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Galba - Otho - Vitellius. Machtergreifung und Scheitern ihrer Herrschaft im Römischen Reich 68/69 n. Chr.

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 18 Pages
Author: Gunnar Norda
Subject: History - Early and Ancient History

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 18
Grade: 2
Bibliography: ~ 2  Entries
Language: German
Archive No.: V41948
ISBN (E-book): 978-3-638-40100-5
ISBN (Book): 978-3-638-79077-2
File size: 153 KB

Abstract

Das Jahr 68/69 n. Chr. war ein Jahr der Bürgerkriege im Römischen Reich. In diesem so genannten „Vierkaiserjahr“ wurden nach dem Tode Neros der Reihe nach Galba, Otho, Vitellius und schließlich Vespasian zu Kaisern des Römischen Reiches proklamiert. Es war eine Zeit, in welcher das Kaisertum bzw. die Prinzipatskonzeption des Augustus sich bewähren und die Krise im Reich meistern musste. In meiner Arbeit soll es im Speziellen um die römischen Kaiser Galba, Otho und Vitellius gehen. Ich werde den Fragen nachgehen, wie und unter welchen Umständen sie die Macht im Reich an sich reißen konnten. Außerdem sollen Antworten darauf gefunden werden, warum alle drei Kaiser nur eine recht kurze Zeit regieren konnten bis dann schließlich Vespasian erfolgreich aus den Machtkämpfen hervortrat und mit ihm die 1. Flavische Dynastie an die Macht kam. Ich werde chronologisch vorgehen, d.h. mit der Machtübernahme Galbas beginnen und mit dem Scheitern des Vitellius enden, um so die turbulenten Ereignisse dieser Zeit verständlich machen zu können.


Excerpt (computer-generated)

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Hauptseminar: Die Bürgerkriege der römischen Kaiserzeit
SS 2004

Galba - Otho - Vitellius

- Machtergreifung und Scheitern ihrer Herrschaft im
Römischen Reich 68/69 n. Chr.-

von

Gunnar Norda

4. Fachsemester
LGHR: Germanistik, Geschichte

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung 1

1 Die Machtergreifung Galbas 1
1.1 Der Aufstand des Vindex und das Verhalten der germanischen Konsularlegaten 1
1.2 Galbas Erhebung 2
1.3 Reaktionen in den Provinzen 3
1.4 Nero reagiert 4
1.5 Der Konflikt zwischen Vindex und Verginius Rufus 5
1.6 Galba setzt sich durch 6
1.7 Der Sturz des Nymphidius Sabinus 7
1.8 Galbas Herrschaft verliert Akzeptanz 8

2 Die Machtergreifung Othos 9
2.1 Die Frage der Nachfolge 9
2.2 Othos Putsch 9
2.3 Die prekäre Akzeptanz 10
2.4 Die Niederlage 10

3 Die Machtergreifung des Vitellius 11
3.1 Der anomische Prozess in den Rheinheeren 11
3.2 Der Kandidat 11
3.3 Die soldatische Spontaneität überrollt die Planung der Usurpation 12
3.4 Der Anschluss der meisten westlichen Provinzen 12
3.5 Propaganda und Selbststilisierung 12
3.6 Affektives Nahverhältnis und monarchische Willkür 13
3.7 Vitellius ist unfähig zur Stabilisierung seines Regimes 13

Schlussbemerkung 14

Literaturverzeichnis 16

 

 

Einleitung

Das Jahr 68/69 n. Chr. war ein Jahr der Bürgerkriege im Römischen Reich. In diesem sogenannten Vierkaiserjahr wurden nach dem Tode Neros der Reihe nach Galba, Otho, Vitellius und schließlich Vespasian zu Kaisern des Römischen Reiches proklamiert. Es war eine Zeit, in welcher das Kaisertum bzw. die Prinzipatskonzeption des Augustus sich bewähren und die Krise im Reich meistern musste.

In unserer Hausarbeit soll es im Speziellen um die römischen Kaiser Galba, Otho und Vitellius gehen. Wir werden den Fragen nachgehen, wie und unter welchen Umständen sie die Macht im Reich an sich reißen konnten.

Außerdem sollen Antworten darauf gefunden werden, warum alle drei Kaiser nur eine recht kurze Zeit regieren konnten bis dann schließlich Vespasian erfolgreich aus den Machtkämpfen hervortrat und mit ihm die 1. Flavische Dynastie an die Macht kam. 
Wir werden chronologisch vorgehen, d.h. mit der Machtübernahme Galbas beginnen und mit dem Scheitern des Vitellius enden, um so die turbulenten Ereignisse dieser Zeit verständlich machen zu können.

