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Interreligiöses Lernen - Vorausetzungen, Ziele, Konzepte

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 29 Pages
Author: Britta Wirth
Subject: Theology - Didactics, Religion Pedagogy

Details

Event: Konzepte des Religionsunterrichts - Planung
Institution/College: Ruhr-University of Bochum (Kath. Theologische Fakultät)
Tags: Interreligiöses, Lernen, Vorausetzungen, Ziele, Konzepte, Religionsunterrichts, Planung
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 29
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 26  Entries
Language: German
Archive No.: V41602
ISBN (E-book): 978-3-638-39834-3

File size: 241 KB


Excerpt (computer-generated)

 

Ruhr-Universität Bochum
Kath. Theologische Fakultät
Fachstuhl für Moraltheologie

HS: Konzepte des Religionsunterrichts – Planung

WiSe 2004/05

Interreligiöses Lernen
-
Voraussetzungen, Ziele, Konzepte

Britta Wirth

 

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung 3

2. Multikulturelles Deutschland 5

3. Die Stellung der katholischen Kirche zu den nicht-christlichen Religionen 8

4. Richtlinien des kath. Religionsunterrichts in der BRD 10

5. Warum interreligiöses Lernen?  11

6. Interreligiöses Lernen als Aufgabe des Schulunterrichts  13
6.1 Vorraussetzungen und Regeln für einen erfolgreichen Dialog 14
6.2 Exklusivismus, Inklusivismus, Pluralismus  15
6.3 Unterrichtsgestaltung 17
6.4 Unterrichtskonzept: Christentum – Islam 22
6.5 Grenzen des Interreligiösen Lernens 24

7. Ausblick 26

8. Literaturverzeichnis  27

 

 

1. Einleitung


„Versammelt hier, in Assisi, haben wir gemeinsam über den Frieden reflektiert, der Geschenk Gottes und Gut der gesamten Menschheit ist. Auch wenn wir unterschiedlichen religiösen Traditionen angehören, bekräftigen wir, dass es zum Aufbau des Friedens nötig ist, den Nächsten zu lieben und die Goldene Regel zu beachten: ,,Tu dem anderen das, was Du willst, das dir getan wird. In dieser Überzeugung werden wir nicht müde, in der großen Baustelle des Friedens zu arbeiten und dazu halten wir fest…“1

Hier, beim Friedensgebet in Assisi (1986) hat Papst Johannes Paul II einen bedeutenden Schritt in Richtung interreligiöses Miteinander getan. Damit, und mit dem Zitieren heiliger Verse aus dem Koran, gibt er ein wichtiges Handlungsbeispiel nicht nur für alle Christen.2 Die Bedeutung dieser Symbolhandlung wird deutlich, wenn man unsere heutige Gesellschaft betrachtet, welche von einer Koexistenz vielfältiger Kulturen geprägt wird. In einer pluralistischen Gesellschaft zu leben bedeutet von verschiedenen Lebensentwürfen der unterschiedlichen Kulturen umgeben zu sein, von ihren Traditionen, ihren Sprachen, ihren Religionen. Dies hat vor allem einen großen Einfluss auf die heranwachsende Generation, weshalb auch die Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen auf die Pluralität der Gesellschaft eingehen muss. Hier kommt insbesondere der Institution Schule und mit ihr dem Religionsunterricht eine bedeutende Möglichkeit zu auf dieses Thema einzugehen. Allerdings steht er zugleich vor dem großen Problem sein Lernziel, die Glaubenssätze und Intentionen der eigenen Religionsgemeinschaft, zu vermitteln 3 und doch zugleich Kenntnisse und ein Verständnis für die anderen Religionen zu entwickeln. Wie dies im katholischen Religionsunterricht geschehen kann, soll Gegenstand dieser Hausarbeit sein. Zu Beginn dieser Arbeit wird die Entwicklung Deutschlands hin zu einem multikulturell geprägten Land vorgestellt.

Im Anschluss daran wird die Stellung der Kirche zu den nicht-christlichen Religionen geklärt.

Daraufhin werden die Verfassungsgrundlagen des konfessionell gebundenen Religionsunterrichts vorgestellt, um einen Ausgangspunkt für den weiteren Umgang mit dem interreligiösen Diskurs zu geben.

Dann wird auf das interreligiöse Lernen als pädagogische Aufgabe eingegangen. Hier werden Regeln und Vorraussetzungen für eine Interaktion zwischen den Religionen vorgestellt und welche Methoden des interreligiösen Lernens es gibt. Anschließend werden einige Möglichkeiten bezüglich der Gestaltung eines interreligiösen Religionsunterrichts aufgezeigt. Interreligiöses Lernen umfasst die Begegnung aller vorhandenen Religionen. So beschreibt dieser Begriff nicht nur die Beziehung zwischen den drei großen Monotheistischen Religionen Christentum, Islam und Judentum, sondern bezieht auch die indischen Glaubensgemeinschaften des Buddhismus und Hinduismus und des weiteren die chinesischen Religionen Daoismus und Konfuzianismus mit ein. Im Hinblick auf die interreligiöse Schulpädagogik im Religionsunterricht deutscher Schulen wird diese Arbeit auf den Islam und das Judentum fokussieren, da diese Religionen nebst dem Christentum am Häufigsten in unserer Gesellschaft vertreten sind und somit den intensivsten Konfliktstoff bieten. Gerade hier muss interreligiöse Bildung ansetzen, um in der Bundesrepublik Deutschland ein fried- und respektvolles Miteinander zu ermöglichen. Deshalb wird anschließend ein christlich-islamisches Unterrichtskonzept vorgestellt werden.

