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Von der Schrift zum Bild. Wie Literaturverfilmungen mediale Grenzen überwinden.

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 31 Pages
Author: Nicole Streich
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 31
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V41538
ISBN (E-book): 978-3-638-39779-7
ISBN (Book): 978-3-638-65610-8
File size: 257 KB
Notes :
Die Thematik wird anhand des Romans Tod in Venedig von Thomas Mann bzw. der gleichnamigen Verfilmung von Luchino Visconti veranschaulicht.


Abstract

Die offensichtlichen Unterschiede zwischen den beiden Medien “Schrift“ und “Bild“ werden nicht ausreichend in die Diskussion um Literaturverfilmungen miteinbezogen. Deren Regisseuren wird allzu häufig vorgeworfen, sie hielten sich nicht an die Werktreue und ließen zu viele Änderungen zu. Dabei wird jedoch nicht berücksichtigt, dass mediale Grenzen überschritten, der Stoff in ein völlig anderes Medium übertragen wird und Änderungen somit zur Qualität der Verfilmung enorm beitragen können. Bei der Umsetzung von Literatur in Film muss man sich von der Materie Literatur lösen und sich der spezifischen Eigenheiten beider Medien bewusst sein. In dieser Arbeit soll es daher nicht um die Kritik an Literaturverfilmungen gehen, es sollen vielmehr die medienspezifischen Darstellungsmöglichkeiten der Literaturverfilmung aufgezeigt werden, die diese als eigenständiges Werk neben der Literatur bestehen lassen. Neben gewissen Gemeinsamkeiten zwischen einem literarischen Werk und seiner Adaption, sollen vor allem gewollte und ungewollte Unterschiede, die aufgrund von Umsetzungsproblemen und medienspezifischen Umsetzungsmöglichkeiten der beiden Medienformen bestehen, veranschaulicht werden. Um die Thematik noch konkreter darzustellen, soll im Verlauf der Arbeit und im abschließenden Kapitel noch ein Beispiel analysiert werden. Als eine der kontroversesten Verfilmungen deutscher Literatur eignet sich in diesem Fall Der Tod in Venedig. Thomas Manns Novelle (1912) und Luchino Viscontis italienische Verfilmung (1971) zeichnen sich vor allem aufgrund ihrer herausragenden Unterschiede aus. Denn Manns Novelle, in der sich ein alternder Künstler in Venedig in einen Jüngling verliebt und in der choleraverseuchten Stadt zugleich einen moralischen und physischen Zusammenbruch erleidet, wurde von Visconti auf eine sehr interessante Weise umgesetzt.


Excerpt (computer-generated)

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Abteilung für Neuere Germanistik
Seminar: HS Schriftbilder
5. Semester

Von der Schrift zum Bild. Wie Literaturverfilmungen
mediale Grenzen überwinden

von: Nicole Streich

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2-3

2. Vom reinen Wort zum reinen Bild  3-5

2.1 Funktion
2.2 Wirkung
2.3 Umsetzungsprobleme

3. Von der Literatur zum Film 6-17

3.1 Präsentationselemente des multilinearen Mediums Film

3.1.1 Bild
3.1.2 Musik/ Geräusche
3.1.3 Sprache
3.1.4 Ausstattung/ Licht

3.2 Wechsel der Romanstruktur in eine filmische Handlungsführung
3.3 Gestalterische Möglichkeiten der Kameraführung
3.4 Probleme des Blickwinkels
3.5 Die veränderte Rolle des Rezipienten: Lesen/ Zuschauen – Vorstellen/Wahrnehmen

4. Beispiel: Die Verfilmung von Der Tod in Venedig 17-27

4.1 Parallelen und Veränderungen von der Novelle zum Film
4.2 Filmspezifische Elemente

4.2.1 Musik
4.2.2 Körpersprache

4.3 Symbole und Leitmotive

5. Schlussbemerkung 28

6. Literaturverzeichnis  29-30


 

1. Einleitung

Der Begriff Literaturverfilmung wird definiert als „die filmische Version einer literarischen Vorlage.“1 Dies impliziert, dass die Verfilmung zur Umwandlung der Schrift ins Bild filmische Elemente benutzt und somit zu einer eigenen Version wird. Die Fragestellung dieser Arbeit ergibt sich daraus, dass „die Transformation eines literarischen Textes in das visuelle Medium Film (…) weitreichende Änderungen (…) zur Folge“2 hat.

