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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1999, 32 Pages
Author: M. A. Markus Renner
Subject: History - National Socialism, World War II
Details
Tags: Partisanenbewegung, Zweiten, Weltkrieg
Year: 1999
Pages: 32
Grade: Gut (+)
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-40273-6
ISBN (Book): 978-3-638-65652-8
File size: 293 KB
Diese Arbeit biete eine Übersicht über die Probleme des Aufbaus, über Kampfaktionen und deren Erfolge der sowjetischen Partisanenbewegung. Die Frage nach ihrer Wirksamkeit und Wichtigkeit für den sowjetischen Sieg werden ebenfalls erörtert.
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Abstract
Als die Wehrmacht am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfiel, schien auch bei diesem Einfall, wie bereits beim Überfall auf Polen und während des Westfeldzuges, das Konzept des Blitzkrieges Erfolg zu haben. Die deutschen Armeen stießen schnell vor, die Rote Armee wurde anfangs überrannt und erlitt in Kesselschlachten enorme Verluste. Die Wehrmacht stand fünf Monate nach ihrem Einmarsch vor Moskau. In dem von den Deutschen okkupierten Gebiet lebte ungefähr 40% der sowjetischen Gesamtbevölkerung. Annähernd die Hälfte der ökonomischen Ressourcen der Sowjetunion gingen an die Deutschen verloren, der größte Verlust entstand in der Landwirtschaft, die ihren fruchtbarsten Boden in den besetzten Gebieten hatte (die Ukraine bspw. galt als die „Kornkammer“ der Sowjetunion). Die dramatischen Anfangsniederlagen zeigten, dass die Rote Armee der Wehrmacht zu diesem Zeitpunkt nichts entgegenzusetzen hatte und auf militärische Hilfe angewiesen war. Unter diesen Bedingungen war es für die Sowjetunion nahezu unumgänglich, eine gut funktionierende Partisanenbewegung aufzubauen. Die Schwierigkeit, eine solche Partisanenbewegung unter Kriegsbedingungen aufzubauen, sowie die Frage ihrer Wirksamkeit bei der Bekämpfung der Wehrmacht wird in der vorliegenden Arbeit untersucht.
Excerpt (computer-generated)
Die sowjetische Partisanenbewegung im Zweiten Weltkrieg
von: Markus Renner
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S. 1
2. Die Schwierigkeiten beim Neuaufbau der Partisanenbewegung S. 4
2.1. Die Situation in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten S. 4
2.2. Die kriegsbedingten Schwierigkeiten bei der Aufstellung der Partisanenverbände S. 7
3. Der erfolgreiche Aufbau der Partisanenbewegung S. 8
3.1. Anfängliche Probleme der Partisanenbewegung S. 8
3.2. Die erfolgreiche Verteidigung Moskaus als Neuanfang S. 9
3.3. Frühjahr 1942 – eine neue Situation S. 11
4. Auftrag und Vorgehensweise der Partisanen S. 14
4.1. Die Aufgaben der Partisanen S. 14
4.2. Aufbau und Kommandostruktur der Partisanen S. 15
4.3. Die Wirksamkeit der Partisanenaktionen S. 17
5. Das Verhalten der Deutschen gegenüber Partisanen und Zivilbevölkerung S. 21
5.1. Der Umgang mit der Zivilbevölkerung S. 21
5.2. Der Umgang mit ergriffenen Partisanen S. 25
6. Schlussbetrachtung S. 28
7. Literaturverzeichnis S. 30
1. Einleitung
Als die Wehrmacht am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfiel, schien auch bei diesem Einfall, wie bereits beim Überfall auf Polen und während des Westfeldzuges, das Konzept des Blitzkrieges Erfolg zu haben. Die deutschen Armeen stießen schnell vor, die Rote Armee wurde anfangs überrannt und erlitt in Kesselschlachten enorme Verluste. Die Wehrmacht stand fünf Monate nach ihrem Einmarsch Moskau. In dem von den Deutschen okkupierten Gebiet lebte ungefähr 40% der sowjetischen Gesamtbevölkerung. Annähernd die Hälfte der ökonomischen Ressourcen der Sowjetunion gingen an die Deutschen verloren, 1 der größte Verlust entstand in der Landwirtschaft, die ihren fruchtbarsten Boden in den besetzten Gebieten hatte (die Ukraine bspw. galt als die „Kornkammer“ der Sowjetunion). Die dramatischen Anfangsniederlagen zeigten, dass die Rote Armee der Wehrmacht zu diesem Zeitpunkt nichts entgegenzusetzen hatte und auf militärische Hilfe angewiesen war. Unter diesen Bedingungen war es für die Sowjetunion nahezu unumgänglich, eine gut funktionierende Partisanenbewegung aufzubauen.
