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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 23 Pages
Author: Moni Kirner
Subject: English Language and Literature Studies - Literature
Details
Institution/College: LMU Munich (Komparatistik / Anglistik)
Tags: Mann, Gottes, Triebe, Gothic, Literature, Beispielen, Monk, Lewis, Tage, Sodom, Sade, Schwarze, Romantik
Year: 2005
Pages: 23
Grade: 1
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-39312-6
ISBN (Book): 978-3-638-72948-2
File size: 460 KB
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Abstract
Werke wie „The Fall of the House of Usher“ von Poe und „Zofloya or The Moor“ von Charlotte Dacre fallen ebenso unter den Begriff „Gothic Literature“ wie die beiden im Rahmen dieser Arbeit genauer behandelten Romane „The Monk“ von Matthew G. Lewis und „120 Tage von Sodom“ von Marquis de Sade. Hier schließt sich nun unmittelbar die Frage an, was einen Gothic Novel zu einem solchen macht, welche Charakteristika ihn formen und welche Abweichungen es bezüglich dieser Einordnungen gibt. Sie alle thematisieren Gewalt und sexuelle Begierde und verlegen den Schauplatz dafür in eine dunkle und schauderhafte Atmosphäre, meist in eine Art Unterwelt, ein von der Außenwelt abgeschlossenes Reich, wo verbotene, verwerfliche und grausame Dinge passend zur schaurigen Umgebung ihren Lauf im Geheimen nehmen und obskure Charaktere ihren verderblichen Phantasien ohne Zeugen nachgehen können. Die Figuren sind, wie ihr gesamtes Dasein und ihre Umwelt, von Unsicherheit geprägt und übertragen dadurch ständiges Unbehagen auf den Leser. In dieser Abhandlung soll nun explizit auf die Funktion und die Zusammenhänge zwischen den zwei geistlichen Hauptfiguren aus "120 Tage von Sodom" und "The Monk" eingehen.
Excerpt (computer-generated)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Department für Anglistik und Amerikanistik
Institut für Englische Philologie
Hauptseminar: „Schwarze Romantik“
Der Mann Gottes und seine männlichen Triebe in der Gothic
Literature - an den Beispielen "The Monk" von Lewis und
"120 Tage von Sodom" von de Sade
von: Moni Kirner
Inhaltsverzeichnis
1 „The Monk“ und „Die 120 Tage von Sodom“ – Gothic Novels 1
2 Der lüsterne Kleriker in der Schwarzen Romantik bei Lewis und de Sade 2
2.1 Kirchengegenerische Intentionen der Autoren gezeigt anhand einiger Beispiele 2
2.1.1 Matthew G. Lewis’ „The Monk“ 2
2.1.1.1 Ambrosio, der Mönch und Ambrosius, der Kirchenvater 2
2.1.1.2 Diabolische Charaktere und Frauen auf Abwegen 4
2.1.2 De Sades „Die 120 Tage von Sodom“ 6
2.1.2.1 Der Autor ohne Moral in seinen verdorbenen Charakteren 6
2.1.2.2 Atheismus als einziger Glaube 7
2.2 Der Geistliche – ein an Gehorsam und Pflichten gebundener Diener vor Gott und Sünder bei Lewis und de Sade 8
2.2.1 Kritik an Lewis’ Hintergrundwissen zu den Kapuzinern 8
2.2.1.1 Zeitliche und geographische Einordnung der Kapuzinermönche 8
2.2.1.2 Das Schweigegelübde 9
2.2.2 Ambrosio – ein Mönch wider franziskanischen Vorgaben 10
2.2.2.1 Schuldverdrängung statt Schuldbewusstsein und Reue 10
2.2.2.2 Egozentrischer Stolz im Widerspruch zu Gemeinschaft, Brüderlichkeit und aktivem Mitleid 12
2.2.2.3 Sexualität und “Liebe“ statt Enthaltsamkeit und Liebe zu Gott 13
2.2.3 Der Bischof ohne Namen und andere Geistliche bei Marquis de Sade 14
2.2.3.1 Männer ohne Charakter und Kleriker ohne wahren Glauben 15
2.2.3.2 Sexuelle Perversionen und die Verachtung gegenüber Frauen und reiner Liebe 16
2.3 Ursprünge der Triebhaftigkeit der Kirchenmänner 17
2.3.1 Wandel und Zerfall der Familie als Ausgangspunkt für die abgründige Entwicklung der Charaktere 18
2.3.1.1 Ambrosio, das Findelkind 18
2.3.1.2 Der Bischof in einer destruktiven Zeit 19
2.3.2 Das Gelübde der Keuschheit und der Reiz des Verbotenen und Unschuldigen 19
3 Gerechte Strafe für die Sünder? 21
Anhang: Deutsche Übersetzung der im Text verwendeten lateinischen Zitate 23
Literaturangaben 24
1. „The Monk“ und „Die 120 Tage von Sodom“ – Gothic Novels
Werke wie „The Fall of the House of Usher“ von Poe und „Zofloya or The Moor“ von Charlotte Dacre fallen ebenso unter den Begriff „Gothic Literature“ wie die beiden im Rahmen dieser Arbeit genauer behandelten Romane „The Monk“ von Matthew G. Lewis und „Die 120 Tage von Sodom“ von Marquis de Sade. Hier schließt sich nun unmittelbar die Frage an, was einen Gothic Novel zu einem solchen macht, welche Charakteristika ihn formen und welche Abweichungen oder Besonderheiten es bezüglich dieser Einordnungen gibt.
