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Autor: Miriam Tilger
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Details
Institution/Hochschule: Universität Mannheim
Tags: Gralsthematik, Wolfram, Eschenbachs, Parzival, Hauptseminar
Jahr: 2005
Seiten: 23
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 14 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 267 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-40052-7
Textauszug (computergeneriert)
Universität Mannheim
Ältere Literaturwissenschaft
Hauptseminar: Grenzüberschreitungen und Vernetzungen
Die Gralsthematik in Wolfram von Eschenbachs Parzival
von: Miriam Tilger
1 Inhalt 1
2 Einleitung 2
3 Der Gral 3
3.1 Eschenbachs Quellen 3
3.2 Was ist der Gral 5
3.3 Der Gral in Eschenbachs Parzival 6
3.3.1 Die Beschreibung des Grals 6
3.3.2 Die Beschreibung seiner Wunderkraft 7
4 Die Gralsgesellschaft 8
4.1 Die Gralsritter 9
4.2 Anfortas 11
4.3 Parzival und der Gral 12
5 Informationen über den Gral auf der Textebene 14
5.1 Sigune 15
5.2 Cundrîe 16
5.3 Trevrizent 18
6 Schlussbemerkung 21
7 Literatur 22
7.1 Quellen 22
7.2 Sekundärliteratur 22
7.3 Quellen im Internet 22
2 Einleitung
Als Höhepunkt des höfischen Epos schafft Wolfram von Eschenbach um 1200-10 seinen Parzival, indem er die Geschichte von Parzivals Suche nach dem Gral mit der höfischen Artusgeschichte um den Ritter Gawan verknüpft. Beide „Welten“, sowohl die der Tafelrunde als auch die der Gralsgemeinde leiden unter einem sukzessiven Machtverlust, hervorgerufen durch die Sorge um die Nachfolge. Die Artuswelt steht für die weltliche Herrschaft, die der Gralsgesellschaft für die Transzendente. Beide Welten verlangen nach einem Heilsbringer, der die jeweiligen Reiche führen und ihrem Verfall entgegen wirken kann. Der Weg des Heils erfolgt über verschiedene Stufen auf einem zweisträngigen Weg: Innerhalb der Gralshandlung vollzieht Parzival eine innere Entwicklung bis hin zum Gralskönig und findet einen mystischen Weg zu Gott; Gawan bildet innerhalb der Artusgeschichte Parzivals Gegenstück und bewegt sich ausschließlich auf der weltlichen Ebene. Seinen einzigartigen Charakter erhält dieses Werk nicht zu letzt auf Grund seiner Mehrschichtigkeit: Er gleicht einer „hundertschaligen Zwiebel, der Stoff vielschichtig verpackt und unter der sicht- und lesbaren Oberfläche mit einander verquickt und verbunden.“1 Diese Vernetzungen machen es schwierig eine Thematik gesondert zu behandeln: So kann zum Beispiel die Gralserzählung – im Sinne der Vernetzungsthese- als Zusammenspiel zweier Systeme gesehen werden: Zum einen das der Welt des Grals, zum anderen das der Artusgesellschaft als Kontrastierung zur Gralsgesellschaft. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Gralsthematik. Zunächst wird dargestellt werden auf welche Quellen sich Wolfram von Eschenbach berufen hat in Hinblick auf seine Gralsgeschichte, wie der Gral definiert wird, welche Eigenschaften ihm zugesprochen werden, wer der Gralsgesellschaft angehört, welche Funktion ihre Mitglieder haben und in welcher Beziehung Parzival zum Gralstum steht.
