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Entstehung und Funktion von wirtschaftlichen Interessengruppen in der Gründerkrise des Deutschen Kaiserreiches 1873-1896 am Beispiel des 'Centralverbands Deutscher Industrieller zur Beförderung nationaler Arbeit'

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 21 Pages
Author: Katharina Silo
Subject: History - Empire, Imperialism

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 21
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 19  Entries
Language: German
Archive No.: V42446
ISBN (E-book): 978-3-638-40472-3

File size: 163 KB


Excerpt (computer-generated)

Rijksuniversiteit Groningen

Entstehung und Funktion von wirtschaftlichen Interessengruppen in der
Gründerkrise des Deutschen Kaiserreiches 1873-1896 am Beispiel des
„Centralverbands Deutscher Industrieller zur Beförderung nationaler Arbeit“

von

Katharina Silo

2003

 

 

Inhaltsübersicht

1. Einleitung 2

2. Gründerkrise 3
2.1 Wirtschaftskrise 3
2.2 Politische Krise 4

3. Reaktion der Wirtschaft 6
3.1 Forderung nach Schutzzöllen 6
3.2 Bildung von Interessenverbänden 7

4. „Der Centralverband Deutscher Industrieller“ 8
4.1 Vorläufer 9
4.2 Gründung und Organisation 10
4.3 Verbandsziele und Wege der Einflussnahme 11
4.4 Rolle im Politischen System 14

5. Neuordnung oder Entstehung des Verbandswesens/ allg. Rolle wirtsch. Verbände im Kaiserreich

Literatur

Anhang

 

 

1. Einleitung

Die Entstehung nationaler, zentral organisierter wirtschaftlicher Interessenverbände fällt überwiegend in die Periode von 1873 bis 1896. Dieser Zeitraum wird im Allgemeinen als die „Gründerkrise“ des deutschen Kaiserreiches bezeichnet. 
Der Begriff „Gründerkrise“ bezieht sich dann auf wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Veränderungen, die zumeist negativ - also als krisenbedingt- beurteilt werden.
Eine Erscheinung der Gründerkrise ist die Entstehung beziehungsweise die Veränderung bestehender Interessengruppen.

In dieser Arbeit sollen zunächst die wirtschaftlichen Ereignisse und Auswirkungen der Gründerkrise dargestellt werden, da sie den Hintergrund für den Schwerpunkt dieser Arbeit bilden:

Die aus der Wirtschaftskrise resultierende Entstehung, Konzentration und Neuorganisation von wirtschaftlichen Interessengruppen.
Unter diesen wiederum war der „Centralverband der Deutschen Industriellen zur Beförderung nationaler Arbeit“ (CVDI) eine der größten und zeitweilig erfolgreichsten1. Der CVDI war eine Sammlung von Industriellen, Firmen und regionaler Interessenverbände verschiedener Industriezweige.
Anhand der Entstehung, Organisation und Arbeitsweise des CVDI lässt sich die Geschichte der wirtschaftlichen Interessenverbände im Bismarckschen und frühen wilhelminischen Deutschland beispielhaft darstellen.
Dabei ist zu untersuchen, wie und mit welchem Erfolg der Interessenverband Einfluss nehmen konnte, auf welchen Ebenen agitiert wurde und inwieweit, soweit dies nachzuweisen ist, sogar eine Veränderung in der politischen Kultur des deutschen Kaiserreiches stattgefunden hat.

2. Gründerkrise

Die Gründerkrise des deutschen Kaiserreiches begann kurz nach der Gründung des Reiches, Ende 18732. Nach einer kurzen Periode des wirtschaftlichen und politischen Aufschwungs, Liberalismus und Optimismus folgte eine Phase wirtschaftlicher Depression und sozialer und politischer Spannungen. 
Direkte Folge dieser Krise war die Abwendung vom wirtschaftlichen und politischen Liberalismus und die Entstehung und Veränderung von Interessenverbänden.

2.1 Wirtschaftskrise

Nach einem kurzfristigen wirtschaftlichen Hoch in der Reichsgründungszeit folgte Ende 1873 eine wirtschaftliche Talfahrt. Die Krise wurde durch Kräche an internationalen Börsen, Bankrotte amerikanischer Eisenbahngesellschaften ausgelöst und durch beinahe unbegrenzte Spekulation, Investition und Überproduktion verursacht. Als direkte Folge begannen die Preise zu fallen, es kam zu Massenentlassungen und damit zu steigender Arbeitslosigkeit3. Die Märkte waren von Produkten übersättigt, Investitionskapital und Kredite wurden knapp und teuer.

Um auf den nationalen und internationalen Märkten konkurrieren zu können, mussten Unternehmer ihre Preise senken. Insbesondere die Eisenindustrie war betroffen, die Preisstürze betrugen bis zu 60%4.

Nach zunächst relativ ruhiger Reaktion der Unternehmen zu Beginn der Krise wurden die Stimmen, die nach Intervention des Staates, insbesondere nach der Rückkehr zu Schutzzöllen riefen.

Zwischen 1874 und 1876 wurden die Auswirkungen der Krise spürbarer, verschärft durch eine Strukturkrise in der Landwirtschaft. In den Folgejahren bis 1896 schwankte die Konjunktur. Auf kurzfristige Hochs folgten weitere Depressionen.

[....]


1 Vgl. H.-P. Ullmann: Interessenverbände in Deutschland. Frankfurt/Main 1988. S. 77.

2 Die Datierung der Gründerkrise ist unterschiedlich. Aber im Allgemeinen wird ihr Anfang mit dem Beginn der wirtschaftlichen Krise 1873 angegeben.

3 Vgl. M. Kitchen: The Political Economy of Germany 1815-1914. Montreal 1978. S. 139f.

4 Vgl. H. Böhme: Deutschlands Weg zur Großmacht. Studien zum Verhältnis von Wirtschaft und Staat während der Reichsgründungszeit 1848-1881. Köln/Berlin 1966. S. 354.


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