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Seminararbeit, 2004, 16 Seiten
Autor: Mag.phil. Verena Brunner
Fach: Geschichte - Sonstiges
Details
Tags: Aktenzeichen, Eine, Fahndungssendung, Ausdruck, Kontrollgesellschaft
Jahr: 2004
Seiten: 16
Note: sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 18 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-39809-1
ISBN (Buch): 978-3-638-74991-6
Dateigröße: 187 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Die Fahndungssendung Aktenzeichen XY...ungelöst erhebt den Anspruch, zur Verbrechensaufklärung und -bekämpfung beizutragen. In den über 30 Jahren erfreut sich diese Sendung mehr oder weniger starkem Zuschauerzuspruch, und in einer stark entwickelten Informations- und Kommunikationsgesellschaft ist Fernsehfahndung zu einer Selbstverständlichkeit geworden, die scheinbar kaum noch die Gemüter erhitzt. Vor allem in Verbindung mit dem Boom von Reality-TV hat der Voyeurismus Einzug in die Flimmerwelt gehalten. Inwieweit diese Entwicklung mit dem Topos der "Kontrollgesellschaft" zusammenhängt, zeigt die vorliegende Arbeit.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Wien
Institut für Zeitgeschichte
Seminararbeit
von
Verena Brunner
Aktenzeichen XY...ungelöst:
Eine Fahndungssendung
als Ausdruck der Kontrollgesellschaft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2 Der Übergang von der Disziplinar- zur Kontrollgesellschaft 4
3 „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ im Zeichen der Kontrollgesellschaft 6
4 Fazit 14
Einleitung
Das Fernsehen ist in unserer heutigen Zeit ein bedeutender gesellschaftlicher Faktor. Immer wieder gibt es Diskussionen darüber, wie stark dieses Medium die Realität und die gesellschaftliche Entwicklung beeinflusst oder von ihr beeinflusst wird. Wechselwirkungen sind jedenfalls nicht auszuschließen. Vor allem Formate, die sich an wahren Begebenheiten orientieren, stellen sich gerne als bloßes Abbild der Realität dar.
Die Fahndungssendung Aktenzeichen XY...ungelöst erhebt den Anspruch, zur Verbrechensaufklärung und -bekämpfung beizutragen. In den über 30 Jahren erfreut sich diese Sendung mehr oder weniger starkem Zuschauerzuspruch, und in einer stark entwickelten Informations- und Kommunikationsgesellschaft ist Fernsehfahndung zu einer Selbstverständlichkeit geworden, die (scheinbar) kaum noch die Gemüter erhitzt. Vor allem in Verbindung mit Reality -TV hat der Voyeurismus Einzug in die Flimmerwelt gehalten. Inwieweit diese Entwicklung mit dem Topos der Kontrollgesellschaft zusammenhängt, zeigt die vorliegende Arbeit.
Die Prämisse ist, dass wir in einer Kontrollgesellschaft leben, die neue Sozialisationsformen mit sich bringt, welche sich von der Disziplinargesellschaft der früheren Jahrhunderte unterscheiden. Bestimmte Aspekte dieser Kontrollgesellschaft lassen sich gerade in einem Fernsehformat wie Aktenzeichen XY erkennen. Für die Untersuchung werde ich den öffentlichen Diskurs (Zeitungsarktikel, Internetbeiträge) aus der Gründungszeit 1968 und rund 35 Jahre danach heranziehen.
1 Der Übergang von der Disziplinar- zur Kontrollgesellschaft
Der Topos der Verbrechensbekämpfung und die Kriminalität sind wichtige Parameter für die Funktion der Disziplinar- und später der Kontrollgesellschaft:
„Erst mit der Transformation der souveränen Gesellschaft zur bürgerlichen gelingt auch eine neue Verortung des Gefängnisses innerhalb der strafrechtlichen Ordnung. Das begangene Verbrechen erhält zunächst eine neue Konnotation, die später weitreichende Konsequenzen haben soll: Es handelt sich nicht mehr um ein Unrecht, das der souveränen Macht, verkörpert durch eine Person zugefügt wurde, sondern ist ein Vergehen an der gesamten Gesellschaft.“
Da die Gesellschaft auf einem Vertrag zwischen den Individuen basiert, hat der Straffällige diesen Vertrag gebrochen und muss nun zum Nutze der Gesellschaft und im Sinne der Menschlichkeit umerzogen bzw gebessert werden. Nun tritt das Gefängnis als Resozialisierungsort auf. Dort soll der Abtrünnige an seine Pflichten erinnert werd en und seine negativen Verhaltensweisen ablegen, um wieder ein nützliches Mitglied der Gesellschaft zu werden. Die Institution Gefängnis wird zu einem wichtigen Instrument der Disziplinargesellschaft. In ihr werden jene Machtmechanismen sichtbar, die zur Normierung der Individuen beitragen und ebenso als strukturelles Merkmal der Gesellschaft disziplinieren und vereinheitlichen. Hier treten die Einschließungen auf den Plan. Sie bedeuten „zeitliches und räumliches Verfügen über das Individuum“. Im Laufe eines Lebens wechselt der Mensch von einer Einschließung in die nächste.
Zu Beginn des Lebens ist es das Milieu der Familie, dann die Schule, danach der Arbeitsplatz etc. Jede Einschließung folgt ihrer eigenen Gesetzmäßigkeit und stellt eine Etappe im menschlichen Lebenslauf dar, der als vorhersehbar gilt.. Das Individuum wechselt jeweils von einer Einschließung zur nächsten, mit der Annahme, dass sich seine individuellen Bedürfnisse mit den gesellschaftlichen decken. Es erlernt Fähigkeiten und nimmt Verhaltensweisen an, die der Allgemeinheit dienlich sind. Geschieht dies nicht, so muss der oder die Betroffene durch Disziplinierungsmaßnahmen wieder in die Schranken gewiesen werden. Als letztes Mittel zur Disziplinierung dient das Gefängnis. Es ist der Einschließungsort schlechthin. Hier wird das Individuum innerhalb räumlicher Grenzen kontrolliert, bewacht und diszipliniert.
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