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Kultur als raumbildender Faktor für Europa: die Konzeption von ARTE

Autor: Katja Hettich
Fach: Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 19
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 15  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 330 KB
Archivnummer: V42010
ISBN (E-Book): 978-3-638-40145-6

Textauszug (computergeneriert)

 

Ruhr-Universität Bochum
Institut für Medienwissenschaft

WS 2004/05

HS: Europäische Öffentlichkeit: Zur Konstruktion von Kommunikationsräumen in Europa

 Kultur als raumbildender Faktor für Europa:
die Konzeption von ARTE TV

Katja Hettich
10. FS Film- und Fernsehwissenschaften (HF)
10. FS Publizistik- und Kommunikationswissenschaften (NF)
9. FS Romanistik (Französisch) (NF)

 

 

Inhalt

 

1. Einleitung 1

2. Raumtheorie und Europa 2
2.1. Europa als Kommunikationsraum 2
2.2. Raumfaktor Kultur 3

3. Das Konzept von ARTE TV 6
3.1. Anfänge des Europäischen Kulturkanals 6
3.2. Gründungspartner: La Sept ARTE und ARTE Deutschland TV 7
3.3. Kulturbegriff und Senderphilosophie von ARTE 7

4. Die europäische Dimension von ARTE 9
4.1. Europäische Produktion, europäische Diffusion 9
4.2. Umgang mit Multilingualität 10
4.3. Fernsehen für den europäischen Zuschauer?  12
4.4. Programm: ‚regards croisés’  13

5. Fazit 15

6. Literatur- und Quellenverzeichnis 17

 

 

1. Einleitung

Je weiter die EU-Erweiterung voranschreitet, desto brisanter wird die Frage, wie diesen „Vereinigten Staaten von Europa“ mit all ihren nationalstaatlichen Besonderheiten zu einem gemeinsamen Bewusstsein verholfen werden kann. Die Schaffung einer ‚Europäischen Öffentlichkeit’ scheint dabei von zentraler Relevanz zu sein. Bei der schwierigen Annäherung sowohl an den Begriff Europas als auch an den der Öffentlichkeit lassen sich zunächst die von Kleinsteuber entwickelte Raumtheorie und die darin dargestellten Faktoren zur Bildung von Kommunikationsräumen heranziehen. Das Projekt ‚Europäische Union’ ist zwar grundsätzlich ein politisches; dennoch ist nicht nur der Faktor Politik für den Kommunikationsraum Europa maßgeblich. Neben technischen, politisch-rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kann auch die Kultur als raumbildende Größe herangezogen werden. Wie lässt sich dieser unscharfe Begriff als Raumfaktor definieren, welche kulturellen Phänomene können über nationale Grenzen hinweg Kommunikationsräume schaffen?

Zur Schaffung eines europäischen Kommunikationsraumes wird immer wieder die Forderung nach europäischen Medien laut. Das einzigartige Projekt ARTE stellt sich seit 1992 der Aufgabe, mit qualitativ anspruchsvollem Fernsehprogramm deutschfranzösischer Provenienz die Einigung Europas voranzutreiben. Ohne näher auf die konkrete Wirkung einzugehen soll im Rahmen dieser Arbeit beleuchtet werden, inwiefern die grundsätzliche Konzeption von ARTE als Europäischer Kulturkanal zur Konstituierung des Kommunikationsraumes Europa und einer europäischen Öffentlichkeit beiträgt. Doch zunächst sollen die ersten Versuche paneuropäischen Fernsehens und die Entstehungsgeschichte von ARTE sowie die binationale Organisation des Senders skizziert werden. Vor dem Hintergrund der vorangegangen Überlegungen zur Kultur als einigendem Kommunikationsfaktor werden darüber hinaus der spezifische Kulturbegriff bei ARTE und die Programmphilosophie des Senders dargestellt. Schließlich soll geprüft werden, wie sich die europäische Dimensionierung des Senders ausdrückt.

Kann man von dem prinzipiell binationalem Kanal als europäischem Gemeinschaftsprojekt sprechen? Wie geht das Medium mit der der europäischen Kultur eigenen Multilingualität um? Inwiefern richtet sich der europäische Sender an ein europäisches Zielpublikum? Anhand einiger Beispielformate soll exemplarisch umrissen werden, wie sich das ARTE-Programm tendenziell von herkömmlichen nationalen Programmen unterscheidet. Abschließend sollen die gesammelten Ergebnisse in einem Fazit dazu genutzt werden, das Konzept von ARTE hinsichtlich seines Beitrages zur Schaffung europäischer TV-Kommunikation kurz zu bewerten.

2. Raumtheorie und Europa

2.1. Europa als Kommunikationsraum

Die Diskussion um den Begriff der ‚europäischen Öffentlichkeit’ gestaltet sich schwierig, zumal bereits eine klare raumzeitliche Definition Europas nicht möglich ist:1 Geographisch gibt es keine klare Grenze zu Asien, und auch historisch oder religiös lässt sich kein homogenes Gebiet eindeutig als ‚Europa’ abstecken. Hinzu kommt die Kolonialgeschichte, die bis heute fortwirkt, zumal es beispielsweise mit den französischen D.O.M.-T.O.M.2 in Überseegebieten noch immer EU-Territorien außerhalb der Stammlande gibt. Als konstituierendes Merkmal Europas könnte man hingegen gerade seinen Facettenreichtum, seine Offenheit und die „Kommunikation mit sich und anderen Regionen der Welt“ sehen - charakteristische Eigenschaften, denen der Kontinent laut Kleinsteuber seinen „politischen, ökonomischen und kulturellen Aufstieg in hohem Maße“ verdanke.3 

Europa war schon immer zugänglich für Impulse von außen: Es übernahm die Zahlen aus Arabien, das Alphabet aus Kleinasien und die Papierherstellung aus China. Vor allem seit dem Mittelalter fand auch intern immer intensive Kommunikation statt, zwischen den nationalen Herrschern und auch auf Bürgerebene (Fernhandelsrouten wie die Hanse, wissenschaftlicher Austausch). 

Als Antwort auf das Bedürfnis nach Austausch entstanden Buchdruck und Massenpresse. Ausgehend von diesen historischen Gegebenheiten, die eine ständige Verdichtung der Kommunikation bewirkten, stellt Kleinsteuber die These auf, dass die „Massenmedien eine so europäische Angelegenheit“ seien.4 Kommunikative Infrastrukturen wie das Postwesen und die Sicherung von Kommunikation durch technische Infrastrukturen wie die Eisenbahn, Telegraphen- und Telefonnetze hätten Europa überhaupt erst erschlossen.5 Der Weg zu einer europäischen Staatlichkeit bedingt als Gratwanderung zwischen „Integration und Eigensinn“6 der Mitgliedsstaaten die Schaffung einer europäischen Identität bei gleichzeitiger Erhaltung der kulturellen Besonderheiten jeder einzelnen Nation. Nimmt man gerade Kommunikation, den internen Austausch von Ideen als Charakteristikums dieses Kontinents, so manifestiert sich die Wichtigkeit des Ausbaus gerade dieses gemeinsamen europäischen Nenners.

[...]


1 Vgl. Kleinsteuber (1994), 44 ff.

2 départements et territoires d’outre-mer

3 Kleinsteuber (1994), 50.

4 ebd., 53.

5 Vgl. Kleinsteuber (1994), 53 ff.

6 Glotz (1995), 17.

Kommentare

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