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'Ich kann fühlen' - Unterrichtsentwurf zur Unterrichtseinheit 'Was ich schon kann: Meine Sinne'

Unterrichtsentwurf, 2005, 61 Seiten
Autor: Petra Stichert geb. Nitsch
Fach: Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)

Details

Kategorie: Unterrichtsentwurf
Jahr: 2005
Seiten: 61
Note: 1.0
Literaturverzeichnis: ~ 5  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V41579
ISBN (E-Book): 978-3-638-39817-6

Dateigröße: 414 KB
Anmerkungen :
Unterrichtsentwurf zur Zweiten Staatsprüfung für das Lehramt an Sonderschulen zum Thema: "Ich kann fühlen" in der Unterrichtseinheit: "Was ich schon kann: Meine Sinne" mit ausführlicher Sachanalyse, didaktischen Analyse (ohne Schülerbeschreibungen), Arbeitsblättern zum Stationslernen und einer interaktiven Geschichte, die als Rahmenhandlung dient und die Kinder einbezieht.


Zusammenfassung / Abstract

Unsere Sinne sind ein wunderbares Thema für die Eingangsstufe gerade im Förderschulbereich, bieten diese doch eine Vielzahl von Erlebnis- und Erfahrungsmöglichkeiten, die neugierig machen, Selbstverständliches infrage stellen, erforschen und entdecken lassen. Das Erleben der eigenen Sinne ermöglicht zudem ein ganzheitliches Lernen, welches Lernen einfacher, intensiver, einprägsamer macht, weil es aktiv geschieht und sinnlich erfahrbar wird. Sinneserfahrungen lassen autodidaktisches Lernen zu, wecken Neugier, erregen die Aufmerksamkeit. Sie entsprechen dem menschlichen Bedürfnis – insbesondere dem von Kindern – und helfen durch ihre Unmittelbarkeit und Erfahrbarkeit beim Lernen. So selbstverständlich sinnliches Wahrnehmen aber auch geschieht, so wichtig ist es dennoch, sich darin zu üben, sich sinnliche Erlebnisse und deren Wirkung auf Gefühle und Vorstellungen bewusst zu machen. Gerade SchülerInnen der Förderschule entstammen häufig einem reizarmen Umfeld, in dem ihre Sinne wenig gefördert und gefordert, ihre Neugier und Lernbereitschaft wenig geweckt wird. Häufiges Fernsehen oder Computerspielen, seltene Ortswechsel und wenig Bewegung sind Aspekte, die Passivität fördern, das Erkennen von Zusammenhängen erschweren und einzelne Sinne einseitig ansprechen oder sie gar überfordern und somit sinnliche Wahrnehmungsfähigkeit verkümmern lassen. Eine Thematisierung der Sinne zu Beginn der Schullaufbahn ist also sinnvoll und notwendig, wenn sie zum einen Erlebnissen und Erfahrungen mit den eigenen Sinnen ermöglicht und zum anderen hilft, aufmerksam und sensibel für Sinneswahrnehmungen zu werden und sich darin zu üben. Der Lehrprobenentwurf umfasst neben den didaktisch-pädagogischen Analysen vielfältiges Unterrichtsmaterial, welches eingebettet in eine interaktive Geschichte SchülerInnen auf spannende Weise ihre Sinne bewusst erleben lässt. Da die Kinder im Ausprobieren ihrer Sinne selbst Teil der Geschichte werden, ist ihr Lernen spielerisch und hochgradig motiviert: Ein Kind verliert seinen heißgeliebten Teddybären an den König der Sinne, der ihn nur zurückzugeben bereit ist, wenn das Kind beweist, dass es dessen Sinnlichkeit zu schätzen weiß. Hierfür muss es verschiedene Aufgaben im Schloss der Sinne erfüllen, für die es die Hilfe der SchülerInnen benötigt.


Textauszug (computergeneriert)

Zweite Staatsprüfung für das Lehramt an Sonderschulen
Unterrichtsentwurf zur Lehrprobe am 21.01.2005 Klasse 1/2 Uhrzeit: 08.00 Uhr – 9.00 / 9.30 Uhr

Ich kann fühlen aus der Unterrichtseinheit: Was ich schon kann: Ich erlebe meine Sinne

von Petra Stichert
2004

 

Inhaltsverzeichnis

1. Didaktische Analyse ... 3
1.1 Bezug zum Bildungsplan ... 3
1.2. Pädagogisch-didaktische Begründung für die Unterrichtseinheit ... 3

2. Bedingungsanalyse ... 6
2.1. Die aktuelle Klassensituation ... 6
2.2. Vorerfahrungen mit der Themengruppe „Wer ich bin“ ... 7
2.3. Individuelle Schülervoraussetzungen ... 8

3. Analyse der Unterrichtsstunde ... 16
3.1 Sachanalyse ... 16
3.1.1 Die Sinne ... 16
3.1.2 Der Tastsinn ... 16
3.2 Lernziele ... 17
3.3 Methodisch-didaktische Überlegungen ... 18
3.3.1 Einbettung der Stunde in die UE ... 18
3.3.2 Überblick über die einzelnen Unterrichtsphasen der UE ... 19
3.3.3 Begründung und Zielsetzung bezüglich der einzelnen Unterrichtsbausteine ... 20
3.3.4 Ausblick ... 24