2. Multikulturelles Deutschland

Ehemals ein politischer Tarnbegriff eines Einwanderungslandes, bezeichnet ‚multikulturelle Gesellschaft’ heute das Zusammenleben verschiedener ethnischer Gruppen, die aus Migranten und Einheimischen bestehen und in der BRD leben. Interkulturalität bezeichnet dabei jene sozialen Ebenen, in denen eine Interaktion zwischen Migranten und Einheimischen notwendig ist.4 Multikulturell ist daher also als ein eher deskriptiver Begriff zu bezeichnen5. Zwischen 1955 und 1973 zeichnete sich eine verstärkte Migration von Arbeitskräften, besonders aus dem Mittelmeerraum ab. Doch im Gegensatz zu früheren Immigranten ist hier durch immer günstiger werdende Reisemöglichkeiten und der verbesserten Infrastruktur ein neuer Wanderungstyp entstanden. Ganze Familien siedelten, oft kurz entschlossen, auf der Suche nach Arbeit um und wurden in der BRD sesshaft. Aus diesem Grund leben sie heutzutage, oft bereits in der 2. oder 3. Generation hier in Deutschland. So betrug der Anteil ethnischer Minderheiten im Jahr 1998 bereits 11%, was etwa 6,5 Millionen Ausländern entspricht6

Dies bedeutet oft eine Verwischung und Vermischung der deutschen und fremdländischen Kulturen. So gibt es kein rein homogenes katholisches oder evangelisches Milieu mehr wie es zuvor in der BRD der Fall war.7 Hinzu zu der bereits bestehenden, natürlichen, kulturellen Divergenz zwischen der älteren Bevölkerungsschicht und den Jugendlichen, man bedenke die Unterschiede, die bereits zwischen einem 40jährigen Sozialarbeiter und einem jugendlichen Punk oder Techno-Fan bestehen gesellen sich also die kulturell bedingten Unterschiede zwischen den einzelnen Völkergruppen8

Anfangs wurde versucht die Immigranten durch Assimilation in die Gesellschaft einzugliedern, kaum Wert wurde hierbei auf ihre Wurzeln, also Lebensweisen, Traditionen, Kulturen und Religionen gelegt. Im Gegensatz zu den Immigranten zu Anfang des 20. Jahrhunderts wollten sie sich jedoch nicht bedingungslos anpassen und hielten ihre Kultur aufrecht. Die nachfolgende Generation wuchs also in zwei parallel existierenden Kulturen auf.9

[...]


 

1 Internetdokument: http://www.haus-der-stille.at/Impulse/assisi-friedensgebet.htm, Zugriff am: 5.Juni 2005

2 Göllner, Reinhard, „Interreligiöses Lernen: Überforderung oder Chance für den Religionsunterricht?“, in: Das Christentum und die Weltreligionen, Reinhard Göllner, (Münster, 2000), S. 160

3 Die dt. Bischofskonferenz, Die bildende Kraft des Religionsunterrichts – Zur Konfessionalität des katholischen Religionsunterrichts, (Bonn, 1996), S. 68

4 Barth, Wolfgang, „Interkulturelle Gesellschaft“, in: Interkulturelles Lernen – Arbeitshilfen für die politische Bildung, Ulrich Dovermann, (Bonn, 2000), S. 10f

5 Strasser, Hermann, Köster, Claudius R., „Die deutsche Geburt der multikulturellen Gesellschaft. Politische Zwänge und soziale Grenzen“, in: Vom religiösen zum interreligiösen Lernen: Wie Angehörige verschiedener Religionen und Konfessionen lernen; Möglichkeiten und Grenzen interreligiöser Verständigung, Folckert Rickers, Eckart Gottwald (Hrsg.), (Neukirchen-Vluyn, 1998), S.27

6Vgl. ebd., S. 14

7 Hamburger, Franz, „Die fremden Kinder – Zur pädagogischen Reflexion von Migrationsfolgen“, in: Kinder am Ende ihres Jahrhunderts, Ullrich Heiner u. a. (Hrsg.), (Langenau-Ulm, 1991), S. 36

8 Barth, Wolfgang, „Interkulturelle Gesellschaft“, S. 14f

9 Leimgruber, Stephan, Interreligiöses Lernen, (München, 1995), S. 20


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