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Untertitel: Erklärungsansätze aus den Bereichen Psychologie, Soziologie, Medizin und Biologie
Autor: Annett Warmschmidt
Fach: Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Details
Institution/Hochschule: Technische Universität Chemnitz
Tags: Suizid, Phänomen, Wandel, Zeit, Abweichendes, Verhalten
Jahr: 2003
Seiten: 31
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 23 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 264 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-40172-2
ISBN (Buch): 978-3-638-65641-2
Zusammenfassung / Abstract
Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das in der Lage ist, sich selbst vorsätzlich zu töten. Noch bis heute ist der Suizid eines der größten gesellschaftlichen Tabus geblieben, das am liebsten verdrängt wird. Personen, die Suizid begehen, konfrontieren ihre Umwelt mit der Absage an ein scheinbar sinnlos gewordenes Leben, was ihre Mitmenschen dazu bewegt, über den Sinn des Lebens und die eigene Sterblichkeit nachzudenken. Gerade deshalb ist es wichtig, sich näher mit diesem komplexen Untersuchungsgegenstand zu beschäftigen. Die vorliegende Arbeit soll das Phänomen „Suizid“ im Wandel der Zeit darstellen und einen Überblick darüber geben, wie sich die gesellschaftliche Haltung gegenüber der Selbsttötung bis heute verändert hat. Um zu erläutern, wie es zu suizidalem Verhalten kommt, werden einzelne Erklärungsansätze aus den Bereichen Psychologie, Soziologie, Medizin und Biologie vorgestellt. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt besonders auf den verschiedenen Bereichen der Prävention und der Therapie. Es sollen Hilfsangebote sowohl für Betroffene als auch für deren Angehörige aufgezeigt werden.
Textauszug (computergeneriert)
Der Suizid
von: Annett Warmschmidt
8. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen
3 Der Suizid in seiner historischen Darstellung
4 Epidemiologie
4.1 Globale Daten
4.2 Bundesdeutsche Daten
5 Theorien suizidalen Verhaltens
5.1 Genetische und biochemische Faktoren
5.1.1 Genetische Faktoren
5.1.2 Biochemische Faktoren
5.2 Soziale Theorien 5.2.1 Die soziologische Theorie DURKHEIMs
5.2.1.1 Egoistischer Suizid
5.2.1.2 Altruistischer Suizid
5.2.1.3 Anomischer Suizid
5.2.1.4 Fatalistischer Suizid
5.2.2 Imitationshandlungen
5.3 Psychoanalytische Theorien
5.3.1 Die Psychoanalytische Theorie FREUDs
5.3.2 Die Narzissmustheorie HENSELERs
5.4 Medizinische Theorie - Das präsuizidale Syndrom
6. Risikogruppen
7 Prävention
7.1 Primärprävention
7.1.1 Strukturelle Maßnahmen
7.1.2 Kommunikative Maßnahmen
7.2 Sekundärprävention
7.2.1 Telefondienste
7.2.2 Samaritans
7.2.3 Suizidpräventionszentren
7.3 Tertiärprävention
8 Therapie
8.1 Krisenintervention
8.2 Psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung
8.2.1 Medikamentöse Behandlung
8.2.2 Psychotherapeutische Behandlung
8.2.2.1 Psychodynamische Verfahren
8.2.2.2 Verhaltenstherapeutische Verfahren
8.3 Spezielle Einrichtungen zur Behandlung von Suizidpatienten
9 Medieneinfluss
10 Schluss
1 Einleitung
Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das in der Lage ist, sich selbst vorsätzlich zu töten. Noch bis heute ist der Suizid eines der größten gesellschaftlichen Tabus geblieben, das am liebsten verdrängt wird.
Personen, die Suizid begehen, konfrontieren ihre Umwelt mit der Absage an ein scheinbar sinnlos gewordenes Leben, was ihre Mitmenschen dazu bewegt, über den Sinn des Lebens und die eigene Sterblichkeit nachzudenken. Gerade deshalb ist es wichtig, sich näher mit diesem komplexen Untersuchungsgegenstand zu beschäftigen.
Die vorliegende Arbeit soll das Phänomen „Suizid“ im Wandel der Zeit darstellen und einen Überblick darüber geben, wie sich die gesellschaftliche Haltung gegenüber der Selbsttötung bis heute verändert hat.
Um zu erläutern, wie es zu suizidalem Verhalten kommt, werden einzelne Erklärungsansätze aus den Bereichen Psychologie, Soziologie, Medizin und Biologie vorgestellt.
Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt besonders auf den verschiedenen Bereichen der Prävention und der Therapie. Es sollen Hilfsangebote sowohl für Betroffene als auch für deren Angehörige aufgezeigt werden.
2. Definitionen
Da zum Thema „Suizid“ die verschiedensten Definitionen existieren, sollen zunächst die wichtigsten Begriffe zum Thema näher erläutert werden. Sie werden analog in der vorliegenden Arbeit verwendet.
