Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Autor: Tobias Senzig
Fach: Politik - Int. Politik - Thema: Europäische Union
Details
Institution/Hochschule: Universität Trier
Tags: Côte, Ivoire, Sicherheitspolitik, Bedeutung, Entwicklungs-, Schwellenländer, Sicherheitspolitik, Umsetzung
Jahr: 2005
Seiten: 30
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 24 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 425 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-39311-9
EU, Sicherheitspolitik, Entwicklungsländer, Elfenbeinküste, Frankreich, Außenpolitik, Afrika, Westafrika, Schwarzafrika, Kolonien, Kolonialpolitik
Textauszug (computergeneriert)
Die Côte d’Ivoire und die europäische Sicherheitspolitik
von: Tobias Senzig
5. Fachsemester
Index
Einleitung
1. Entstehung und Selbstverständnis des Staates ‚Côte d’Ivoire’
1.1 Vorkoloniale Zeit
1.2 Die Elfenbeinküste unter kolonialer Herrschaft
1.2.1 Herausbilden einer Nationalen Bewegung
1.2.2 Einfluß französischer Parteipolitik
1.3 Der Weg in die Unabhänigkeit
2. Politische Verselbständigung in Zusammenarbeit mit der Kolonialmacht
2.1 Das politische System nach der Unabhängigkeit
2.2 Die sozio-ökonomische Entwicklung der Côte d′Ivoire als Binnenmarkt Frankreichs
2.3 Die ökonomische Krise seit Ende der 1970er Jahre
3. Die Entwicklung der Côte d′Ivoire ab 1990
3.1 Wirtschaftsgeographische Lage Ende der 1980er Jahre
3.2 Die Reformversuche von 1990
3.3 Politische Entwicklung nach dem Tod Houphouet-Boignys 1993
3.3.1 Die Elfenbeinküste unter Konan Bédié
3.3.2 Der Militärputsch von 1999
3.3.3 Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen
3.3.4 Ereignisse seit dem Abkommen von Linas-Marcoussis
4. Europäische Positionen
4.1 Frankreichs Interessen
4.2 Deutsche Interessen
4.3 Motive der Europäische Union
Schluß
Quellenverzeichnis
Einleitung
Noch vor 25 Jahren war die Elfenbeinküste eine Perle im Westen Afrikas. Fernab der europäischen Demokratien hatte sich im für diese Werte im Normalfall nicht bekannt gewesenen Schwarzafrika ein stabiler und allem Anschein nach florierender und der demokratischen Grundordnung verpflichteter Staat entwickelt. Der zeichnete sich durch exzellentes Benehmen seiner Politiker auf dem internationalen Parkett aus, mit der ehemaligen Besatzungsmacht wurde nicht nur ein höflicher Dialog geführt, sondern engste wirtschaftliche Verbindungen gepflegt. In ökonomischer Hinsicht war man der heimischen westafrikanischen Nachbarschaft auf fast unheimliche Weise schon lange entwachsen. Manch einen Beobachter mag dies alles vor allem im Hinblick auf eben diese Nachbarschaft mehr als stutzig gemacht haben. Zu welchem Preis hatte sich die Elfenbeinküste ihre Prosperität erkauft? Im Jahr 1999 kam es schließlich zum großen Knall, die Illusion des hellen Stelle im dunklen Afrika zerplatzte in einer alle vier Ecken des quadratischen Staats durchziehenden Rebellion. Seitdem ist das Land von mehreren Armeen geteilt, die sich in den von internationalen Organisationen verordneten Waffenpausen stillschweigend mit mehr Munition versorgen, um anschließend um so grausamer aufeinander einzuschlagen. Einheimische Politiker werfen mit Haßtiraden um sich auf ihre politischen Feinde und jene ehemalige Kolonialmacht, die ein Jahr zuvor noch willkommener Gast gewesen war, rassistische Ausschreitungen drohen hinter jeder Straßenecke. Kurz: Afrika wie man es kennt. Die Frage, die sich diese Arbeit stellt, ist, wie der ivorische Sonderfall in Westafrika entstehen konnte, und warum er jetzt genauso schell und spektakulär zerfällt wie er in der Blüte seiner Jahre gestrahlt hat. Im Hinblick auf das Seminar soll ferner ein Blick auf die europäische Seiten in diesem Konflikt geworfen werden und untersucht werden welche Gefahren und Chancen sich aus ihm für Frankreich, Deutschland und die EU ergeben könnten.
