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Termpaper, 2004, 18 Pages
Author: Anna Rosenberg
Subject: Jewish Studies
Details
Institution/College: University of Erfurt
Tags: Wandel, Selbstdarstellung, Westen, Rasse, Geschlecht, Kulturelle, Konstruktionen, Körpers
Year: 2004
Pages: 18
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-39857-2
File size: 621 KB
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Excerpt (computer-generated)
Seminar Studium Fundamentale:
„Körper, Rasse und Geschlecht“
Kulturelle Konstruktionen des jüdischen Körpers
Der Wandel jüdischer Selbstdarstellung im Westen
von
Anna Rosenberg
08.07.04
Juden waren seit jeher Kopfmenschen, intellektuelle Gelehrte der Thora, der Heiligen Schrift. Sie wurden nicht selten als unsichtbare Menschen betrachtet, die nicht die Fähigkeit besaßen sich visuell, z.B.: in der Kunst auszudrücken. So machte das Christentum sich selbst zur Religion der Liebe, während es das Judentum als Religion des Gesetzes abstempelte. Die Debatte über Judentum und Kunst nahm im Laufe der Zeit zu. Juden wurde die Unfähigkeit der künstlerischen Expression in höchstem Maße nachgesagt, was dazu führte, dass Meinungen aufkamen, die Judentum und Kunst als zwei Antipole betrachteten. Aus Selbstschutz und Stolz wurde das Vorurteil von einigen Lagern akzeptiert und in eine positive Eigenschaft umgewandelt, so sah sich das Judentum als eine Religion, die sich mit wichtigeren Dingen beschäftigt, die höhere Wertvorstellungen und Prinzipien hat, die dem Spirituellen mehr Wert beimisst als dem Materiellen.
Im Christentum spielt die Sichtbarkeit, die Darstellung des Menschen eine herausragende Rolle. Während der Christ in allen Lebenssituationen dargestellt wird, während sogar religiöse Persönlichkeiten sichtbar gemacht werden, während sogar der Gott selbst am Kreuz hängend gesehen werden kann, hat diese Visualität im Judentum wenig Bedeutung.1 Durch Darstellungen werden Emotionen erzeugt. Ein leidender Christus erweckt Mitleid, Schuldgefühle und Dankbarkeit durch die Generationen von Christen zum Glauben bewegt wurden. Im Judentum hingegen ist das Wort, die Sprache zur religiösen Kommunikation und Überlieferung von größter Bedeutung. Dieser Unterschied wird schon in der unterschiedlichen Auslegung der Zehn Gebote offensichtlich, so besagt das erste und das zweite Gebot des Alten Testaments:
„Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“
„Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten“2
Die Auslegung des ersten und zweiten Gebotes von Dr. Martin Luther, beinhaltet andere Aussagen:
„Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“
„Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.“3
Diese verschiedenen Interpretationen der Gebote sind auch für befremdliches Aufeinanderprallen von Christen und Juden verantwortlich. Lange Zeit galt, und gilt vielleicht noch heute, für das Judentum das Christentum als eine paganistische Religion. Dieser Vorwurf wurde allerdings aus Angst vor Pogromen und Verfolgung nur leise geäußert.
Die Abwesenheit eines Abbildes des jüdischen Gottes führte zu einer stärkeren Anbindung an den Text, die fehlende Körperlichkeit versuchte man durch die Schrift auszugleichen. Allerdings gab es auch im Judentum Strömungen die versuchten, diesen Mangel an Visualität auszugleichen, wie zum Beispiel der Kabbalismus, der auf die verschiedenste Art und Weise versuchte, den Gott zu visualisieren.
Aber es gab auch radikale Lager wie die Maimoniden, die allein schon die Vorstellung eines Gottes in körperlicher Gestalt als ketzerisch empfanden. Letztere Bewegung hatte großen Einfluss auf das Judentum.4
Die Diaspora und die daraus resultierende Integration der Juden in der Moderne führte, vor allem im Westen, nun zu einer neuen Visualität des Judentums, die danach strebte, das Selbstbild, die Identität zu erhalten und vor allem für andere sichtbar zu machen. Zudem war die Revolution der Printmedien ein weiterer Faktor, der der ganzen Welt eine neue Anschaulichkeit verlieh.5 Bildnisse und Kunst wurden zu neu entdeckten Kommunikationsmittel, die Traditionen und Erinnerungen überlieferten. Das Judentum versuchte durch diese neue Verhaltensweise einen Ausgleich der jüdischen Identität in einer europäischen Gesellschaft zu finden.
[....]
1 Cohen, Richard I.: Representations of the jewish body in modern times-forms of hero worship. In: Assmann, Jan; Baumgarten, Albert I. (Hg): Representation in religion. Studies in honor of Moshe Barasch. Leiden, Boston, Köln 2001. S.237-276.
2 Lehmann; Petersen (Hg): Die Bibel. In Auswahl für Schule und Heim. Mit Zeichnungen von E.M. Lilien. Braunschweig, Berlin 1913.
3 Ebd.
4 Cohen, Richard I.: Representations of the jewish body in modern times-forms of hero worship.
5 Cohen, Richard I: Jewish Icons. Art and Society in Modern Europe. London 1998. S.26ff.
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