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Vergleich der aktiven Frauenfiguren in J.M. Synges "In The Shadow of the Glen", J. Galsworthys "Strife" und S. Houghtons "Hindle Wakes"

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 26 Pages
Author: Susanne Opel
Subject: English Language and Literature Studies - Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 26
Grade: 2
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V42611
ISBN (E-book): 978-3-638-40607-9
ISBN (Book): 978-3-638-65656-6
File size: 371 KB

Abstract

Der Naturalismus im Drama ist eine zu Unrecht vernachlässigte Literaturperiode in Großbritannien und Irland. Drei der interessantesten Stücke werden hier untersucht und insbesondere auf die Darstellung ihrer Frauenfiguren hin untersucht.


Excerpt (computer-generated)

 

Universität Rostock
Institut für Anglistik/Amerikanistik

Wintersemester 2004-05
HS Dramatiker des Naturalismus

Vergleich der aktiven Frauenfiguren in J.M.
Synges In the Shadow of the Glen, J.
Galsworthys Strife und S. Houghtons
Hindle Wakes

von
Susanne Opel

Anglistik/Amerikanistik (5)
Politikwissenschaft (5)

 

 

Inhaltsverzeichnis


I. Einleitung: Frauen und Frauenfiguren zur Zeit des Naturalismus

II. John Millington Synge, The Shadow of the Glen (1903)

a. Kurzinhalt

b. Nora Burke

III. John Galsworthy, Strife (1909)

a. Galsworthys Charaktere in der Kritik

b. Kurzinhalt

c. Enid Underwood

d. Madge Thomas

e. Annie Roberts

f. Vergleich der Figuren miteinander und mit Synges Nora Burke

IV. Stanley Houghton, Hindle Wakes (1912)

a. Kurzinhalt

b. Fanny Hawthorn

c. Mrs. Hawthorn

d. Beatrice Farrar

e. Vergleich der Figuren miteinander, mit Synges Nora Burke und den Figuren aus Strife


V. Zusammenfassung

VI. Bibliographie

 

 

 I. Frauen und Frauenfiguren zur Zeit des Naturalismus


[a] human being is the best plot there is […] 
[t]ake care of character; action and di alogue will take care of themselves!1

Im Drama sind die erzählerischen Möglichkeiten des Autors oft beschränkt. Meist gibt es keinen auktorialen Erzähler, und Handlungsstrang, Gefühle, Intentionen der Figuren und des Autors müssen aus dem Bühnengeschehen hervorgehen. Wohl die wichtigste Rolle spielen dabei die Figuren, die mit ihrem Charakter, ihrer Sprache, ihren Bewegungen, ihrer Mimik und ihrem Verhalten den Zuschauer in das Stück eintauchen lassen, ihn berühren und mitreißen. Da es zu den Wesensmerkmalen des Naturalismus gehört, die Charaktere in ihrem realen, detailgetreu nachgestalteten Umfeld, im Spannungsfeld ihrer Beziehungen, ihres Milieus und des Zeitgeists zu zeigen bieten naturalistische Dramen sehr komplexe und interessante Charaktere. Auch die lokalen Besonderheiten der Orte, wie Dialekte, Sagen und typische Probleme, flossen in die Stücke mit ein. Es wurde versucht, die Charaktere so genau und detailgetreu wie möglich zu zeigen. So bieten die Stücke eine große Menge an Hintergrundinformationen, die eine Charakterisierung der Figuren erleichtern.

In dieser Arbeit sollen die aktiven Frauenfiguren dreier Stücke, die dem englischen Naturalismus zugerechnet werden können, charakterisiert und miteinander verglichen werden. Sie wurden zu einer Zeit (1903-1912) in Großbritannien geschrieben, in der die Gleichberechtigung der Frauen langsam begann, ein Thema zu werden. Die Suffragettenbewegung kämpfte für das Wahlrecht der Frauen, und seit 1856/57 war es auch Frauen erlaubt, sich scheiden zu lassen, wenn auch unter schwereren Bedingungen als denen, unter denen dies für Männer möglich war. Seit dem Married Women Property Act von 1860 ging das Vermögen der Frau bei einer Heirat nicht mehr automatisch auf den Mann über. Schritt für Schritt erhielten die Frauen ein gewisses Maß an Selbständigkeit und sozialer Sicherheit, selbst wenn sie nicht verheiratet waren. Der Normalfall war aber natürlich eine Heirat, vor allem für die Frauen der Mittelschicht. Ehefrau zu sein, war für sie die höchstmögliche soziale Position. Als Ehefrau wurde man dafür respektiert, dass man den Ehemann von allen häuslichen Pflichten entband, so dass er sich von seiner Arbeit erholen konnte. Die Ehen in der Mittelschicht wurden meist von den Eltern arrangiert.