1. Entstehung und Selbstverständnis des Staates ‚Côte d’Ivoire’
1.1 Vorkoloniale Zeit
In der vorkolonialen Zeit gehörte der größte Teil der Elfenbeinküste zum Königreich Mali, nach dessen politischen Zerfall sich eigene Herrschaftseinheiten auf dem Territorium herausbildeten. So entwickelte sich im 17. Jahrhundert das Dagombareich der Bouma im Nordosten des Landes, während weiter westlich die Kong ein Handelsreich etablierten. Zudem wanderten von Nordwesten zahlreiche Mitglieder der Malinke, des alten Staatsvolkes von Mali, ein, die nun zu keinem Zusammenschluß mehr fähig waren. Der Malinke-Führer und westafrikanische Freiheitsheld Samory Touré zerstörte diese Reiche, indem er Ende des 19. Jahrhunderts das gesamte Gebiet eroberte.1
Französische Kaufleute aus Dieppe waren die ersten Europäer, die die Küste der Côte d’Ivoire Ende des 14. Jahrhunderts befuhren. Aufgrund der rauhen Beschaffenheit des Küstenstreifens gelang es ihnen aber erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts sich dort niederzulassen, indem Handels- und Militärstützpunkte in Küstennähe errichtet wurden. Im Jahre 1830 machten sich die Franzosen daran, das Festland zu erforschen und bis 1889 hatten sie mit sämtlichen Königen und Herrschern des Hinterlandes Protektionsverträge abgeschlossen. Anfangs wurde das Gebiet von Guinea aus mitverwaltet, im Jahre 1893 errichteten die Franzosen offiziell die Kolonie Elfenbeinküste.2 War die französische Durchdringung in der Elfenbeinküste bislang relativ friedlich verlaufen und die Entwicklung des Landes zu einer weltmarktorientierten tropischen Landwirtschaft in Gang gesetzt, wurde sie im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts mehr und mehr vom antikolonialen Kampf des Malinke-Führers Samory Touré behindert, der bis zu seiner Verhaftung im Jahre 1898 den französischen Truppen erbitterten Widerstand leistete.
1.2 Die Elfenbeinküste unter kolonialer Herrschaft
Das Eindringen Frankreichs in die Elfenbeinküste verläuft archetypisch für den Prozeß der Kolonialisierung europäischer Kolonialmächte in Afrika. Claus Zeller beschreibt den Integrationsprozeß postkolonialer afrikanischer Staatengebilde als drei typische Entwicklungsphasen, die den Weg zum autonomen Staat markieren: In der ersten Phase, der des Kolonialismus, wird das Eindringen der Kolonialmächte in die Isolation der afrikanischen Kleingesellschaften skizziert. Die Abgrenzung der Einflußsphären, die mit dem Zusammentreffen der imperialistischen Mächte einhergeht, und bei der auf die räumlichen Erstreckungen der autochtonen Stammesgesellschaften bekanntermaßen nur bedingt Rücksicht genommen wurde, sind eine weitere wichtige Determinante im idealtypischen Kolonisierungsvorgang, werden damit doch nahezu unabänderlich die Grenzen des späteren Nationalstaates festgesetzt. Als zweiten Entwicklungsfaktor wird von Zeller die Unterwerfung der lokalen Wirtschaft angeführt, die „Kolonie gerät in Abhängigkeit von der Wirtschaft des Mutterlandes und ist [langfristig] auf deren Bedürfnisse abgestellt“3.
