettleibige, Übergewichtige oder Adipöse. Alle Begriffe beschreiben zwar ungefähr denselben Typ Mensch, nämlich denjenigen, der schwerer ist als andere und / oder vermehrtes Körperfett aufweist, aber Einige implizieren auch eine Diskriminierung. 3
Dicker zu sein als andere Menschen beinhaltet nicht gleich „süchtig“ zu sein nach Essen. Es gibt die verschiedensten Ursachen und Erklärungen dafür, warum ein Mensch dick ist oder es im Laufe seines Lebens werden kann.
Der Begriff „Fettsucht“ lässt sich hauptsächlich in älterer Literatur finden. Inzwischen wurde aber nachgewiesen, dass er nicht nur diskriminierend sondern auch medizinisch falsch ist, da Adipositas nicht die Kriterien einer Sucht erfüllt, wie Nikotin oder Alkohol. Dennoch wird er auch heutzutage noch rege benutzt.
Auch die Begriffe Übergewicht und Adipositas werden häufig fälschlicherweise als Synonyme verwendet. Übergewicht bezeichnet zunächst einmal völlig wertfrei die Zunahme der Körpermasse. Der Begriff der Körpermasse schließt alle Gewebe, also Fett, Knochen, Muskeln und Organe, mit ein. Der Begriff Adipositas bezieht sich ausschließlich auf einen Überschuss an Körperfett. Auch der Body Mass Index bietet die Möglichkeit zwischen Übergewicht und Adipositas zu unterscheiden, worauf in Kapitel 2.1.1 noch näher eingegangen wird. 4
Ärzte und Ernährungswissenschaftler sprechen von Übergewicht, wenn das Körperfett eines Menschen höher ist als es seiner Altersnorm entspricht. Für starkes Übergewicht wird der lat. Ausdruck Adipositas (Adepos = Fett) verwendet. 5
Daher werde ich mich in der Arbeit hauptsächlich an diese beiden Begriffe halten und sie in einem späteren Kapitel noch genauer unterscheiden.

1.2 Ziel der Arbeit
Das Thema Übergewicht war nie zuvor so aktuell und brisant wie in der heutigen Zeit. Durch Zeitungen, oder Nachrichten in Radio und Fernsehen, wird man mit dem Thema konfrontiert. In den Zeitungen stehen alarmierende Artikel über die Gefahren, die unseren Kindern drohen oder dem Gesundheitswesen weltweit. Jeden Tag verspricht uns irgendjemand, mit seiner Diät Wunder zu bewirken. Im Internet wird man mit Werbung bombardiert, in der es um Schlankheitspillen geht. Es ist kaum noch möglich, die Augen vor diesem Problem zu verschließen.

Aber sieht es wirklich schon so aus, wie es in einer Ausgabe der Fit For Fun steht:„Alarm in der Schulturnhalle: Unsere Schüler werden immer dicker, die Fitness ständig schlechter. Folgt der Generation X die Generation G = Grobmotorik?“ 6

Das erste Mal wurde ich im Rahmen meines Allgemeinen Schulpraktikums im Fach Sport auf dieses Problem aufmerksam. Hier zeigten sich mir schon gravierende motorische Defizite bei den Schülern. Allerdings erst im Fachpraktikum, als ich selbst Sport unterrichten sollte, konnte ich Erfahrungen machen, dir mir bestätigten, dass die alarmierende Schlagzeile aus der Fit For Fun nicht untertrieben ist.

Es ergab sich für mich das Problem, wie ich mit den Kindern und Jugendlichen umgehen sollte, die unter Übergewicht oder Adipositas leiden. Wie kann ich diese Kinder am Besten in die Gruppe integrieren und wie muss mein Sportunterricht beschaffen sein, damit sie nicht überfordert werden oder sich falsch bewegen? Es geht mir darum, durch diese Arbeit deutlich zu machen, welche Auswirkungen Übergewicht und Adipositas für die Betroffenen haben kann, wie es dazu kommt und was dagegen getan werden kann. Besonders wichtig ist es mir, herauszustellen, wie notwendig die Bewegung für die Therapie der Adipositas ist. Damit ist kein Hochleistungssport oder der tägliche Gang ins Fitnessstudio gemeint, sondern die alltägliche körperliche Aktivität und ein kombiniertes Sportprogramm. Dieses sollte genau auf die Kinder und Jugendlichen zugeschnitten sein, damit sie die Lust am Sport wiedergewinnen oder neu erlernen können.

Durch einen genauen Blick auf Bewegung, Sport und körperliche Aktivität soll deutlich werden, wie wichtig dieses für die Prävention und Therapie der Adipositas ist.

Dafür werden eine Reihe von Therapieprogrammen vorgestellt die nicht nur mit Diäten versuchen, das Problem zu lösen, sondern vor allem eine grundlegende Verhaltensänderung der Kinder und Jugendlichen hinsichtlich ihres Ernährungs- und Bewegungsverhaltens anstreben. Ich werde aufzeigen, nach welchen Prinzipien und Leitlinien diese Programme schulen und welche Vor- und Nachteile sie haben.

Mit der Frage nach der nötigen Bewegung für Kinder und Jugendliche soll dann noch einmal klargestellt werden, welchen Nutzen körperliche Aktivität und Sport für die Gesundheit und das Wohlbefinden hat.

2 DEFINITION UND KLASSIFIKATION DER ADIPOSITAS IM KINDES- UND JUGENDALTER

Röthig versteht unter Adipositas einen zu großen Fettanteil des Körpers. Die Hauptursache soll in einem fehlerhaften Ernährungsverhalten liegen, bei dem mehr Kalorien aufgenommen als verarbeitet werden.

[...]


1 Böckermann, Tobias: Gewichtig. In: Neue Osnabrücker Zeitung vom 18. Juni 2004, S. 2.

2 vgl. Ziroli, Sergio: Mehr Sportunterricht – weniger Gewichtsprobleme? Zur Prävalenz von Übergewicht und Adipositas an sport- und bewegungsorientierten Primarschulen. In: Haltung & Bewegung Bd. 23 (2003) H. 3, S. 27.

3 vgl. Wirth, Alfred: Adipositas. Epidemiologie, Ätiologie, Folgekrankheiten, Therapie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Berlin, Heidelberg, New York: Springer-Verlag 2000, S. 3.

4 vgl. www.easyway.de/inhalt/wissenschaft/adipositas.html vom 20.07.2004

5 vgl. aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e.V.: Leichter, aktiver, gesünder. Tipps für Ernährung und Sport bei Babyspeck und mehr. 2., überarbeitete Auflage 2004, S. 7.

6 vgl. Brammen, Cornelia; Hatje, Tobias: Lassen wir unsere Kinder hängen? In: Fit For Fun (2002) H. 9, S. 43.


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