Ganz anders sah die Situation für die Frauen der Arbeiterklasse aus, die oft neben ihren Pflichten als Ehefrau und Mutter noch in den Fabriken und auf den Feldern arbeiten gingen. Sie konnten sich im Notfall selbst versorgen, und obwohl die gesellschaftlichen Konventionen immer noch vorsahen, dass man heiratete, so konnten doch die Partner weitgehend frei gewählt werden. Liebesheiraten waren etwas, wovon die höher gestellten Frauen der Mittel- und Oberschicht nur träumen konnten.

Das Ideal der Frauenbewegung zu dieser Zeit war die sogenannte new woman, eine Frau, die sich durchsetzen kann und ihren eigenen Weg geht; die seelische und physische Bedürfnisse hat und diese auch befriedigt, ganz gleich, ob sie verheiratet ist oder nicht. Die Situation der Frauen und das Phänomen new woman wird von Emma Goldman in einem Text von 1914 über Stanley Houghtons Hindle Wakes wie folgt umschrieben:


To be sure, the attitude towards this holy of holies2 has of late years undergone a considerable change. It is beginning to be felt in ever-growing circles that love is its own justification, requiring no sanction of either religion or law. The revolutionary idea, however, that woman may, even as man, follow the urge of her nature, has never before been so sincerely and radically expressed. […]But a new type of girlhood is in the making. We are developing the Fa nnies who learn in the school of life, the hardest, the cruelest and at the same time the most vital and instructive school. […] [w]e have gone on for centuries believing that woman′s value, her integrity and position in society center about her sex and consist only in her virtue, and that all other usefulness weighs naught in the balance against her "purity"[.] If she dare express her sex as the Fannies do, we deny her individual and social worth, and stamp her fallen.3

Nicht nur Houghtons Fanny, sondern auch andere Figuren der drei in Betracht stehenden Stücke sind in der Problematik von Heirat, Beziehung und new woman verhaftet. Deswegen wird es eine Aufgabe dieser Arbeit sein, die Figuren hinsichtlich ihrer Qualifizierung als new woman zu vergleichen. Außerdem wird versucht werden, Unterschiede herauszuarbeiten, die vom historischen Verlauf herrühren. Daher erfolgt die Untersuchung der Stücke in chronologischer Reihenfolge. Möglicherweise werden sich auch ethnische Besonderheiten niederschlagen, da Synges Stück in Irland und die beiden anderen in England spielen.4 Die Auswahl der zu charakterisierenden „aktiven Frauenfiguren“ erfolgte hinsichtlich des Grades an Selbstbestimmung der Figur, bzw. im Falle Annie Roberts angesichts der Wichtigkeit der Figur für den Verlauf des Stückes und als Verdeutlichung der Charakterzüge der anderen Figuren. Die Figuren werden sowohl innerhalb eines Stückes, als auch mit den Figuren der anderen Stücke verglichen und die Ergebnisse am Ende zusammengefasst.

II. John Millington Synge, The Shadow of the Glen (1903)


a. Kurzinhalt

John Millington Synges Einakter The Shadow of the Glen wurde von einer lokalen Legende um eine untreue Ehefrau inspiriert. Im Stück sucht ein junger Tramp Zuflucht in einem Bauernhaus weit außerhalb eines Dorfes. Nora Burke, die Frau des Hauses empfängt ihn mit der typisch irischen Gastfreundlichkeit, obwohl sie glaubt, dass ihr Mann gerade gestorben ist und der vermeintliche Leichnam nur mit einem Tuch bedeckt im Bett liegt. Nora ist mit einem viel älteren Bauern verheiratet, mit dem sie kaum liebevolle Gefühle verbinden.

[...]


1 John Galsworthy, “Platitudes”, zitiert in Weiss, Rudolf: Der Januskopf der traditionellen Moderne: Die Dramenästhetik St. John Hankins und John Galsworthys. Trier: Wiss. Verlag Trier, 2002., S. 156

2 [i.e. women’s virtue]

3 Goldman, Emma: The Social Significance of the Modern Drama. Boston: The Gorham Press, 1914. auf http://sunsite.berkeley.edu/Goldman/Writings/Drama/hindle.html (22.02.2005)

4 Galsworthys Strife spielt zumindest an der Grenze zu, wenn nicht direkt in Wales. England und Wales werden aber oft als eine Einheit betrachtet und auch in diesem Stück kommen die Mächtigen aus London.

 


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