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Die heilige Merowingerkönigin Balthilde

Scholary Paper (Seminar), 2003, 12 Pages
Author: Mag.phil. Verena Brunner
Subject: History - Middle Ages, Early Modern

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 12
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V41573
ISBN (E-book): 978-3-638-39812-1
ISBN (Book): 978-3-638-74994-7
File size: 186 KB

Abstract

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Person der merowingischen Königin Balthilde aus 7. Jahrhundert und ihrer späteren Idealisierung als Heilige. Im Zentrum der Betrachtungen stehen ihre Tätigkeiten als Gattin des Königs Chlodwig II., weiters ihre Regentschaft nach dessen Tod und schließlich ihr Leben im Frauenkloster Chelles. Auf Grundlage der Vita Sanctae Balthildis, einer hagiographischen Quelle, sollen die Darstellungen dabei an der Wirklichkeit des Lebens der Königin gemessen werden, das heißt inwieweit sind die historischen Fakten in Einklang mit den Darstellungen Balthildes als gottesfürchtige Christin zu bringen.


Excerpt (computer-generated)

 

Universität Wien
Institut für Geschichte
Weibliche Lebensgestaltung im Mittelalter

Verena Brunner

Abschlussarbeit:

Die heilige Merowingerkönigin Balthilde

 

 

Inhaltsverzeichnis


Einleitung   3


I . Balthilde als Ideal der königlichen Gattin   4

I.1 Die Vita Sanctae Balthildis    4
I.2 Die Darstellung ihres Charakters   4

II . Die politischen Tätigkeiten der Regentin   5

II.1 Balthilde als Regentin   6
II.2 Balthilde als Förderin des irofränkischen Mönchtums    7

III . Das Klosterleben der Königin Balthilde    8

III.1 Der Klostereintritt    8
III.2 Die Königin als vorbildliche Nonne   8

IV . Balthilde zwischen Heiligenverehrung und barbarischer Maßlosigkeit    10

V . Resümee    11

Literaturverzeichnis    12

 

 

Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Person der merowingischen Königin Balthilde aus 7. Jahrhundert und ihrer späteren Idealisierung als Heilige. Im Zentrum der Betrachtungen stehen ihre Tätigkeiten als Gattin des Königs Chlodwig II., weiters ihre Regentschaft nach dessen Tod und schließlich ihr Leben im Frauenkloster Chelles. Als Quelle meiner Ausführungen nutze ich die Vita Sanctae Balthildis und ihre deutsche Übersetzung. Es soll gezeigt werden, mit welchen weiblichen und christlichen Idealvorstellungen die Figur der Königin beschrieben wird und welche Tätigkeitsbereiche und Handlungsmöglichkeiten ihr zugeschrieben werden. Diese Darstellungen sollen dabei an der Wirklichkeit des Lebens der Königin gemessen werden, das heißt inwieweit sind die historischen Fakten in Einklang mit den Darstellungen Balthildes als gottesfürchtige Christin zu vereinbaren.

Einleitend folgen nun einige wichtige biographische Eckdaten zur Übersicht. Balthilde war geborene Angelsächsin und kam in den 630er Jahren als Sklavin ins Merowingerreich. Dort diente sie dem Hausmeier Erchinoald am neustroburgundischen Hof, bis sie 648 König Chlodwig II. heiratete. Sie hatten drei Söhne, Chlotar III., Theuderich III. und Childerich II. 657 starb der König und Balthilde übernahm die Regentschaft für ihren unmündigen Sohn Chlotar. 665 zog sie sich in das Frauenkloster Chelles zurück, das sie selbst 657/58 gegründet hatte. Sie lebte dort bis zu ihrem Tod um 680. Ihre Vita (Fassung A) wurde kurz danach verfasst, wahrscheinlich von einer Nonne dieses Klosters.

I. Balthilde als Ideal der königlichen Gattin I.1 Die Vita Sanctae Balthildis

Der Autor bzw. die Autorin der Vita ist nicht bekannt, es wird aber vermutet, dass eine Nonne des Klosters Chelles die Lebensbeschreibung der Klostergründerin verfasst hat. Als hagiographische Quelle ist diese Schrift in Zusammenhang mit den Heiligkeitsvorstellungen der Merowingerzeit zu sehen. Zwischen dem 6. und 7. Jahrhundert ist ein Wandel in der merowingischen Hagiographie zu beobachten. Der Topos der Askese und des Weltrückzuges wird abgelöst von einer Beschreibung des christlichen Handelns und der Würdigung der weltlichen Stellung der Agierenden. Es gilt nicht mehr nur als höchste Tugend, sich der Welt zu verschließen und sein Leben gänzlich dem Gebet zu widmen, das Handeln in der Welt im Sinne christlicher Ideale wird ebenso als Dienst an Gott angesehen.

