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Bollywood - Einblicke in den populären indischen Film

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 26 Pages
Author: Julia Schubert
Subject: Communications: Movies and Television

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 26
Grade: 2
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V41795
ISBN (E-book): 978-3-638-39987-6

File size: 258 KB


Excerpt (computer-generated)

Bollywood - Einblicke in den populären indischen Film

von: Julia Schubert

 


Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung 2

1 Kulturelle und religiöse Hintergründe und Einflüsse 3

1.1 Religion und Mythologie 3
1.2 Theater, Tanz, Musik und Malerei 5

2 Filmgeschichte 7

2.1 Von den Anfängen bis in die 20er Jahre 7
2.2 Vom ersten Tonfilm bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 8
2.3 Von der Unabhängigkeit Indiens bis Ende der 60er – Das Goldene Zeitalter 9
2.4 Die 70er und 80er Jahre 10
2.5 Indischer Film in den 90er Jahren 11

3 Typisch Bollywood – Was die Produkte aus Bombays Filmfabrik ausmacht 13

3.1 Masala- und Formula Film 13
3.2 Tanz und Musik 15
3.3 Die Figuren in den Filmen 17

3.3.1 Männliche Figuren 17
3.3.2 Weibliche Figuren und das Frauenbild 19

4 Der Hindifilm und die indische Gesellschaft 21

4.1 Das Starsystem 21
4.2 Tradition und Moderne 22

5 Schlussbemerkung 23

6 Literatur 25


 

0 Einleitung

Der Begriff Bollywood als Bezeichnung für das indische Kommerzkino tauchte zum ersten Mal in den 80er Jahren in dem indischen Filmmagazin Cineblitz auf (Alexowitz, 2003, S.18). Seitdem werden die populären Filme, die in Bombay (bzw. nach dessen Umbenennung in Mumbai) produziert wurden mit diesem Spitznamen, der eine Mischung aus den Wörtern Bombay und Hollywood darstellt, benannt – ob nun mit positiver oder negativer Konnotation. Im Jahre 2001 fand dieser Terminus mit seiner Eintragung in das Oxford English Dictionary letztlich die offizielle Anerkennung der englischen Sprachwelt (Ganti, 2004, S.2). Das Bollywood- oder auch Hindikino ist demzufolge ein Bestandteil der englischsprachigen und damit westlichen Kultur geworden.

In Indien selbst hat der Film und speziell der Mainstreamfilm aus Bombay eine lange Erfolgslaufbahn hinter sich. Nachdem das Medium vor mehr als 100 Jahren durch Vorführungen von Aufnahmen der Brüder Lumière auf dem Subkontinent eingeführt worden war, wurde es zum Massenmedium und zur beliebtesten Freizeitbeschäftigung der indischen Bevölkerung aller Klassen. Millionen von Zuschauern sehen täglich in den ca. 12.000 Abspielstätten die beliebten Filme. Indien produziert jährlich an die 800 Kinofilme, von denen 150 bis 200 von der Filmindustrie in Bombay hergestellt werden. Die Beliebtheit und Masse der Filme in allen Erdteilen macht den Hindifilm zum meistgesehenen Film der Welt (Alexowitz, 2003, S. 17). Die vorliegende Arbeit wird sich näher mit dem Phänomen Bollywood beschäftigen. 1 Fragen nach den kulturellen und religiösen Hintergründen und der Filmgeschichte sowie nach den typischen Merkmalen und der Rolle dieser Filme in der indischen Gesellschaft sollen beantwortet werden.

1 Kulturelle und religiöse Hintergründe und Einflüsse

1.1 Religion und Mythologie

Schon allein wegen seiner territorialen Größe ist Indien ein Land, das von vielen Gegensätzen und Unterschieden geprägt ist, welche religiöser, ethnischer, linguistischer und regiona ler Art sind. In Indien leben mehr als 1 Milliarde Menschen, es gibt mehr als 1.600 Sprachen bzw. Dialekte (davon 18 offizielle) und verschiedene Konfessionen (82 % Hindus, 12 % Moslems, 1 % Buddhisten, 1 % Sikhs, 0,5 % Jainas und 3,5 % andere, vor allem Christen, Baha′i, Parsen) (Wikipedia, 2005). Die indische Kultur ist geprägt vom Zauber der Geschichten. Die Bollywoodfilme sind in der Lage eine multikulturelle, kosmopolitische Atmosphäre zu erschaffen, in der die gravierenden Unterschiede überwunden werden (Alexowitz, 2003, S. 19- 21). Sie beziehen sich auf die gemeinhin bekannten großen Epen der indischen Kultur und wurden vor allem durch die Theatertraditionen des Landes geprägt. Das Leben in Indien ist hauptsächlich durch die religiösen und musikalischen Traditionen geprägt. Eine kulturelle, sprachliche und politische Annäherung der Menschen in Indien wurde ermöglicht, da die Filme in der von einer Großzahl der Bevölkerung gesprochenen Sprache Hindi (ein Drittel) präsentiert werden und auch, weil in ihnen Gesang, Tanz und Musik als übergreifende Elemente verwendet werden. Außerdem trägt auch die Verbindung von Bildern und Symbolen aus traditionellen regionalen Kulturen mit modernen westlichen Themen und dem aktuellen Zeitgeschehen in Land und Gesellschaft zum einigenden Charakter des Kinos aus Bollywood bei (Alexowitz, 2003, S. 21-25).

