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Die Verwendung von Tropen und Figuren der antiken Rhetorik anhand des Gedichtes 'Öfwer Werldens Fåfängligheter' von Johan Runius

Autor: Anja Steppacher
Fach: Skandinavistik

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Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 15
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 15  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 257 KB
Archivnummer: V41432
ISBN (E-Book): 978-3-638-39696-7
Anmerkungen :
Diese Arbeit untersucht die Verwendung der klassischen rhetorischen Figuren anhand eines Barockgedichtes eines skandinavischen Autors.

Textauszug (computergeneriert)

Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Deutsches Seminar/Nordische Abteilung
PS1: Einführung in die Skandinavistik 1: Literaturgeschichtlicher Überblick
2. Semester

Die Verwendung von Tropen und Figuren der antiken
Rhetorik anhand des Gedichtes „Öfwer Werldens
Fåfängligheter“ von Johan Runius

von: Anja Steppacher

 


Gliederung

1. Einleitung

2. Tropen und Figuren in der antiken Lyrik

3. Tropen- und Figurenbeschreibung allgemein und bei Runius´ „Öfwer Werldens Fåfängligheter“

3.1 Tropen „Wendungen“

3.1.1 Grenzverschiebungstropen

3.1.1.1 Synekdoche „Andeutung“, „etwas mit erfassen“
3.1.1.2 Metonymie „Begriffstausch“
3.1.1.3 Periphrase „Umschreibung“

3.1.2 Sprungtropen

3.1.2.1 Metapher „Übertragung, Bild“

3.2 Figuren

3.2.1 Klangfiguren

3.2.1.1 Homoeoteleuton „Endungsgleichklang“
3.2.1.2 Binnenreim
3.2.1.3 Alliteration „Stabreim“
3.2.1.4 Assonanz

3.2.2 Beiordnungsfiguren

3.2.2.1 Polysyndeton „zusammengebunden“
3.2.2.2 Asyndeton „unverbunden“
3.2.2.3 Anapher
3.2.2.4 Chiasmus „Kreuzstellung“
3.2.2.5 Paralleslismus „Parallelstellung, gleichlaufend“
3.2.2.6 Hyperbaton „Sperrung, hinübersteigen“
3.2.2.7 Hendiadyoin “eins durch zwei”

3.2.3 Sinnfiguren

3.2.3.1 Oxymoron „scharfsinniger Unsinn“
3.2.3.2 Ellipse „Auslassung“
3.2.3.3 Paradoxon „Scheinwiderspruch“

3.2.4 Satzfiguren

3.2.4.1 Interrogatio „Rhetorische Frage“
3.2.4.2 Subiectio/Percontatio „Frage-Antwort-Spiel“
3.2.4.3 Personificatio „Personifizierung“

4. Schlusswort

5.„Öfwer Werldens Fåfängligheter“ von Johan Runius


 

1. Einleitung

Zur Zeit des Barocks (ca. 1600-1720) herrschte in Skandinavien eine hierarchisch strukturierte Ständegesellschaft. Und so wie die Gesellschaft sortiert war, hatte man das Bedürfnis auch alles andere zu sortieren. Dies hing mit der lutherischen Reformation zusammen, die das Bild einer von Gott wohlgeordneten Welt vermittelte 1. Der Schwede Georg Stiernhielm, ein wichtiger Vertreter dieser Zeit, sagte: „Wo keine Form ist, dort ist kein wahres Sein.“ Alle Dichtung hatte rhetorisch-repräsentativen Charakter und war damit Ausdruck der göttlichen Weltordnung2. Häufige Themen waren „Eitelkeit der Welt“, Tod und Tugend. Häufige Lyrikformen waren das Kirch- und Gesellschaftslied, Gelegenheitsdichtung und politische Gedichte 3. Die Literatur dieser Zeit ist höfischaristokratisch orientiert. Sie wird von einer exklusiven Gruppe des aufsteigenden Beamtenadels getragen4. Diese besah sich die eigene nationale Literatur und befand sie als mangelhaft. Alles bäuerlich-bürgerliche wurde als plump und kunstlos empfunden. „Der Poesie wird hier (Barock) die Aufgabe zugewiesen, alles Alltägliche zu übersteigen, sich in einsame Höhen der sprachlichen Kunst hinaufzuschwingen und so den Gipfelpunkt menschlichen Geistes zu markieren“ 5.Man suchte nach höheren, edleren Formen für die Literatur in der eigenen Landessprache, die sich angemessen in die göttliche Weltordnung einfügen ließ und stieß auf die antike Rhetorik. Diese zeigte sich ihnen als wohl strukturiert und so übernahm man deren Formen und Einordnungen und übertrug sie auf die sich gerade neu entdeckende nationalsprachliche Literatur, die sich dadurch auch international mehr Geltung verschaffen wollte.

