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Auswahlkriterien für problemorientierte Kinderliteratur an den Beispielen: Emil und die Detektive von Erich Kästner, Anton Zitterbacke von Gerhard Holtz-Baumert, Ronja Räubertochter von Astrid Lindgren

Autor: Doro Hoffmann
Fach: Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwiss.

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Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 34
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 27  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 132 KB
Archivnummer: V41484
ISBN (E-Book): 978-3-638-39731-5
ISBN (Buch): 978-3-638-65605-4
Anmerkungen :
Sehr umfangreiche Arbeit, in der an Hand der drei im Titel genannten Werke die Auswahlkriterien eines Problemorientierten Kinderbuches dargestellt und erläutert sowie didaktische und methodische Hinweise für die Arbeit in der Grundschule ausgearbeitet werden.

Zusammenfassung / Abstract

Kinder sollen lesen lernen. Nicht nur als bloße Technik, sondern auch als Verstehens- und Interpretationsfähigkeit. Das ist ein unumstrittenes Ziel der Kultur und auch des Lehrplanes. Woran ließe sich dieses Ziel besser verwirkliche n als an Büchern, die extra für Kinder geschrieben sind? Doch in der Fülle heutiger Kinder- und Jugendliteratur die richtigen und auf die Bedürfnisse und Interessen der Kinder abgestimmten Bücher zu finden, ist kein leichtes Unterfangen. Wenn Kinderbücher im Unterricht der Grundschule spannend und motivierend zum Lesen sein sollen, dann muss man sich als Lehrer darüber klar werden, was ein ‚gutes’ und für Kinder der Grundschule geeignetes Kinderbuch ausmacht. Im ersten Kapitel meiner Arbeit werde ich versuchen, die wichtigsten Auswahlkriterien für ein geeignetes problemorientiertes Kinderbuch in der Grundschule zu nennen. Im zweiten Abschnitt werde ich drei Kinderbücher vorstellen und anhand der im ersten Teil gefundenen Kriterien einschätzen, ob und wie sie für die unterrichtliche Arbeit geeignet sind. Dabei handelt es sich um „Alfons Zitterbacke“ von Gerhard Holtz-Baumert, „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner und „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren, Abschließend möchte ich methodische Vorschläge zum Einsatz des letztgenannten Buches im Unterricht der Grundschule bringen.

Textauszug (computergeneriert)

Auswahlkriterien für problemorientierte Kinderliteratur an
den Beispielen: Emil und die Detektive von Erich Kästner,
Anton Zitterbacke von Gerhard Holtz-Baumert, Ronja
Räubertochter von Astrid Lindgren

von: Doro Hoffmann

4. Semester

 


Gliederung

0. Einleitung

1. Kriterien für die Auswahl eines problemorientierten Kinderbuches

2. Inhaltsangabe und Analyse der drei Kinderbücher

2.1. Gerhard Holtz-Baumert: Alfons Zitterbacke
2.2. Erich Kästner: Emil und die Detektive
2.3. Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter

3. Methodische Vorschläge zu dem Buch „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren

4. Literatur


 

0. Einleitung

Kinder sollen lesen lernen. Nicht nur als bloße Technik, sondern auch als Verstehens- und Interpretationsfähigkeit. Das ist ein unumstrittenes Ziel der Kultur und auch des Lehrplanes. Woran ließe sich dieses Ziel besser verwirkliche n als an Büchern, die extra für Kinder geschrieben sind? Doch in der Fülle heutiger Kinder- und Jugendliteratur die richtigen und auf die Bedürfnisse und Interessen der Kinder abgestimmten Bücher zu finden, ist kein leichtes Unterfangen. Wenn Kinderbücher im Unterricht der Grundschule spannend und motivierend zum Lesen sein sollen, dann muss man sich als Lehrer darüber klar werden, was ein ‚gutes’ und für Kinder der Grundschule geeignetes Kinderbuch ausmacht. Im ersten Kapitel meiner Arbeit werde ich versuchen, die wichtigsten Auswahlkriterien für ein geeignetes problemorientiertes Kinderbuch in der Grundschule zu nennen. Im zweiten Abschnitt werde ich drei Kinderbücher vorstellen und anhand der im ersten Teil gefundenen Kriterien einschätzen, ob und wie sie für die unterrichtliche Arbeit geeignet sind. Dabei handelt es sich um „Alfons Zitterbacke“ von Gerhard Holtz-Baumert, „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner und „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren, Abschließend möchte ich methodische Vorschläge zum Einsatz des letztgenannten Buches im Unterricht der Grundschule bringen.