Die Einflüsse der indischen Mythologie sind auf die zwei großen, Jahrtausende alten Epen – das Mahabharata und das Ramayana – zurückzuführen. Im Hinduismus2 gibt es unzählige Götter und Halbgötter, die allerdings mit typisch menschlichen Eigenschaften ausgestattet sind. „Sie sind eifersüchtig und verliebt, streiten, spielen, kämpfen, kennen Rachsucht und Versöhnung.“ (Wenner, 2002, S. 23) Die Menschen in Indien wachsen mit den Geschichten aus den beiden Epen auf. Im Mahabharata werden Geschichten von Göttern, Helden, und Heiligen erzählt. Diese beinhalten den ständigen Kampf von Gut gegen Böse. In diesem Epos geht es vor allem um menschliche Dramatik, tiefen Pathos, tragische Begegnungen und das Bewusstsein unentrinnbaren Schicksals. Einzelne Nebenhandlungen, die von Liebe, Hass und Intrigen gekennzeichnet sind, erweitern das Mahabharata um weitere Dimensionen. Auch im Ramayana wird der Konflikt zwischen Gut und Böse im Kampf der Götter gegen die Dämonen dargestellt. Es geht darin vor allem um Ideale wie Ehre, Mut und Loyalität (Alexowitz, 2003, S. 27-28). Beide Epen sind also Kompendien der Abenteuer- und Leidensgeschichten von Göttern und Menschen, welche mit moralischen und philosophischen Überlegungen und Darlegungen durchsetzt sind. Historisch dienten diese zur individuellen und gesellschaftlichen Orientierung und Aufrechterhaltung bzw. Konservierung der hochdifferenzierten indischen Gesellschaft (Uhl/Kumar, 2004, S. 30). In den Filmen werden Geschichten und Themen aus den beiden Natio nalepen immer wieder verarbeitet. Sie sind moralische Lehrstücke (Uhl/Kumar, 2004, S. 20). Meist sind sich auch die Zuschauer der kommenden Handlung bewusst, da diese oftmals den bekannten Erzählungen entspricht. Auch das obligatorische Happy End lässt dem Handlungsverlauf der Filme nur beschränkte inhaltliche Entwicklungsmöglichkeiten. Relevanz hat vor allem die Präsentation des Handlungsablaufes (Wenner, 2002, S. 25).

Die Bollywoodfilme werden außerdem vom Grundprinzip des Dharmas beeinflusst. Dharma ist die wichtigste Kategorie der indischen Religionen und Morallehren. Es ist die Grundlage und Norm des Verhaltens der Menschen in der Hindi-Gesellschaft (Freitag u.a., 1997). Unter Dharma wird `Gesetz des Lebens` verstanden. In dem Wort wird eine Vielfalt von Begriffen vereinigt: Pflicht, Ordnung, Recht, Gesetz (der Menschen und des Universums), Brauch, Ethik, Gerechtigkeit, Tugend, Verdienst, religiöse oder moralische Regeln, Beschaffenheit einer Sache, wesentliche Eigenschaften, charakteristischer Zug, entscheidendes Element. Für den Menschen bedeutet Dharma Selbsterkenntnis, Vollkommenheit im äusseren sowie im inneren Leben und somit die Verwirklichung des Göttlichen. Die Wahrheit des Dharmas gilt im Allgemeinen für alle Menschen, unabhängig von deren Religion, Glauben oder Kaste (Albohair, 17.05.2004, S. 1). Es ist auch eine heilige Pflicht oder eine Verhaltensnorm, die von jedem Individuum abhängig von und entsprechend seines sozialen Ranges, seiner Altersstufe oder seiner Verwandtschaftsbeziehungen erwartet wird. Deshalb müssen beispielsweise die Söhne den heiligen Pflichten von Söhnen oder Mütter den heiligen Pflichten von Müttern folgen. Dies stellt sich in den Filmen in der stereotypen Darstellung der unterschiedlichen sozialen Rollen dar. Familien sind in den Hindi-Filmen von besonderer Bedeutung, auch im Zusammenhang mit dem Prinzip des Dharmas: „Every film ultimately evolves (devolves) into family relations being established, mended, soldered, or avenged via the performance of dharma.“ (Nayar, 2003, S 10).

1.2 Theater, Tanz, Musik und Malerei

[...]


1 An dieser Stelle ist ein klarer Trennungsstrich zwischen den Produkten aus Bombay und anderen regionalen indischen Filmen und auch den künstlerischen Arbeiten der indischen Filmwelt zu ziehen, welche nicht in diese Abhandlung einbezogen sind.

2 Der Hinduismus kann nur schwer als einheitlicher Glaube angesehen werden, er kennt eine Vielzahl von Ausdrucksformen und bevorzugten Gottheiten je nach Region und sozialem Status der Gläubigen. Gemeinsam ist diesen Ausdrucksformen aber der Glaube an eine ewige Ordnung, in die sich auch der Mensch durch gewissenhafte Erfüllung der unterschiedlichen Pflichten, die ihm seine eigene Kaste vorschreibt, zu fügen hat, sowie die Lehre vom Karma und von der Wiedergeburt (Betz, 1997).


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