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Elemente der "gothic tradition" in den Kurzprosawerken Edgar Allan Poes

Diplomarbeit, 2005, 102 Seiten
Autor: Renate Bagossy
Fach: Amerikanistik - Literatur

Details

Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 102
Note: 1,6
Literaturverzeichnis: ~ 120  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V41535
ISBN (E-Book): 978-3-638-39777-3
ISBN (Buch): 978-3-638-70659-9
Dateigröße: 567 KB

Zusammenfassung / Abstract

Gegenstand dieser Arbeit ist es, die Elemente der gothic tradition, oder auch gothic elements genannt, in Kurzprosawerken von Edgar Allan Poe zu untersuchen. Zunächst wird ein kurzer Überblick über den englischen Schauerroman, über seine Entstehungszeit und der Leserschaft gegeben. Dann werden die einzelnen gothic elements aufgezählt und kommentiert. Die sechs ausgewählten Erzählungen, „Ligeia“, „The Fall of the House of Usher“, „The Tell- Tale Heart“, „The Black Cat“, „The Facts in the Case of M. Valdemar” und „The Cask of Amontillado“ werden gemäß deren Erscheinung, in chronologischer Reihenfolge angeordnet und untersucht. Bei „Ligeia“, Poes Lieblingsgeschichte, wird zunächst der Schauplatz und dessen Auswirkung auf den Erzähler untersucht. Bei dieser Geschichte spielt– je nach Interpretation - auch Inzucht, das Übernatürliche und die Seelenwanderung eine wichtige Rolle. Man kann diese short story aber auch als eine Art Krimi lesen, wo der Erzähler seine Frauen tötet. Eine weitere Interpretationsmöglichkeit erlaubt das Übernatürliche und die Seelenwanderung auszuschließen, denn nach dieser Deutung hat der opiumsüchtige Erzähler die seltsamen Ereignisse nur geträumt, es war eine Halluzination. Diese Möglichkeiten werden neben den unheimlichen Schauplatz und der Atmosphäre in Anbetracht gezogen und die daraus resultierenden gothic elements werden untersucht. Bei „The Fall of the House of Usher“ gibt es genauso wie bei “Ligeia” mehrere Deutungsmöglichkeiten. Dementsprechend gibt es Elemente, die nur bei der jeweiligen Interpretation in der Geschichte zu finden sind. Der gruselige Schauplatz, die unheimliche Atmosphäre und die Angst der beiden Protagonisten sind die Grundbausteine der Erzählung. Hinzu kommt ein dunkles Familiengeheimnis, Familienkrankheit oder Familienfluch der Ushers. Inzest und die Möglichkeit, dass es sich bei der short story um eine Vampirgeschichte handelt, wird auch erläutert. In „The Facts in the Case of M. Valdemar” steht der Tod und das Sterben im Mittelpunkt. Poe verbindet in dieser Erzählung die Wissenschaft mit dem Grauen. Daraus resultiert eine Gruselgeschichte, die seinerzeit viele Leser als Tatsache betrachteten. Die Hintergründe und der Effekt der Geschichte werden untersucht, denn falls die Leser dem Bericht glaubten, müssen die Ereignisse für diese gutgläubigen Leser noch unheimlicher erscheinen. Angst und Grauen sind die hauptsächlichen Elemente, die analysiert werden.


Textauszug (computergeneriert)

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Fachbereich Sprach-und Literaturwissenschaften
Institut für Anglistik und Amerikanistik
Wissenschaftliche Diplomarbeit zur Diplomprüfung

Thema: Elemente der "gothic tradition" in den Kurzprosawerken Edgar Allan Poes

Eingereicht von: Bagossy, Renate

2005

 