Inwiefern sich dabei nun Schrift und Bild bzw. deren jeweilige Fürsprecher gegenüberstehen, wurde bereits zu Beginn der Ära des Films deutlich. Als um 1895 die ersten Stummfilme auf Leinwände projiziert wurden, sollte die Literaturverfilmung als Mittel eingesetzt werden, um den Neuling Film in den Kreis der altehrwürdigen Künste zu etablieren. Anhänger und Gegner des Filmgenres waren sich jedoch schnell uneinig, „»Wort« wurde gegen »Bild« ausgespielt: die Kunstlosigkeit des Films beruhe auf dem Fehlen des Wortes, doch seine Kunstfähigkeit auf den unbegrenzten Möglichkeiten des Bildes.“3 Die doch so offensichtlichen Unterschiede zwischen den beiden Medien “Schrift“ und “Bild“ werden jedoch - auch heute noch - nicht ausreichend in die Diskussion um Literaturverfilmungen miteinbezogen. Deren Regisseuren wird allzu häufig vorgeworfen, sie hielten sich nicht an die Werktreue und ließen zu viele Änderungen zu. Dabei wird jedoch nicht berücksichtigt, dass mediale Grenzen überschritten, der Stoff in ein völlig anderes Medium übertragen wird und Änderungen somit zur Qualität der Verfilmung enorm beitragen können. Bei der Umsetzung von Literatur in Film muss man sich von der Materie Literatur lösen und sich der spezifischen Eigenheiten beider Medien bewusst sein. In dieser Arbeit soll es daher nicht um die Kritik an Literaturverfilmungen gehen, es sollen vielmehr die medienspezifischen Darstellungsmöglichkeiten der Literaturverfilmung aufgezeigt werden, die diese als eigenständiges Werk neben der Literatur bestehen lassen. Neben gewissen Gemeinsamkeiten zwischen einem literarischen Werk und seiner Adaption, sollen vor allem gewollte und ungewollte Unterschiede, die aufgrund von Umsetzungsproblemen und medienspezifischen Umsetzungsmöglichkeiten der beiden Medienformen bestehen, veranschaulicht werden.

Um die Thematik noch konkreter darzustellen, soll im Verlauf der Arbeit und im abschließenden Kapitel noch ein Beispiel analysiert werden. Als eine der kontroversesten Verfilmungen deutscher Literatur eignet sich in diesem Fall Der Tod in Venedig. Thomas Manns Novelle (1912) und Luchino Viscontis italienische Verfilmung (1971) zeichnen sich vor allem aufgrund ihrer herausragenden Unterschiede aus. Denn Manns Novelle, in der sich ein alternder Künstler in Venedig in einen Jüngling verliebt und in der choleraverseuchten Stadt zugleich einen moralischen und physischen Zusammenbruch erleidet, wurde von Visconti auf eine sehr interessante Weise umgesetzt.

2. Vom reinen Wort zum reinen Bild

2.1 Funktion

Der Roman – mit seiner rein sprachlich dargestellten Welt – erhält durch die Verfilmung konkrete Bilder, er wird somit bildnerisch neu erzählt. Doch seit dem Ende der Stummfilmzeit, stellt sich in Bezug auf Literaturverfilmungen vor allem die Frage, ob nun dem Wort oder dem Bild die entscheidendere Funktion zukommt.4