Mit einem Teil dieser Übertragung aus der Antike im Gedicht „Öfwer Werldens Fåfängligheter“ des schwedischen Barockdichters Johan Runius (1679-1713) wird sich diese Arbeit nun beschäftigen: Mit der Verwendung der antiken Tropen und Figuren. Da dieses Gedicht etliche davon enthält, halte ich es für exemplarisch für deren Verwendung in der skandinavischen Barockdichtung. Es werden gewiss nicht alle verwendeten in dieser Arbeit aufgezählt, doch wird ein Überblick über das breite Spektrum der Figuren und deren Funktionen in der antiken Rhetorik und übertragen auf das Gedicht gegeben.

2. Tropen und Figuren in der antiken Lyrik

In der Antike ist die Rhetorik eine wichtige, wenn auch umstrittene, Wissenschaft und Kunst. Die Poesie dagegen hat für die damaligen Gelehrten keinen autonomen Stellenwert. Jegliche Überlegungen zur Dichtung sind rhetorisch ausgerichtet6. Man sieht Rede, Prosa und Poesie als eine, vielseitige Kunst an. Doch ist man mit dieser Zuordnung nicht ganz zufrieden; Cicero fordert als erster uns überlieferter antiker Gelehrter eine Trennung von Redekunst und Dichtung, kann aber keine Trennungkriterien aufstellen. Quintilian unterscheidet, indem er postuliert, dass sich die Dichtung durch ihre weit größere Empfindungsfreiheit und ihre moralische Ungebundensein von der Wahrheit und anderem „Schmuck“ auszeichne7. Doch auch er sieht Rhetorik und Poesie als zwei Ausformungen derselben Kunst. Longin dagegen ist da konsequenter: In seiner Schrift „Vom Erhabenen“ beschreibt er den „Moment vollständiger Überwältigung durch den vorgetragenen (oder gelesenen) Text, der den Zuhörer (oder Leser) spontan überzeugt, kontrollierende Reflexionen außer Kurs setzt und sein Bewußtsein erhöht. Dies geschieht in der Redekunst wie in der Poesie und deshalb sind [...] beide Darbietungsweisen gleich zu behandeln“8. So wie Quintilian als Unterscheidung den „Schmuck“ aufführt, so nennt Longin als Gemeinsamkeit die emotionale Ansprache. Dies hängt folgendermaßen zusammen: Innerhalb der antiken Rhetorik ist die Lehre des Schmuckes (lat.: ornatus) ein bedeutsames Gebiet. Sie verkörpert das ästhetische Prinzip der sprachlichen Ausgestaltung (elecutio). Der Schmuck dient zur Erregung der Aufmerksamkeit (dem sog. „movere“, also bewegen) und verleiht der schöpferischen Botschaft ihre volle Wirkung 9. Da die emotionale Ansprache des Lesers in der Auffassung der antiken Gelehrten ohne den Ornat nicht möglich ist, lässt sich Dichtung und Rhetorik in der römischen Antike nicht trennen. Diesen „erhabenen“ Formen der Dichtung wollen wir uns nun widmen. Man unterscheidet dabei zwischen Tropen und Figuren.

3. Tropen- und Figurenbeschreibung allgemein und bei Runius´ „Öfwer Werldens Fåfängligheter“

3.1 Tropen „Wendungen“

„Ein Tropus ist die kunstvolle Vertauschung der eigentlichen Bedeutung eines Wortes oder Ausdruckes mit einem anderen“ (Quintilian VIII 6,1)10. Die Tropen werden im Mittelalter auch „schwerer Schmuck“ (ornatus difficilis) genannt11. Ihre Funktion ist die Verfremdung, die somit zum „synthetischen Denken“ anregt12. Man unterscheidet zwei Arten von Tropen: Grenzverschiebungstropen und Sprungtropen.

3.1.1 Grenzverschiebungstropen

[...]


1 Friese 2003.

2 Friese 2003.

3 Friese 1999 S.10.

4 Metzler 1990.

5 Petersen 2000 S.36.

6 Petersen 2000 S.20.

7 Petersen 2000 S.20.

8 Petersen 2000 S.21.

9 Richter-Reichhelm 1988 S.4.

10 Jegliche Zitate Quintilians sind übersetzt von Helmut Rahn. Rahn, Helmut (Hrsg): Marcus Fabius Quintilian. Ausbildung des Redners. Zweiter Teil. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt, 1975.

11 Plett, F.Heinrich: Einführung in die rhetorische Textanalyse. 2. durchgesehene Aufl age. Helmut Buske Verlag. Hamburg, 1973. S.26. Im weiteren unter Plett 1973.

12 Plett 1973 S.70

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