Exegese zu Mk 2,1-12 close

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Details

Veranstaltung: Einführung in die wissenschaftliche Arbeit am Neuen Testament
Institut: Münster
Tags: Exegese, Einführung, Arbeit, Neuen, Testament
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 15
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 17  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 225 KB
Archivnummer: V40992
ISBN (E-Book): 978-3-638-39364-5

Textauszug (computergeneriert)

Exegese zu Mk 2,1-12

von: Sarah Schepers

 


1. Übersetzungsvergleich 4

2. Textabgrenzung 6

3. Kontextanalyse 7

4. Strukturanalyse 8

5. Synoptischer Vergleich 10

6. Literarkritik 11

7. Formgeschichte 12

7.1. Dekomposition 12
7.2. Gattungszuordnung 12
7.3. Sitz im Leben 13

8. Redaktionsgeschichte / Kompositionskritik 14

Literaturverzeichnis 16

 


Als Grundlage für die exegetische Arbeit an Mk 2,1-12 wähle ich die Übersetzung der Zürcher Bibel.

Markus 2, 1-12

1 Und als er nach einigen Tagen wieder nach Kapernaum hineingegangen war, hörte man, dass er im Hause sei. 2 Und es versammelten sich viele, sodass nicht einmal der Platz vor der Türe mehr reichte, und er verkündigte ihnen das Wort. 3 Da kamen Leute und brachten zu ihm einen Gelähmten, der von vieren getragen wurde. 4 Und da sie ihn wegen des Volkes nicht zu ihm bringen konnten, deckten sie das Dach ab, wo er war, und nachdem sie es durchbrochen hatten, liessen sie das Bett hinab, worauf der Gelähmte lag. 5 Und Als Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. 6 Es sassen aber dort etliche der Schriftgelehrten und machten sich in ihren Herzen Gedanken: 7 Was redet dieser so? Er lästert. Wer kann Sünden vergeben ausser Gott allein? 8 Und alsbald merkte Jesus in seinem Geiste, dass sie sich bei sich selbst solche Gedanken machten, und er sprach zu ihnen: Was macht ihr euch da für Gedanken in euren Herzen? 9 Was ist leichter zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Steh auf, hebe dein Bett auf und geh hinweg? 10 Damit ihr aber wisst, dass der Sohn der Menschen Macht hat, auf Erden Sünden zu vergeben – sagt er zu dem Gelähmten: 11 Ich sage dir: Steh auf, hebe dein Bett auf und geh in dein Haus! 12 Und er stand auf, hob sein alsbald sein Bett auf und ging vor aller Augen hinaus, sodass sie alle erstaunten, Gott priesen und sagten: Solches haben wir noch nie gesehen.

1. Übersetzungsvergleich

Für den Übersetzungsvergleich ziehe ich zusätzlich die folgenden sechs Bibelübersetzungen hinzu: die Gute Nachricht, die Einheitsübersetzung, die Übersetzungen nach Ulrich Wilckens, nach Luther und Jörg Zink und das Münchener Neue Testament.
Ich möchte mich beim Vergleich auf die Verse 5 und 12a beziehen, denn dort kommt es bei den Übersetzungen zu gewichtigen Bedeutungsunterschieden. Die tabellarische Darstellung der unterschiedlichen Übersetzungen von Vers 5 soll helfen, meinen Übersetzungsvergleich besser nachzuvollziehen.

Zürcher Und als Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
Gute Nachricht Als Jesus sah, wie viel Vertrauen sie zu ihm hatten, sagte er zu dem Gelähmten: „Deine Schuld ist die vergeben!“
Einheitsübersetzung Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!
Wilckens Als Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: „Kind, deine Sünden sind dir vergeben“.
Luther Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
Zink
Als Jesus sah, mit wie festem Vertrauen sie gekommen waren, sprach er den Gichtkranken an: Mein Sohn! Was du Böses getan hast, ist dir abgenommen. Es soll dich nicht mehr von Gott trennen!
Münchener Neues Testament Und sehend Jesus ihren Glauben, sagt er zu dem gelähmten: Kind, erlassen werden deine Sünden.

