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Erna Lendvai-Dircksen - Modernes Sehen in Deutschland nach 1933?

Autor: Sonja Longolius
Fach: Kunst - Fotografie / Film

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 20
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 24  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 195 KB
Archivnummer: V41729
ISBN (E-Book): 978-3-638-39936-4
ISBN (Buch): 978-3-638-77260-0

Zusammenfassung / Abstract

Es ist unbestreitbar, dass die Zeit des Nationalsozialismus eine Zäsur der modernen Entwicklung aller Künste in Deutschland darstellte. Die deutsche Kunst im Nationalsozialismus wendete sich der konservativen Vergangenheit zu und negierte die Moderne, welche schlichtweg als "fremdländisch" verteufelt wurde. Dies galt für alle Ausdrucksformen der Kunst, von der modernen Malerei, die als "entartete" Kunst gebrandmarkt wurde, über den zeitgenössischen Film, bis hin zur Fotografie, deren moderne Ansätze der Neuen Sachlichkeit ebenfalls als unerwünschter "internationaler Stil" verschrien waren. Dennoch ist die Suche nach der Moderne in den Werken der Künstler, die während des Dritten Reichs gearbeitet haben, lohnenswert, da bei einigen wenigen von ihnen eine gewisse Kontinuität, ja vielleicht sogar eine Weiterentwicklung moderner Tendenzen festzustellen ist. Die Arbeit "Erna Lendvai-Dircksen - Modernes Sehen in Deutschland nach 1933?" beschäftigt sich mit der Fotografin Erna Lendvai-Dircksen und geht anhand ihrer theoretischen Texte und fotografischen Portraitreihen der Frage nach, ob es ein modernes Sehen in Deutschland nach 1933 gab. Obwohl sich Lendvai-Dircksen in ihren theoretischen Texten vehement gegen die neuen Formen der modernen Fotografie aussprach, bediente sie sich in ihren eigenen Fotografien nichtsdestotrotz dieser Ausdrucksformen. Erna Lendvai-Dircksens fotografisches Auge war somit wesentlich moderner als ihr nationalkonservatives Gedankengut je sein konnte.

Textauszug (computergeneriert)

Freie Universität Berlin
Kunsthistorisches Institut
Pikturalismus & Neue Sachlichkeit. Photographie in der ersten Hälfte des 20. Jh.

Erna Lendvai-Dircksen
Modernes Sehen in Deutschland nach 1933?

eingereicht von:
Sonja Richter

Sommersemester 2004

 

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung ... 3-5

II. „Zur Psychologie des Sehens“ und gegen die Neue Sachlichkeit in der Fotografie ... 5-9

III. „Das deutsche Volksgesicht“ ... 10-15

IV. Konklusion ... 15-17

V. Epilog ... 18

VI. Bibliographie ... 19-20

VII. Abbildungen
i. E.L.-D.: Alter Fischer von der kurischen Nehrung, 1935 ... 21
ii. E.L.-D.: Masurischer Junge, 1935 ... 22
iii. E.L.-D.: Masurisches Mädchen, 1935 ... 23
iv. E.L.-D.: Spreewälder Altbäuerin, 1935 ... 24
v. August Sander: Konditor 1928 ... 25
vi. E.L.-D.: Alte Frau aus dem Westerwald, 1932 ... 26
vii. E.L.-D.: Frau aus der Mark Brandenburg, 1935 ... 27
viii. E.L.-D.: Junge Bäuerin aus dem hessischen Hinterland, 1935 ... 28

 

I. Einführung

Es ist unbestreitbar, dass die Zeit des Nationalsozialismus eine Zäsur der modernen Entwicklung aller Künste in Deutschland darstellte. Die deutsche Kunst im Nationalsozialismus wendete sich der konservativen Vergangenheit zu und negierte die Moderne, welche schlichtweg als „fremdländisch“ verteufelt wurde. Dies galt für alle Ausdrucksformen der Kunst, von der modernen Malerei, die als „entartete“ Kunst gebrandmarkt wurde, über den zeitgenössischen Film, bis hin zur Fotografie, deren moderne Ansätze der Neuen Sachlichkeit ebenfalls als unerwünschter „internationaler Stil“ verschrien waren. Dennoch ist die Suche nach der Moderne in den Werken der Künstler, die während des Dritten Reichs gearbeitet haben, lohnenswert, da bei einigen wenigen von ihnen eine gewisse Kontinuität, ja vielleicht sogar eine Weiterentwicklung moderner Tendenzen festzustellen ist. Meine Arbeit beschäftigt sich mit der Fotografin Erna Lendvai-Dircksen. Anhand ihrer theoretischen Texte und fotografischen Portraitreihen soll der Frage nachgegangen werden, ob es ein modernes Sehen in Deutschland nach 1933 gab.

Für eine solche Untersuchung eignen sich gerade die modernen Massenmedien wie Film und Fotografie hervorragend, denn zum einen waren beide Medien als technische Innovationen nahezu automatisch mit der Moderne verknüpft.1 Zum anderen stellte die „technische Reproduzierbarkeit“2 dieser neuartigen Medien sowohl erweiterte Möglichkeiten, als auch neue Herausforderungen an Ästhetik und Inhalt. Während des Nationalsozialismus wurden die Möglichkeiten der Massenmedien Film und Fotografie systematisch für Propagandazwecke missbraucht. Die künstlerischen Werke, die während dieser Zeit entstanden, müssen demnach stets unter Berücksichtigung von Inhalt und Form beurteilt werden. Hierbei ist bei den modernen Künstlern des Nationalsozialismus eine Divergenz zwischen rückwärtsgewandten Inhalten und modernen Formen zu beobachten. Viele dieser Künstler standen hinter den menschenverachtenden Ideologien des Nationalsozialismus.

[...]


1 So galten weder Fotografie noch Film anfänglich als neuartige Kunstformen, sondern vielmehr als technische Erfindungen, die sich in die Liste industrieller Entwicklungen einreihten. Die Fotografie wurde nach ihrer Erfindung in den 1830er Jahren zunächst vor allem als exaktes Abbild der Natur gefeiert. Über eine Annäherung zur Malerei durch den Pikturalismus gewann die Fotografie um die Jahrhundertwende mehr und mehr künstlerische Anerkennung. Erst nach 1900 erreichte sie jedoch einen eigenständigen Status als unabhängige Kunstform, der sich in den 1920er Jahren vor allem in den modernen Tendenzen des Neuen Sehens ausdrückte.

2 Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 2003.

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