Inhalt

1. Einleitung ...  4

1.1 Die sechs untersuchten Kurzgeschichten  ... 5

1.2 Die Gestaltung der Arbeit  ... 7

2. Der Schauerroman als Gegenstand der Forschung  ... 9
2.1 Der Schauerroman und seine Entstehungszeit ...  9

2.2 Der Schauerroman und seine Leserschaft  ... 12

2.3 Elemente der gothic tradition  ... 14

2.4 Schauerromane in England und dessen Elemente bei Poe  ... 17
2.4.1. The Castle of Otranto und The Mysteries of Udolpho  ... 17
2.4.2. The Monk und Frankenstein  ... 20

3. Poe und seine Werke  ... 24

3.1 „Ligeia” ...  26
3.1.1 Die Abtei und die gruslige Atmosphäre  ... 27
3.1.2 Angst, das Übernatürliche und Inzucht als gothic elements ...  30
3.1.3 Halluzination ...  32
3.1.4 Ligeia als Dämon und das Thema der Seelenwanderung ...  34
3.1.5 Der Mord an zwei Ehefrauen ...  37

3.2 „The Fall of the House of Usher“ ...  38
3.2.1 Das Schloss und die unheimliche Atmosphäre ...  39
3.2.2 Der Familienfluch und Inzest ...  44
3.2.3 Angst, Aberglaube und Halluzination ...  46
3.2.4 Eine Vampirgeschichte ...  50

3.3 „The Tell-Tale Heart“ ...  51
3.3.1 Die gestörte Psyche des Erzählers ...  52
3.3.2 Todesangst und Wahnvorstellungen ...  57

3.4 „The Black Cat“ ...  59
3.4.1 Die Psyche des Erzählers ...  60
3.4.2 Das Übernatürliche und die Rache der Katze ...  62
3.4.3. Seelenwanderung und das vom Teufel besessenes Tier ...  63
3.4.4 Die Ehefrau und die Katzen ...  66

3.5 „The Facts in the Case of M. Valdemar” ...  71
3.5.1 Hintergründe, Mesmerismus und eine wahre Geschichte? ...  71
3.5.2 Das Grauen: die Grenze zwischen Leben und Tod ...  74
3.5.3 Die Stimme aus dem Jenseits  ... 78

3.6 „The Cask of Amontillado“  ... 80
3.6.1 Das Familienmotto  ... 81
3.6.2 Montresors Motiv  ... 83
3.6.3 „Thousand injuries“ ...  86
3.6.4 Ironie als Element um eine grauenvolle Atmosphäre zu schaffen ...  87

4. Zusammenfassung ...  93

Endnoten ...  96

Bibliographie ...  97

 

