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Hauptseminararbeit, 2005, 33 Seiten
Autor: Moni Kirner
Fach: Latein
Details
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München (Klassische Philologie)
Tags: Bellum, Sertorianum, Bellum, Spartacium, Historien, Sallusts, Historien
Jahr: 2005
Seiten: 33
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 9 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-39313-3
ISBN (Buch): 978-3-638-72949-9
Dateigröße: 431 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Der Krieg gegen Sertorius und das Bellum Spartacium stellten Rom vor äußerst unangenehme Zeiten, besonders, wenn man neben den hohen Verlusten im militärischen Bereich die Furcht um das eigene, erst durch einen aufrührerischen Landsmann, dann durch unbedeutende Sklaven ins Wanken geratene, Ansehen als unbesiegbare und gewaltige Weltmacht bedenkt. Sallusts Leitmotiv, welches all seine Werke in ihren diversen Stadien durchzieht, ist der Verfall des Staates, wobei für ihn ganz deutlich der Sullanische Staat den Höhepunkt und Inbegriff des Ruins repräsentiert. Besonders im Rahmen der Darstellung des Sertorianischen Kriegs zeigt sich diese Antipathie gegenüber Sulla besonders stark. Während er zu Beginn der Historien zuerst noch vom einstigen Idealzustand mit „optumis moribus et maxuma concordia“ (Hist. 11, 6f.) spricht, kommt Sallust doch recht rasch auf die aktuelle Lage, geprägt von „discordia et avaritia atque ambitio“ (Hist. 11, 9f.) zu sprechen. Diese Verschiebung der Werte führt er auf den menschlichen Charakter zurück, der sich, wenn er sich in Sicherheit wiegt, gehen lässt und aufhört, die alten Ideale anzustreben und die für einen Römer bisher als tugendhaft geltende Pflichten weiter auszuführen. Dieses nachlässige und überhebliche Verhalten führt uns direkt zurück zu Spartacus und Sertorius, die sich beide mit aller Kraft gegen die römische Vorherrschaft auflehnen. Wer diese beiden Männer waren, welche Leistungen sie vollbrachten und was sie zu Inbegriffen des Heldentums machte, soll nun primär anhand der historischen Berichte Sallusts hinsichtlich ihrer Überlieferung, ihres Inhalts und Sallusts persönlicher Betrachtung und Beurteilung in aller Ausführlichkeit untersucht werden.
Textauszug (computergeneriert)
Bellum Sertorianum und Bellum Spartacium
in den Historien Sallusts
von: Moni Kirner
Inhaltsverzeichnis
1 Sallust – Staatskritiker, Philosoph und Geschichtsschreiber 3
2 Bellum Spartacium und Bellum Sertorianum – Darstellung der Kriege und ihrer Anführer in Sallusts Historiae und weiteren ausgewählten Werken diverser Autoren 4
2.1 Sertorius und das Bellum Sertorianum 4
2.1.1 Biographisches und geschichtliches Hintergrundwissen zu Sertorius 4
2.1.1.1 Jugend des Sertorius 4
2.1.1.2 Erste militärische Erfolge 5
2.1.1.3 Konfrontationen mit Sulla 6
2.1.1.4 Sertorius’ Abkommandierung nach Spanien 8
2.1.1.5 Q. Sertorius auf der Flucht vor Sulla 9
2.1.2 Die Darstellung des Kriegs gegen Sertorius, basierend auf Sallusts Historienberichten 10
2.1.2.1 Ereignisse in Buch I (78 - 77 v. Chr.) 10
2.1.2.2 Kriegsablauf in Buch II (spätes Jahr 77 – ins frühe Jahr 74) 13
2.1.2.3 Letzte Stationen des Sertorianischen Kriegs (74 - 72 v. Chr.) 16
2.1.3 Plutarch als wichtigste Wissensquelle zu Q. Sertorius 17
2.2 Spartakus und der größte Sklavenaufstand in der Geschichte Roms 18
2.2.1 Historische Umstände und Überblick über die Sklavenproblematik im Römischen Reich 19
2.2.2 Sallusts Bericht über das Bellum Spartacium 20
2.2.2.1 Ordnung der Fragmente nach Maurenbrecher 20
2.2.2.2 Die Kriegsereignisse in der deutschen Übersetzung und Untermauerung derselben durch Berichte weiterer lateinischer Autoren 23
3 Parallelen zwischen den beiden Männern und ihre Verbindung zu Sallust 31
Literaturverzeichnis 33
1 Sallust – Intention als Staatskritiker und Geschichtsschreiber