Vornehmlich orientieren wir uns dabei an Egon Flaigs „Den Kaiser herausfordern“, der sich in seinem Buch mit der Usurpation im Römischen Reich auseinandersetzt und dabei das Funktionieren der römischen Monarchie näher beleuchtet.

1. Die Machtergreifung Galbas

1.1 Der Aufstand des Vindex und das Verhalten der germanischen Konsularlegaten

Die Krise des Kaisertums im Römischen Reich wurde durch Nero heraufbeschworen. Das Verhalten, welches er ab 62 n. Chr. an den Tag legte, entsprach nicht dem eines Princeps und brachte das Reich in Gefahr.1 Drei Jahre nach der gescheiterten pisonischen Verschwörung ergriff der Statthalter der Provinz Gallia Lugdunensis, C. Iulius Vindex, die Initiative zum Sturz Neros. Er wollte einen neuen Kaiser kreieren und hatte dabei Servius Sulpicius Galba, den Statthalter der Provinz Hispania Tarraconensis, im Blick und trat mit diesem in Verbindung. Seine Akklamation zum Imperator wehrte Galba ab, änderte aber seine Statthalterbezeichnung (Legatus senatus ac populi Romani) und gab damit zu erkennen, dass er sich von Nero lossagte.2 Dieser wiederum ließ als Gegenmaßnahme Vindex zum hostis erklären (später auch Galba). Durch die Hostiserklärung gegen Vindex zog L. Verginius Rufus, der Befehlshaber des obergermanischen Heeres, mit seinen Truppen von Mainz nach Besancon und lieferte Vindex eine Schlacht, in der 20000 Gallier fielen. Vindex verlor und gab sich selbst den Tod. 3

Anders als Heinz Bellen redet Egon Flaig von einer Duldung des Aufstandes durch die germanischen Konsularlegaten Fonteius Capito und Verginius Rufus.
Er vertritt die Auffassung, dass es viel zu lange dauerte, bis die Rheinarmeen in Bewegung gesetzt wurden; denn (spätestens) Anfang März erklärte Vindex öffentlich seinen Abfall von Nero, und bis Ende des Monats setzte sich immer noch keine Truppeneinheit in Bewegung. Für Flaig ist also das entscheidende Ereignis für den Verlauf des politischen Prozesses nicht die Erhebung des Vindex (s.o.), sondern das Stillehalten beider Rheinarmeen und damit die Duldung des Aufstandes.

Auch den Soldaten der Rheinarmee spricht Flaig die Treue zu ihrem Imperator ab, denn wären die Legionäre ihrem Imperator treu geblieben, hätten sie durch Meuterei den Abmarsch zur Niederwerfung der Aufständischen erzwungen. Sie aber gehorchten ihren Konsularlegaten und kümmerten sich nicht mehr um Nero.

Auf diese Weise (durch einfaches Abwarten) konnten Rufus und Capito nun die Loyalität ihrer Legionen ermessen und erkannten, welch enormen Handlungsspielraum ihnen dadurch eröffnet war.4

1.2 Galbas Erhebung

Galba erklärte seinen Abfall von Nero um den 4. April 68 in Nova Carthago beinahe risikolos, denn er wusste vor seiner Erhebung darüber Bescheid, dass beide Rheinarmeen nach Beginn des Aufstandes (s.o.) sich immer noch nicht in Bewegung gesetzt hatten.5

[....]


1 Zu nennen wäre an dieser Stelle z.B. Neros einjährige Tour durch Griechenland trotz Jüdischen Aufstandes 66 n. Chr.

2 Siehe auch 2.2.

3 Vgl. Bellen, Heinz: Grundzüge der römischen Geschichte. Zweiter Teil: Die Kaiserzeit von Augustus bis Diocletian, Darmstadt 1994, S. 66f. Dazu im Folgenden noch ausführlicher.

4 Vgl. Flaig, Egon: Den Kaiser herausfordern. Die Usurpation im Römischen Reich, Frankfurt/Main; New York 1992 (= Historische Studien. 7), S. 246-249.

5 Vgl. Ebd., S. 250. Flaig geht an dieser Stelle noch auf den Informationsaustausch zwischen den Statthaltern ein, welcher bei Einbüßung der Kontrolle der Zentrale gezielt, zuverlässig und in hoher Geschwindigkeit erfolgte.


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