1. Einleitung

Edgar Allan Poe (1809-1849) wird fälschlicher Weise oft als der Erfinder der Horror-Geschichte genannt. Als Poe Anfang des 19. Jahrhundert zu schreiben begann, blickte er bereits auf eine lange Tradition der so genannten gothic novel zurück. Für diese gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstandene englische Variante des Schauerromans sind der unheimlich-fantastische Schauplatz des Geschehens und die realistische Gestaltung des Dämonischen, Irrationalen und Grotesken charakteristisch. Die Hauptvertreter waren Horace Walpole, Ann Radcliffe, Matthew Gregory Lewis und Mary Shelley. Horrorgeschichten gab es also bereits vor Poe.
Durch die Bedingungen des zeitgenössischen amerikanischen Literaturmarktes begünstigt, fanden die englischen Schauerromane in Amerika außergewöhnlich schnell Verbreitung. Walpoles The Castle of Otranto gehörte kurz nach seiner Erstveröffentlichung auch in den USA zu den meistgelesenen Büchern, was zu seiner Aufnahme in eine Liste amerikanischer Bestseller führte. In dieser Liste waren auch Ann Radcliffes The Mysteries of Udolpho und Matthew Gregory Lewis´ The Monk (vergleiche auch Schumacher 1990: 300). Poe und weitere amerikanische Autoren wie Hawthorne oder Melville können in ihren Erzählungen die Beeinflussung durch die kontinentaleuropäische Literaturmode jener Zeit nicht verbergen.
Gegenstand dieser Arbeit ist es, die Elemente der gothic tradition, oder auch gothic elements genannt, in Kurzprosawerken von Edgar Allan Poe zu untersuchen. Zunächst wird ein kurzer Überblick über den englischen Schauerroman, über seine Entstehungszeit und der Leserschaft gegeben. Dann werden die einzelnen gothic elements aufgezählt und kommentiert. Im Unterkapitel „2.4 Schauerromane in England (1764-1820) und dessen Elemente bei Poe“ wird auf einige bestimmte Beispiele, Elemente hingewiesen, die von Autoren der gothic novels verwendet wurden und die sich in Poes Werken widerspiegeln.
Diese Elemente der gothic tradition haben alle dieselbe Funktion: sie sollen eine gruselige Atmosphäre schaffen und den Leser das Fürchten lernen. Solche Elemente verwandeln die einfachen Geschichten in etwas Außergewöhnliches, etwas Sonderbares.
Edgar Allan Poe schöpft aus dieser Tradition, entwickelt sie weiter und schafft somit etwas Neues. Aus den englischen Schauerromanen des 18. Jahrhunderts übernahm er die bildliche Darstellung der Schauplätze: heruntergekommene, bedrückende Landschaft, die Inquisition, das Spukschloss und all dies in einer Atmosphäre des Todes und des Vergehens. Aus den gothicized tales des Blackwood´s Magazine des 19. Jahrhunderts übernahm er die Form des Terrors: den Erzähler in der ersten Person, das langwierige Verweilen bei einem einzigen furchteinflössenden Thema, und schließlich der Höhepunkt, in dem der Erzähler nur Ohren für seine eigenen Gefühle hat und alles andere um Ihn herum nicht wahrgenommen wird (vergleiche auch Stuprich 2001: 101). Poe führt diese Traditionen weiter, indem er den psychologischen Aspekt in den Mittelpunkt stellt. In dieser Arbeit werden aber lediglich die gothic elements untersucht. Es wird angesprochen, ob Poes außergewöhnliche und makabere Ideen von einer gestörten - und eventuell von Opiumkonsum beeinträchtigen - Seele stammen, oder ob die Gründe, warum er solch sonderbare Geschichten geschrieben hat, einen ganz anderen Ursprung haben könnte.

