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Details

Veranstaltung: "Rule Britannia"? Das britische Empire von 1650 bis ca. 1850
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München
Tags: Sklaven, Markt, Handel, Sklaven, Rule, Britannia, Empire
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 19
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 222 KB
Archivnummer: V41664
ISBN (E-Book): 978-3-638-39882-4
ISBN (Buch): 978-3-638-77258-7
Anmerkungen :
Es handelt sich in der Arbeit nicht um Sklavenhandel, sondern um den Handel mit Waren aller Art, den die Sklaven selbst betrieben und durch den sie ein Stück mehr Unabhängigkeit erlangten.

Zusammenfassung / Abstract

„Phibbah, one of Thistlewood´s favourite slaves, was so astute in her business transactions that she accumulated a great deal of cash. She bought and sold animals and goods, and occasionally lent sizeable sums to her master and owner.” Diese Aussage, die ich in Vorbereitung auf ein Referat in James Walvins Buch „Black Ivory“ fand, weckte mein Interesse. Es war mir neu, dass Sklaven Handel treiben konnten, ganz zu Schweigen von der Tatsache, dass damit scheinbar ein kleines Vermögen zu verdienen war. Teilweise schienen die Sklavenhalter in die Geschäfte ihrer Sklaven eingeweiht oder sogar daran beteiligt zu sein. Ziel meiner Arbeit ist es, herauszufinden, in wie weit Handel tatsächlich ein Bestandteil des Sklavenlebens war, womit gehandelt wurde, wer handelte u.s.w. Hier tat sich für mich eine völlig neue Welt auf, die mein bisheriges Bild des Plantagenlebens veränderte. Von Phibbah inspiriert habe ich mich entschieden, mich bei der Recherche auf die karibische Region zu beschränken, und zwar zur Zeit des British Empire, also von der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts bis zur Mitte des neunzehnten.

Textauszug (computergeneriert)

 

Ludwig- Maximilians- Universität München
Fachbereich Neue und Neuere Geschichte

Proseminar: „Rule Britannia?“ Das britische Empire 1600- ca. 1850
WS 2004/05

Die Sklaven und der Markt

von
Davina Nweze

M.A.:
Politische Wissenschaft / Ethnologie / Neue und Neuere Geschichte
01. Fachsemester
München, den 10. April.2005

 

 

INHALT 


I. Einleitung 3


II. Die allgemeine Lebenssituation der Sklaven und ihre wirtschaftliche Lage


1. Die Bedeutung von Sklavenarbeit für das Empire 5
2. Das Leben der Sklaven auf der Zuckerrohrplantage
2.1. Allgemeine Lebenssituation 6
2.2. Sklavendorf und Küchengarten als zentrale Basis der internen Sklavenwirtschaft 8

III. Möglichkeiten der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage

1. Verdienstmöglichkeiten 10
1.1. Belohnungen, Entschädigungen und Geschenke 10
1.2. Diebstahl 12
2. Auf dem Markt 12

IV. Was konnte die Wirtschaft im Leben der Sklaven wirklich verändern? 16

V. Literaturverzeichnis 19

 

 

I. Einleitung


„Phibbah, one of Thistlewood´s favourite slaves, was so astute in her business transactions that she accumulated a great deal of cash. She bought and sold animals and goods, and occasionally lent sizeable sums to her master and owner.”1

Diese Aussage, die ich in Vorbereitung auf ein Referat in James Walvins Buch „Black Ivor y“ fand, weckte mein Interesse. Es war mir neu, dass Sklaven Handel treiben konnten, ganz zu Schweigen von der Tatsache, dass damit scheinbar ein kleines Vermögen zu verdienen war. Denn wie sonst hätte es Phibbah möglich sein können, Geld an ihren Herrn zu verleihen? Stellte Phibbah eine Ausnahme dar, oder konnte es sein, dass es Sklaven generell erlaubt war, Handel zu treiben? Geht man einmal davon aus, dass die Möglichkeit des Handels nicht nur in Ausnahmefällen gegeben war, so führt dies zu einer Reihe weiterer interessanter Fragen: Wer durfte handeln? Phibbah war, wie ich im weiteren Verlauf herausfand, eine weibliche Sklavin auf der Worthy Park Plantage auf Jamaica. War Handel begrenzt auf ein bestimmtes Geschlecht oder eine bestimmte Region?