Alle Werke der Gothic Literature thematisieren vorwiegend Gewalt und sexuelle Begierde und verlegen den Schauplatz dafür in eine dunkle und schauderhafte Atmosphäre, meist in eine Art Unterwelt, ein von der Außenwelt abgeschlossenes Reich, wo verbotene, verwerfliche und grausame Dinge passend zur schaurigen Umgebung ihren Lauf im Geheimen nehmen und obskure Charaktere ihren verderbten Phantasien und krankhaften Neigungen ohne Zeugen nachgehen können. Die Figuren sind, wie ihr gesamtes Dasein und ihre Umwelt, von Unsicherheit geprägt und übertragen dadurch ständiges Unbehagen auf den Leser.
Grauenhaft detaillierte Darstellungen von physischen Verletzungen und Tod werden dabei als Zutat regelmäßig beigemischt um das Grauen perfekt zu machen. Gerade Lewis beherrscht die Kunst, diese Punkte auf besonders beklemmende und anschauliche Weise in den Text einzubinden beispielsweise als er den langsamen Tod seines Protagonisten beschreibt: „Myriads of insects […] drank the blood which trickled from Ambrosio’s wounds […] The Eagles of the rock tore his flesh piecemeal, and dug out his eye-balls with their crooked beaks.“1
Den Rahmen eines Gothic Novels bildet meist eine drastische Abwendung von Gott auf Seiten eines oder mehrerer Charaktere, was zum Teil in den schwärzesten Atheismus übergeht. Deshalb stehen darin häufig Geistliche im Mittelpunkt des literarischen Geschehens, da gerade die Beschreibung von deren Abfall vom Glauben und Hinwendung zur Diabolie eine besonders umfangreiche Palette an darstellerischen Möglichkeiten bietet. Meist spielt Luzifer selbst den Fadenzieher für die Handlung, jedoch bedient sich zum Beispiel Marquis de Sade realer teuflischböser Charaktere. Im folgenden sollen, unter Berücksichtigung all dieser für die Gothic Literature charakteristischen Punkte, die beiden Kleriker, der Mönch Ambrosio in „The Monk“ und der namenlose Bischof in den „120 Tagen von Sodom“ von Marquis de Sade insbesondere bezüglich ihrer Triebhaftigkeit im Zentrum der Beobachtung stehen.