Dass die Partisanenbewegung erst mühsam unter Kriegsbedingungen wieder aufgebaut werden musste, obwohl sie in der russischen Geschichte seit der Niederlage der Grande Armée Napoleons 1812 ihren Platz hatte, und sie auch im russischen Bürgerkrieg von 1918-1920 ein wichtige Element war, lag an den ideologischen Do gmen Stalins. Stalin, der im Bürgerkrieg selbst als Partisane in den Bergen des Kaukasus gekämpft hat, hielt nach der Errichtung des Sowjetstaates den Partisane nkampf für überflüssig. Er ging davon aus, dass die Rote Armee unbesiegbar sei, da sie eine Armee des Volkes sei, die das gesamte sowjetische Volk hinter sich wüsste, eine Armee, die vom Volk geliebt und geachtet würde. Außerdem sei die Rote Armee im Geiste des Internationalismus erzogen, sie kämpfe für das internationale Proletariat. Somit müsse jeder Aggressor erkennen, dass die Sowjetunion überall in der Welt Freunde hätte, die ihr zur Seite stünden. Dies sei die Stärke der Roten Armee und der Sowjetunion, die dadurch unbesiegbar sei.2 In diesem Sinne übernahm Stalin die Ideen Leo Trotzkis, des Gründers der Roten Armee, dass irreguläre Truppen nur außerhalb der Grenzen der Sowjetunion einzusetzen seien, um die Revolution voranzubringen. Die Verteidigung des eigenen Landes sei die Aufgabe der regulären Armee.3
Zwar wurde noch 1933 eine Dienstanweisung für die Rote Armee erlassen, welche Vorschriften für den Partisanenkampf beinhaltete,4 doch wurde 1937, im Rahmen der Säuberung des Militärs, das Studium von Guerilla-Strategien, das bis zu diesem Zeitpunkt bei den zentralen Behörden in Moskau betrieben wurde, untersagt.5 Es setzte sich der der von Trotzki und Stalin vertretene Standpunkt durch, der den Partisanenkampf auf dem Territorium des Angreifers ansiedelte, da die Arbeiterschaft des angreifenden Landes der eigenen Armee in den Rücken fallen würde, um das sowjetische Proletariat zu schützen. Die Vorbereitungen zum Partisanenkampf auf sowjetischen Boden wurden, ebenso wie die Einplanung von strategischen Rückzugstheorien der Armee, als Defätismus ausgelegt.6
Bei der Bearbeitung dieses Themas stellen sich leider nicht unerhebliche Probleme ein. Zum einen ist hier das Problem der extremen Subjektivität der ehemals sowjetischen Geschichtsschreibung zu nennen, die mit ideologisch verklärtem Blick den Kampf der Partisanen als einen Volksaufstand darzustellen versuchte, der von der Masse der Bevölkerung getragen wurde. Des Weiteren muss die, ob der Bedeutung der Partisanenbewegung, erstaunlich dürftige Literaturlage bemängelt werden. Die westlichen Historiker mussten sich bei ihren Untersuchungen zum Großteil auf Angaben der Sowjets stützen, da kaum Wehrmachtsunterlagen erhalten, oder in die Hände der Roten Armee gefallen sind. Außerdem haben die sowjetischen Regierungen westlichen Forschern den Zugriff auf ihre Archive verwehrt oder stark eingeschränkt. Die sich daraus ergebenden Probleme sind offensichtlich. Sämtliche Staatsdoktrinen der ehemaligen UdSSR konnten nicht, oder nur unzureichend erforscht und somit weder bestätigt, noch widerlegt werden. Ganz deutlich wird dies bei Zahlenangaben aller Art. Die Anzahl der aktiv kämpfenden Partisanen weicht selbst in der Sowjetliteratur erheblich voneinander ab, erst recht weichen sie von den Zahlen ab, die das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) veranschlagt hat. Ähnlich verhält es sich bei Zahlenangaben zum so genannten „Schienenkrieg“, zu Angaben der durch Partisanen getöteten deutschen Soldaten, und zum Umfang der aktiven Kämpfer in der Partisanenbewegung. In der sowjetischen Historiographie galten hohe Zahlen immer als Beleg für großen Erfolg, dadurch erklärt sich die Vorliebe für immens hohe Zahlen in allen Bereichen. Nur Quellenforschung in den Archiven könnte diese Diskrepanzen aufklären, doch auch nach dem Untergang der Sowjetunion ist es für westliche Wissenschaftler schwierig unumschränkten Zugang zu russischen, weißrussischen oder ukrainischen Archiven zu erlangen.