Wo wurde gehandelt und womit? Das Zitat erwähnt Tiere und „Güter“, ohne dies jedoch weiter zu spezifizieren. Und woher erhielten die Sklaven ihre die Handelswaren?

Ein weiterer Aspekt dieses Themas ist die Frage, in wie weit die Sklavenhalter in die Geschäfte ihrer Sklaven eingeweiht oder sogar daran beteiligt waren. Da Phibbah Geld an ihren Herrn verliehen hat, muss dieser von ihren Aktivitäten gewusst haben und damit einverstanden gewesen sein. War das in jedem Fall so? Und welches Motiv hatten die Plantagenbesitzer, ihren Sklaven so viel Freiheit und Unabhängigkeit zu erlauben? Mussten sie nicht befürchten, dass der Handel letztendlich zu Flucht oder Widerstand führen könnte? Wem erlaubten sie diese Freiheit? Und zu welchen Veränderungen führte die verbesserte wirtschaftliche Lage in Bezug auf die Lebensumstände der schwarzen Sklaven?

Von Phibbah inspiriert habe ich mich entschieden, mich bei der Antwortsuche auf meine Fragen auf die karibische Region zu beschränken, und zwar zur Zeit des British Empire, also ca . von Mitte des siebzehnten Jahrhunderts bis Mitte des neunzehnten.

Zwei Bücher schienen mir als Grundlage für meine Arbeit am geeignetsten zu sein: Zum einen das Buch „Black Ivory – Slavery in the British Empire“ von James Walvin. Der Autor beschreibt darin ausführlich alle Stationen, die das Leben schwarzafrikanischer Sklaven üblicherweise charakterisierten. Wichtig waren für mich vor allem die Kapitel über das Arbeitsleben, in denen Walvin einen Überblick über den Tagesablauf der Sklaven vermittelt, sowi e ihre Lebenssituation genauer beleuchtet.

Für den zweiten Teil meiner Arbeit lieferte mir besonders Roderick McDonald´s Buch „The economy and material culture of slaves: goods and chattels on the sugar plantations of Jamaica and Louisiana“ die wichtigsten Informationen und Antworten auf die meisten meiner Fragen. Entsprechend der von mir ausgewählten Lektüre entschied ich mich, zunächst auf das Alltagsleben der schwarzen Sklaven einzugehen, ihre Arbeits- und Freizeiten zu untersuchen und dabei vor allem den wirtschaftlichen Hintergrund im Auge zu behalten. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Besitzverhältnisse vorhanden waren und auf welcher Basis sie entstanden. Im zweiten Teil der vorliegenden Arbeit werde ich genauer darauf eingehen, welche Möglichkeiten es für die Sklaven gab, zu Besitz zu kommen und welche Rolle dabei ihre Herren spielten. Zentral ist der Handel auf dem Markt, der die wichtigste Bühne der internen Sklavenwirtschaft war.

Ich habe zu Beginn viele Fragen gestellt und werde sie alle im Folgenden beantworten. Im Mittelpunkt steht jedoch stets eine einzige Vermutung, die ich habe, und für deren Wahrheitsgehalt ich Belege anführen werde: In den meisten landläufigen Werken, die das Leben der schwarzen Sklaven behandeln, steht deren Leid und die unerträgliche Härte ihres Lebens im Vordergrund, sodass, wie ich glaube, nicht nur bei mir der Eindruck entstand, das Sklavenleben bestünde ausschließlich aus harter Arbeit, grausamer Bestrafung, Vergewaltigung und dem beständigen Wunsch des Sklaven nach Freiheit.

Erst durch oben angeführtes Zitat stellte sich mir die Frage, ob es neben den genannten Grausamkeiten auch noch ein anderes Leben geben konnte, ein Leben, in dem es dem Sklaven in gewissen Grenzen möglich war, seine Situation aktiv selbst zu gestalten und zu verbessern, in dem er die Freiheit hatte, auf Märkte zu gehen und Gewinne zu machen, um wiederum damit seine Familie besser zu ernähren, ein Leben, in dem der Sklavenhalter das Eigentum seines „Eigentums“ akzeptierte, Besitzverhältnisse sogar unterstützte und in dem der Sklave weit mehr Möglichkeiten zur Selbstbestimmung hatte, als uns entsprechende Werke Glauben machen wollen.

[...]


1 WALVIN, James: Black Ivory. Slavery in the British Empire. Oxford, 2001. S. 72.

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