1. Kriterien für die Auswahl eine s problemorientierten Kinderbuches

Um sich der Notwendigkeit einer Auswahl bewusst zu werden, muss sich ein Lehrer erst einmal klar machen, was er mit der unterrichtlichen Lektüre eines Kinderbuches erreichen will. Nicht jedes Kinderbuch ist gleich gut geeignet für die verschiedenen Ziele, die mit dem Lesen eines ganzen Buches verfolgt werden. Speziell für die Form des problemorientierten Kinderbuches gibt es gewisse Merkmale.

Von Seiten des Handels und der Verlage gibt es ein breites Angebot von Empfehlungen und Hinweisen auf geeignete Kinderbücher. Verschiedene öffentliche Gremien geben regelmäßig Rezensionen und Auswahlliste n heraus, die viele für empfehlenswert gehaltene Kinderbücher enthalte n. Ich meine jedoch, dass das Verlassen auf fremde Urteile zwar eine Stütze sein kann, aber dennoch nicht die eigene Einschätzung und Bewertung ersetzen sollte. Darum ist es wichtig, Kriterien und Merkmale zu kennen, nach denen ein neues oder unbekanntes Kinderbuch eingeordnet und bewertet werden kann. Sahr1 nennt drei Hauptansätze literarischer Wertung, die historisch gewachsen sind und zu ihrer Zeit absolut gesetzt wurden. Zum einen nennt er die Forderung nach umsetzbarem moralischem Gehalt, die der Philanthrop J.H. Campe im Jahr 1860 stellt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fordern E. Linde und E. Ackerknecht von der Kinderliteratur, dass sie die Entwicklungsbedingtheit der literarischen Auffassungsgabe von Kindern und Jugendlichen berücksichtigen soll, und H. Wolgast schließlich fordert 1950 einen hohen literarästhetischen Wert der Kinder- und Jugendliteratur. Diese Ansprüche, für sich und absolut gesehen sicher einseitig, sind in ihrer Kombination noch heute die Grundlage aller Kriterienkataloge zur Beurteilung von Kinderliteratur. Dabei muss man sich der Gefahr gewärtig sein, die damit verbunden ist, eines dieser Kriterien in den Vordergrund zu stellen und die anderen nur am Rande zu betrachten. Sahr beschreibt das folgendermaßen 2: „Wer nur auf die ästhetische Qualität von Kinderbüchern achtet, wird alle nichtkünstlerischen Texte zurückweisen und dabei die oft populärsten Texte für Kinder aus dem Auge verlieren. Wer ausschließlich auf die erzieherische Qualität von Kinderbüchern fixiert ist, überschätzt die Einflussmöglichkeiten der Literatur und leistet einer verhängnisvollen Pädagogisierung Vorschub. Wer auf nichts anderes als auf die psychologische Qualität von Kinderbüchern schaut, spielt die Frage nach sprachlicher und inhaltlicher ‚Passung’ und das Problem der Lesealtersstufen in ungerechtfertigter Weise hoch.“