Der französische Imperialismus ist, was diese drei Entwicklungsschritte betrifft, ein vergleichsweise humaner. Hannah Ahrend hebt in diesem Zusammenhang hervor: „Frankreich ist die einzige Nation Europas, die im Zeitalter des Imperialismus immerhin versucht hat, ‚ius’ und ‚imperium’ miteinander zu verbinden.“4 Doch auch in der Elfenbeinküste gingen gesellschaftliche und wirtschaftliche Abhängigkeitmachung rasch vonstatten: Bereits kurz nach der Errichtung der Kolonie wurde von den Colons Kaffee und Kakao eingeführt. Als Resultat dessen bildete sich in der Elfenbeinküste anders als in anderen frankophonen Kolonien Westafrikas bereits vor dem Zweiten Weltkrieg eine elitäre afrikanische Schicht heraus, die sogenannte ‚Pflanzerbourgeoisie’. Sie wurde geschaffen, indem die Franzosen aus den traditione llen Häuptlingen, der ‚chefferie traditionelle’, Pflanzer zu rekrutierten, und diese auch als unterste Einheit der kolonialen Verwaltungshierarchie einsetzten. 5 Den Häuptlingen erlaubte dieses Vorgehen die Beibehaltung des gewohnten elitären Status und ein Mindestmaß an Autorität. 6
1.2.1 Herausbilden einer Nationalen Bewegung
Der zweite Zeitabschnitt auf dem Weg zur Bildung eines autonomen Staates bezeichnet Zeller als den der ‚Nationalen Bewegungen’. Diese sind „Frucht der ‚kolonialen Situation’, sind Ausdruck des Protests gegen die koloniale Unterwerfung“, gleichzeitig symbolisieren sie „das Bewußtwerden einer kulturell-sozialen Eigenheit gegenüber dem Assimilationsanspruch des Kolonialherren“ 7. Beides verdichtet sich schließlich zu der Forderung, diese Eigenheit auch politisch zu verwirklichen. Ursprung ‚Nationaler Bewegungen’ ist dabei immer die mit dem „Bewußtsein schwarzer Sonderheit“8 einhergehende ökonomische und soziale Benachteiligung der einheimischen Eliten und der Bevö lkerung. 9 In der Elfenbeinküste ging die erste ‚Nationale Bewegung’ das ‚Syndicat Agricole Africain’ (SAA) aus der Gruppe der politisierten ‚Pflanzerbourgeoisie’ hervor. Das SAA war im Jahr 1944 als Interessenvertretung afrikanischer Pflanzer gegen die wirtschaftliche Diskriminierung beim Kakao- und Kaffeeanbau entstanden. Es stand allen Afrikanern offen, deren Anbauflächen bei Kaffee 2 ha und bei Kakao 3 ha überstiegen, schloß Kleinbetriebe somit aus.
[...]
1 Frey, Ulrich (1986): Entwicklungsländer im Systemvergleich. Sozialistische Verelendung und marktwirtschaftliches Wachstum, Kreuzlingen und Bern, S. 73.
2 Ebenda.
3 Zeller, Claus (1969): Elfenbeinküste. Ein Entwicklungsland auf dem Weg zur Nation, Freiburg, S. 20.
4 Arendt, Hannah (1955): Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Stuttgart, S. 215.
5 Die Implementierung der archaischen Stammesstrukturen war aber nur dort möglich, wo die politische Organisation soweit fortgeschritten war, daß sie über Dorfebene hinaus reichte. In den Gebieten der Kru sowie der Mande, die zusammen fast ein Drittel der Bevölkerung stellten, war dies nicht der Fall. (Ziemer, Klaus (1984): Demokratisierung in Westafrika, Paderborn, S. 79.)
6 Ziemer, Klaus (1984): Demokratisierung in Westafrika, Paderborn, S. 79.
7 Zeller, Claus (1969): Elfenbeinküste. Ein Entwicklungsland auf dem Weg zur Nation, Freiburg, S. 21.
8 Ebenda, S. 21f.
9 Ebenda.
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: