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Script, 2005, 30 Pages
Author: Alexander-Kenneth Nagel
Subject: Sociology - Religion
Details
Institution/College: University of Bremen (Religionswissenschaft/Religionspädagogik)
Tags: Paradigma, Rationalen, Wahl, Anwendung, Religionswissenschaft, Grundlagen, Religionsökonomie
Year: 2005
Pages: 30
Bibliography: ~ 17 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-40557-7
ISBN (Book): 978-3-638-65668-9
File size: 285 KB
Dieses Skript bietet eine ausführliche Einführung in das Paradigma der Rationalen Wahl und seine Anwendung in der Religionswissenschaft. Nach einer fachgeschichtlichen und propädeutischen Einleitung wird die aktuelle religionssoziologische Diskussion in den USA zusammengefasst und die prominentestes Vertreter dieser sog. Religionsökonomie vorgestellt. Abschließend wird der Theoriebefund auf seine Verwendbarkeit im Themenfeld Religion hin kritisch reflektiert.
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Abstract
Dieses Skript bietet eine ausführliche Einführung in das Paradigma der Rationalen Wahl und seine Anwendung in der Religionswissenschaft. Nach einer fachgeschichtlichen und propädeutischen Einleitung wird die aktuelle religionssoziologische Diskussion in den USA zusammengefasst und die prominentestes Vertreter dieser sog. Religionsökonomie vorgestellt. Abschließend wird der Theoriebefund auf seine Verwendbarkeit im Themenfeld Religion hin kritisch reflektiert.
Excerpt (computer-generated)
»Homo rationaliter religiosus?« Das Paradigma der Rationalen
Wahl und seine Anwendung in der Religionswissenschaft
von: Alexander-Kenneth Nagel
1 Inhaltsverzeichnis und Gliederungsübersicht
2 Einleitung 4
2.1 Problemstellung 4
2.2 Aufbau der Arbeit 5
3 Theoriebefund 6
3.1 Einordnung des RC-Paradigmas 6
3.1.1 RC, Mikroökonomie und Nutzentheorie 6
3.1.2 RC und Verhaltenstheorie 8
3.1.3 RC und Handlungstheorie 9
3.1.3.1 Rationales Handeln 9
3.1.3.2 Idealtypische Akteure 10
3.1.3.3 RC-Theorie als Handlungstheorie 11
3.2 RC sinnhaft: die Situationslogik von Hartmut Esser 12
3.2.1 Einordnung der Wert-Erwartungstheorie H. Essers 12
3.2.2 Situation und Handeln 13
4 RC in der Religionswissenschaft 14
4.1 Utilitaristische Religionsphilosophie 14
4.2 Die Amerikanische Relgionsökonomie 17
4.2.1 Stark, Iannaccone und Finke... 17
4.2.1.1 Kritik an der klassischen Religionssoziologie 17
4.2.1.2 Allgemeines Erkenntnisinteresse 20
4.2.1.3 Wissenschaftstheoretischer Ausgangspunkt 20
4.2.1.4 Richtungen innerhalb der Religionsökonomie 21
4.2.2 ...Und Ihre Rezeption 22
5 Schlussfolgerungen 26
5.1 Zusammenfassung 26
5.2 Ausblick und Bewertung 27
6 Literaturverzeichnis 28
2 Einleitung
2.1 Problemstellung
In ihrer kurzen Geschichte bediente sich die Religionswissenschaft einer Fülle von Ansätzen, um Erkenntnisse über ihren Gegenstand zu erlangen: Religion wurde als vor aller Erfahrung vorhandenes Gefühl, eine Art platonischer Idee (Schleiermacher/Otto) verstanden, als historisch beobachtbarer und rekonstruierbarer Sachverhalt (religionsgeschichtliche Schule), als Ausdruck und Funktion von etwas anderem (Durkheim/Parsons), als kulturelles Symbolsystem (Mead/Berger/Luckmann/Geertz) und kommunikativer Akt (Habermas), oder als soziales Teilsystem zur Bewältigung des Kontingenzproblems (Luhmann). 1
Indem sich die definitorischen Anstrengungen zunehmend als fruchtlos und unbefriedigend erwiesen, wandelte sich das religionswissenschaftliche Erkenntnisinteresse in Richtung einer „Diskursiven Religionswissenschaft“ (Kippenberg), welche die Verschriftung von und die Kommunikation über Religion in den Vordergrund rückt.2 Einen weiteren Schritt in diese Richtung stellt schließlich die Betrachtung religiöser Verhaltensäußerungen unter der Prämisse rationalen Wahlverhaltens dar, wie sie für die amerikanische Religionsökonomie kennzeichnend ist. Die Diskussion um das Rational Choice – Paradigma zeigt die Polarisierung der Religionswissenschaft in ihrer ganzen Schärfe: während die Einen den Paradigmenwechsel beschwören, sehen die Anderen ihren Erkenntnisgegenstand in seiner Einzigartigkeit in Frage gestellt. In dieser Arbeit soll der RC-Ansatz in die sozial- und religionswissenschaftliche Theoriebildung eingeordnet und mit Blick auf die beanspruchte Erklärungskompetenz anhand der aktuellen religionssoziologischen Debatten überprüft werden. Auf einer wissenschaftstheoretischen Ebene wird zu fragen sein, ob sich anhand der Religionsökonomie Aufschlüsse über die Wechselwirkungen zwischen einer wissenschaftlichen Disziplin und ihren Paradigmen gewinnen lassen.