2 Der lüsterne Kleriker in der Schwarzen Romantik bei Lewis und de Sade
2.1 Kirchengegnerische Intentionen der Autoren
2.1.1 Matthew G. Lewis’ „The Monk“
Mit 19 Jahren, anno 1796, veröffentlichte Matthew Gregory Lewis seinen Schauerroman „The Monk“, der seitdem fast ohne Unterbrechung im Druck ist.2 Jedoch wurde ihm nicht von Anfang an der Ruhm zuteil, der mit den Jahren nachfolgte, da Lewis, der noch dazu zur Zeit der Publizierung durch seinen Sitz im House of Commons stark im Auge der Öffentlichkeit stand, bezüglich des unmoralischen und antikirchlichen Inhalts seines Gothic novels stark kritisiert wurde.3
2.1.1.1 Besonders Lewis’ sicherlich nicht zufällige Namensauswahl für seinen Protagonisten Ambrosio musste jeden Christen schockieren, denn Ambrosius, der im 4. Jahrhundert n. Chr. lebte, gilt bis heute als einer der vier großen Kirchenväter des Westens 4, welche in ihren Schriften die christliche Lehre begründeten. Lewis hat sich wohl für diese Parallele entschieden, da Ambrosius von Mailand stets seiner Eloquenz gerühmt wurde, ebenso wie sein Hauptcharakter Ambrosio. Es gibt eine bekannte Legende, die besagt, dass Bienen über der Wiege des jungen Ambrosius Honig in dessen Mund träufelten und ihm so die "honigsüße Sprache" seiner späteren Schriften und seiner Hymnen schenkten. 5 Vor allem diese Namensparallele zwischen einem solch hochangesehenen Kleriker und einem Mönch mit dem gleichen bedeutungsträchtigen Namen, der sich dem Teufel durch Verbrechen wie Vergewaltigung und Mord verschreibt, traf wohl bei der damaligen Öffentlichkeit auf laute Empörung. Was jedoch ist der Grund dafür, dass Lewis’ inhaltlich verwerfliches Werk bis heute höchste Popularität genießt?
2.1.1.2 Howells formuliert treffend : „`The Monk´ comes close to being a Gothic nightmare but curiously it is not one; instead, it is a Gothic entertainment.”6 Lewis ist ein Genie, was die literarischen Techniken angeht, mit welchen er nicht nur seinem Leser kontinuierlich anregenden Schauder und Ekel einflößt, sondern auch immer wieder, entweder metaphorisch oder in der für ihn typischen unverblümten Art, seine intentionale Botschaft vermittelt, welche bei „The Monk“ ohne Zweifel als eine Kritik an der heuchlerischen Kirche und ihren vermeintlich frommen Anhängern aufgefasst werden kann. Dazu dienen ihm natürlich vorwiegend seine diabolischen Charaktere und die weite Kluft zwischen diesen und den guten Figuren, welche selbst bei weitem nicht an deren Präsenz heranreichen. Nicht ohne Grund schreibt Irwin: „In fact, his [Lewis’] evil characters are better done than the good ones.“7
Hierfür können mehrere Beispiele im Text gefunden werden, wie unter anderem die nicht unerhebliche Rolle, welche Magie und Hexenkunst in der Geschichte spielen. Solche Fähigkeiten wurden meist direkt mit Satan in Verbindung gesetzt und Lewis macht sich diese Tatsache zunutze, indem er Matilda als Anhängerin des Teufels und listige Weichenstellerin für den Handlungsverlauf einsetzt. Durch ihre Zauberei und Verführungskünste kommt Ambrosio erst vom rechten Wege ab, da sie durch die Befriedigung seiner bisher unterdrückten sexuellen Bedürfnisse eine unstillbare Begierde auf weitere Freuden des Fleisches schürt und der Mönch dadurch seine Lust in Bezug auf Antonia nicht mehr kontrollieren kann. Zu der symbolträchtigen Figur der Matilda ist weiterhin zu sagen, dass sie sich kennzeichnenderweise anfangs als Novize, sozusagen als „Wolf im Schafspelz“, Zugang zum Kloster verschafft, was offensichtlich als einer von vielen Hinweisen, natürlich erneut in Bezug auf die Kirche, für die häufige Diskrepanz zwischen äußerem Anschein und verborgenen Intentionen zu verstehen ist.
[...]
1 Lewis, Matthew G. (Hrsg.: Howard Anderson): The Monk, Oxford University Press, Oxford, 1998, S. 442.
2 Irwin, Joseph James: M.G. „Monk“ Lewis, G. K. Hall & Co., Boston, 1976, S. 13.
3 Ebd., S. 49.
4 Die drei anderen westlichen Kirchenväter waren Augustinus, Papst Gregor I. und Hieronymus.
5 http://www.heiligenlexikon.de/BiographienA/Ambrosius_von_Mailand.htm, 14.04.05.
6 Howells, Coral Ann: Love, mystery and misery – feeling in Gothic Fiction, Athlone Press, London, 1995, S. 62.
7 Irwin, J.J.: M.G. „Monk“ Lewis, S. 53.
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