Im Roman überwiegt das reine Wort, unter Umständen mit Ausnahme einiger Illustrationen. Medienbedingt spielt im Film die bildliche Darstellung eine größere Rolle, die Sprache, die in Form von Dialogen oder einem Off-Sprecher miteinbezogen wird, dient hier vor allem der Vermittlung. Im Roman muss die Sprache sowohl die vermittelnde als auch die darstellende Funktion erfüllen. Der Hauptaspekt, der die Sprache der unzähligen Autoren unterscheidet, sind Stil und Erzählweise. Durch Satzbau, Wortschatz, Sprachmelodie, Rhythmus und eine Reihe von rhetorischen Figuren, bekommt der Text eine zusätzliche Ausdruckskraft. So kann der Satz eines Autors eine völlig andere Wirkung haben, als der Satz eines anderen, der jedoch das absolut gleiche beschreibt. Ebenso ist es bei einer Filmeinstellung, hier können ebenfalls zwei Bilder das gleiche zeigen, es kommt jedoch darauf an, wie es gezeigt wird. Doch im Film sind nicht Stil und Erzählweise der Sprache, sondern der Kamera wichtig. Sie vermittelt dem Zuschauer den Stoff der Erzählung, ebenso wie es die Sprache in der Literatur macht. Wie ein Regisseur die Stimmung des Zuschauers durch die Kameraeinstellung beeinflussen kann, soll im dritten Kapitel noch näher erläutert werden.

2.2 Wirkung

Im Vergleich zwischen dem reinen Wort und dem reinen Bild, zählt besonders deren Wirkung auf den Rezipienten. Der fotografische Charakter der Filmbilder verursacht beim Betrachter eine höhere Identifikation mit der Umwelt und lässt den Film daher realistischer erscheinen, als den Roman. Das Bild zeigt den Gegenstand so wie er auch in der Wirklichkeit zu finden ist, wobei der Text einen Gegenstand lediglich beschreibt. Somit entspricht der Film dem natürlichen Sehen eher als die Lektüre eines Buches. Dieses Phänomen wird Kamera- Realität genannt. Sie „bezeichnet die einigartige Möglichkeit des Films, physische, d.h. optische und akustische Realität darzustellen und dem ästhetischen Prinzip entsprechend bildet sie einen Schwerpunkt filmischer Gestaltung.“5

Durch den abbildenden Charakter bekommt der Film somit eine gewisse Dreidimensionalität. So ist Rudolf Rach der Meinung, es könne „zu Recht davon gesprochen werden, dass der Film die Möglichkeit bietet, einen mehr oder weniger starken Wirklichkeitseindruck zu geben. Er repräsentiert optische und akustische Realität.“ Dies wird dem Film durch seine akustischen und visuellen Darstellungselemente ermöglicht. In der Verfilmung können die im literarischen Werk bereits vorgeformten und bereitgehaltenen Perspektiven für den Zuschauer in die Wirklichkeit übertragen werden.

Dazu kommt, dass ein (Film-)Bild mehrere Details auf einmal darstellen kann, es wird beispielsweise nicht nur eine Figur gezeigt, auch ihre Umgebung ist gleichzeitig präsent. Der Text hingegen basiert auf dem Nachfolge-Prinzip, er kann alles nur nacheinander darstellen. Das Bild erweckt daher den Anschein, als wäre es unmittelbarer und ließe sich leichter entziffern als ein Text.6 Übertragen auf die Verfilmung von Der Tod in Venedig bedeutet dies, dass der Verfall des Künstlers Aschenbach unmittelbarer und persönlicher erscheint, als in der Novelle. Der Erzähler tritt in den Hintergrund, da der Zuschauer das Geschehen vorwiegend aus dem Blickwinkel Aschanbachs erlebt und so wird aus der auktorialen eine personale Erzählhaltung.7

2.3 Umsetzungsprobleme

[...]


1 Zitat: Thomas Koebner: Reclams Sachlexikon des Films. S. 350

2 Zitat: Thomas Koebner: Reclams Sachlexikon des Films. S. 351

3 Zitat: Franz -Josef Albersmeier: Einleitung: Von der Literatur zum Film. S. 29 u. 33

4 Vgl. Monika Reif: Film und Text. S. 167

5 Zitat: Rudolf Rach: Literatur und Film. S. 36

6 Vgl. Stefan Wessendorf: Thomas Mann verfilmt. S. 16-19

7 Vgl. Werner und Ingeborg Faulstich: Der Tod in Venedig. S. 120


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