Die Diskussionen darüber, ob Sallust als begnadeter Historiker betrachtet werden darf, oder andererseits als ein staatsphilosophisch ausgerichteter Kritiker und Analytiker der politischen Verhältnisse, scheinen nicht verstummen zu wollen. Die nun folgende Abhandlung soll als Beweis für seine einerseits besondere Begabung für die Geschichtsschreibung und weiterhin für seinen außergewöhnlichen Stil in Verbindung mit der eigenen, gekonnt unterschwellig eingewobenen und psychologisch wie ethisch fundierten, Beurteilungsfähigkeit dienen. Diese Intention soll anhand zweier sowohl inhaltlich, als auch textkritisch interessanter Beispiele realisiert werden: Der Krieg gegen Sertorius und das Bellum Spartacium stellten Rom vor äußerst unangenehme Zeiten, besonders, wenn man neben den hohen Verlusten im militärischen Bereich die Furcht um das eigene, erst durch einen aufrührerischen Landsmann, dann durch unbedeutende Sklaven ins Wanken geratene, Ansehen als unbesiegbare und gewaltige Weltmacht bedenkt. Sallusts Leitmotiv, welches all seine Werke in ihren diversen Stadien durchzieht, ist der Verfall des Staates, wobei für ihn ganz deutlich der Sullanische Staat den Höhepunkt und Inbegriff des Ruins repräsentiert. Besonders im Rahmen der Darstellung des Sertorianischen Kriegs sich diese Antipathie gegenüber Sulla besonders stark. Während er zu Beginn der Historien zuerst noch vom einstigen Idealzustand mit „optumis moribus et maxuma concordia“ (Hist. 11, 6f.) spricht, kommt Sallust doch recht rasch auf die aktuelle Lage, geprägt von „discordia et avaritia atque ambitio“ (Hist. 11, 9f.) zu sprechen. Diese Verschiebung der Werte führt er auf den menschlichen Charakter zurück, der sich, wenn er sich in Sicherheit wiegt, gehen lässt und aufhört, die alten Ideale anzustreben und die für einen Römer bisher als tugendhaft geltende Pflichten weiter auszuführen. Dieses nachlässige und überhebliche Verhalten führt uns direkt zurück zu Spartakus und Sertorius, die sich beide mit aller Kraft gegen die römische Vorherrschaft auflehnen. Wer diese beiden Männer waren, welche Leistungen sie vollbracht en und was sie zu Inbegriffen des Heldentums machte, soll nun primär anhand der historischen Berichte Sallusts hinsichtlich ihrer Überlieferung, ihres Inhalts und Sallusts persönlicher Betrachtung und Beurteilung in aller Ausführlichkeit untersucht werden.
2 Bellum Spartacium und Bellum Sertorianum – Darstellung der Kriege und ihrer Anführer in Sallusts Historiae und weiteren ausgewählten Werken diverser Autoren
2.1 Sertorius und der Bellum Sertorianum
Um die chronologisch korrekte Reihenfolge der beiden Kriege einzuhalten, soll nun mit der Behandlung des Bellum Sertorianum begonnen werden, wobei neben der Schilderung der Kriegsereignisse und der Umstände, die zur Initiierung des Krieges im Jahre 81/80 und zur gewaltsamen Beendigung desselben anno 73 führten, der Fokus auch auf der Person Q. Sertorius liegen wird. Nach Maurenbrechers Anordnung ziehen sich die Berichte über Sertorius und das Bellum Sertorianum über die ersten drei Bücher der Historien, beginnend mit Sertorius’ Karriere von 105 bis 80 v. Chr. und dem frühen Stadium des Sertorianischen Kriegs in Buch I. Buch II erzählt die Kriegsereignisse des Jahres 76 und des Sommers und Winters 75 und das dritte Buch der Historien fährt mit dem Kriegsverlauf im Jahr 74 fort und behandelt außerdem die letzte Phase des Kriegs im Jahr 72. Anzumerken ist hierzu, dass die Nachvollziehung der korrekten, im Original bestandenen, Chronologie eine der großen Schwierigkeiten darstellt, da es zum Sertorianischen Krieg besonders viele kurze und uneindeutige Fragmente gibt. Aufgrund eben dieser Tatsache wurden für die folgende Behandlung des Bellum Sertorianum nicht jedes einzelne Fragment verwendet, sondern nur diejenigen, welche eindeutig den Geschehnissen zuzuordnen sind.
