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Termpaper, 2003, 13 Pages
Author: Mag.phil. Verena Brunner
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Details
Institution/College: University of Vienna
Tags: Mafia, Blickwinkel, Männerbundes, SpezVO, Mafia, Staat, Männlichkeit
Year: 2003
Pages: 13
Grade: gut
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-39805-3
ISBN (Book): 978-3-638-74983-1
File size: 142 KB
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Abstract
Der männliche Ehrkodex, das Streben nach Macht und als letzte Konsequenz die Gewalt stellen jene Komponenten dar, die das Phänomen Mafia zu einem Männerbund par Excellence machen. Gerade in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft wie im Sizilien des 19. Jahrhunderts hatte der Männerbund Mafia seine Existenzberechtigung gefunden. Durch die Analyse der gesellschaftlichen Gegebenheiten dieser Zeit können die Strukturmerkmale dieses Männerbundes erklärt werden. Was sind die Charakteristika dieser Gemeinschaft, durch welche Wertvorstellungen und Rituale wird sie hergestellt und bewahrt?
Excerpt (computer-generated)
Universität Wien
SpezVO
Mafia, Staat und Männlichkeit
SS 2003
Verena Brunner
Hausarbeit / Thema: Mafia als maskuline Vergemeinschaftungsform:
Die Mafia unter dem Blickwinkel des Männerbundes
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Patriarchale Gesellschaftsstrukturen als Entstehungskontext 3
3. Der mediterrane Ehrkodex 4
4. Männliche und weibliche Ehre 7
5. Gewalt als konstituierendes Element der männlichen Vergemeinschaftung 10
6. Fazit 11
Literaturverzeichnis 13
1. Einleitung
„Das organisierte Verbrechen ist nach wie vor eine Angelegenheit von Männern.“ (Hess 1990: 113). Mit diesem Statement beginnt Hess seine Darstellung über die sizilianische Mafia. Im weiteren spricht er von mafia als „...eine Verhaltensweise, eine Methode, das, was die mafiosi tun; sie ist die von ‚starken Männern‘ ausgeübte und angedrohte private Gewalt, ausgeübt und angedroht in allen sozialen Konflikten (...)“(ebd.). Damit spricht er jenes bedeutende Moment an, das die Hauptrolle in meinen Betrachtungen spielt; die Mafia als ein Phänomen der männlichen oder maskulinen Vergemeinschaftung. – Ich spreche im folgenden von der „männlichen“ Vergemeinschaftungsform, da „maskulin“ ein zu eng gefasster Begriff für meine Überlegungen ist.
Was sind die Charakteristika dieser Gemeinschaft, durch welche Wertvorstellungen und Rituale wird sie hergestellt und bewahrt? Gemeinschaft bedeutet immer die Abgrenzung von anderen, in diesem Fall soll dabei die männliche Vergemeinschaftung als Abgrenzung zum Weiblichen verstanden werden. Somit wird es hilfreich sein, dieses Spannungsfeld genauer zu beleuchten. Dabei spielt das soziokulturelle Umfeld, in dem sich das Phänomen Mafia herausgebildet hat, eine bedeutende Rolle. Als Betrachtungsgegenstand dient dazu die sizilianische Mafia in ihrer Blütezeit Ende des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts, da zu dieser Zeit das „männerbündische Element“ aufgrund des sozialhistorischen Hintergrundes stärker zum Vorschein trat (Hess 1990: 113). Durch die Analyse der gesellschaftlichen Gegebenheiten dieser Zeit können die Strukturmerkmale des Männerbundes „Mafia“ erklärt werden.
2. Patriarchale Gesellschaftsstrukturen als Entstehungskontext
Die Genese der Mafia ist im Sizilien des 19. Jahrhunderts anzusiedeln. Sie ist das Ergebnis gesellschaftlicher Entwicklungen, die sich mit der Abschaffung des Feudalismus zu Beginn des Jahrhunderts radikalisierten. Die Großpächter der Latifundien wurden zur neuen Agrarbourgeoisie und traten als Kontrahenten des Kleinbauerntums auf.
Diese hatten mit der Privatisierung von Gemeindeland die traditionellen Nutzungsrechte verloren und gerieten in Abhängigkeit zu den neuen Großgrundbesitzern. Um die Besitzverhältnisse aufrechterhalten zu können und die Aufstände der Bauern niederzuschlagen, mussten die Landherren zur Selbsthilfe greifen, indem sie private Handlanger beschäftigten. Mit einem Eingreifen von Seiten staatlicher Justiz und Verwaltung war damals nicht zu rechnen. Traditionellerweise waren in Sizilien lokale Machthaber einflussreicher als die jeweiligen Zentralregierungen, und der Aufbau eines effektiven bürokratischen Apparates in dieser Region war bis dato nicht erfolgt (vgl. Blok 1981: 119 ff.).
Somit entstand eine Klientelbeziehung zwischen dem jeweiligen Landherren und seinen Gefolgsleuten. Von diesem Phänomen berichtet ein Justizbeamter in Westsizilien 1838. Er spricht von „lokalen Männern mit Einfluß und Macht“, mit denen nicht nur Beamte sondern auch das Volk gemeinsame Sache macht. (vgl. Blok 1981: 127)
Das Phänomen Mafia ist als ein klientelhaftes Netzwerk zu verstehen, das sich um den jeweiligen Patron bildet. Zwischen ihm und der cosca, wie die Gruppe der ihm Ergebenen heißt, bestand ein Wechselverhältnis von Protektion und Loyalität. Der wichtigste Grundsatz, der den Fortbestand dieser Beziehungen garantierte, war die Ehrenschweigepflicht. Im Volk galt es als verpönt, mit den Behörden zusammenzuarbeiten und die Einhaltung dieses Grundsatzes war Ehrensache. Die Schweigepflicht ist Teil der sizilianischen Moralvorstellungen dieser Zeit, welche in Zusammenhang mit den mediterranen Ehrvorstellungen zu sehen sind.
3. Der mediterrane Ehrkodex
Mediterrane Gesellschaften lassen sich als „honour and shame societies“ (zit. nach Giordano 1992: 114) definieren. Das heißt, dass in ihnen Wertvorstellungen und Verhaltensnormen existieren, in deren Zentrum der Begriff der Ehre steht. Ehre kann als ein Gefühl verstanden werden, das bestimmte Idealvorstellungen über die eigene Person und die anderen beinhaltet und somit das Verhalt en des Individuums bestimmt.
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