„Suizidalität meint die Summe aller Denk- und Verhaltensweisen von Menschen, die in Gedanken, durch aktives Handeln oder passives Unterlassen oder durch Handelnlassen den eigenen Tod anstreben bzw. als mögliches Ergebnis einer Handlung in Kauf nehmen.“ (Wolfersdorf 2002, S. 97)
DURKHEIM (1993) versteht unter Suizid „…jeden Todesfall, der direkt oder indirekt auf eine Handlung oder Unterlassung zurückzuführen ist, die vom Opfer selbst begangen wurde, wobei es das Ergebnis seines Verhaltens im voraus kannte.“ (Durkheim 1993, S. 27) Diese Definition beinhaltet den Umstand, dass der eigene Tod auch durch Nicht-Handeln, wie Verweigerung von Nahrung und lebensrettenden Maßnahmen herbeigeführt werden kann. Der PSCHYREMBEL (1998) bezeichnet den Suizid als „absichtliche Selbsttötung, die als Reaktion auf eine Lebenskrise, Identitätskrise oder Ausdruck einer Autoaggression verstanden werden kann“. (Pschyrembel 1998, S. 1527) Hier wird der aktive Charakter solcher Handlungen deutlich.
Unter Suizidversuchen versteht man „Handlungen oder Unterlassungen eines Menschen, die zwar den eigenen Tod direkt oder indirekt bezwecken oder auf ihn verweisen, ihn jedoch nicht herbeiführen...“ (Seyfried 1995, S. 11).
3 Der Suizid in seiner historischen Darstellung
Schon bei den Naturvölkern suizidierten sich Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen. Beispielsweise erhängten sich Mütter der Indianerstämme Whapetou und Sioux nach dem Tod ihrer Lieblingskinder. (vgl Seyfried 1995, S. 3)
Kelten und Germanen begangen Suizid bevor ihre körperlichen Kräfte schwanden. Sie ließen „…denen, die den Freitod wählten, einen Himmel voller Seligkeit zuteil werden, und eine schreckliche Hölle denen die an Krankheit oder Altersschwäche starben.“ (Durkheim 1993, S. 243)
In Indien mussten Witwen noch bis 1829 ihren Ehemännern durch Tod auf dem Scheiterhaufen folgen, bis die britische Kolonialmacht dieses Vorgehen verbot. (vgl. Seyfried 1995, S. 3 f) Im Grunde aber betrachten Hinduismus und Buddhismus „…die Selbsttötung als ungeeignetes Mittel, um dem Kreislauf der Wiedergeburten zu entfliehen.“ (Seyfried 1995, S. 4)
In Japan war Harakiri bei den Samurai bis 1868 im Gesetz verankert. So war die Möglichkeit gegeben, sündenfrei zu sterben, wenn beispielsweise Dienstvergehen begangen wurden. Suizid war aber auch ein Mittel von Untergebenen, „…um einem Höhergestellten unbedingte Loyalität zu bezeigen…“ (Seyfried 1995, S. 4).
Außerdem galt Harakiri auch als ein Mittel, um gegen unverdiente Behandlungen zu protestieren. (vgl. ebd.)
„In der Antike war Suizid nicht nur Gegenstand philosophischer Reflexion, sondern anscheinend auch oftmals deren Konsequenz.“ (ebd.)
In der Periode der Naturphilosophen war der Selbstmord aus religiösen Gründen nicht zulässig. Für PYTHAGORAS stellte er als Eingriff in die natürliche Ordnung, ein sinnloses Aufbegehren gegen die Götter dar. Die unsterbliche Seele konnte nur durch Reinigung und Buße aus dem Körper des Menschen befreit werden und so zu ihrer göttlichen Herkunft zurückkehren. Gelang das nicht, so suchte sich die Seele einen anderen Körper und versuchte erneut, sich zu befreien. (vgl. Noob 1998, S. 20 f) Als Hauptvertreter des attischen Zeitalters verurteilten ARISTOTELES und PLATON den Suizid als unsittlich, da jeder Einzelne im Staat „...die Funktion eines von Gott eingesetzten Wächters innehabe, dem es nicht gestattet sei, seinen Posten ohne ausdrücklichen Befehl zu verlassen.“ (Noob 1998, S.22) Somit galt die Selbsttötung als Vergehen gegen den Staat, mit dem man sich die Chance auf ein besseres Leben nach dem Tod verwirkte. Während ARISTOTELES in seiner „Nikomachischen Ethik“ keine Ausnahmen gelten ließ, rechtfertigten bei PLATON eine rechtskräftige Verurteilung, unheilbare Krankheit sowie unerträgliche Schande den selbst herbeigeführten Tod. Suizidierte sich jedoch ein Mensch aus Gründen wie Liebeskummer oder Armut, so wurden ihm die zeremoniellen Bestattungsriten verweigert. (vgl. Noob 1998, S. 22 f) In der Epoche der Stoiker wurde dem Suizid grundsätzlich zugestimmt, sofern er das Resultat einer vernunftgemäßen Entscheidung war.“ (Noob1989, S. 24) Somit war es jedem freigestellt, sich das Leben zu nehmen, um Hoffnungslosigkeit und Leiden zu entgehen.
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