2.1.1 Biographische s und geschichtliches Hintergrundwissen zu Q. Sertorius
2.1.1.1 In Nursia in Mittelitalien, 70 Meilen entfernt von Rom, wurde Quintus Sertorius etwa im Jahr 126 v. Chr., jedenfalls nicht später als 122 v. Chr.1, als Sabiner geboren. 2 Obwohl sein Vater, ein Angehöriger des Ritterstands, starb als er noch ein Junge war, wurde von seiner Familie dafür gesorgt, dass ihm eine umfassende Bildung zuteil werden konnte, was sowohl die Kenntnisse der lateinischen und griechischen Sprache, als auch eine Ausbildung bezüglich des römischen Rechts beinhaltete.3 Natürlich wurde er als junger Mann auch im Kampf und in Rhetorik geschult. Selbst mit diesen Referenzen hatte er jedoch als so genannter municipalis4 und ohne Vorfahren im Senat eine recht geringe Chance, in Rom eine politische Karriere beginnen zu können.
Da er aber als homo novus dennoch seine Ämterlaufbahn, wohl nicht später als anno 1105, antreten konnte, liegt die Vermutung nahe, dass die Sertorii zumindest enge Kontakte zu ein paar dem Landadel angehörenden Familien unterhielten, wozu möglicherweise die Servilii Caepiones, die Aurelii Cottae oder sogar die einflussreichen Metelli gehört haben könnten. 6 Plutarch informiert uns darüber, dass Q. Sertorius sich jedoch abgesehen davon bereits vor seinen politischen Erfolgen als Redner in Rom einen Namen gemacht hatte (Sert.2). Es ist recht wahrscheinlich, dass er damals etwa 19 Jahre alt war und nicht früher als mit 20 Jahren seinen Militärdienst antrat und „togam paludamento mutavit “, wie Fr. 87* es formuliert.
2.1.1.2 Dies belegt Plutarch damit, dass er Sertorius’ ersten „herausragenden Erfolg“ (Sert.2) im Krieg anno 105, nach der Niederlage des Prätors Q. Servilius Caepio gegen die Kimbern und Teutonen bei Arausio, zuschreibt, aus welcher Sertorius als contubernalis7 und möglicherweise persönlicher Leibwächter desselben mit ihm als einer der wenigen Überlebenden entkam.8
Im Jahre 97 v. Chr. wurde Sertorius das Amt des Militärtribuns verliehen, wozu sicherlich erneut einflussreiche Fürsprecher, wie in diesem Fall die Servilii Caepiones, notwendig gewesen waren. 9 Er schloss sich anschließend C. Marius zur Niederstreckung der Barbaren an und wurde aufgrund seiner bereits gesammelten Erfahrung und seiner strategischen und naturgegebenen militärischen Begabung zu einem unverzichtbaren Mitstreiter. Plutarch erwähnt sogar seine freiwilligen Unternehmungen als Spion, bei welchen er sich, nachdem er sich sogar grundlegende keltische Sprachkenntnisse angeeignet hatte, verkleidet und unbemerkt mitten unter die Germanen mischte um sie auszuhorchen. 10 Bei Vercellae im Jahre 101 errangen sie endlich den Sieg über die germanische Bedrohung und in den folgenden drei Jahren, in denen keine Daten über Sertorius überliefert sind, wird angenommen, dass er wohl bei Marius und Catulus in Rom blieb und an deren Triumph in irgendeiner Weise Anteil nahm und sich weiterhin dem Militärdienst widmete. Man vermutet, dass er sich von 100 bis 98 wohl weitere örtliche oder sprachliche Kenntnisse aneignete, welche ihm später zu seiner Quästur in Gallia Cisalpina verhalfen. 11
[...]
1 Spann, Philip Owen: “Quintus Sertorius – Citizen, Soldier, Exile”, S. 2.
2 Spann, Philip Owen: „Quintus Sertorius and the legacy of Sulla“, S. 1.
3 Ebd., S. 3.
4 municipalis = Kleinstadtbürger.
5 Spann, Philip O.: „Quintus Sertorius and the legacy of Sulla“, S. 5.
6 Ebd., S. 4.
7 contubernalis = ein zur Ausbildung überwiesener, ständiger Begleiter eines Prätors.
8 Spann, Philip Owen: “Quintus Sertorius – Citizen, Soldier, Exile”, S. 3f.
9 Ebd., S. 5.
10 Ebd., S. 8.
11 Spann, Philip Owen: “Quintus Sertorius – Citizen, Soldier, Exile”, S. 14f.
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