In diesem Sinn ist die Vita der Balthildis als Quelle auszuwerten. Sie enthält das Ideal einer christlichen Königin, die als Ehefrau ihrem Mann und Gott dient und gute Taten vollbringt. Trotz stilisierter Darstellungen können so gewisse Handlungsmöglichkeiten der Königin ausgemacht werden, sowohl als Ehefrau des Königs als auch als Regentin. Im folgenden werde ich anhand ausgewählter Stellen aus der Vita einzelne Topoi und Motive darstellen, die auf das Ideal der christlichen Königin und ihrer Taten schließen lassen.

I.2 Die Darstellung ihres Charakters

Der erste Teil der Vita ist der Darstellung Balthildes Charakters im Sinne christlicher Weiblichkeitsvorstellungen gewidmet. Gleich zu Beginn erscheint das Keuschheitsmotiv, das die Heilige als tadellose Frau mit reinen Gedanken darstellen soll.

Balthilde dient dem Hausmeier Erchinoald als Magd am neustroburgundischen Hof. Als er sie in sein Schlafgemach rufen will, versteckt sie sich vor ihm. Balthilde wird dabei bezeichnet als „prudens et astuta virgo“, die die Einfachheit vorzog und vergängliche Ehren mied. Sie wird also als „klug und erfinderisch“ bzw. „listig“ (astuta) beschrieben, wobei diese Schläue mit dem Ziel der Bescheidenheit sie wiederum zu einem weiblichen Idealbild macht. Es werden ihr also Eigenschaften zugestanden, die einen regen Geist bescheinigen. Diese Klugheit nutzt sie aber dazu, ihr vorbildliches Verhalten zu bestätigen und sich nicht außerhalb der Idealvorstellung zu bewegen.

In Folge wird Balthilde von Gott durch die Heirat mit Chlodwig für ihre Bescheidenheit belohnt. Der darauffolgende Absatz in der Vita ist eine Aufzählung von Tugenden einer christlichen Ehefrau und Königin:


„Dank ihrer von Gott verliehenen Klugheit war sie unermüdlich in ihrer Arbeit. Sie gehorchte dem Königs als Herrn, den Großen gegenüber war sie wie eine Mutter, den Priestern wie ein Kind, der heranwachsenden Jugend war die die treueste Fürsorgerin. Liebenswürdig gegen alle, liebte sie die Priester wie Väter und die Mönche wie Brüder. Den Armen war sie treue Helferin und tei lte reichliche Almosen unter sie aus. Sie ehrte den Stand der Großen des Reiches und achtete auf deren Ratschläge.

Sie ermahnte immerzu die Jugend zu frommem Leben und beredete den König bescheiden und doch ausdauernd zur Sorge für die Kirche und die Armen. Ihr Wunsch war, auch in ihrer weltlichen Kleidung Christus zu dienen. Sie betete häufig und weihte sich täglich Christus, dem himmlischen König. Der fromme König selbst wurde in seinem Glauben und seiner Andacht gestärkt und gab ihr den treuen Abt Genesius als Helfer bei, durch dessen Hände sie reiche Gaben an Gold und Silber an Männer- und Frauenklöster verteilte. (...) Durch diesen Diener Gottes und unter seinem Einfluß teilte (...) die Königin Bathilde im Reiche des Königs Chlodwig die reichen Almosen des Königs allerorts und an alle aus.“

Das Hauptmotiv dieser Darstellung ist die Bekehrung des Königs durch die Ehefrau. Balthilde hält ihren Mann zu christlichem Handeln an, sie selbst dient ihm dabei als Vorbild. Sie hilft den Armen und dient ihren Nächsten als Mutter oder Tochter, je nachdem, welche Rolle von ihr gefordert wird. Dabei ist die Haupttugend der Bescheidenheit und des Gehorsam stets im Vordergrund. Balthilde war sich stets bewusst, dass sie „nur“ die Gattin des Königs war und diesem diente. Auf diese Art brachte sie Chlodwig dazu, sich für die Kirche einzusetzen und in Frömmigkeit zu leben. Sie trat als Förderin des Christentums auf, indem sie Klöster durch Gaben unterstützte, das heißt sie konnte im gewissen Maße über die Besitztümer des Königs verfügen. Balthilde wird also dargestellt als eine Christin, die ihre Wertvorstellungen und ihren Glauben durch Handeln umsetzt und dabei stets voll Demut und Bescheidenheit bleibt.

[...]


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