Daraus ergibt sich die Situation, dass bis heute immer noch strittig ist, wie groß der Anteil aktiver Kämpfer bei den Partisanen war, in welchem Maße sie von der Bevölkerung unterstützt wurden und wie viel Menschen zwangsrekrutiert oder freiwillig in den Reihen der Partisanen kämpften. Auch über ihre Wirksamkeit, über ihre Wichtigkeit oder Unwichtigkeit für den sowjetischen Sieg gehen die Meinungen in der Forschung auseinander. Diese Fragen werden auch hier nicht ausreichend beantwortet werden können, sie werden mithilfe sowjetischer/ bzw. DDR-Literatur, sowie westlicher Literatur untersucht und diskutiert. Aus diesem Grund bleiben die Ergebnisse spekulativ, jedoch auf Grundlage der verwendeten Literatur nachvollziehbar.
2. Die Schwierigkeiten beim Neuaufbau der Partisanenbewegung
2.1. Die Situation in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten
In den ersten Wochen nach dem deutschen Überfall war die sowjetische Führung paralysiert: Stalin fand sich erst am 3. Juli, also elf Tage nach dem Einmarsch der Deutschen, in der Lage sich über Rundfunk an sein Volk zu wenden. Er ging in dieser Rede auf die Situation ein, vor die der Einmarsch der Wehrmacht die Bevölkerung der Sowjetunion stellte. Er gab klare Anweisungen, was zu tun sei, um den Feind wieder aus dem Land zu vertreiben. In Bezug auf Partisanen hieß es: „(…). In den vom Feind okkupierten Gebieten müssen Partisanenabteilungen zu Pferd und zu Fuß gebildet und Diversionsgruppen geschaffen werden zum Kampf gegen die Truppenteile der feindlichen Armee, zur Entfachung des Partisanenkrieges überall und allerorts, zur Sprengung von Brücken und Straßen, zur Zerstörung der Telefon- und Telegrafenverbindungen, zur Niederbrennung der Wälder, der Versorgungslager und der Trains. In den okkupierten Gebieten müssen für den Feind und alle seine Helfershelfer unerträgliche Verhältnisse geschaffen werden, sie müssen auf Schritt und Tritt verfolgt und vernichtet und alle ihre Maßnahmen müssen vereitelt werden. (…).“7
[...]
1 Cooper, Matthew: The Phantom War. The German struggle against Soviet partisans 1941-1944, London 1979, S. 11
2 Stalin, Josef: Über drei Besonderheiten der Roten Armee. Rede in der Festsitzung des Plenums des Moskauer Sowjets am 25. Februar 1928, gewidmet dem zehnten Jahrestag der Roten Armee, in: ders.: Über die Rote Armee, Stuttgart 1952, S. 3-7, hier im besonderen S. 6f
3 Cooper, S. 12
4 Bonwetsch, Bernd: Sowjetische Partisanen 1941-1944. Legende und Wirklichkeit des „allgemeinen Volkskrieges“, in: Schulz, Gerhard (Hg.): Partisanen und Volkskrieg. Zur Revolutionierung des Krieges im 20. Jahrhundert, Göttingen 1985, S. 92 Im folgenden zitiert: Bonwetsch, S. …
5 Cooper, S. 12
6 Bonwetsch, S. 92f, sowie Anm. 8, S. 116
7 Rundfunkrede am 3. Juli 1941, in: Stalin, J.: Über den großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion, Berlin (Ost) ³1952, S. 12f
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