2.2 Aufbau der Arbeit
In einem ersten Schritt ist das RC-Paradigma in die „theoretische Topographie“ soziologischer Theoriebildung einzuordnen und darin abzugrenzen. Eine solche Abgrenzung ist insofern erforderlich, als RC-Theoreme mit mikroökonomischen, behavioristischen, biologistischen und spieltheoretischen Implikationen aufgeladen werden können, ohne vollständig in diesen Ansätzen aufzugehen. Auf dieser Grundlage wird mit Esser dann der Versuch unternommen, RC als methodologischen Individualismus in der Riege soziologischer Schulen zu profilieren. Schließlich soll die Bedeutung der Situation auf (subjektiv) rationales Wahlverhalten mit Essers Ansatz zur Situationslogik ergründet und einige seiner theoretischen Modelle dazu vorgestellt werden. Der zweite Teil ist schließlich der aktuellen religionssoziologischen Diskussion in den USA gewidmet und wird ausgewählte Positionen und ihre Vertreter vor- und gegeneinander stellen. Diese Darstellung scheint sinnvoll, da sich die einzelnen Standpunkte noch nicht derart von ihren Urhebern emanzipiert haben, dass man sie getrennt von ihnen, bspw. als verfestigte Stellungnahmen ganzer Schulen behandeln könnte. Der „harte Kern“ der Amerikanischen Schule (Stark, Finke und Iannaccone) wird dabei im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Abschließend folgt eine Zusammenfassung und Bewertung mit einem Seitenblick auf die Reziprozität zwischen Disziplin und (neuem) Paradigma gemäß der Problemstellung. Einordnung des RC-Paradigmas
3 Theoriebefund
3.1 Einordnung des RC-Paradigmas
3.1.1 RC, Mikroökonomie und Nutzentheorie
Die mikroökonomischen (oder neoklassischen) RC-Ansätze untersuchen ökonomisch relevantes Wahlverhalten unter der Prämisse der Rationalität. Rationalität meint in diesem Zusammenhang die Effizienz zwischen Mittel (die beobachtbare Verhaltensäußerung)3 und angenommenem Ziel (Zweck/Nutzen). Handeln ist grundsätzlich dann effizient, wenn das Handlungsziel mit dem geringst möglichen Einsatz an Mitteln realisiert wurde oder wenn mit begrenztem Mitteleinsatz der größte Handlungsnutzen erzielt wurde. 4 Ziel oder Nutzen von Handlungen ist die Befriedigung von Bedürfnissen, positiv gewendet die Steigerung des persönlichen Wohlbefindens. Anhand dieser Messlatte können nun „Aktivitäten“ als (mehr oder weniger) „angenehm“ bzw. (mehr oder weniger) „unangenehm“ klassifiziert werden, jeweils abhängig von dem subjektiven System von Wertschätzungen (Präferenzstruktur).5 Den potentiell höchst unterschiedlichen Präferenzstrukturen der handelnden Subjekte steht also der übergreifende Nutzen der Wohlbefindenssteigerung gegenüber. Dabei ist eine Handlungsentscheidung grundsätzlich riskant, da sie auf Erwartungen hinsichtlich des Handlungserfolgs beruhen, die sich bewahrheiten können oder nicht. Falsche Erwartungen führen zu Misserfolgen und mithin zu Erfahrungssammlung (Lernprozesse). Gleichwohl gilt die Verringerung des Handlungsrisikos als zweite übergreifende Handlungsmaxime, „der Mensch agiert insgesamt mit dem Ziel, in einem von ihm überschauten Zeitraum ein maximales Ausmaß an Wohlbefinden zu erreichen.“.6 Weiterhin wird angenommen, dass die Präferenzstruktur ein verallgemeinerbares Bedürfnisspektrum abbildet:
- physiologische Bedürfnisse (Nahrung und Kleidung)
- Sicherheitsbedürfnisse (Schutz vor Naturkräften)
- Zuneigungsbedürfnisse: (Liebe, Freundschaft und Zugehörigkeit)
- Achtungsbedürfnisse: (Selbstachtung und Achtung durch andere)
- Selbstverwirklichungsbedürfnisse: (Entfaltung der individuellen künstlerischen, musischen oder philosophischen Fertigkeiten)
[...]
1 Einen systematischen Überblick definitorischer Ansätze bietet Pollack 1995, S.167 ff.
2 Kippenberg 1983, S. 11f. Aufbau der Arbeit
3 Hier ergibt sich ein empirisches Problem, da rc-theoretisch relevante Verhaltensäußerungen auch in einem „bewussten Unterlassen“ bestehen können. Ein solches „Nicht-Handeln“ lässt sich aber als Unterlassung nur dann beobachten, wenn der Beobachter die unterlassene/ n Handlungsalternative/n aufgrund seiner eigenen Relevanzstruktur überhaupt in Betracht zieht.
4 Vgl. die kurze Diskussion über „rational action“ bei Hechter, Hechter 1997, S. 147f.
5 Ramb 1993, S. 1; S. 3.
6 Derselbe, S. 5.
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