Wenn diese drei Kriterien, die K.E. Maier nach Sahr den ‚literarischen’, den ‚pädagogisch-funktionalen’ und den ‚les erkundlichen’ bzw. ‚leserpsychologischkommunikativen’ Aspekt nennt, jedoch im integrativen und interdependenten Zusammenhang, auch in Bezug auf das Ziel der Lektüre, gesehen werden, so sind sie durchaus zur Beurteilung der Verwendbarkeit eines Kinderbuches (nicht nur im Unterricht, sondern auch als freie Leseempfehlung an die Schüler) geeignet und zu empfehlen. Als literarischen Aspekt versteht man hier die formale Seite eines Textes , die durch Analyse von Form und Aufbau, soziologisch bedingte Sprechweise, die dargestellte Wirklichkeit und ihr Verhältnis zur Phantasie, das Gesellschafts- und Menschenbild und die Interaktionsmodelle näher erläutert werden kann. Der pädagogisch-funktionale Aspekt, die inhaltliche Seite eines Textes, wird eingeschätzt durch Antizipierung vermuteter und tatsächlicher Wirkungen, beabsichtigter und unerwünschter Beeinflussung en und Lernprozesse, der Leserhaltung und der Anregungen zur Nachahmung/Identifikati on oder umgekehrt zur Kritik/Ablehnung, sowie durch Abklären der direkten oder indirekten Absichten und Interessen des Autors und der zur gesellschaftlichen Reflexion anregenden dargestellten Gruppen- und Sozialverhältnisse. Unter dem leserkundlichen Aspekt ist nun der Buch-Leser-Bezug zu verstehen, der sich erklärt durch individuelle und soziologische Bedingungen der literarischen Kommunikation. Hier gilt zu überlegen, wer der Adressat ist (individuell und in seiner sozialen Umgebung), sprich, wie die Klasse beschaffen ist, die das Buch lesen soll, wie sich die Mitteilungs- und Beeinflussungsformen des Autors darstellen, welche Bestandteile und Prozesse in Form und Inhalt den Leser zum Weiterlesen motivieren und welche ihn davon abhalten und durch welche Maßnahmen des Vermittlers Kommunikations- und Verständigungsschwierigkeiten beseitigt werden können. 3 Freilich können diese drei Be reiche nicht einzeln nacheinander abgearbeitet werden, weil immer der eine oder andere Gesichtspunkt eines Buches in mehreren Aspekten von Bedeutung ist und sich die Aspekte auch gegenseitig bedingen. Sie müssen immer als ein Zusammenhang gesehen werden, in dem auch das Buch als selbstständige Einheit nicht ‚zeranalysiert’ werden darf.

Das besondere Qualitätskriterium eines problemorientierten Kinderbuches ist nun, ob der Protagonist eine Veränderung durch macht oder ob ein Problem, das sich am Anfang oder im Verlauf der Handlung stellt, gelöst wird. Die Hauptperson sollte sich weiterentwickeln und verändern, so dass der Leser etwas lernen kann, und nicht statisch bleiben. Wichtig für Kinderliteratur zu beachten ist jedoch auch, dass sie nicht zu problemschwer sein sollte und dass die Probleme nicht die ganze Handlung überschatten sollten. Auf jeden Fall muss eine Lösung angeboten werden. Auch eine humoristische Schreibweise ist gut geeignet – günstig ist hier eine gute Ausgewogenheit zwischen humorvoller und ernster Erzählung. Nach der Betrachtung dieser Kriterien kann man dann versuchen abzuschätzen und zu beurteilen, ob der Text die Zielstellungen, die der Lehrer wünscht, erfüllen kann. Mögliche und wünschenswerte Ziele sind 4: eine Verbindung zum Freizeitlesen schaffen bzw. dazu motivieren, Werte vermitteln, in geringem Ausmaß eine Analyse mit den Schülern ermöglichen, Spannung und Unterhaltung vermitteln, auf spätere Literatur und Lektüre vorbereiten, Identifikationsmöglichkeiten schaffe n, an die Erlebniswelt der Kinder anknüpfen, gesellschaftliche Probleme und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen, zu schöpferischem Handeln anregen, zur eigenen Meinungsbildung beitragen und vor allem: Spaß am Lesen vermitteln. Der Einfachheit und Übersichtlichkeit halber werde ich je doch im folgenden Kapitel alle drei Aspekte Maiers nacheinander besprechen5 und im Anschluss daran versuchen festzustellen, ob das jeweilige Kinderbuch überhaupt geeignet ist für die Behandlung im Unterricht, wo seine Stärken und Schwächen liegen, und welche Ziele man mit dem Buch verfolgen und erreichen könnte. Dass diese Ziele und somit auch die Einschätzung mangels einer vorhandenen Klasse fiktiv bleiben müssen, ist dabei zu berücksichtigen. Ebenso sind keine ‚realen’ Schüler vorhanden, was eine individualisierte Betrachtung des Adressaten erschwert.

2. Inhaltsangabe und Analyse

2.1. Gerhard Holtz-Baumert: Alfons Zitterbacke

2.1.1. Inhaltsangabe

[...]


1 Sahr/Born 1990, S. 13

2 Sahr/Born 1990, S. 14

3 K.E. Maier nach Sahr/Born 1990, S. 15-17

4 nach einer Vorlesungsmitschrift im Seminar ‚Kinderliteratur und Kindermedien’, M. Hübner 2002

5 Diese Analysen werden nach den Anregungen K.E. Maiers (zitiert in Sahr/Born 1990, S.16f.) ausgeführt.

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