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Autor: Kerstin Orth
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Tags: Goethe, Prometheus, Dramenfragment, Prometeus-Motiv
Jahr: 2002
Seiten: 18
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 8 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 248 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-39391-1
Der Schwerpunkt der Interpretation liegt auf der Ode, auch im Hinblick auf inhaltliche Unterschiede zum fragmentarischen Drama. Arbeit beinhaltet auch die Wirkungsgeschichte und Rezeptionsgeschichte.
Textauszug (computergeneriert)
Heinrich-Heine-Universität
Germanistisches Seminar
TPS: Prometheus in Mythos und Dichtung
3. Semester
J.W. v. Goethe: Prometheus - Dramenfragment und Ode
von: Kerstin Orth
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung S. 3
II. Entstehungsgeschichte S. 4
III. Interpretation des Dramenfragments S. 6
IV. Interpretation der Ode S. 11
V. Wirkungsgeschichte S. 15
VI. Schlussbetrachtung S. 17
VII. Bibliographie S.18
I. Einleitung
Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit Johann Wolfgang von Goethes 1773 entstandenem Dramenfragment Prometheus und der kurz danach verfassten gleichnamigen Ode. Nachdem in der Goethe-Forschung lange Zeit unklar war, ob zuerst das Dramenfragment oder die Prometheus-Ode verfasst wurde, wird zu Anfang dieser Arbeit die Entstehungsgeschichte der beiden Werke unter Berücksichtigung neuerer Forschungserkenntnisse beleuchtet werden. Im Anschluss hieran wird eine Interpretation des Dramenfragments und der Ode erfolgen, wobei der Schwerpunkt auf der Deutung der Ode, auch im Hinblick auf inhaltliche Unterschiede zum fragmentarischen Drama, liegen wird. Die 1785 von Fritz Jacobi ohne Goethes Wissen veröffentlichte Ode ist nicht nur wegen ihres revolutionären Inhalts, sondern auch wegen ihrer interessanten und spektakulären Rezeptionsgeschichte eine der berühmtesten Dichtungen des jungen Goethe, was ich zum Anlass nehme, die Rezeptionsgeschichte der Ode als Abschluss der vorliegenden Arbeit zu skizzieren.
II. Entstehungsgeschichte
Die Prometheus-Ode entstand während der Arbeit an dem gleichnamigen Drama innerhalb des Zeitraums zwischen Sommer und Herbst 1773. Wenngleich sie in der Rezeptionsgeschichte zeitweise als Eingangsmonolog des geplanten III. Aktes angesehen wurde, ist diese These heute widerlegt und die Ode wird eigenständig betrachtet. Der Grund für die ursprüngliche These war, dass Goethe selbst 1820 in einem Brief an seinen Freund Zelter die Ode als Monolog zu Beginn des dritten Aktes bezeichnet1 und 1830 selbige in der Ausgabe letzter Hand auch als Eingangsmonolog des fragmentarischen Dramas gedruckt wird. Dies führt allerdings zu einigen Wiederholungen innerhalb des Dramas, so dass man heute eher von einem „Erinnerungsfehler“2 Goethes ausgeht und die Ode tatsächlich während oder vielmehr nach der Arbeit am Drama entstand. Obwohl die Reihenfolge der Entstehung von Fragment und Ode lange Zeit sehr umstritten war, gelingt es Rolf Christian Zimmermann schlüssig zu belegen, dass Goethe offenbar zuerst das Drama und nach dessen Scheitern die Ode schrieb, in welcher er die Essenz des Dramas rettete. Zimmermann begründet die zeitliche Priorität des Dramenfragments mit einem Brief, den Goethe 1819 an den Finder einer Kopie des Prometheus-Fragments, die Goethes Jugendfreund Lenz angefertigt hatte, schrieb: „Nur zwei Acte können es sein; der Monolog Prometheus, der durch Jacobis Unvorsichtigkeit so vielen Lärm machte, gehörte eigentlich hierher, kann aber nicht in dem Manuscript stehen, welches sich bei Lenz gefunden. 3“ Da Goethe nach fast fünfzig Jahren sofort wusste, dass Lenz keine Gelegenheit zur Abschrift der Ode gehabt haben kann, geht Zimmermann davon aus, dass die Ode zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht geschrieben worden war, denn sonst hätte Goethe sie Lenz ebenfalls vorgelegt 4.
Auch das Schicksal des Hymnenpaares Prometheus und Ganymed lässt darauf schließen, dass das Fragment als Vorstufe der beiden Hymnen zu betrachten ist, denn in der Sammlung, die Goethe 1789 für den Verleger Göschen zusammenstellt, sind zwar beide Hymnen, aber nicht das Dramenfragment vorhanden 5.
Da teilweise ganze Verse der Ode mit denen des Dramas übereinstimmen, muss Goethe von vornherein eines der Werke als „Steinbruch“ für das andere verwendet haben und eben diese parallel verlaufenden Verse geben Zimmermann weitere Argumente für die zeitliche Priorität des fragmentarischen Dramas. Denn während sich Prometheus im Drama an den Götterboten Merkus als „Abgesandten einer ganzen Götterfamilie6“ wendet, spricht er in der Ode allein zu Zeus. Dies wiederum hat zur Folge, dass im Drama durchgehend von den Göttern im Plural und in der Ode von Zeus im Singular die Rede ist. Allerdings existiert ein Entwurf der Ode, in dem Goethe unmotiviert vom Singular in den Plural verfällt, was Zimmermann als Rückfall zu dem Götter-Plural des - demzufolge zwangsläufig vorher verfassten – Fragments interpretiert. 7
Diese Argumente erklären zusammengenommen schlüssig, warum Goethe das Fragment verschwinden ließ und letztlich auch vergessen hat, wurde doch „das ursprüngliche Unternehmen eines Prometheus-Dramas tatsächlich liquidiert und geplündert“ und die beiden Hymnen Prometheus und Ganymed gingen daraus hervor.
III. Interpretation des Dramenfragments
[...]
1 Borchmeyer, Dieter (Hrsg.): Goethe - Sämtliche Werke. Band IV, Frankfurt am Main 1985. S. 846: Goethe in einem Brief an K. F. Zelter von 11. Mai: „Der bekannte Monolog, der in meinen Gedichten steht, sollte den dritten Akt eröffnen.“
2 Wild, Inge: „Jünglingsgrillen“ oder „Zündkraut einer Explosion“?. In: Witte, Bernd (Hrsg.): Interpretationen – Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe. Stuttgart 1998. S.45
3 vgl. Goethe, Johann Wolfgang: Sämtliche Werke, an Th. J. v. Seebeck , 30.12.1819 S. 845
4 Zimmermann, Rolf Christian: Das Weltbild des jungen Goethe, Band II, München 1979. S. 122
5 ebd. S.122 f.
6 ebd. S.123
7 vgl. ebd. S. 124 f.
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