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Das druckgraphische Werk Parmigianinos und seine unterschiedliche Behandlung in Vasaris Viten von 1550 und 1568

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 18 Pages
Author: Sonja Longolius
Subject: Art - Graphics / Illustration / Print

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 18
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V41731
ISBN (E-book): 978-3-638-39938-8
ISBN (Book): 978-3-638-77895-4
File size: 527 KB

Abstract

Vor allem das malerische Werk Parmigianinos ist in der Kunstgeschichte viel besprochen worden. Sein zeichnerisches und druckgrafisches Werk jedoch, das in Umfang und Qualität seinen anderen Arbeiten in nichts nachsteht, scheint erst in den letzten Jahrzehnten größeres Interesse erregt zu haben. Parmigianino war ein leidenschaftlicher Zeichner, was seine annährend tausend, noch heute erhaltenen Zeichnungen beweisen. Doch beließ es der mit dem 'disegno' begnadete Künstler nicht beim Malen und Zeichnen, sondern wandte sich ebenfalls den unterschiedlichen Techniken der Vervielfältigung zu, die ihm in der ersten Hälfte des Cinquecento zur Verfügung standen. Er selbst erlernte die Technik der Radierung und engagierte für die schwierigeren Vervielfältigungsmethoden, Kupferstich und Holzschnitt, Spezialisten, um seine Zeichnungen auch in diesen Medien reproduzieren zu können. Dabei ging es Parmigianino nicht nur um ein Vervielfältigen seiner Werke, sondern ebenfalls um eine intensive Beschäftigung mit unterschiedlichen Medien der Druckgrafik und ganz neuartigen Wirkungen, die mit diesen erzielt werden konnten. Obschon der Biograph und Kunsthistoriker Giorgio Vasari das Werk Parmigianinos mit großer Hochachtung und Wertschätzung beschreibt und in dem Künstler sogar den wiedergeborenen Geist Raffaels zu entdecken vermeint, stößt Parmigianinos Begeisterung und Interesse für experimentelle Methoden und die handwerklichen Künste auf Missfallen und Unverständnis. Seine Kritik an Parmigianinos unhöfischer Lebensführung und dessen Faszination für handwerkliche Experimente ist nicht zu übersehen. Interessanterweise verstärkt Vasari seine Kritik an Parmigianinos Künstlerauffassung in der erweiterten, zweiten Ausgabe seiner "Vita di Parmigianino", die achtzehn Jahre nach der ersten Ausgabe von 1550, erschien. Das druckgraphische Werk wird in der zweiten Ausgabe nur noch am Rande erwähnt, der Künstler selbst für sein Interesse an handwerklichen Experimenten angegriffen und diskreditiert. Diese Kritik wirft Fragen auf.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin
Kunstgeschichtliches Institut

„Clairobscur. Die Geschichte des Helldunkels in der Kunst vom 16. bis zum 19. Jhdt.“

Das druckgraphische Werk Parmigianinos
und seine unterschiedliche Behandlung in Vasaris Viten von 1550 und 1568

eingereicht von:
Sonja Richter

 März 2005

 

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung ... 3-4

II. Parmigianinos druckgraphisches Werk ... 5
i. Die Zusammenarbeit mit Giovanni Caraglio am Beispiel des Kupferstichs „Martyrium des heiligen Paulus und die Verurteilung des heiligen Petrus“ ... 6-7
ii. Die Zusammenarbeit mit Antonio da Trento am Beispiel des Chiaroscuro-Holzschnitts „Martyrium des heiligen Paulus und die Verurteilung des heiligen Petrus“ ... 8-9
iii. Die Zusammenarbeit mit Ugo da Carpi am Beispiel des Chiaroscuro-Holzschnitts „Diogenes“ ... 10-12
iv. Abschließende Betrachtung des druckgraphischen Werks Parmigianinos ... 12-13

III. Die unterschiedliche Beurteilung von Parmigianinos druckgraphischem Werk in Giorgio Vasaris Vita di Parmigianino von 1550 und 1568 ... 13-15

IV. Bibliographie ...  16

V. Abbildungen:
i. Giovanni Caraglio “Martyrium des heiligen Paulus und die Verurteilung des heiligen Petrus“ ... 17
ii. Antonio da Trento „Martyrium des heiligen Paulus und die Verurteilung des heiligen Petrus“ ... 17
iii. Ugo da Carpi „Diogenes“ ... 18
iv. Michelangelo „Moses“ ... 18

 

I. Einleitung

Vor allem das malerische Werk Parmigianinos ist in der Kunstgeschichte viel besprochen worden. Sein zeichnerisches und druckgrafisches Werk jedoch, das in Umfang und Qualität seinen anderen Arbeiten in nichts nachsteht, scheint erst in den letzten Jahrzehnten größeres Interesse erregt zu haben. Parmigianino war ein leidenschaftlicher Zeichner, was seine annährend tausend, noch heute erhaltenen Zeichnungen beweisen. Doch beließ es der mit dem disegno1 begnadete Künstler nicht beim Malen und Zeichnen, sondern wandte sich ebenfalls den unterschiedlichen Techniken der Vervielfältigung zu, die ihm in der ersten Hälfte des Cinquecento zur Verfügung standen.

Er selbst erlernte die Technik der Radierung und engagierte für die schwierigeren Vervielfältigungsmethoden, Kupferstich und Holzschnitt, Spezialisten, um seine Zeichnungen auch in diesen Medien reproduzieren zu können. Dabei ging es Parmigianino nicht nur um ein Vervielfältigen seiner Werke, sondern ebenfalls um eine intensive Beschäftigung mit unterschiedlichen Medien der Druckgrafik und ganz neuartigen Wirkungen, die mit diesen erzielt werden konnten.

Obschon der Biograph und Kunsthistoriker Giorgio Vasari das Werk Parmigianinos mit großer Hochachtung und Wertschätzung beschreibt und in dem Künstler sogar den wiedergeborenen Geist Raffaels zu entdecken vermeint,2 stößt Parmigianinos Begeisterung und Interesse für experimentelle Methoden und die handwerklichen Künste auf Missfallen und Unverständnis. Seine Kritik an Parmigianinos unhöfischer Lebensführung und dessen Faszination für handwerkliche Experimente ist nicht zu übersehen. Interessanterweise verstärkt Vasari seine Kritik an Parmigianinos Künstlerauffassung in der erweiterten, zweiten Ausgabe seiner Vita di Parmigianino, die achtzehn Jahre nach der ersten Ausgabe von 1550, erschien. Das druckgraphische Werk wird in der zweiten Ausgabe nur noch am Rande erwähnt, der Künstler selbst für sein Interesse an handwerklichen Experimenten angegriffen und diskreditiert. Diese Kritik wirft Fragen auf.

Vasaris Künstlerauffassung ist in der zweiten Ausgabe fest zementiert. Der wahre, mit dem disegno gesegnete Künstler hat sich „dem Studium der Malerei“ zu widmen und nicht experimentellen „Schrullen“. 3

[...]


1 Giorgio Vasari, Das Leben des Parmigianino, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 2004, S. 15

2 ebd., S. 21.

3 ebd., S. 15.


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