1.1 Die sechs untersuchten Kurzgeschichten

Die sechs Erzählungen, „Ligeia“, „The Fall of the House of Usher“, „The Tell- Tale Heart“, „The Black Cat“, „The Facts in the Case of M. Valdemar” und „The Cask of Amontillado“ werden gemäß deren Erscheinung, in chronologischer Reihenfolge angeordnet und untersucht. Jede dieser Geschichten enthält mehrere gothic elements, die meisten dieser Elemente werden auch angesprochen und analysiert. Bei einigen Geschichten, wie zum Beispiel bei „Ligeia“ oder „The Fall of the House of Usher“ sind die Elemente so zahlreich, dass einige nur kurz angesprochen werden. Die Erzählungen wurden nach eigenem Bemessen ausgesucht, aber es wurde darauf geachtet, dass es sich um bekannte Geschichten handelt und dass sie gemäß der gothic tradition verfasst wurden.
Bei „Ligeia“, Poes Lieblingsgeschichte, wird zunächst der Schauplatz und dessen Auswirkung auf den Erzähler untersucht, denn ein unheimlicher Schauplatz kann eine gruselige Atmosphäre schaffen. Bei dieser Geschichte spielt– je nach Interpretation - auch Inzucht, das Übernatürliche und die Seelenwanderung eine wichtige Rolle. Die letzten beiden Elemente erzeugen Angst, die der Erzähler und auch der Leser spüren kann. Man kann diese short story aber auch als eine Art Krimi lesen, wo der Erzähler seine Frauen tötet. Eine weitere Interpretationsmöglichkeit erlaubt das Übernatürliche und die Seelenwanderung auszuschließen, denn nach dieser Deutung hat der opiumsüchtige Erzähler die seltsamen Ereignisse nur geträumt, es war eine Halluzination. Diese Möglichkeiten werden neben den unheimlichen Schauplatz und der Atmosphäre in Anbetracht gezogen und die daraus resultierenden gothic elements werden untersucht.
Bei „The Fall of the House of Usher“ gibt es genauso wie bei “Ligeia” mehrere Deutungsmöglichkeiten. Dementsprechend gibt es Elemente, die nur bei der jeweiligen Interpretation in der Geschichte zu finden sind. Der gruselige Schauplatz, die unheimliche Atmosphäre und die Angst der beiden Protagonisten sind die Grundbausteine der Erzählung. Hinzu kommt ein dunkles Familiengeheimnis, Familienkrankheit oder Familienfluch der Ushers. Inzest und die Möglichkeit, dass es sich bei der short story um eine Vampirgeschichte handelt, wird auch erläutert.
In „The Tell-Tale Heart“ wird der psychologische Aspekt so sehr in den Mittelpunkt gestellt, dass es fast schon eine psychologische Studie ist. Der psychisch kranke oder verrückte Erzähler berichtet über seine grausamen Taten und beteuert immer wieder, dass er nicht verrückt sei. Diese Geschichte präsentiert den Leser puren Horror: nach dem Mord wird die Leiche zerstückelt und versteckt. In dem Unterkapitel „3.4.1 Die Psyche des Erzählers” wird gezeigt, dass der Erzähler, obwohl er dies abstreitet, vom Leser als ein Verrückter identifiziert wird. Die Angst, vor allem die Todesangst, spielt auch hier eine große Rolle, den beide, Täter und Opfer kennen dieses Gefühl. Angst und psychologische Einblicke in das Seelenleben des Protagonisten sind beide Elemente der gothic tradition und werden ausführlich untersucht.
Die nächste Erzählung, „The Black Cat“ hat mit „The Tell-Tale Heart“ viel gemeinsam. Der psychisch kranke Erzähler quält seine Haustiere, schneidet der Katze ein Auge aus, erhängt sie und bringt schließlich seine Frau mit einer Axt um, indem er ihr den Schädel spaltet. Es ist also eine Geschichte, die auch grausame Horrorszenen beinhaltet. Neben den gothic elements wie Rache und das Übernatürliche, wird auch hier – wie bei „The Tell-Tale Heart“ - die kranke Psyche des Erzählers untersucht. Das Übernatürliche kann, je nach Interpretation, mehrere Formen annehmen, auf diese wird eingegangen. Schließlich ist in „The Black Cat“, wie bei „Ligeia“, das Thema der Seelenwanderung eins der untersuchten Elemente.
In „The Facts in the Case of M. Valdemar” steht der Tod und das Sterben im Mittelpunkt. Poe verbindet in dieser Erzählung die Wissenschaft mit dem Grauen. Daraus resultiert eine Gruselgeschichte, die seinerzeit viele Leser als Tatsache betrachteten. Wo das Leben aufhört und wo der Tod wohl beginnen mag, beschäftigte die Menschen schon seit längerer Zeit. Poe bietet hier eine Alternative, die unfassbar grauenvoll ist. Die Hintergründe und der Effekt der Geschichte werden untersucht, denn falls die Leser dem Bericht glaubten, müssen die Ereignisse für diese gutgläubigen Leser noch unheimlicher erscheinen. Angst und Grauen sind die hauptsächlichen Elemente, die analysiert werden.
In der letzten Erzählung, „The Cask of Amontillado“ sind der Schauplatz, das düstere Familienmotto – nämlich Rache – und die bedrückende Atmosphäre die wichtigsten Elemente der gothic tradition, die angesprochen werden. Ironie ist in dieser short story ein weiteres wichtiges Gestaltungselement, denn dieses verstärkt die grauenvolle Atmosphäre. Im Detail wird auf das Familienmotto, das Mordmotiv und die Ironie eingegangen.

1.2 Die Gestaltung der Arbeit

Die sechs Erzählungen werden nicht vollständig analysiert und interpretiert. Es werden lediglich die Elemente der gothic Tradition aufgezählt und besprochen.

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