Literaturverzeichnis ... 25

Anhang ... 26

 

1. Didaktische Analyse

1.1 Bezug zum Bildungsplan

Für meine Lehrprobe habe ich das Thema: „Was ich fühlen kann“ gewählt. Es wird behandelt in der vierten Unterrichtsstunde der UE „Ich erlebe meine Sinne“, die im Bildungsplan für die Schule für Lernbehinderte in Baden-Württemberg als ein Aspekt des Themas „Was ich schon kann“ für die Unterstufe empfohlen wird. Damit macht der Bildungsplan deutlich, dass es für diese Altersgruppe weniger um das (naturwissenschaftliche) Sachwissen über die Sinne geht, sondern vor allem darum, die eigenen Sinne zu erleben, sie als etwas Besonders wahrzunehmen und als eine Fähigkeit zu erkennen, auf die man stolz sein und die man lernen oder auch verlernen kann. Dementsprechend ist dieses Thema der Themengruppe „Wer ich bin“ zugeordnet und somit ein Aspekt von vielen, die den SchülerInnen dabei helfen sollen, ein Bewusstsein für sich selbst zu entwickeln, ein eigener Mensch zu werden..
Da der Themenbereich Selbstfindung ein wichtiger Aspekt nicht nur im Bildungsplan ist, sondern auch im pädagogischen Konzept meiner Schule und zudem meinem persönlichen Interesse wie auch meiner Überzeugung entspricht, habe ich mich für dessen Bearbeitung im Rahmen meines eigenständigen Unterrichts entschieden. Seit Schuljahrsbeginn beschäftigen die SchülerInnen der Klasse 1/2 meiner Ausbildungs-Förderschule und ich uns auf vielfältige Weise damit.

 

1.2. Pädagogisch-didaktische Begründung für die Unterrichtseinheit

Die Wirksamkeit der Themengruppe „Wer ich bin“ sehe ich in dessen Bedeutung für die Entwicklung hinsichtlich der Persönlichkeitsfindung, der Sozialerziehung und der Lernfähigkeit. Zusammengefasst erklärt sich dies folgendermaßen:

  1. Die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung ist ein grundlegender Teil des schulischen Erziehungsauftrags. Ein Selbstbewusstsein im wörtlichen wie im umgangssprachlichen Sinne wirkt erleichternd für jegliche positive Entwicklung: Wer sich selbst gut kennt, sich seiner selbst bewusst ist, kennt seine Rechte und kann sie so leichter verteidigen, erkennt seine Bedürfnisse und kann ihnen so leichter Herr werden, kennt seine Stärken und kann so auch seine Schwächen leichter akzeptieren.
  2. Damit eng verbunden ist der Aspekt der Sozialerziehung. Grundlage für ein friedliches, produktives Miteinander sind das Erlernen von bestimmten Verhaltensregeln, Problemlösestrategien und Kommunikationsfähigkeit. Diese können jedoch erst wirksam werden, wenn die eigene Persönlichkeit ausreichend gefestigt ist. Wer gelernt hat, sich selbst zu verstehen und zu akzeptieren, kann auch andere in ihren Handlungen und Gefühlen verstehen. Wer Sicherheit (über sich selbst) gewonnen hat, kann sich auch trauen, sich anderen - Menschen wie Einflüssen – zu öffnen, kann die Rechte und Bedürfnisse anderer respektieren und diese als relevant für das eigene Leben erkennen.
  3. Indirekt schafft die Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit auch eine Grundlage, die Lernen leichter macht: Ein Kind, das mit sich selbst und mit anderen im Reinen ist, hat vermutlich mehr Aufmerksamkeit für das Erlernen kultureller Fertigkeiten übrig, als ein Kind, das sich mit massiven zwischenmenschlichen Konflikten konfrontiert sieht. Wer sich selbst gut kennt, um seine Schwächen weiß, aber auch um seine Stärken, wer erlebt hat, das auch aus Fehlern gelernt werden kann und auch andere Menschen fehlerhaft sind, kann vermutlich großzügiger auf seine Schwächen sehen und mit Misserfolgen besser umgehen. Er kann eine Frustrationstoleranz entwickeln, die es den Mut zum Lernen entdecken und auch dann beibehalten lässt, wenn mal etwas schief geht oder andere besser oder schneller sind. Schließlich können Kinder im Entdecken ihrer Selbst auch das Entdecken selbst lernen, das Fragen stellen und Infrage stellen, können Neugier entwickeln und so schließlich den Spaß am Lernen, der eine wichtige Voraussetzung für gelingendes Lernen ist.