3 Der Gral
3.1 Eschenbachs Quellen
Für seinen Parzival griff Eschenbach auf Chrétien de Troyes Werk Li contes del graal2 zurück und verschmolz, wie bereits Chrétien vor ihm, die Sage um König Artus mit der Geschichte des Parzival, auf der Suche nach dem Gral. Allerdings hielt sich Wolfram an Chrétiens Handlungsführung nur rudimentär. Er veränderte so viel, dass „sein Parzival ein neues und eigenständiges Werk geworden ist und weder eine Nachdichtung im engeren Sinne noch gar eine Übersetzung bildet.“3 Mit fast 25000 Versen entstand der bei weitem längste Roman, den man bis dahin auf deutsch kannte.4 Eschenbach bezieht sich in erster Linie für den Gawan- Zyklus auf seine französische Vorlage. Im Umgang mit der Gralsthematik betrachtet er de Troyes Werk sehr kritisch, wirft ihm im Epilog sogar vor, die Geschichte des Grals verfälscht zu haben:
„Ob von Troys meister Cristjân
diesem maere hât unreht getân,
daz mac wol zürnen Kyôt,
der uns diu rehten maere enbôt.
Endehaft giht der Provenzâl,
wie Herzeloyden kint den grâl
erwarp, als im daz gordent was,
dô in verworhte Anfortas.“5
Gleichzeitig nennt Eschenbach eine weitere Quelle für seinen Parzival, den Provenzalen Kyot, den er als „echte“ Quelle ausgibt. Namentlich erwähnt wird Kyot im Parzival gleich sechsmal. Die erste Nennung im achten Buch verortet die Herkunft des Grals in den orientalischen Raum: „Kyôt (...) der dise âventiur (...) heidensch geschriben sach.“6 Diese Aussage ist sehr überraschend, wonach der Gral, der eindeutig christlich konnotiert ist, seinen Ursprung in der heidnischen Welt haben soll. Dieser Textstelle, die wohl auch eine Vorausdeutung auf die kommenden Quellenbezüge darstellt, folgt eine detaillierter Erklärung im neunten Buch:
„Kyôt, der meister wol bekant
ze Dôlet verworfen ligen vant
in heidenischer schrifte
dirre âventiure gestifte.
der karakter â b c
muoser hân gelernet ê,
ân den list von nigromanzî.
ez half daz im der touf was bî:
anders waer diz maer noch unvernumn.“7
Hiernach hat Kyot die Erstfassung der Geschichte vom Gra l in einer unbeachtet gebliebenen arabischen Handschrift in Toledo gefunden. Zunächst musste er die fremde Schrift lernen ohne sich auf die Kunst der Nigromantie ein zulassen. Dabei kam ihm zu Gute, dass er getauft war, sonst wäre die Erzählung bis heute unentdeckt geblieben.
Als Verfasser dieses von Kyot gefundenen Schriftstücks ist Flegetanis genannt, ein jüdisch-heidnischer Gelehrter, aus dem Geschlecht Salomons stammend, der zur Zeit der Menschwerdung Christi lebte.8 Den Namen des Grals habe Flegetanis in den Sternen gelesen.9 Eine Schar Engel ließ den Gral auf der Erde zurück, bevor sie – von ihrer Schuld befreit- zum Himmel auffuhr. Seither ist es Aufgabe der Christen, die reinen Herzens sind, den Gral zu hüten.10 Daraufhin habe Kyot in Chroniken Britanniens, Frankreichs, Irlands und anderen Ländern nach ausführlicheren Informationen über den Gral gesucht und sei in Anjou auf die gesuchte Quelle gestoßen, nach der er sein Werk auf Französisch verfasste.11
[...]
1 http://baaks.net/parzival.html. S.1
2 Anm.: Li contes del graal bzw. Perceval: fragmentaler, höfischer Versroman von Chréstien de Troyes; entstanden um 1181/90. Vgl.: Wilpert (Hrg.): Lexikon der Weltliteratur. Hauptwerke der Weltliteratur in Charakteristiken und Kurzinterpretationen L-Z. Dtv- Verlag. Stuttgart 1997.
3 Wilpert
4 Bräuer, Rolf (Hrg.): Dichtung des europäischen Mittelalters. Ein Führer durch die erzählende Literatur. C.H. Beck Verlag. München 1990. S.334.
5 Parzival 827, 1 ff.
6 Parzival 416, 20 ff.
7 Parzival 453, 11 ff.
8 Parzival 453, 23 – 454,3
9 Parzival 454, 9- 23
10 Parzival 454, 24- 30
11 Parzival 455, 2- 12
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