Auffällig ist, dass Zink und die Gute Nachricht als Gruppe der dynamisch- gleichwertigen das Wort „Vertrauen“ gewählt haben, wogegen die übrigen von „ Glauben“ sprechen. Trotz der großen inhaltlichen Nähe implizieren diese Wörter ein anderes Verhältnis des Gelähmten und seiner Träger zu Jesus. Jemanden zu vertrauen ist viel hoffnungsvoller und persönlicher, als dem anderen zu glauben. Die Beziehung geht sogar dorthin, sich dem anderen ganz hinzugeben. Ein weiterer Übersetzungsunterschied lässt sich in Jesus Reaktion auf die Geschehnisse finden. Sowohl die Einheitsübersetzung, als auch die Zürcher, Luther, Münchener und Wilckens sprechen von der Sündenvergebung, wogegen bei der Guten Nachricht von Schuld die Rede ist. Zink hat den Ausdruck „was du Böses getan hast“ gewählt. In allen Ausdrücken geht es um ein vorangegangenes negatives Verhalten des Gelähmten, aber mit „sündigem Verhalten“ ist wohl eher ein Fehltritt gegen Gott und vielleicht die Zehn Gebote gemeint, wogegen man sich auch in weltlichen Dingen schuldig machen kann. Zink lässt keine Deutungen zu, sondern beschränkt sich auf die Darstellung des schlechten. Diese Übersetzung ist auch die einzige, die verdeutlicht, dass man durch die Sündenvergebung nah bei Gott ist.

Es folgt die Zusammenstellung der Übersetzungen zu Vers 12a.

Zürcher …, sodass sie alle erstaunten, Gott priesen und sagten: Solches haben wir noch nie gesehen.
Gute Nachricht Alle die es sahen, waren ganz außer sich, lobten Gott und sagten: „So etwas haben wir noch nie erlebt!“
Einheitsübersetzung Da gerieten alle außer sich; sie priesen Gott und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen.
Wilckens Da gerieten sie alle außer sich, priesen Gott und sagten: „So etwas haben wir noch nie gesehen!“
Luther …, so dass sie sich alle entsetzten und sprachen: Wir haben solches noch nie gesehen.
Zink …, so dass sie alle erschraken und Gott priesen. Niemals, sprachen sie, haben wir Ähnliches gesehen!
Münchener Neues Testament …, so dass alle sich entsetzten und Gott verherrlichten, sagend: So (etwas) sahen wir niemals.

Es fällt auf, dass sich die Übersetzungen auf keine einheitliche Reaktion auf die Wunderheilung einigen können, die mit den Worten: „deine Sünden sind dir vergeben“ begann. Die Reaktionen reichen von einem negativen „entsetzt“ bzw. „erschreckt“ sein, (Münchener, Luther und Zink) über ein relativ neutrales „erstaunt“ sein (Zürcher), bis hin zum anzahlmäßig überlegenem „außer sich sein“ der Menschen (Einheitsübersetzung, Wilckens und Gute Nachricht). Allerdings lässt sich das Letztere nicht eindeutig auf eine positive oder negative Tendenz festlegen, wobei ich aber eher zu einer negativen Festlegung tendiere. Trotzdem haben all die unterschiedlichen Übersetzungen Konsequenzen für das Folgende und da Mk 2,12 der letzte Vers unserer Perikope ist, bekommt die Perikope eine besonders tiefe Prägung. Ein erstaunt sein, wie es die Zürcher Bibel umschreibt setzt eine ganz andere Richtung fest, als ein Lutherisches entsetzt sein. Aufgrund dieser Übersetzungsunterschiede wird ein ganz unterschiedliches Bild der Menschen auf Jesu Wirken dargestellt.

2. Textabgrenzung

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