Das Thema „Was ich schon kann“ eignet sich in diesem Sinne besonders gut zum Kennen lernen der eigenen Fähigkeiten und zum Erkennen, dass wirklich jeder etwas kann. Besonders für FörderschülerInnen ist diese Erkenntnis durchaus nicht selbstverständlich und wird als sehr gewinnbringend erlebt, da für unsere Schülerklientel die Auseinandersetzung mit sich selbst häufig ungewohnt ist, wohingegen Misserfolgserlebnisse und das Stoßen an die eigenen Grenzen zum Alltag gehören. Aufgrund der damit verbundenen Frustration kann Unterricht angstbesetzt sein, wird Lernen oft gar nicht erst versucht, werden Strategien entwickelt (z.B. Verweigerung oder Stören), um den dabei erwarteten Misserfolgen vorzubeugen. Ein gesundes, positive Selbstbild kann auf dieser Grundlage nicht entstehen. Dieser Themenaspekt ermöglicht also besonders intensiv das Erleben von Erfolgserlebnissen.

Der Themenbereich „Sinne“ bietet eine Vielzahl von Erlebnissen und Erfahrung, die neugierig machen, Selbstverständliches infrage stellen, erforschen und entdecken lassen im o.g. Sinne. Im Erleben der eigenen Sinne kommt noch eine weitere „Lernhilfe“ hinzu: Lernen mit den Sinnen ist ein ganzheitliches Lernen, das Lernen einfacher, intensiver, einprägsamer macht.1 Gemeint ist hier ein Lernen, dass aktiv geschieht, das selbst (sinnlich) erfahren und erlebt wird. In der sinnlichen Wahrnehmung wird hier die Voraussetzung für jegliches geistige Verständnis gesehen.2 Lernen durch die Sinne geschieht ganz von selbst und immerzu, lange vor der Fähigkeit, das so Erlebte und Gelernte in Worte zu fassen und gezielt zu hinterfragen. Sinneserfahrungen lassen autodidaktisches Lernen zu, wecken Neugier, erregen die Aufmerksamkeit. Sie entsprechen dem menschlichen Bedürfnis – insbesondere dem von Kindern – und helfen durch ihre Unmittelbarkeit und Erfahrbarkeit beim Lernen. Sie können aber auch Auslöser für unsere Gefühle sein, können mitentscheiden, ob wir uns in einer (Lern-)Situation wohl oder unwohl fühlen. So selbstverständlich sinnliches Wahrnehmen aber auch geschieht, so wichtig ist es dennoch, sich darin zu üben, sich sinnliche Erlebnisse und deren Wirkung auf Gefühle und Vorstellungen bewusst zu machen. Gerade SchülerInnen der Förderschule entstammen häufig einem reizarmen Umfeld, in dem ihre Sinne wenig gefördert und gefordert, ihre Neugier und Lernbereitschaft wenig geweckt wird. Die sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeit verkümmert hierdurch, ebenso wie sie durch Übung oder Fokussierung (beispielsweise bei Ausfall eines Sinnesorgans) sensibilisiert wird. Häufiges Fernsehen oder Computerspielen, seltene Ortswechsel und wenig Bewegung – alles Aspekte, die Passivität fördern, das Erkennen von Zusammenhängen erschweren, den für die Entwicklung ebenfalls wichtigen Erziehungsaspekt vernachlässigen und einzelne Sinne einseitig ansprechen oder sie gar überfordern – verstärken die Verkümmerung der sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeit massiv.3
Eine Thematisierung der Sinne zu Beginn der Schullaufbahn ist also sinnvoll und notwendig, wenn sie zum einen Erlebnissen und Erfahrungen mit den eigenen Sinnen ermöglicht und zum anderen hilft, aufmerksam und sensibel für Sinneswahrnehmungen zu werden und sich darin zu üben.

 

2. Bedingungsanalyse

2.1. Die aktuelle Klassensituation

Die Klasse 1/2 befindet sich zur Zeit in einer Neuorientierungsphase. Während das Schuljahr 04/05 ruhig mit nur fünf Kindern begann, wovon drei bereits im Vorjahr die Klasse besuchten, werden es zum Zeitpunkt der hier beschriebenen Unterrichtssequenz acht sein. Die so erst im Januar 2005 zusammengesetzte Klasse ist auch ansonsten bunt gemischt: Zu ihr gehören vier Mädchen und vier Jungen, fünf Zweitklässler und drei Erstklässler, zwei Christen und sechs Muslime, ein deutsches Kind, ein polnisches, ein jugoslawisches, zwei türkische und drei albanische. Die Kinder sind zwischen 7 und 9;11 Jahren alt.

[...]


1 Vgl. z.B.: Zitzlsperger, Helga: Ganzheitliches Lernen. Welterschließung über alle Sinne. Weinheim 1995; Schilling, Klaus: Wege ganzheitlicher Bibelarbeit. S. auch die Forderung Pestalozzis nach einem „Lernen mit Kopf, Herzu und Hand“. Vgl. Comenius, Locke, Rousseau, u. a., z.B. nach: Zimmer 1995.
2 Das erste menschliche Lernen geschieht durch sinnliche Wahrnehmung: Das Interesse an sinnlich wahrnehmbaren Reizen lässt sich bereits beim Embryo beobachten.
3 Zu diesem Abschnitt vergleiche z.B.: Zimmer 1995.


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