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Die Frage nach der rechtmäßigen Nachfolge des Propheten - Theologie und Bedeutung der Charigiten im 7. und 8. Jahrhundert

Autor: Marko Tomasini
Fach: Theologie - Vergl. Religionswissenschaft

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Details

Veranstaltung: Mohammed in Anlehnung und Distanz zu Judentum und Christentum und der islamische Monotheismus
Institution/Hochschule: Universität Erfurt (Philosophische Fakultät)
Tags: Frage, Nachfolge, Propheten, Theologie, Bedeutung, Charigiten, Jahrhundert, Mohammed, Anlehnung, Distanz, Judentum, Christentum, Monotheismus
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 12
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 4  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 187 KB
Archivnummer: V41557
ISBN (E-Book): 978-3-638-39798-8
ISBN (Buch): 978-3-638-82418-7
Anmerkungen :
Theologie und Bedeutung der Charigiten im 7. und 8. Jahrhundert

Zusammenfassung / Abstract

In der Zeit nach Muhammads Tod im Jahr 632, sah sich die islamische Welt mit dem Problem beauftragt, die Nachfolge des Propheten zu regeln, da dieser selbst keine Regelung festgelegt hatte. Viele Anhänger Muhammads, vor allem in Medina, konnten zunächst nicht glauben, dass der Prophet gestorben war. Alte Gegensätze drohten wieder aufzubrechen. In den verschiedenen Vorstellungen, wie der Nachfolger des Propheten zu wählen ist, spiegelten sich auch verschiedene politische und religiöse Interessen wieder. Dass die islamische Welt nicht gleich nach dem Tod Muhammads zerbrach, war zunächst einer kleinen Gruppe der engsten Vertrauten und Wegbegleiter Muhammads zu verdanken, die Abu Bakr an die Spitze der islamischen Gemeinde brachten. Er und sein Nachfolger Omar schafften es die Theokratie zu stärken und das islamische Reich weiter auszudehnen. Allerdings lagen schon in der Wahl Abu Bakr als Chalif, und dem Übergehen Alis, die Wurzeln für das spätere Schisma der Umma in den schiitischen und sunnitischen Islam im Jahre 680. Abu Bakr (632 – 634) und Omar (634 – 644) stärkten das islamische Reich durch geschickte Reformen im Verwaltungs- und Finanzbereich und konnten so die unterschiedlichen Interessengruppen bündeln. Auch hatten sie die dazu gehörige starke Persönlichkeit, die ein solches Amt fordert. Diese Fähigkeiten hatte deren Nachfolger Uthman allerdings nicht mehr. Er wusste sich nur dadurch zu helfen, indem er die wichtigsten Stellen mit Mitgliedern seines Klans besetzte, was Unmut in der islamischen Gemeinde hervorrief und erneut die Frage aufbrachte, inwieweit Uthman als Chalif legitimiert war, bzw. unter welchen Kriterien der Chalif zu wählen sei. Als es nach der Ermordung Uthmans endlich Ali schaffte als Chalif gehuldigt zu werden, brachen die Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Interessengruppen wieder in vollem Umfang auf. Viele verweigerten die Huldigung Alis und rebellierten z.T. offen gegen ihn. In dieser Zeit kam es zu Ausbildung verschiedenster Ansichten über die Wahl des Chalifen und somit auch zur Bildung verschiedenster islamischer Gruppen. Eine dieser Gruppen waren die Charigiten, welche die Ansicht vertraten, dass nur derjenige Chalif werden kann, welcher der Frömmste aus der Gemeinde war und wenn es ein schwarzer Sklave wäre.1 Fester Bestandteil der Argumentation der Charigiten war auch die Überzeugung, dass nur Gott allein diese Wahl treffen kann.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Erfurt

Fachrichtung Religionswissenschaft 
2. Fachsemester

Veranstaltungsbegleitende Hausarbeit
Vorlesung: Mohammed in Anlehnung und Distanz zu Judentum und Christentum 
und der islamische Monotheismus

Die Frage nach der rechtmäßigen Nachfolge des Propheten

Theologie und Bedeutung der Charigiten im 7. und 8. Jahrhundert

von

Marko Tomasini

 

Inhalt:

1. Einleitung S. 3

2. Herkunft der Charigiten S. 4
2.1 Die politische Situation unter Uthman und Ali S. 4
2.2 Die Abspaltung der Charigiten S. 5

3. Theologie und Moral S. 6
3.1 Allgemeine Ansichten S. 7
3.2 Fundamentalismus und religiöser Mord S. 9

4. Die Ibaditen S.10

5. Resümee S. 11

 

 

1. Einleitung

In der Zeit nach Muhammads Tod im Jahr 632, sah sich die islamische Welt mit dem Problem beauftragt, die Nachfolge des Propheten zu regeln, da dieser selbst keine Regelung festgelegt hatte.

