Friedrich Nietzsches Wahrheitskritik im außermoralischen und moralischen Sinn

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Details
Autor: Nils Ramthun
Fach: Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Veranstaltung: Seminar: Wahrheit und Lüge in der Politik
Institution/Hochschule: Universität zu Köln (Seminar für politische Wissenschaft)
Jahr: 2001
Seiten: 18
Note: 1.0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 214 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-12611-3
ISBN (Buch): 978-3-638-75644-0
Zusammenfassung / Abstract
Ich möchte in dieser Hausarbeit Nietzsche den scharfsinnigen Aufklärer betrachten, der mit seinem Denken kritische Impulse für die Philosophie im Allgemeinen, und die Ethik im Speziellen geliefert hat. Zweifellos gibt es auch den ungeheuren Nietzsche, den „Anti-Demokraten”, den „Vordenker des räuberischen Kapitalismus,” oder den „Biopolitiker und Eugeniker.” Dies zu unterschlagen oder gar zu vergessen, würde heißen, Nietzsche nicht verstanden zu haben. Entgegen seiner eigenen Prophetie vom hochgezüchteten Herrenmenschen, die im Nationalsozialismus und der menschlichen Katastrophe von Auschwitz nicht zufällig, wenn auch in umgekehrter Weise Wirklichkeit geworden ist, wie Günter Schulte vermutet, glaube ich, in Nietzsche ebenso den Rebellen der Befreiung, den Freigeist und den Individualisten erkannt zu haben. Die Hausarbeit ist folgender Maßen konzipiert: Ihr Hauptaugenmerk gilt der Entlarvung, Demaskierung oder auch Aufklärung der Ambivalenz menschlicher Werturteile, die im Laufe von Jahrtausenden zu festen Normen, ja sogar Wahrheiten an sich geworden sind. Der erste Teil, eine Art Grundlegung, soll anhand von Nietzsches Schrift „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne” von 1872/73 an seine genetische Methode heranführen. Es soll die, für die folgenden Erörterungen wichtige Frage beantwortet werden, was Nietzsche unter Wahrheit versteht und welche Bedeutung sie für das menschliche Leben hat. Der zweite Teil kann als Entfaltung der Grundlage verstanden werden: Nietzsches Kritik an moralischen Werturteilen und ihrer scheinbar unabänderlichen Wahrheiten. Hier macht Nietzsche auf die Kehrseiten von verfestigten und institutionalisierten Normen und Wahrheiten aufmerksam, etwa die Unterwerfung und Entindividualisierung des Menschen und die Entsagung und Verachtung des sinnlichen Lebens. Ein Fazit soll schließlich die politische Bedeutung seiner Wahrheitskritik herausstellen: Die unumgängliche Beachtung des Individuums bei moralischen Wertsetzungen.
Textauszug (computergeneriert)
INSITUT FÜR POLITISCHE WISSENSCHAFTEN
DER UNIVERSITÄT ZU KÖLN
Thema der Hausarbeit:
Friedrich Nietzsches Wahrheitskritik
im außermoralischen und moralischen Sinn
PS: Politische Ethik „Wahrheit und Lüge in der Politik"
Sommersemester 2001
Vorgelegt von: Nils Ramthun
Fachrichtung: Magister
Philosophie, Politikwissenschaft, Germanistik
Köln, den 10. Juli 2001
Inhaltsverzeichnis:
Prolog -2-
I. Grundlegung: Und wenn Wahrheit eine Lüge ist?
1.1. Das Problem von Erkenntnis und Wahrheit: -3-
Das Ding an sich
1.2. Nietzsches Erkenntniskritik: Warum Wahrheit? -5-
Die Relation von Wahrheit und Leben
1.3. Wie Wahrheit zur Fabel wurde - -7-
Die Genese eines Illusion namens Wahrheit
II. Entfaltung: Wahrheit und Moral
2.1. Das Problem von Erkenntnis und Moral -9-
2.2. Außermoralische Ursachen und Motive der Moral -11-
2.3. Der Widerspruch zwischen Leben und Moral -13-
Epilog: Nietzsches individualistischer Moralentwurf -14-
Literaturverzeichnis -17-
Prolog
„Vom Wahrsagen läßt sichs wohl leben in der Welt,
aber nicht vom Wahrheit sagen."1 (Lichtenberg)
Gerade vor Kurzem noch zelebrierte die „Nietzsche-Industrie" den 100. Todestag des Denkers und Philosophen für den Philosophieren immer den Abgrund denken bedeutete. Paßt dazu das aktuelle, kommerzialisierte und populäre Nietzschebild des Philosophen für alle Lebenslagen? Oder täuscht man sich hier allzu leichtfertig darüberhinweg, daß es mit Nietzsche keine Bequemlichkeiten mehr gibt und den Abgrund denken eben auch heißt mit dem zerstörenden Hammer um sich zu schlagen. Abseits der Lobeshymnen für den „Elvis der Philosophie"2, darf man vermuten, liegt Nietzsches Attraktivität in einem „Zauber der Ambivalenz, einem Denken zwischen Zynismus und Kritik."3 Unsere hedonistische Spaßgesellschaft scheint es allein auf diesen Zynismus abgesehen zu haben, und leicht vergißt man dann, daß Nietzsches Kritik seinem späteren Zynismus vorangeht und nicht ziellos einfach eine Lebenshaltung ist. Denn Nietzsches Werk verweist immer auf seinen Autor zurück, einen zeitlebens physisch und psychisch labilen Menschen, der an sich selbst und seinen Mitmenschen, der Gesellschaft im allgemeinen mit ihren moralischen Normen und Werten verzweifelt ist und von denen er sich zu befreien versuchte.4 Sein Mittel zur Befreiung, wenigstens des Geistes, ist die Kritik an diesen Normen und Werten gewesen.
Ich möchte in dieser Hausarbeit Nietzsche den scharfsinnigen Aufklärer betrachten, der mit seinem Denken kritische Impulse für die Philosophie im Allgemeinen, und die Ethik im Speziellen geliefert hat. Zweifellos gibt es auch den ungeheuren Nietzsche, den „Anti-Demokraten", den „Vordenker des räuberischen Kapitalismus," oder den „Biopolitiker und Eugeniker."5 Dies zu unterschlagen oder gar zu vergessen, würde heißen, Nietzsche nicht verstanden zu haben. Entgegen seiner eigenen Prophetie vom hochgezüchteten Herrenmenschen, die im Nationalsozialismus und der menschlichen Katastrophe von Auschwitz nicht zufällig, wenn auch in umgekehrter Weise Wirklichkeit geworden ist, wie Günter Schulte vermutet,6 glaube ich, in Nietzsche ebenso den Rebellen der Befreiung, den Freigeist und den Individualisten erkannt zu haben.
Die Hausarbeit ist folgender Maßen konzipiert: Ihr Hauptaugenmerk gilt der Entlarvung, Demaskierung oder auch Aufklärung der Ambivalenz menschlicher Werturteile, die im Laufe von Jahrtausenden zu festen Normen, ja sogar Wahrheiten an sich geworden sind. Der erste Teil, eine Art Grundlegung, soll anhand von Nietzsches Schrift „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne" von 1872/73 an seine genetische Methode heranführen. Es soll die, für die folgenden Erörterungen wichtige Frage beantwortet werden, was Nietzsche unter Wahrheit versteht und welche Bedeutung sie für das menschliche Leben hat. Der zweite Teil kann als Entfaltung der Grundlage verstanden werden: Nietzsches Kritik an moralischen Werturteilen und ihrer scheinbar unabänderlichen Wahrheiten. Hier macht Nietzsche auf die Kehrseiten von verfestigten und institutionalisierten Normen und Wahrheiten aufmerksam, etwa die Unterwerfung und Entindividualisierung des Menschen und die Entsagung und Verachtung des sinnlichen Lebens. Ein Fazit soll schließlich die politische Bedeutung seiner Wahrheitskritik herausstellen: Die unumgängliche Beachtung des Individuums bei moralischen Wertsetzungen.
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