Viele Anhänger Muhammads, vor allem in Medina, konnten zunächst nicht glauben, dass der Prophet gestorben war. Alte Gegensätze drohten wieder aufzubrechen. In den verschiedenen Vorstellungen, wie der Nachfolger des Propheten zu wählen ist, spiegelten sich auch verschiedene politische und religiöse Interessen wieder.

Dass die islamische Welt nicht gleich nach dem Tod Muhammads zerbrach, war zunächst einer kleinen Gruppe der engsten Vertrauten und Wegbegleiter Muhammads zu verdanken, die Abu Bakr an die Spitze der islamischen Gemeinde brachten. Er und sein Nachfolger Omar schafften es die Theokratie zu stärken und das islamische Reich weiter auszudehnen. Allerdings lagen schon in der Wahl Abu Bakr als Chalif, und dem Übergehen Alis, die Wurzeln für das spätere Schisma der Umma in den schiitischen und sunnitischen Islam im Jahre 680.

Abu Bakr (632 – 634) und Omar (634 – 644) stärkten das islamische Reich durch geschickte Reformen im Verwaltungs- und Finanzbereich und konnten so die unterschiedlichen Interessengruppen bündeln. Auch hatten sie die dazu gehörige starke Persönlichkeit, die ein solches Amt fordert. Diese Fähigkeiten hatte deren Nachfolger Uthman allerdings nicht mehr. Er wusste sich nur dadurch zu helfen, indem er die wichtigsten Stellen mit Mitgliedern seines Klans besetzte, was Unmut in der islamischen Gemeinde hervorrief und erneut die Frage aufbrachte, inwieweit Uthman als Chalif legitimiert war, bzw. unter welchen Kriterien der Chalif zu wählen sei.

Als es nach der Ermordung Uthmans endlich Ali schaffte als Chalif gehuldigt zu werden, brachen die Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Interessengruppen wieder in vollem Umfang auf. Viele verweigerten die Huldigung Alis und rebellierten z.T. offen gegen ihn. In dieser Zeit kam es zu Ausbildung verschiedenster Ansichten über die Wahl des Chalifen und somit auch zur Bildung verschiedenster islamischer Gruppen. Eine dieser Gruppen waren die Charigiten, welche die Ansicht vertraten, dass nur derjenige Chalif werden kann, welcher der Frömmste aus der Gemeinde war und wenn es ein schwarzer Sklave wäre.1 Fester Bestandteil der Argumentation der Charigiten war auch die Überzeugung, dass nur Gott allein diese Wahl treffen kann.

Diese Arbeit soll Herkunft und Entwicklung der Charigiten beschreiben, die politischen Umstände, die zur Bildung führten erläutern und die Theologischen, bzw. Moralischen Dogmen erklären, ohne Anspruch auf absolute Vollständigkeit zu erheben.

2. Herkunft der Charigiten

Die Abspaltung der Charigiten hatte sowohl politische als auch religiöse Gründe, die in den Umständen der Zeit zu suchen sind. Politisch zum einem deshalb, da sie direkten Einfluss in die Politik und die Gesellschaft des islamischen Reiches nehmen wollten. Für sie war die Religion des Islam und die politische Führung des Reiches untrennbar. Religiös, da für sie Gott und Koran einzige Grundlage für politisches Handeln und menschlicher Moral waren. Bei diesen Ansichten, gingen sie z.T. äußerst brutal und kompromisslos vor, wobei sie mehr als einmal die islamische Welt in Unruhe brachten und durchaus politische Ereignisse massiv beeinflussten, auch wenn sie es nicht schafften, für längere Zeit politisch oder religiös von großer Bedeutung zu sein. In den nächsten Abschnitten, soll auf die Umstände der Zeit eingegangen werden, um die Gründe darzustellen, die zur Abspaltung der Charigiten geführt haben.

2.1 Die politische Situation unter Uthman und Ali

Wie eingehend schon beschrieben, hatten es Abu Bakr und Omar geschafft die islamische Gemeinschaft zu festigen und widerstrebende Interessen für die gemeinsame Sache zu bündeln. Diese Führungsfähigkeiten hatte Uthman nicht mehr. Seine Politik gegen die zerstrittenen Klans des Prophetenhauses und gegen die Rechte des Eroberungsheeres, schuf böses Blut, und war Grundstein für den ersten Bürgerkrieg, der unter dem Nachfolger Ali ausbrechen sollte.2

Zwar machte sich Uthman verdient um die Einheit der islamischen Gemeinde, durch die Schaffung eines einheitlichen Korantextes, allerdings war seine Politik ansonsten geprägt durch Vetternwirtschaft für die Hausmacht der Umaiya. Durch die Besetzung der wichtigsten politischen Posten ausschließlich durch Angehörige des Umaiyaden-Klans, brachte er den alten „Islamadel“ gegen sich auf, der sich politisch zurückgesetzt fühlte. Letztendlich war er der einzige mit politischer Verantwortung, der diesem Adel angehörte.

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1 Vgl. Hartmann S.34

2 Vgl. Endreß S.47

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